Sprit im Ausland: Irankrieg lässt Benzinpreise in Europa steigen

• Lesezeit: 6 Min.

Von Regina Ammel, Katharina Dümmer

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Viele Autos aus Deutschland an einer Tschechischen Tankstelle
Lange Warteschlangen in Tschechien: Hier war der Sprit trotz des Irankriegs zuletzt billiger als in Deutschland© imago images/Bernd März

Reisende, die jetzt mit dem Auto ins Ausland fahren oder auf dem Heimweg sind, können trotz der derzeit sehr hohen Kraftstoffpreise je nach Reiseland Geld sparen. Warum Tanken in anderen Ländern immer noch günstiger ist.

  • Update: Österreich beschränkt Preisanpassungen auf dreimal pro Woche

  • Kroatien und Ungarn deckeln Kraftstoffpreise, Griechenland Gewinn

  • Benzin und Diesel in Slowenien am günstigsten

Wer zu einer Autofahrt ins Ausland startet, tankt häufig hinter der Grenze billiger. Insbesondere wenn es in Richtung Osten oder Südosten geht, sind die Spritpreise fast immer deutlich niedriger als in Deutschland. Dies geht aus Daten der EU-Kommission hervor. Dieser Trend setzt sich derzeit auch trotz des Irankriegs fort.

Reisende sollten jetzt allerdings beachten, dass die Kraftstoffpreisentwicklung dieser Tage sehr dynamisch ist, denn der Krieg im Nahen Osten hat die Spritpreise nach oben schnellen lassen. Es ist weiter keine Entspannung an den Tankstellen zu erkennen.

Spritpreise: Kroatien und Ungarn führen Obergrenze ein

Die kroatische Regierung hat eine Preisdeckelung an Tankstellen eingeführt. Ab sofort kostet Benzin dort 1,50 Euro pro Liter, Diesel 1,55 Euro. Die Preise bedeuten zwar einen Anstieg von 4 Cent (Benzin) bzw. 7 Cent (Diesel), sollen aber weiteren Verteuerungen entgegenwirken. Die Maximalpreise sollen bis vorerst 23. März gelten. Zusätzlich wurde für diesen Zeitraum die Verbrauchsteuer auf Diesel reduziert.

Auch Ungarn reagiert auf die hohen Kraftstoffpreise mit einem Preisdeckel. Benzin kostet nunmehr 1,51 Euro und Diesel 1,59 Euro pro Liter. Zudem gibt die Regierung staatliche Öl-Reserven frei.

Wichtig für Reisende: Laut der Deutschen Presse-Agentur gelten die maximalen Treibstoffpreise "nicht für die Betankung von Fahrzeugen mit ausländischen Kennzeichen". Urlauber und Urlauberinnen profitieren demnach nicht von den gedeckelten Preisen und müssen teurer tanken.

Lohnt sich ein Tankstopp im Ausland?

Wer jetzt Autoreisen in Europa unternimmt, sollte die Spritpreise genau studieren und seine Tankstopps je nach Route entsprechend planen. So lassen sich Kosten sparen.

Hierzulande hat der Krieg im Nahen Osten die Kraftstoffpreise bereits deutlich steigen lassen. Aktuell zahlt man in Deutschland für einen Liter Super E10 im bundesweiten Mittel 2,045 Euro, für einen Liter Diesel im Schnitt 2,188 Euro (Preiserhebung: Mittwoch, 11. März). Auch in den anderen europäischen Ländern ist ein Preisanstieg zu beobachten.

Doch trotz der aktuellen Entwicklungen gibt es weiterhin Länder, in denen man sein Fahrzeug günstiger als in Deutschland betanken kann. Hier waren allerdings bereits in der Vergangenheit Benzin und Diesel fast immer billiger als in Deutschland. Dazu gehören beispielsweise Luxemburg, Österreich, Polen und Tschechien.

Derzeit ist Benzin in Slowenien mit 1,43 Euro am günstigsten. Auch Diesel tankt man dort billiger als in den übrigen Ländern: Der Liter kostet 1,46 Euro.

Österreich: Preiserhöhungen nur eingeschränkt möglich

Auch im Nachbarland Österreich sind die Benzinpreise (ca. 14 Prozent) und die Dieselpreise (ca. 25 Prozent) gestiegen. Um dem entgegenzuwirken, werden auch hier die nationalen Ölreserven freigegeben.

Jetzt hat die österreichische Regierung zudem veranlasst, dass die Tankstellen nicht wie bisher einmal täglich ihre Preise anpassen dürfen, sondern eine Erhöhung ist nur noch dreimal wöchentlich erlaubt.

Deutschland: Preiserhöhung nur noch einmal am Tag

Auch Deutschland greift nun bei den Preisanpassungen an den Tankstellen ein. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) gab in Berlin bekannt, dass an deutschen Tankstellen zukünftig nur noch eine Preiserhöhung täglich möglich sei. "Dagegen sind Preissenkungen jederzeit zulässig", erläuterte sie. Noch ist offen, wann diese Maßnahme auf den Weg gebracht wird.

Griechenland geht einen anderen Weg: Gewinndeckelung

Die griechische Regierung vermutet Wucher hinter den drastisch gestiegenen Spritpreisen und hat deshalb eine Gewinndeckelung verfügt. Raffinerien dürfen ab sofort höchstens 5 Cent pro Liter Kraftstoff Gewinn machen. Tankstellen haben eine Gewinnspanne von 12 Cent.

Wer gegen die Verordnung verstößt, muss mit Strafen in Millionenhöhe rechnen. Die Verordnung gilt bis zum bis zum 30. Juni 2026. Auch in Griechenland sind seit Beginn des Irankriegs die Preise drastisch gestiegen.

Warum Tanken im Ausland oft günstiger ist

Selbst wenn der Literpreis aufgrund des Irankriegs in vielen Ländern Europas deutlich steigt, bleibt er vorerst unter den Kraftstoffpreisen in Deutschland. Fast immer liegt es daran, dass dort deutlich geringere Steuern und Abgaben auf Benzin und Diesel fällig sind – dafür gibt es dort aber in der Regel andere Einnahmequellen für den Staat, wie zum Beispiel eine Zulassungssteuer, die es in Deutschland nicht gibt.

Hinzu kommt, dass auch der Wechselkurs eine Rolle spielen kann, wie etwa in Polen. "Gewinnt die dortige Währung gegenüber dem Euro an Wert, schlägt sich das auch in den Spritpreisen nieder und sie erscheinen – wie beim Beispiel Polen – auf den ersten Blick noch mal ein wenig günstiger als bei uns", erklärt ADAC Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer.

Teurer als in Deutschland war der Diesel meistens in der Schweiz. Aktuell liegt der Preis bei 2,28 Euro. Die Niederlande haben sehr oft höhere Kraftstoffpreise als Deutschland. Dort lohnt sich der Tankstopp meist nicht.

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Tank-Tourismus ins Nachbarland nicht immer ratsam

Viele Autofahrer und Autofahrerinnen überlegen, ins benachbarte Ausland zum Tanken zu fahren. In Tschechien führte dies bereits zu langen Warteschlangen an den Zapfsäulen.

Die günstigen Spritpreise in Polen und Tschechien lösten in den vergangenen Tagen zudem eine Art Tank-Tourismus aus. Bis zu 50 Cent lassen sich noch immer an der Zapfsäule pro Liter sparen. Doch während der Sprit im Tank (und bis zu 20 Litern in Reservekanistern) zollfrei die Grenze passieren darf, müssen größere Mengen verzollt werden. Der deutsche Zoll führt deshalb vermehrt Stichprobenkontrollen durch. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Grenzgebieten Brandenburgs, Sachsens und Bayerns.

Der ADAC rät davon ab, lange Strecken oder größere Umwege nur zum Tanken zurückzulegen. Dies lohnt aufgrund des Kraftstoffverbrauchs für diese Strecken und auch wegen des Zeitaufwands selten. Wenn man allerdings sowieso in einem günstigen Land unterwegs ist, lohnt es sich natürlich, den Tank – zum Beispiel auch vor der Heim- oder Weiterreise – noch einmal vollzumachen. Wer zusätzlich Reservekanister füllen möchte, sollte die erlaubte Menge an Kraftstoff keinesfalls überschreiten.

Auch im Ausland regionale Unterschiede

Auch im Ausland gibt es zum Teil starke regionale Unterschiede. In manchen Ländern ist der Sprit außerdem – genau wie in Deutschland – an den Autobahnen sehr viel teurer als hinter der jeweils nächsten Ausfahrt. Darauf sollte man auch als Tourist achten. Wer für Deutschland die Spritpreise in Echtzeit verfolgen möchte, dem hilft die ADAC Drive App.

Mit Material von dpa.