Mangelhafte Reparatur

22.5.2018

Was tun, wenn die Werkstatt ein fehlerhaftes Teil eingebaut oder mangelhaft gearbeitet hat? Das sollten Sie wissen, wenn nach dem Werkstattbesuch Mängel auftreten.

Mangelhafte Reparatur - was tun, wenn die Werkstatt nicht fachgerecht gearbeitet hat?
Reparatur mangelhaft: Rechte für den Kunden.

So hilft Ihnen der ADAC bei Problemen mit der Werkstatt

  • ADAC Clubjuristen

    Bei Rechtsfragen z. B. zu Ansprüchen aus einem Werkvertrag, mangelhaft ausgeführtem Ersatzteileinbau oder anderen Fragen rund um Autokauf und Reparatur, können Sie sich als ADAC Mitglied kostenlos durch unsere ADAC Juristen beraten lassen. 

    ADAC Musterschreiben Nachbesserung Reparatur (PDF-Download20,42 KB)

  • ADAC Fahrzeugtechnik der Regionalclubs vor Ort

    Die Technikzentren der ADAC Regionalclubs informieren Sie über „versteckte“ Reparaturkosten, kostengünstige Ersatzteile oder beraten Sie bei zu hohen Reparaturrechnungen.

  • ADAC Vertragssachverständige

    Die ADAC Technikspezialisten sagen Ihnen, wann es sinnvoll ist, sich an einen der ADAC Vertragssachverständige in Ihrer Nähe zu wenden.
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ADAC Musterschreiben: Nachbesserung bei mangelhafter Autoreparatur 

Streitigkeiten mit der Werkstatt wegen nicht ordnungsgemäß durchgeführter Arbeiten sind leider keine Seltenheit. Melden Sie Mängel sofort bei der Werkstatt, denn der Kunde kann von der Werkstatt die kostenlose Nachbesserung der Mängel verlangen. Dazu müssen Sie die Werkstatt zur Nachbesserung auffordern und eine Frist setzen, innerhalb derer der Fehler behoben werden muss.

Die „Fristsetzung zur Nacherfüllung“ ist grundsätzlich Voraussetzung für die Geltendmachung weiterer Rechte wie z.B. Minderung des Werklohns, Selbstvornahme der Reparatur (in einer anderen Werkstatt) oder Rücktritt vom Reparaturvertrag. Nur in wenigen gesetzlichen Ausnahmefällen ist eine Fristsetzung nicht notwendig. 

Es empfiehlt sich daher bei Streitigkeiten immer, der Werkstatt zunächst eine angemessene Frist zur Nachbesserung zu setzen. Erst nach erfolglosem Ablauf der Frist können Sie weitere Ansprüche geltend machen.

Der ADAC hat für Sie ein Musterschreiben zur Fristsetzung erstellt:

ADAC Musterschreiben Nachbesserung Reparatur (PDF-Download20,42 KB)

Tipp: Aus Beweisgründen sollte das Schreiben per Einschreiben mit Rückschein und/oder per Fax (bitte Sendebestätigung aufheben) versandt werden. Das Musterschreiben dient nur als Orientierung und sollte an den jeweiligen Fall angepasst werden.

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Nachbesserung

Treten nach der Reparatur Mängel auf, darf die Werkstatt zunächst versuchen, den Mangel im Wege der Nachbesserung zu beseitigen.

Wie lange haftet die Werkstatt? 

Die Verjährung der Sachmängelansprüche beginnt mit der Abnahme zu laufen. Sie beträgt nach dem Gesetz zwei Jahre, nach den Kfz-Reparaturbedingungen, die in vielen Werkstätten gelten, läuft eine Verjährungsfrist von einem Jahr

Achtung: Mängel, die zwar während der zwölfmonatigen Frist aufgetreten sind, aber erst danach gemeldet wurden, muss die Werkstatt nicht beheben.

Für welche Mängel haftet die Werkstatt? 


Die Werkstatt muss innerhalb der Sachmängelhaftungsfrist alle Mängel kostenlos beseitigen, die nach dem Werkstattbesuch auftreten und die mit der Reparatur ursächlich zusammenhängen. Auf ein Verschulden der Werkstatt kommt es nicht an. Es ist rechtlich unerheblich, ob der Mangel auf nicht fachgerechte Arbeit eines Mechanikers oder auf den Einbau eines fehlerhaften Ersatzteils zurückzuführen ist.

Ob der Mangel auf einer mangelhaften Reparatur der Werkstatt beruht, muss im Streitfall von einem Sachverständigen festgestellt werden.

Wie oft darf die Werkstatt nachbessern? 


Wie viele Nachbesserungsversuche die Werkstatt bekommt, ist gesetzlich für die Autoreparatur nicht geregelt. Es gibt aber für das Kaufrecht eine gesetzliche Regelung, die auch als Orientierungshilfe für den Reparaturvertrag dienen kann: Danach gilt die Nachbesserung regelmäßig nach dem erfolglosen zweiten Nachbesserungsversuch als fehlgeschlagen. Ein dritter Versuch ist im Kaufrecht dem Käufer in der Regel nicht mehr zuzumuten. Wer sichergehen möchte, sollte der Werkstatt daher mindestens zwei, wenn möglich sogar drei Nachbesserungsversuche einräumen.

Kann die Werkstatt trotz mehrfacher Nachbesserungsversuche den Mangel nicht beseitigen, so können Sie die Rechnung mindern oder vom Vertrag zurücktreten.

Das Gleiche gilt, wenn die Werkstatt 

  • die Nachbesserung verweigert oder 
  • trotz Setzung einer angemessenen Frist (in der Regel zwei Wochen) gar nicht oder nicht rechtzeitig nachbessert. Die Fristsetzung kann wegfallen, wenn Sie das Vertrauen in Ihre Werkstatt verloren haben (z.B. weil diese bei der Nachbesserung weitere Mängel verursacht hat). In diesen Fällen sind keine weiteren Nachbesserungsversuche zumutbar.

 

Kann ich den Mangel auch in einer anderen Werkstatt beseitigen lassen? 


Sie müssen der Werkstatt Gelegenheit geben, Mängel selbst zu beheben. Sie dürfen also zunächst keine fremde Werkstatt einschalten, sonst bleiben Sie auf den Kosten sitzen.

In eine andere Werkstatt kann der Kunde nur in wenigen Ausnahmefällen gehen: 

  • Befindet sich die Werkstatt mit der Nachbesserung in Verzug, können Sie den Mangel auf Kosten der Erstwerkstatt beseitigen lassen. In Verzug kommt die Werkstatt, wenn sie auf ein ausdrückliches (aus Beweisgründen möglichst schriftliches!) Mängelbeseitigungsverlangen hin nicht innerhalb der gesetzten (angemessenen) Frist tätig wird.

    Das ADAC Musterschreiben zur Forderung der Mängelbeseitigung finden Sie hier.

  • Gelten die Kfz-Reparaturbedingungen, kann sich der Kunde mit vorheriger Zustimmung der Werkstatt an einen anderen Kfz-Meisterbetrieb wenden. 
  • Achtung: In der Fremdwerkstatt muss der Kunde in den Auftragsschein aufnehmen lassen, dass es sich um die Durchführung einer Mängelbeseitigung handelt und dass die ausgebauten Teile während einer angemessenen Frist aufbewahrt werden müssen.

 

Welche Kosten muss die Werkstatt übernehmen?


Während der Sachmängelhaftungsfrist muss die Werkstatt alle Mängel kostenlos beseitigen, die nach dem Werkstattbesuch auftreten und mit der Reparatur in ursächlichem Zusammenhang stehen: 

  • Transport- und Fahrtkosten: Zu den Kosten der Nachbesserung, die die Werkstatt zu tragen hat, gehören auch die Kosten für die Fahrt bzw. den Transport von und zur Werkstatt. 
  • Arbeits- und Materialkosten: Die Werkstatt muss den Mangel kostenlos beseitigen.
  • Neu seit 1.1.2018 Ein- und Ausbaukosten: Wurde bei dem Reparaturauftrag ein mangelhaftes Teil eingebaut und muss bei der Nachbesserung ein neues mangelfreies eingebaut werden, muss die Werkstatt neben den Reparaturkosten auch die Kosten übernehmen, die durch den Ausbau der mangelhaften und den (Wieder-) Einbau der mangelfreien Komponente entstehen. Die Werkstatt darf diese Verpflichtung gegenüber einem Verbraucher nicht durch vertragliche Klauseln ausschließen oder beschränken.

 

Habe ich Anspruch auf ein Mietfahrzeug? 


Ansprüche auf Schadenersatz gegen die Werkstatt (z.B. Stellung eines Mietwagens, Verdienstausfall) bestehen nur dann, wenn die Werkstatt schuldhaft gehandelt hat. Das ist nicht automatisch bei jeder mangelhaften Reparatur der Fall.

In der Regel haben die Werkstätten im „Kleingedruckten“ ihre Haftung beschränkt bzw. für leichte Fahrlässigkeit zum großen Teil ausgeschlossen. Seien Sie mit der Inanspruchnahme eines Mietwagens daher zurückhaltend. Wenn sich später herausstellt, dass keine (grobe) Fahrlässigkeit der Werkstatt gegeben ist, trägt der Kunde die Kosten für das Mietauto selbst.

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Rücktritt und Minderung

Ist die Nachbesserung fehlgeschlagen, hat der Kunde weitergehende Rechte: Rücktritt oder Minderung des Werklohns.

Rücktritt

Neben der erfolglos versuchten Nachbesserung ist für den Rücktritt zusätzlich erforderlich, dass es sich um einen erheblichen Mangel handelt. 

Wenn Sie den Rücktritt erklärt haben, muss die Werkstatt bereits bezahlte Beträge an Sie zurückzahlen und die von ihr eingebauten Teile wieder entfernen. 

Es ist jedoch möglich, dass die Bemühungen der Werkstatt zwar nicht zum Erfolg geführt haben, aber dennoch für den Kunden von Wert sind, weil z.B. bestimmte Fehlerursachen schon untersucht wurden. Für diese Arbeiten behält die Werkstatt ihren Vergütungsanspruch, weil sie die Tätigkeit der neuen Werkstatt erleichtern und insoweit für den Kunden nützlich sind. Die Beweislast für die Höhe des Werklohnanspruchs trägt die Werkstatt. 

Minderung 

Praktisch ist der der Rücktritt oft schwierig, so dass das Fehlschlagen der Nachbesserung in der Regel auf eine Minderung des Werklohns hinauslaufen wird. 

Da die Berechnung der Höhe der Minderung sehr schwierig ist, empfiehlt es sich, einen Sachverständigen zu kontaktieren. 

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Schadenersatz

Wenn Ihr Fahrzeug während des Werkstatt-Besuchs beschädigt oder gestohlen wird, haftet grundsätzlich der Betrieb. Dies gilt auch für Schäden durch Mitarbeiter sowie für Probe- und Überführungsfahrten.

Verursacht Ihre Werkstatt einen Schaden leicht fahrlässig, weil sie z.B. nicht sorgfältig gehandelt hat (nicht vorsätzlich oder grob fahrlässig), dann kann man sie nur eingeschränkt belangen. Diese Einschränkung gilt nicht, wenn durch das Fehlverhalten der Werkstatt ein Mensch verletzt oder sogar getötet wurde.

Für Gegenstände, die sich im Fahrzeug befinden, haftet die Werkstatt nur dann, wenn sie ausdrücklich in Verwahrung gegeben wurden – also am besten mit schriftlichem Vermerk im Auftrag. Besser ist es, wenn Sie Wertsachen vorher aus dem Auto nehmen.

Kommen die Kfz-Reparaturbedingungen des ZDK nicht zur Anwendung, gilt das Bürgerliche Gesetzbuch. Danach besteht ein Anspruch auf Schadenersatz nur dann, wenn eine zumindest leicht fahrlässig verursachte Pflichtverletzung vorliegt. Die Werkstatt muss also beweisen, dass sie nicht schuldhaft gehandelt hat. Zudem haftet die Werkstatt für alle weiteren Schäden, die durch eine unsachgemäße Reparatur entstanden sind.

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Kontakt

Noch Fragen zu diesem Thema? Die Clubjuristen beantworten Fragen von ADAC Mitgliedern per E-Mail oder telefonisch unter 0 89 76 76 24 23.