Ärger mit der Autowerkstatt: Reparatur mangelhaft, falsch oder zu teuer

26.3.2019

Passiert immer wieder: Die Werkstatt behebt den eigentlichen Schaden nicht, macht fehlerhafte oder nicht in Auftrag gegebene Arbeiten oder die Rechnung ist teurer als vereinbart. Die ADAC Juristen sagen Ihnen, was Sie jetzt tun können.

Älterer Herr schaut sich den Lack vom Auto genau an
Foto: iStock.com/Burak Fatsa
  • So reklamieren Sie nicht ordnungsgemäß durchgeführte Reparaturen richtig
  • Zu teuer: Wenn die Werkstatt sich nicht an den Kostenvoranschlag hält
  • Streitpunkt überflüssige Arbeiten: Was der Kunde jetzt tun kann


Welche Rechte hat der Kunde, wenn die Werkstatt fehlerhaft repariert, nicht in Auftrag gegebene Arbeiten durchführt, das Problem nicht bei der ersten Reparatur beheben kann oder die Kosten höher sind als im Kostenvoranschlag?

ADAC Juristen beantworten die wichtigsten Fragen bei Ärger mit der Werkstatt

1. Wie reklamieren Sie eine mangelhafte Reparatur?

Streitigkeiten mit der Werkstatt wegen nicht ordnungsgemäß durchgeführter Arbeiten sind leider keine Seltenheit. Melden Sie Mängel sofort bei der Werkstatt, denn Sie können von der Werkstatt in diesem Fall die kostenlose Nachbesserung verlangen. Dazu müssen Sie die Werkstatt dazu auffordern und eine Frist setzen, innerhalb derer der Fehler behoben werden muss.

Die "Fristsetzung zur Nacherfüllung" ist fast immer Voraussetzung dafür, dass weitere Rechte geltend gemacht werden können z.B. Minderung des Werklohns, Beauftragung einer anderen Werkstatt oder Rücktritt vom Reparaturvertrag. Das geht erst, wenn die Frist abgelaufen ist.

Wie setzt man der Werkstatt eine Frist? Der ADAC hat für Sie ein Musterschreiben erstellt:
Musterschreiben Nachbesserung nach Reparatur, 20,42 KB

Das Musterschreiben dient nur als Orientierung und sollte an den jeweiligen Fall angepasst werden.
Tipp: Aus Beweisgründen sollte das Schreiben per Einschreiben mit Rückschein und/oder per Fax (bitte Sendebestätigung aufheben) versandt werden.

2. Wie oft darf die Werkstatt nachbessern?

Wie viele Nachbesserungsversuche die Werkstatt bekommt, ist für Autoreparaturen gesetzlich nicht geregelt. Als Orientierungshilfe für den Reparaturvertrag kann eine Regelung aus dem Kaufrecht dienen: Danach gilt die Nachbesserung regelmäßig nach dem erfolglosen zweiten Nachbesserungsversuch als fehlgeschlagen. Ein dritter Versuch ist dem Käufer in der Regel nicht mehr zuzumuten. Wer sichergehen möchte, sollte der Werkstatt daher mindestens zwei, möglicherweise sogar drei Nachbesserungsversuche einräumen.

Kann die Werkstatt trotz mehrfacher Nachbesserungsversuche den Mangel nicht beseitigen, so können Sie die Rechnung mindern oder vom Vertrag zurücktreten.

Das Gleiche gilt, wenn die Werkstatt die Nachbesserung verweigert oder trotz Setzung einer angemessenen Frist (in der Regel zwei Wochen) gar nicht oder nicht rechtzeitig nachbessert. Achtung: Die Fristsetzung kann wegfallen, wenn Sie das Vertrauen in Ihre Werkstatt verloren haben (z.B. weil diese bei der Nachbesserung weitere Mängel verursacht hat). In diesen Fällen sind keine weiteren Nachbesserungsversuche zumutbar.

3. Dürfen Sie eine andere Werkstatt beauftragen?

Sie müssen der Werkstatt Gelegenheit geben, Mängel selbst zu beheben. Sie dürfen also zunächst keine fremde Werkstatt einschalten, sonst bleiben Sie auf den Kosten sitzen.

In eine andere Werkstatt kann der Kunde nur in wenigen Ausnahmefällen gehen: 

  • Befindet sich die Werkstatt mit der Nachbesserung im Verzugkönnen Sie den Mangel auf Kosten der Erstwerkstatt beseitigen lassen. In Verzug kommt die Werkstatt, wenn sie auf ein ausdrückliches (aus Beweisgründen möglichst schriftliches) Mängelbeseitigungsverlangen hin nicht innerhalb der gesetzten, angemessenen Frist tätig wird. Musterschreiben Nachbesserung nach Reparatur, 20,42 KB
  • Gelten die Kfz-Reparaturbedingungen, kann sich der Kunde mit vorheriger Zustimmung der Werkstatt an einen anderen Kfz-Meisterbetrieb wenden.
  • Achtung: In der Fremdwerkstatt muss der Kunde in den Auftragsschein aufnehmen lassen, dass es sich um die Durchführung einer Mängelbeseitigung handelt und dass die ausgebauten Teile während einer angemessenen Frist aufbewahrt werden müssen.

4. Welche Kosten muss die Werkstatt übernehmen?

Während der Sachmängelhaftungsfrist muss die Werkstatt alle Mängel kostenlos beseitigen, die mit der Reparatur in ursächlichem Zusammenhang stehen. Dazu gehören:

  • Transport- und Fahrtkosten für die Fahrt bzw. den Transport von und zur Werkstatt
  • Arbeits- und Materialkosten: Die Werkstatt muss den Mangel kostenlos beseitigen
  • Ansprüche auf Schadenersatz gegen die Werkstatt (z.B. Stellung eines Mietwagens, Verdienstausfall) bestehen nur dann, wenn die Werkstatt schuldhaft gehandelt hat. Das ist nicht automatisch bei jeder mangelhaften Reparatur der Fall In der Regel haben die Werkstätten im "Kleingedruckten" ihre Haftung beschränkt bzw. für leichte Fahrlässigkeit zum großen Teil ausgeschlossen. Seien Sie mit der Inanspruchnahme eines Mietwagens daher zurückhaltend. Wenn sich später herausstellt, dass keine (grobe) Fahrlässigkeit der Werkstatt gegeben ist, trägt der Kunde die Kosten für das Mietauto selbst.

5. Nachbesserung fehlgeschlagen: Wie funktionieren Rücktritt und Minderung?

Ist die Nachbesserung fehlgeschlagen, hat der Kunde weitergehende Rechte: Rücktritt oder Minderung des Werklohns.

Neben der erfolglos versuchten Nachbesserung ist für den Rücktritt zusätzlich erforderlich, dass es sich um einen erheblichen Mangel handelt. Wenn Sie den Rücktritt erklärt haben, muss die Werkstatt bereits bezahlte Beträge an Sie zurückzahlen und die von ihr eingebauten Teile wieder entfernen. 

Es ist jedoch möglich, dass die Bemühungen der Werkstatt zwar nicht zum Erfolg geführt haben, aber dennoch für den Kunden von Wert sind, weil z.B. bestimmte Fehlerursachen schon untersucht wurden. Für diese Arbeiten behält die Werkstatt ihren Vergütungsanspruch, weil sie die Tätigkeit der neuen Werkstatt erleichtern und insoweit für den Kunden nützlich sind. Die Beweislast für die Höhe des Werklohnanspruchs trägt die Werkstatt. 

In der Praxis ist der Rücktritt oft schwierig, so dass das Fehlschlagen der Nachbesserung in der Regel auf eine Minderung des Werklohns hinauslaufen wird. Da die Berechnung der Höhe der Minderung sehr schwierig ist, ist es hier empfehlenswert, die Schiedsstelle des Kfz-Handwerks zu kontaktieren.

6. Auto beschädigt: Wann muss die Werkstatt Schadenersatz zahlen?

Wenn Ihr Fahrzeug während des Werkstatt-Besuchs beschädigt oder gestohlen wird, haftet grundsätzlich der Betrieb. Dies gilt auch für Schäden durch Mitarbeiter sowie für Probe- und Überführungsfahrten.

Verursacht Ihre Werkstatt einen Schaden leicht fahrlässig, weil sie z.B. nicht sorgfältig gehandelt hat, dann kann man sie nur eingeschränkt belangen. Diese Einschränkung gilt nicht, wenn durch das Fehlverhalten der Werkstatt ein Mensch verletzt oder sogar getötet wurde.

Für Gegenständedie sich im Fahrzeug befinden, haftet die Werkstatt nur dann, wenn sie ausdrücklich in Verwahrung gegeben wurden, also am besten mit schriftlichem Vermerk im Auftrag. Besser ist es, wenn Sie Wertsachen vorher aus dem Auto nehmen.

Kommen die Kfz-Reparaturbedingungen des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) nicht zur Anwendung, gilt das Bürgerliche Gesetzbuch. Danach besteht ein Anspruch auf Schadenersatz nur dann, wenn eine zumindest leicht fahrlässig verursachte Pflichtverletzung vorliegt. Die Werkstatt muss also beweisen, dass sie nicht schuldhaft gehandelt hat. Zudem haftet die Werkstatt für alle weiteren Schäden, die durch eine unsachgemäße Reparatur entstanden sind.

7. Was tun, wenn die Werkstatt den Kostenvoranschlag überschreitet?

Ein verbindlicher Kostenvoranschlag darf nicht "wesentlich" überschritten (Faustregel: 15 Prozent) werden. 

Sobald für die Werkstatt absehbar ist, dass der im Kostenvoranschlag ausgewiesene Betrag nicht eingehalten werden kann, muss sie dem Auftraggeber Bescheid geben. Der Kunde kann dann den Reparaturvertrag kündigen, seine Zahlungspflicht beschränkt sich auf die von der Werkstatt bereits erbrachten Leistungen. 

Teilt die Werkstatt dem Kunden nicht mit, dass die Reparaturkosten voraussichtlich höher ausfallen werden, kann der Kunde Schadensersatz verlangen. Er wird dann rechtlich so behandelt, als hätte er den Auftrag rechtzeitig gekündigt. Das heißt, die Lohnkosten für die zu viel geleisteten Arbeiten muss der Kunde nicht bezahlen oder kann verlangen, dass sie erstattet werden. 

Ein Sonderfall sind dabei die Materialkosten. Hier muss geprüft werden, ob die zu viel durchgeführten Arbeiten für den Kunden nützlich waren und in seinem Interesse lagen. Wenn ja, muss er die Materialkosten bezahlen.

Ein Kostenvoranschlag ist grundsätzlich kostenpflichtig, wenn vor seiner Beauftragung nichts anderes vereinbart wurde.

Tipp: Oft befindet sich in den von den Werkstätten verwendeten Kfz-Reparaturbedingungen des ZDK die Regelung, dass der Betrag für den Kostenvoranschlag mit den Kosten für die Auftragsrechnung verrechnet wird. Fragen Sie hier in der Werkstatt nach!

8. Müssen nicht in Auftrag gegebene Reparaturen bezahlt werden?

Der Kunde muss Reparaturen, die nicht in Auftrag gegeben wurden, auch nicht bezahlen. Anders sieht es aus, wenn die Werkstatt beweisen kann, dass ein mündlicher oder schriftlicher Auftrag für die durchgeführten Arbeiten vorlag.

Gut zu wissen: Manche Gerichte sind der Auffassung, dass die übliche Vergütung oder zumindest die Materialkosten auch bei nicht in Auftrag gegebenen Arbeiten zu bezahlen sind, wenn sie für den Betrieb oder den Werterhalt des Fahrzeugs dienlich waren und keine Möglichkeit mehr besteht, die Arbeiten rückgängig zu machen. Zugunsten des Verbrauchers entscheiden die Richter nur dann, wenn die nicht in Auftrag gegebene Leistung fehlerhaft erbracht wurde. Bringt die Reparatur dem Kunden nicht einmal ansatzweise Vorteile, muss der Kunde auch nicht dafür aufkommen.

9. Unnötige Arbeiten: Wann muss der Kunde trotzdem dafür bezahlen?

Beauftragt der Kunde die Werkstatt mit der Fehlersuche und der Beseitigung des Mangels, handelt es sich streng betrachtet um zwei Verträge: einen "Fehlersuch-" und einen "Fehlerbeseitigungs-Vertrag". Oft gestaltet sich die Fehlersuche aber schwieriger als die eigentliche Fehlerbeseitigung. Die Werkstatt hat repariert, die durchgeführten Arbeiten haben aber nicht zum gewünschten Erfolg geführt. Müssen diese Arbeiten trotzdem bezahlt werden? 

Ja, denn ein Vergütungsanspruch der Werkstatt besteht auch für nicht zum Erfolg führende Arbeiten. Voraussetzung ist aber, dass die Arbeiten nach den anerkannten Regeln der Kraftfahrzeugtechnik zur Eingrenzung der Fehlerursache notwendig waren. 

Das bedeutet in der Praxis zunächst die wahrscheinlichste Ursache A ausschalten und dann zu den nächst wahrscheinlichen Fehlerherden B, C usw. weitergehen. Arbeitszeit und Materialkosten für die Ausschaltung der (mutmaßlichen) Ursachen A und B muss der Kunde aber auch dann bezahlen, wenn erst C sich als eigentliche Fehlerquelle entpuppt. Allerdings muss die Werkstatt bei der Arbeit auch die Grundsätze der Wirtschaftlichkeit beachten, darf also die Fehlersuche grundsätzlich nicht mit der absolut teuersten Möglichkeit beginnen.

Im Streitfall muss die Werkstatt beweisen, dass sie die Reparatur nach diesen Regeln durchgeführt hat. Für den Kunden, der im Normalfall Laie ist, ist das kaum zu beurteilen. Diese Frage kann meist nur ein Sachverständiger beantworten.

10. Einfacher Schaden, umständliche Reparatur: Kann sich der Kunde wehren?

Komplizierte Reparaturen oder teure Ersatzteile bzw. Ersatzteilpakete sind für den Kunden mehr als ärgerlich. Ist zum Beispiel nur die Glühlampe kaputt, so muss mitunter der ganze Scheinwerfer ausgetauscht werden. Die Hersteller sind hier bislang nicht gesetzlich verpflichtet, verbraucherfreundliche Lösungen anzubieten.

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So hilft der ADAC

ADAC Clubjuristen: Beratung und Musterschreiben
Bei Rechtsfragen und möglichen Ansprüchen gegen die Werkstatt können Sie sich als ADAC Mitglied kostenlos durch unsere ADAC Juristen beraten lassen. 
Musterschreiben Nachbesserung nach Reparatur, 20,42 KB: Was Sie schreiben müssen, damit eine fehlerhaft durchgeführte Reparatur nachgebessert wird.

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Die Techniker der ADAC Regionalclubs informieren Sie über "versteckte" Reparaturkosten, kostengünstige Ersatzteile oder beraten Sie bei zu hohen Reparaturrechnungen.

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