Handy am Steuer - Was ist erlaubt? Was nicht?

2.7.2019

Es ist verboten, es ist lebensgefährlich – und es ist alltäglich: Telefonieren mit dem Handy am Ohr während der Fahrt. Weil viele Autofahrer offenbar nichts dabei finden, geht der Gesetzgeber seit 2017 noch härter gegen Handyverstöße vor. Die Gesetzesänderung beinhaltet aber nicht nur höhere Geldbußen. Das Verbot wurde deutlich ausgeweitet. Alle Details. 

Handy am Steuer
©ADAC/Jasmin Rozencwajg

Handyverbot – was umfasst die Regelung?

Die Gesetzesänderung 2017 stellt klar, dass nicht nur das Telefonieren mit dem Handy am Ohr verboten ist. Tabu ist die Nutzung sämtlicher Funktionen eines Mobil- oder Autotelefons. Darunter fallen auch Textnachrichten schreiben, Anrufe ablehnen oder einfach nur das Display ablesen. Außerdem wurde das Verbot auf alle elektronischen Geräte, die der Kommunikation, Information oder Organisation dienen, ausgeweitet. Damit sind in erster Linie Tablets, E-Books, Navigationsgeräte, Diktiergeräte oder i-pods gemeint. 

Smartphone, Tablet & Co. dürfen, wenn sie in der Hand gehalten, vom Fahrer nicht mehr während der Fahrt genutzt werden. Anders, wenn die Geräte in einer entsprechenden Halterung montiert sind. Aber auch dann ist Vorsicht geboten: Der Blick des Fahrers darf nur kurz auf dem Gerät verweilen, soweit es die Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnisse erlauben.

Mobiltelefone & Co. dürfen zur Benutzung durch den Fahrzeugführer nur dann in die Hand genommen werden, wenn das Fahrzeug steht und der Motor vollständig ausgeschaltet ist.

Übrigens gilt das Handyverbot nicht nur für Auto-, sondern auch für Fahrradfahrer.

Bußgelder bei Verstoß gegen das Handyverbot

beim Führen eines Fahrzeugs100 €1 Punkt  
mit Gefährdung150 €                    2 Punkte 1 Monat Fahrverbot 
mit Sachbeschädigung 200 € 2 Punkte 1 Monat Fahrverbot 
beim Radfahren 55 €   

FAQs zum Handyverbot

Welche elektronischen Geräte umfasst das Gesetz?

Die Aufzählung der Geräte im Gesetz ist nicht abschließend. Umfasst sind unter anderem folgende elektronischen Geräte: sämtliche Handys, Smartphones, Autotelefone, Tablet-Computer, Touchscreens, elektronische Terminplaner, E-Book-Reader, MP3-Player, Personal Computer, DVD- und Blue-Ray-Player, Smartwatches, Notebooks, Laptops, Diktiergeräte, Navigationsgeräte, Fernseher, IPods und Abspielgeräte mit Videofunktion, Videobrillen (Virtual-Reality-Brille oder Google-Glass-Brille)

Darf man die elektronische Einparkhilfe oder den Rangierassistenten weiter nutzen, wenn dafür doch eine längere Blickzuwendung notwendig ist?

Ja, sofern dies mit Schrittgeschwindigkeit erfolgt. In diesen Fällen darf auch länger ein Bildschirm oder Head-up-Display beobachtet werden.

Darf man eine SMS lesen oder im Internet recherchieren?

Nein. Da dies mit einer „kurzen“ Blickzuwendung nicht möglich ist, ist das Lesen von Kurznachrichten oder die Nutzung anderer Multimediaangebote (z. B. Internet, Fernsehen) verboten.

Wie lang ist eine „kurze“ Blickzuwendung?

Hierzu macht der Gesetzgeber keine Angaben. Es wird Aufgabe der Gerichte sein dies im Einzelfall zu bestimmen. Die Rechtsprechung hierzu bleibt abzuwarten.

Wie sieht es bei der Verwendung von Funkgeräten aus?

In § 52 Absatz 4 StVO (neu) wird geregelt, dass das in § 23 Absatz 1a StVO enthaltene Verbot im Falle eines Funkgerätes erst ab dem 1. Juli 2020 anzuwenden ist.

§ 35 Absatz 9 StVO (neu) sieht weiterhin eine Ausnahme für BOS-Funk (Funkanwendungen für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben), wenn kein Beifahrer im Fahrzeug ist. Abweichend von § 23 Absatz 1a StVO darf dann ein Funkgerät oder das Handteil eines Funkgerätes aufgenommen und gehalten werden.

Was gilt, wenn der Motor abgeschaltet ist?

Dann dürfen die Geräte ohne Einschränkung verwendet und dafür auch in die Hand genommen werden.
Aber ein Motorabschalten im Sinne des Gesetzes liegt nicht vor, wenn der Motor über die automatische fahrzeugseitige Start-Stopp-Funktion oder im Fall von Elektrofahrzeugen der Motor im Stand in den Standby-Modus schaltet.

Was gilt für Linienbusse an Haltstellen (Zeichen 224)?

Da für den Verkauf von Fahrscheinen oder das Erteilen von Auskünften die Benutzung eines Bildschirms notwendig ist, hat der Gesetzgeber hier eine Ausnahme zugelassen. Fahrer von Linienbussen dürfen den Bildschirm daher auch bei laufendem Motor nutzen, wenn sie an der Haltestelle stehen.

Was gilt für die Polizei und Einsatzkräfte?

Das Handy-Verbot gilt grundsätzlich auch für die Polizei. Es ist jedoch denkbar, dass über die in § 35 StVO verankerten Sonderrechte im Einzelfall, wenn dies zur Erfüllung von hoheitlichen Aufgaben dringend geboten ist, eine Ausnahme vom Handyverbot greift.

Handyverstoß im Ausland

Alle europäischen Länder verbieten Autofahrern das Benutzen eines Mobiltelefons am Steuer. Allerdings liegen die Geldbußen für die Verstöße weit auseinander.

Handyverbot im Ausland