ADAC Test BMW X4: Das Comfort-SUV-Coupé

4.9.2018

Nur vier Jahre nach seiner Markeinführung erneuert BMW den X4. Der ADAC hat das mindestens 49.700 Euro teure SUV-Coupé getestet. Daten, Testergebnisse, Preise

BMW X4 2018 Heckansicht
BMW X4: Das hohe Heck ist geblieben
  • Die zweite Generation des BMW X4 ist sportlich und komfortabel zugleich
  • Der Testverbrauch ist mit 9,2 Litern unzeitgemäß hoch
  • Konkurrenten: Range Rover Evoque, Mercedes GLC Coupé und Audi Q3

 

"X4-Kunden sind Individualisten," sagt der bei BMW für das schräge SUV zuständige Projekt-Manager Joachim Dunkel. Nicht ohne Stolz, denn selbst wenn ein SUV-Coupé heute oft noch auf Unverständnis stößt: Es gibt genügend Autokäufer, die sich für den Mittelklasse-SUV – und seinen großen Bruder BMW X6 oder das Mercedes GLC-Coupé – entscheiden. Die erste X4-Generation hat BMW in nur vier Jahren immerhin rund 200.000 Mal verkauft.

Wer sind diese Individualisten, die sich für den mindestens 49.700 Euro teuren X4 erwärmen können? "Zum einen natürlich X3-Fahrer, deren persönliche Verhältnisse sich geändert haben", erklärt Dunkel. Heißt: Eltern, deren Kinder aus dem Haus sind und die jetzt nicht mehr so viel Platz brauchen, aber nicht auf den Komfort eines SUV – Stichwort: höhere Sitze – verzichten wollen. Zum anderen locke der X4 auch Sportwagenfahrer. Spätestens wenn bei den 4er-Coupé- oder Z4-Jüngern die ersten Rückenbeschwerden einsetzten, suchten viele nach einer bequemeren, aber immer noch sportlichen Alternative.

Der Einstieg fällt SUV-typisch komfortabel aus

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BMW X4 2018 Seitenansicht
Der Gelände-Koloss lässt sich erstaunlich dynamisch bewegen

SUV-typisch komfortabel ist der Einstieg in den 4,75 Meter langen X4 auf jeden Fall, und in dem fein verarbeiteten Cockpit geht es weit weniger eng zu als in einem klassischen Coupé. Vorn herrscht in alle Richtungen genügend Platz, selbst große Fahrer finden hinter dem dicken Volant schnell die passende Sitzposition. Von dort aus haben sie sowohl den iDrive-Controller auf dem Mitteltunnel, als auch den (optionalen) 10,25 Zoll großen Infotainment-Touchscreen auf dem Armaturenbrett oder induktive Ladeschale vor dem Schalthebel gut im Griff.

Sogar in Reihe zwei kann man noch ganz ordentlich reisen, für Sitzriesen wird die Luft nach oben jedoch etwas dünn: Die Coupé-hafte Dachform hat eben nicht nur Vorteile. Sind die vorderen Plätze für Personen mit einer Größe von 1,85 Meter eingestellt, können hinten nur noch etwa 1,80 Meter große Menschen sitzen. Die Rückbank ist nicht verschiebbar, die Lehnenneigung aber in drei Stufen variierbar – wobei das aufgrund des Dachhimmelverlaufs für das Platzangebot wenig Unterschied macht. Kopf- und Beinfreiheit sind ähnlich knapp bemessen für ein so großes Fahrzeug, wie die ADAC Messwerte belegen.

Der Kofferraum fällt dagegen genauso groß aus wie bei einem X3: Die Werksangabe von 525 bis 1430 Litern schafft er nach ADAC Messung nicht ganz: 405 Liter (ohne Fächer in Unterboden und auf der Seite) bis 1235 Liter sind ordentlich. Zehn Getränkekisten passen problemlos in den X4. Gut: Die Rücksitzlehne ist dreigeteilt umklappbar.

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Während ihm seine Basis die Alltagstauglichkeit sozusagen in die Wiege gelegt hat, mussten sich die Ingenieure für die gewünschte Dynamik schon etwas mehr anstrengen. Wichtigster Unterschied zum BMW X3: Was dort als Sportfahrwerk verkauft wird, ist beim X4 Standard.

Die Kunden haben aber trotzdem noch die Wahl: Gegen Aufpreis gibt es adaptive Dämpfer. Diese Option ist durchaus empfehlenswert, weil die 600 Euro Aufpreis vergleichsweise moderat ausfallen und weil der Federungskomfort im Comfort- Modus besser als mit dem Standard-Fahrwerk ist.

Was die aus dem SUV-Coupé macht, offenbart sich eindrucksvoll auf dem Handling-Kurs. Mit bemerkenswerter Präzision zirkelt der 1,9 Tonnen schwere Koloss um die Kurve und weicht kaum von der vorgegebenen Linie ab – permanentem Allrad und elektronischem Sperr-Differenzial an der Hinterachse sei Dank. Beim ADAC Ausweichtest zeigt sich das Gewicht am ehesten: Bei hohem Lenkeinschlag neigt der X4 zu ausgeprägtem Untersteuern.

Damit der X4 so richtig in Schwung kommt, braucht es auch kräftige Motoren. Den maximalen Fahrspaß versprechen derzeit die M-Performance-Modelle M40i mit 354 Turbo-Benzin-PS und M40d mit einem Drei-Liter-Selbstzünder und 326 PS unter der Haube.

Doch auch mit etwas weniger Leistung macht der X4 noch viel Spaß, wie der getestete xDrive30i mit 252 PS starkem Benziner gezeigt hat. Der Vierzylinder gibt seine Leistung nicht brachial, sondern sehr gleichmäßig und ohne jegliches Ruckeln ab. Seine Laufkultur ist erstklassig und vielen Sechszylindern überlegen, er läuft praktisch vibrationsfrei für die Insassen und fällt weder durch Brummen noch durch Dröhnen auf, egal bei welcher Drehzahl und egal in welchem Gang.

Perfektion kann auch langweilig sein

Gerade diese Perfektion ist aber der Kritikpunkt in einem sportlichen Auto, denn soundtechnisch klingt er etwas dünn und wirkt mit seiner sehr gleichmäßigen Leistungsabgabe zu glatt und ohne echten Höhepunkt. Ganz so spontan wie großvolumige Saugmotoren kann er nicht ansprechen, es dauert bei einem Gasbefehl einen kurzen Moment, bis dieser in Leistung umgesetzt wird.

BMW hat den X4 gut gedämmt, im Testwagen sind zudem die optionalen vorderen Seitenscheiben in Doppelverglasung verbaut – dieses Extra (Akustikverglasung) ist mit 150 Euro moderat eingepreist. Bei 130 km/h ergibt sich im Innenraum eine Lautstärke von 65,2 dB(A) – das ist ein gutes Ergebnis.

Der Verbrauch des X4 ist viel zu hoch

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BMW X4 2018 Seitenansicht
Komfortables Reiseauto: Auf Langstrecke fühlt sich der X4 wohl

Und der Verbrauch? Hier kann man von dem großen SUV keine Wunder erwarten. Im ADAC Ecotest kommt der X4 xDrive30i mit Achtgang-Automatikgetriebe auf einen sehr hohen Durchschnittsverbrauch von 9,2 l Super pro 100 km. Damit verbunden ist eine CO2-Bilanz von 252 g/km – null Punkte im Ecotest. Insgesamt gesehen und auch für ein Mittelklasse-SUV ist der Verbrauch heutzutage zu hoch.

Alle Motoren im X4 der zweiten Generation erfüllen die neueste Abgasnorm Euro 6d-TEMP. Die Benziner erhalten hierfür einen Partikelfilter, um die Emissionen unter den Grenzwerten zu halten. Das gelingt dem SUV-Coupé sehr gut. Nur wenn der Vierzylinder im Autobahnzyklus arg schuften muss, steigen die Kohlenmonixid-Emissionen etwas an. Trotz guter Ergebnisse bei den Schadstoffen, bekommt der X4 wegen des hohen Verbrauchs nur zwei von fünf Sternen im ADAC Ecotest.

Ein billiges Vergnügen ist der neue X4 nicht. Wer sich aus dem reichen Angebot an Komfort-Extras (Head-up-Display, Panoramadach, Fahrzeugschlüssel mit Display) bedient oder auf aktuelle Assistenzsystemen besteht, muss zum Basispreis von knapp 50.000 Euro gut 10.000 Euro oder mehr zusätzlich für Sonderausstattung einkalkulieren. Der gut ausstaffierte Testwagen kam auf über 80.000 Euro. Aber das hat BMW-Kunden ja noch nie wirklich gestört.

Lesen Sie hier den ausführlichen Testbericht zum BMW X4 xDrive 30i M Sport X Steptronic.

Technische Daten (Herstellerangaben)
BMW X4 xDrive 30i M Sport X Steptronic
Motor  4-Zylinder-Turbobenziner, 185kW/252 PS, 1998 cm3, 350 Nm bei 1450 – 4800 U/min 
Fahrleistungen  6,3 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 240 km/h 
Verbrauch  7,3 l Super/100 km, CO2-Ausstoß: 167 g/km 
Maße  L 4,75 / B 1,92 / H 1,62 m 
Kofferraumvolumen
525 – 1430 l 
Preis
61.100 €, Baureihe ab 49.700 € 
ADAC Messwerte (Auszug)

Überholvorgang 60-100 km/h
4,3 s 
Bremsweg aus 100 km/h
33,7 m
Wendekreis 12,1 m
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC EcoTest
9,2 l Super/100 km , 252 g CO2/km (well-to-wheel)
Reichweite
705 km
Innengeräusch bei 130 km/h 65,2 dB(A)
Leergewicht / Zuladung
1855 / 545 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch 405 / 775 / 1235 l

 

ADAC Testergebnis
Gesamtnote: 2,3
Karosserie/Kofferraum 2,5 
Innenraum 2,3
Komfort 1,9
Motor/Antrieb 1,4
Fahreigenschaften 
2,0
Sicherheit
1,8
Umwelt/EcoTest
3,7

 

  • Das hat uns gefallen: Viele Assistenzsysteme zu haben. Gute Fahrleistungen. Sehr niedriger Partikelausstoß. Geringes Geräuschniveau.
  • Das hat uns nicht gefallen: Knappes Platzangebot im Fond. Schlechte Rundumsicht. Hoher Preis. Unzeitgemäß hoher Verbrauch.

Text: Michael Gebhardt/Jochen Wieler. Fotos: PR.

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