Fahrbericht BMW X4: Das Comfort-Coupé

1.7.2018

Nach über 200.000 verkauften Exemplaren seit seiner Markeinführung schickt BMW den neuen X4 gegen SUV-Coupés wie Mercedes GLC und Range Rover Evoque ins Rennen. Die Markteinführung startet im Juli 2018. Preis: ab 49.700 Euro. Dazu alle Daten und Fakten

BMW X4 2018 Heckansicht
BMW X4: Das hohe Heck ist geblieben

"X4-Kunden sind Individuallisten," sagt der bei BMW für das schräge SUV zuständige Projekt-Manager Joachim Dunkel. Nicht ohne Stolz, denn selbst wenn ein SUV-Coupé heute oft noch auf Unverständnis stößt: Es gibt genügend Autokäufer, die sich für den Mittelklasse-SUV – und seinen großen Bruder BMW X6 oder das Mercedes GLC-Coupé – entscheiden. Die erste X4-Generation hat BMW in nur vier Jahren immerhin rund 200.000 Mal verkauft.

Wer sind diese Individualisten, die sich für den mindestens 49.700 Euro teuren X4 erwärmen können? "Zum einen natürlich X3-Fahrer, deren persönliche Verhältnisse sich geändert haben", erklärt Dunkel. Heißt: Eltern, deren Kinder aus dem Haus sind und die jetzt nicht mehr so viel Platz brauchen, aber nicht auf den Komfort eines SUV – Stichwort: höhere Sitze – verzichten wollen. Zum anderen locke der X4 auch Sportwagenfahrer. Spätestens wenn bei den 4er-Coupé- oder Z4-Jüngern die ersten Rückenbeschwerden einsetzten, suchten viele nach einer Alternative, die bequemer, aber immer noch sportlich ist.

Der Einstieg ist SUV-typisch komfortabel

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BMW X4 2018 Seitenansicht
Der Gelände-Koloss lässt sich erstaunlich dynamisch bewegen

SUV-typisch komfortabel ist der Einstieg in den 4,75 Meter langen X4 auf jeden Fall, und in dem fein verarbeiteten Cockpit geht es weit weniger eng zu als in einem klassischen Coupé. In der ersten Reihe herrscht in alle Richtungen genügend Platz, selbst große Fahrer finden hinter dem dicken Volant schnell die passende Sitzposition. Von dort aus haben sie sowohl den iDrive-Controller auf dem Mitteltunnel, als auch den (optionalen) 10,25 Zoll großen Infotainment-Touchscreen auf dem Armaturenbrett oder induktive Ladeschale vor dem Schalthebel gut im Griff.

Sogar in Reihe zwei kann man noch ganz ordentlich reisen, für Sitzriesen wird die Luft nach oben jedoch etwas dünn: Die Coupé-hafte Dachform hat eben nicht nur Vorteile. Abgerundet wird das Platzangebot mit einem ordentlichen Gepäckabteil: Mit 525 bis 1430 Litern nach Werksangabe schluckt der X4 zwar ein bisschen weniger als sein Technik-Spender X3 (550 bis 1600 l), aber genug für das Golf-Wochenende oder den Weineinkauf im Italienurlaub.

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Während ihm seine Basis die Alltagstauglichkeit sozusagen in die Wiege gelegt hat, mussten sich die Ingenieure für die gewünschte Dynamik schon etwas mehr anstrengen. Wichtigster Unterschied zum X3: Was dort als Sportfahrwerk verkauft wird, ist beim X4 Standard. Die Kunden haben aber trotzdem noch die Wahl: Gegen Aufpreis gibt es adaptive Dämpfer, und für die M-Performance-Modelle hat BMW eine straffere Abstimmung parat.

Was die aus dem SUV-Coupé macht, offenbart sich eindrucksvoll auf dem Handling-Kurs. Mit bemerkenswerter Präzision zirkelt der 1,9 Tonnen schwere Koloss um die Kurve und weicht kaum von der vorgegebenen Linie ab – permanentem Allrad und elektronischem Sperr-Differenzial an der Hinterachse sei Dank.

Wer den BMW ins Straucheln bringen will, muss sich schon richtig ins Zeug legen oder grobe Fahrfehler provozieren. So viel Spaß macht in dieser Klasse sonst nur der Porsche Macan, den sich die Münchner als Vorbild genommen haben und der seine Pirouetten noch einen Tick souveräner dreht.

Damit der X4 so richtig in Schwung kommt, braucht es auch kräftige Motoren. Den maximalen Fahrspaß versprechen derzeit die M-Performance-Modelle M40i mit 354 Turbo-Benzin-PS und M40d mit einem Drei-Liter-Selbstzünder und 326 PS unter der Haube (beide ab 70.900 Euro und mit Euro-6d-TEMP-Abgasnorm).

Besonders der Diesel macht eine Menge Spaß. Mit Leichtigkeit schubsen 680 Newtonmeter Drehmoment den SUV nach vorn, nach 4,9 Sekunden sind 100 km/h erreicht. Dass das mehr als genug Power ist, steht außer Frage. Auf engen Handling-Parcours wird aber auch deutlich: Der X4 würde noch mehr Leistung verkraften, und die Vorfreude auf einen X4 M steigt bereits.

Die meisten X4 werden mit Dieselmotor verkauft

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BMW X4 2018 Seitenansicht
Komfortables Reiseauto: Auf Langstrecke fühlt sich der X4 wohl

Doch auch die "kleinen" Motoren sind alles andere als schwachbrüstig. Es gibt drei weitere Diesel mit 190 bis 265 PS, auf Otto-Fans warten der X4 mit 184 PS (xDrive20i) und der 30i mit 252 PS. Letzterer überzeuget bei einer ersten Probefahrt mit ausgesprochener Ruhe und kräftigem Vortrieb.

Während sich der Power-Diesel allerdings offiziell mit nur 6,4 Litern zufriedengibt, verlangt schon der zweitstärkste Benziner nach mindestens 7,2 Liter Sprit pro 100 Kilometer; beim M40i rauschen sogar Minimum neun Liter durch die Benzinleitung. Für die Kunden wird laut BMW dann auch ein Selbstzünder – Dieselkrise hin oder her – die erste Wahl sein.

Ein billiges Vergnügen ist der neue X4 nicht. Wer sich aus dem reichen Angebot an Komfort-Extras (Head-up-Display, Panoramadach, Fahrzeugschlüssel mit Display) bedient oder auf aktuelle Assistenzsystemen besteht, muss zum Basispreis von knapp 50.000 Euro gut 10.000 Euro oder mehr zusätzlich für Sonderausstattung einkalkulieren. Aber das hat BMW-Kunden ja noch nie gestört.

Technische Daten (Herstellerangaben)
BMW X4 xDrive 30i 
Motor  4-Zylinder-Turbobenziner, 185kW/252 PS, 1998 cm3, 350 Nm bei 1450 – 4800 U/min 
Fahrleistungen  6,3 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 240 km/h 
Verbrauch  7,2 l Super/100 km, CO2-Ausstoß: 164 g/km 
Maße  L 4,75 / B 1,92 / H 1,62 m 
Kofferraumvolumen
525 – 1430 l 
Preis
56.300 €, Baureihe ab 49.700 € 

 

 

Text: Michael Gebhardt. Fotos: PR.

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