Fahrbericht SsangYong Rexton: Preiswert und komfortabel

29.11.2017

SUVs für die City gibt es an jeder Ecke, echte Geländewagen sind dagegen rar. SsangYong stemmt sich mit dem neuen Rexton gegen den Trend und bietet einen robusten Offroader mit hohem Nutzwert zum günstigen Preis ab 30.990 € an. Die ADAC Motorwelt war mit ihm auf Testfahrt

Dank Allrad (2000 €) auch im Winter stets gute Traktion

Wer Platz braucht, ist hier richtig

SsangYong? Das sind doch die mit dem eigenartigen Design. Richtig, das war mal so. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die aktuellen Modelle präsentieren sich ansehnlich, wenn auch nicht mehr ganz so unverwechselbar wie früher. Der stämmige Rexton, der ab sofort beim Händler steht, könnte so auch von Hyundai oder Toyota stammen.

Die vierte Generation ist deutlich gewachsen und misst 4,85 Meter in der Länge, 1,96 in der Breite und 1,83 in der Höhe, was nicht nur zu einer stattlichen Erscheinung führt, sondern auch zu einem großzügigen Innenraum. Platz gibt es in Hülle und Fülle, die Einrichtung ist wohnlich gestaltet. Und wer den Rexton als Fünfsitzer ordert (Siebensitzer für 800 € Aufpreis), kann immense 820 Liter Kofferraumvolumen nutzen. Umgeklappt sind es sogar bis zu 1977 Liter – genug für einen kleinen Umzug.

Technisch ist der Rexton jetzt auf Höhe der Zeit

Pfiffiges Detail: Es reicht, sich mit dem Schlüssel in der Hosentasche vor die Heckklappe zu stellen, etwas zu warten und schon öffnet sich die Tür. Ebenfalls ein sinnvolles Technik-Gimmick ist das sogenannte „Nightpanel“ (Saab lässt grüßen). Per Tastendruck wird der Bildschirm dunkel und alle anderen Anzeigen bis auf den Tachometer gehen aus. Nachts wird man so weniger geblendet.

Sinnvoll erscheint auch die moderne Smartphone-Anbindung mit Android Auto und Apple CarPlay, nicht mehr als eine Spielerei ist dagegen der verstellbare Blinkersound. Wer will schon, dass es beim Spurwechsel wie eine Grille zirpt? LED- oder Xenonscheinwerfer gibt es leider nicht, ein Navi ist ab der mittleren Ausstattungsstufe Quartz (ab 35.490 €) Serie. Notbremsassistent, Spurverlassenswarner und eine gut funktionierende Verkehrszeichenerkennung sind bei allen Versionen an Bord – endlich ist hier auch SsangYong up to date.

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Ein Dieselmotor mit 181 PS muss reichen

Beim Motor lässt einem der Importeur keine Wahl: Es gibt ausschließlich einen 2,2-Liter-Dieselmotor mit 181 PS, der mit dem 2,2-Tonner keine große Mühe hat, durch die träge Siebengang-Automatik von Mercedes aber etwas eingebremst wird. Dass die Abgase nicht von einem SCR-Kat mit AdBlue-Einspritzung gereinigt werden, ist für ein neues Auto aber unzeitgemäß – schließlich haben große SUV mit hohen Stickoxidwerten ganz besonders zu kämpfen, wie ADAC Tests bisher gezeigt haben.

Eine Start-Stopp-Automatik gibt es nicht, und der Normverbrauch von 8,1 Litern Diesel ist nur bei sehr zurückhaltender Fahrweise zu schaffen. Doch dazu erzieht der Rexton ohnehin. Am liebsten cruist man mit ihm gemütlich auf der Landstraße oder ist entspannt bei Richtgeschwindigkeit auf der Autobahn unterwegs. Hetzen sollen mal die anderen.

Die hohe Karosserie wankt

Schnelle Richtungswechsel quittiert die hohe Karosserie im Zusammenspiel mit der soften Federung mit merklichen Wankbewegungen. Vorteil des hohen Aufbaus: Nicht nur die Sitzposition fällt sehr erhaben aus, sie beschert dem Koreaner auch satte 22 Zentimeter Bodenfreiheit. Im Gelände ein Pluspunkt, genau wie die Geländeuntersetzung, die bei der Allradversion (2000 € Aufpreis) mit von der Partie ist und den Rexton als „richtigen“ Geländewagen ausweist. Bei der Anhängelast dürften Boots- oder Wohnwagenbesitzer hellhörig werden: Bis zu 3,5 Tonnen kann der Rexton ziehen – hier halten die meisten SUVs nur selten mit, es sei denn sie sind deutlich teurer.

Das Fazit der Redaktion

Der Rexton ist kein weichgespülter SUV, sondern ein „richtiger“ Geländewagen mit großer Bodenfreiheit, Getriebeuntersetzung und immenser Zugkraft. Bis zu 3,5 Tonnen Anhängelast (mit Schaltgetriebe 2,7 Tonnen) könnten für viele Wohnwagen- oder Motorbootbesitzer ein Argument sein. Auch der Komfort kommt nicht zu kurz, einige Assistenzsysteme sind Serie. Nachbessern sollte SsangYong bei der unzeitgemäßen Abgasreinigung und beim Lichtsystem: Weder Xenon- noch LED-Scheinwerfer sind zu haben. Gut: fünf Jahre Garantie.

Technische Daten
SsangYong Rexton e-XDi 220 4WD Automatik
Motor Vierzylinder-Turbodiesel
2157 cm3
133 kW/181 PS
420 Nm bei 1600 U/min 
Fahrleistungen 12,0 s auf 100 km/h
185 km/h
Verbrauch  8,1 l Diesel/100 km
213 g CO2/km
Maße L 4,85/B 1,96/H 1,83 m
Kofferraum 213–1977 l
Preis Sapphire: 43.690 €
Baureihe: ab 30.990 €
  • Das gefällt uns
    Sehr gutes Platzangebot. Gute Ausstattung. Hohe Anhängelast. Gute Geländetauglichkeit. Komfortable Auslegung. 5 Jahre Garantie.
  • Das gefällt uns nicht
    Kein SCR-Kat. Relativ hoher Verbrauch. Kein Start-Stopp-System. Kein LED- oder Xenonlicht zu haben. Karosserie schwankt bei schnellen Richtungswechseln.
 

„Ohne SUV macht man heute keinen Stich mehr“

SsangYong-Deutschland-Geschäftsführer Ulrich Mehling

Was kann SsangYong besser als andere Hersteller? Die ADAC Motorwelt hat mit dem Geschäftsführer von SsangYong gesprochen.

ADAC Motorwelt: In Deutschland ist SsangYong vielen noch kein Begriff. Was steckt hinter der Marke?
Ulrich Mehling:
SsangYong ist eine koreanische Automarke mit 60-jähriger Tradition. Mittlerweile ist der indische Konzern Mahindra & Mahindra, der Marktführer in Indien, Mehrheitseigentümer. Kapitalseitig sind wir daher gut ausgestattet. Wir wollen weiter expandieren.

Geländewagen und SUVs gibt es viele. Warum sollte man sich gerade einen SsangYong kaufen? 
Auch wenn es immer mehr Konkurrenten gibt, darf man nicht vergessen, dass SsangYong im Gegensatz zu vielen anderen Marken eine große Erfahrung bei Geländewagen und SUVs hat. Die Marke baut schließlich seit sechs Jahrzehnten Allradfahrzeuge. Zudem bieten wir fünf Jahre Garantie bis 150.000 Kilometer. Das ist ein großer Wettbewerbsvorteil.

SUV heißt meist auch Dieselmotor. Im Zuge der Dieselaffäre wenden sich Autokäufer aber vom Diesel ab. Macht Ihnen das Sorgen?
Für uns ist das natürlich keine erfreuliche Entwicklung, da wir einen hohen Dieselanteil haben. Bei Tivoli und Korando sind auch Benziner im Angebot, doch bei größeren Autos wie dem Rexton wird der Diesel auch künftig eine große Rolle spielen. Neue, moderne Benziner entwickeln wir gerade. Und wenn 2019 der Nachfolger des Korando kommt, wird es auch eine Elektro-Version geben.

Beim neuen Rexton verzichten Sie auf eine zeitgemäße Abgasreinigung mit SCR-Kat und AdBlue. ADAC Tests haben gezeigt, dass dann gerade große Geländewagen zu hohe Stickoxidwerte aufweisen.
Wir erfüllen alle gesetzlichen Vorgaben und werden das auch künftig tun. Im Hinblick auf die bevorstehende WLTP-Norm wird sicherlich vom Hersteller in Korea auch der Einsatz von SCR-Kat und AdBlue geprüft, um die zukünftigen, strengeren Abgasnormen einzuhalten.

Wie sieht der typische Rexton-Käufer aus?
Es ist jemand, der ein Auto mit hohem Nutzwert sucht und es für Freizeitaktivitäten nutzt. Der Rexton eignet sich mit 3,5 Tonnen Anhängelast gut als Zugfahrzeug. Es gibt nicht allzu viele Autos auf dem Markt, die das können. Wenn, dann sind sie deutlich teurer. Aber auch Familien spricht der Rexton an, die einen großen Reisewagen schätzen und viel Platz brauchen.

Auf der IAA waren ja auch einige chinesische Marken zu sehen – alle hatten SUV auf ihrem Stand. Wie ernst nehmen Sie die neuen Konkurrenten?
Ich glaube, dass die chinesischen Hersteller nicht so schnell auf den deutschen Markt kommen werden. Ein Händlernetz zu etablieren und die Marke bekannt zu machen, ist aufwendig. Wir sind dagegen mit Mahindra & Mahindra im Hintergrund gut aufgestellt, arbeiten profitabel und haben 188 Händler an 220 Standorten. Als wir 2011 in Deutschland gestartet sind, gab es noch viel mehr Marken, die mittlerweile verschwunden sind. Denken Sie an Saab, Chevrolet, Lancia, Daihatsu oder Chrysler. Neu hinzugekommen ist zum Beispiel Tesla, eine Marke mit spezieller Zielgruppe. Auch wir sind ja sehr spezialisiert und freuen uns über ein boomendes SUV-Segment.

Die Deutsch-Chinesen von Borgward wollen ihre Autos über das Internet verkaufen. Was halten Sie davon?
Ich kenne keinen Hersteller, der seine Autos aktuell über das Internet verkauft bzw. der erfolgreich war mit dieser Vertriebsform. Dazu ist der Autokauf zu komplex. Es geht ja auch um Beratung, Finanzierung oder die Inzahlungnahme eines Altfahrzeugs. Online ist das nur schwer darstellbar. Wir glauben daher an den klassischen Weg über Händler vor Ort, auch wenn es vielleicht etwas altmodisch klingt.

Der Wettbewerb nimmt bei SUVs gerade enorm zu.
Klar. Selbst Marken wie Seat, Skoda oder die französischen Hersteller haben mittlerweile eine ganze Palette an SUV im Angebot. Ohne SUV macht man als Hersteller heute keinen Stich mehr!


Text: Jochen Wieler. Fotos: Jochen Wieler (1), PR (7).

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