BMW i8 Roadster im ADAC Test: Zwei Motoren und kein Dach

12.2.2019

Das futuristische Hybridcoupé BMW i8 ist ein Hingucker – ob offen oder geschlossen. Doch der i8 Roadster ist aber mehr als ein Coupé ohne Dach. Der Plug-in-Sportwagen als Cabrio im ADAC Autotest

  • Der i8 Roadster kostet mindestens 155.000 Euro
  • Die Kombination aus Elektromotor und Dreizylinder-Turbo ergibt 374 PS
  • Testverbrauch: 5,4 Liter Super und 5,4 kWh auf 100 Kilometer

 

Wie macht man ein Traumauto noch besser? Man nimmt einfach das Dach ab! Was aber, wenn 70 Grad heiße Kühlerabluft ins Cockpit des offenen Prototypen stömt? In diesem Fall kommt ein Mitarbeiter wie der Formel 1-erfahrene Rainer Rump zum Einsatz. Der Projektleiter schloss die Entwicklung des BMW i8 Roadster dann auch mit einem Happy End ab.

2014 beginnt die Geschichte von BMWs Hybridsportwagen. Die Bayern hatten ein – dank reichlich Carbon – leichtes Chassis konstruiert und es mit einer Aufsehen erregenden Karosserie und Flügeltüren kombiniert. Um den sparsamen Hybridantrieb zu verwirklichen, ergänzte ein halbierter Sechszylinder-Motor im Heck den Elektroantrieb an der Front.

Beide Aggregate zusammen ermöglichen seither einen intelligenten Allradantrieb. Mithilfe der Zwangsbeatmung durch einen Twinturbo entlockte BMW dem 1,5-Liter-Dreizylinder-Benziner erstaunliche 231 PS. Zusammen mit dem 131 PS starken E-Motor entwickelte die geschlossene Variante des i8 eine Systemleistung von 362 PS.

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Der Roadster ist 17.000 Euro teurer als das Coupé

Die Entwicklung machte beim revolutionären Coupé aber nicht halt, denn nun ist der Sportler auch "oben ohne" als Roadster zu haben. Mit einem Einstandspreis von 155.000 Euro ist er zwar nochmal ganze 17.000 Euro teurer als der geschlossene i8, doch BMW rechnet trotzdem damit, dass mehr Roadster als Coupés das Werk in Leipzig verlassen.

Der offene Hybrid-Sportwagen hat das aerodynamisch geprägte, futuristische Design des Coupés beibehalten und setzt es mit den neuen Metallic-Farben "E-Copper" und "Donington Grey" besonders auffällig in Szene. Ebenfalls neu: optionale 20 Zoll-Felgen, die die Optik zusätzlich unterstreichen und nebenbei ein Kilo Gewicht pro Rad sparen.

Geblieben sind auch die spektakulären Flügeltüren des i8 – dazu mussten Unterboden und die vordere Haube angepasst werden. Erst dank gezielter Modifikationen bekam das Team um Rainer Rump ein anfänglich drastisches Problem in den Griff: Bei den ersten offenen Prototypen drang während der Fahrt 70 Grad heiße Abluft ins Cockpit.

Im Serien-Roadster ist es nun angenehm kühl und relativ windstill. In 15 Sekunden öffnet das Verdeck, auch während der Fahrt bis 50 km/h. Im Innenraum des offenen BMW i8 herrscht praxisgerechter Luxus – samt Connectivity und Infotainment. Zwar fielen die beiden knappen Rücksitze des 2+2-sitzigen Coupés weg, doch zum Ausgleich sind ein paar Liter zusätzlicher Stauraum hinzugekommen. Der schachtartig-zerklüftete Kofferraum selbst reicht mit vom ADAC gemessenen 75 Litern Volumen nur für leichtes Gepäck.

 

 Fahrbericht vom BMW I8 2018 in Marbella von Ralf Schütze
Offensive Farbgebung: der Ton "E-Copper" ist neu im Programm

In 4,6 Sekunden von Null auf 100

Clou des an der Steckdose aufladbaren Plug-In-Hybrids: Die Kombination aus Elektro- und Benzinantrieb ist stark und dennoch sparsam. Die Akkus lassen sich an Ladesäulen oder an der heimische Steckdose aufladen, und bei Bedarf rollt der offene Sportler auch rein elektrisch bis maximal 120 km/h dahin. Möglich machen das stärkere Akkus als bisher. Das seit 2014 gebaute Coupé vermochte das nur mit bis zu 70 km/h. 

Die mögliche Reichweite des Plugin-Hybrids (Tank: 30 l; Kapazität Lithium-Ionen-Batterie: 9,1 kWh netto), basierend auf dem ADAC Ecotest-Verbrauch, fällt mit 460 km zufriedenstellend aus. Optional kann auch ein 42 Liter Tank geordert werden. Mit voller Hochvolt-Batterie sind im rein elektrischen Betrieb Reichweiten von 38 km möglich. 

Mit 143 Elektro-PS (105 kW) vorn und 231 PS (170 kW) hinten kommt der Hybrid auf satte 374 PS Systemleistung und damit auf etwas mehr als das Coupé. Der i8 Roadster spricht dank der Kraft zweier Herzen spontan auf Gasbefehle an und bietet stets genügend Vortrieb. Der Zwischensprint von 60 auf 100 km/h ist bei den ADAC Messungen nach nur 2,7 Sekunden abgeschlossen. Tempo 100 ist aus dem Stand nach 4,6 Sekunden erreicht (bei ausreichend geladener Hochvoltbatterie).

Die im Vergleich zum Coupé (4,4 s) minimal langsamere Beschleunigung des Roadsters ist dem konstruktionsbedingten Mehrgewicht und der etwas schlechteren Aerodynamik geschuldet.

Hoher Stromverbrauch: 27,5 kWh/100 km

Angesichts der Leistung gehen die Verbrauchswerte in Ordnung, sind absolut gesehen aber nicht revolutionär. Startet man mit vollgeladener Batterie, sind im Elektrozyklus des ADAC Ecotest rund 38 km elektrische Reichweite drin, bevor sich der Verbrenner zuschaltet – BMW gibt als Reichweite 53 km an, was nur bei sehr verhaltener Fahrweise möglich ist. Die Ursache liegt im hohen Stromverbrauch von 27,5 kWh/100 km (inkl. Ladeverluste). Fährt man bei leergesaugter Antriebsbatterie weiter im Hybrid-Modus, liegt der Verbrauch im Durchschnitt bei 7,1 l Super Plus pro 100 km.

Kombiniert man die elektrische Strecke mit der Hybrid-Strecke, dann verbraucht der BMW auf 100 km 6,5 kWh Strom und 5,4 l Benzin. Damit verbunden ist eine CO2-Bilanz von 185 g pro km, was im EcoTest für 22 von 60 möglichen Punkten reicht.

Der i8 ist serienmäßig mit einem Sportfahrwerk samt regelbarer Dämpfer ausgestattet. Die Grundabstimmung des i8 wurde entsprechend einem Sportwagen recht straff gewählt, dennoch bietet das Fahrwerk im Comfort-Modus stets genügend Restkomfort, sodass auch längere Fahrten für die Insassen nicht zur Belastungsprobe werden. Insgesamt liegt der BMW – auch bei höheren Geschwindigkeiten – ruhig und stabil auf der Straße. 35,2 Meter Bremsweg aus 100 km/h gehen in Ordnung, sind mittlerweile aber auch von jedem Kompaktwagen zu erreichen.

Elektroautos: Schon gefahren und bewertet

Der Elektromotor ist während der Fahrt nicht zu hören

Zoom-In
 Fahrbericht vom BMW I8 2018 in Marbella von Ralf Schütze
Lautlos, nachhaltig und schnell: Autor Ralf Schütze ist begeistert vom i8

Die Akustik der Elektromotoren wurde laut Produktmanager Marcus Pluntke so gezügelt, dass sie auch bei rein elektrischer Fahrt nicht zu hören sind: "Das war uns sehr wichtig." Gleiches gelte für einen Schritt in die andere Richtung, denn die Klangkulisse des Benzinmotors wurde deutlich verstärkt. Der aufgeladene Triple brüllt bei vollem Einsatz noch sonorer, was die Fans von konventionell angetriebenen Sportwagen emotional ansprechen soll. Mit gemessenen 71,5 dB (A) geht es im i8 aber insgesamt nicht unbedingt leise zu.

Wer im i8 Roadster offen fährt, stellt fest, dass es kaum Verwirbelungen gibt. Einziges Frischluft-Manko: Die massiven A-Säulen reichen sehr nah an die Köpfe der Insassen heran, was der erhöhten Steifigkeit und der Crash-Sicherheit geschuldet ist. Das offene Hybrid-Kraftpaket beherrscht sanftes Dahingleiten ebenso gut wie die imposante Soundkulisse bei vollem Leistungsabruf.

Den Mehrpreis von 17.000 Euro im Vergleich zur geschlossenen Variante werden dennoch viele BMW-Enthusiasten in Kauf nehmen, denn in den Preisregionen, in denen sich der i8 bewegt, siegt am Ende meist die Emotion über die Kalkulation.

Lesen Sie hier den ausführlichen Testbericht zum BMW i8 Roadster

Technische Daten (Herstellerangaben)
BMW i8 Roadster
Motor 

Benzinmotor: Dreizylinder-Twinturbo, 1499 cm3, 170 kW/231 PS bei 5800 U/min, 320 Nm bei 3700 U/min

Elektromotor: Hybrid-Synchronmotor, 105 kW/143 PS bei 4.800 U/min, 250 Nm

Systemleistung: 275 kW/374 PS

Fahrleistungen  4,6 s auf 100 km/h, 250 km/h Spitze
Verbrauch  2,0 l Super/100 km, 46 g CO2/km 
Maße  L 4,69 / B 1,94 (ohne Spiegel) / H 1,29 m
Kofferraum 88 Liter
Preis 155.000 Euro 
ADAC Messwerte (Auszug)

Überholvorgang 60–100 km/h
2,7 s 
Bremsweg aus 100 km/h
35,2 m
Wendekreis 12,4 m
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC EcoTest
5,4 Liter SuperPlus +  6,5 kWh/100 km , 185 g CO2/km (well-to-wheel)
Innengeräusch bei 130 km/h 71,5 dB(A)
Leergewicht / Zuladung
1660 / 240 kg
Kofferraumvolumen 75 l

 

ADAC Testergebnis
Gesamtnote: 2,6
Karosserie/Kofferraum 4,0                    
Innenraum 2,3
Komfort 2,5
Motor/Antrieb 1,4
Fahreigenschaften 
2,2
Sicherheit
2,7
Umwelt/EcoTest
2,7

 

  • Das hat uns gefallen: Sehr gut abgestimmte Antriebseinheit. Sichere Fahreigenschaften.
  • Das hat uns nicht gefallen: Kleiner Kofferraum. Unbequemer Ein-/Ausstieg. Schlechte Sicht aus dem Fahrzeug.  

Text: Ralf Schütze, Jochen Wieler. Fotos: PR.

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