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Amsterdam | 23.10.2019

Handy-Sünder: Niederlande testen neuartige Blitzer

Handy am Steuer
Handy am Steuer, das wird teuer: Das Bußgeld in den Niederlanden beträgt 240 Euro

Die niederländische Polizei setzt als erstes Land in der Europäischen Union einen Blitzer ein, der mit der Hilfe von künstlicher Intelligenz Smartphone-Sünder am Steuer identifizieren kann.

Seit dem 1. Oktober läuft das Pilotprojekt mit den Smart-Kameras bereits. "Künstliche Intelligenz hat der Kamera beigebracht, zu erkennen, ob ein Fahrer während der Fahrt ein mobiles elektronisches Gerät in der Hand hält", heißt es in einer Mitteilung der niederländischen Polizei.

Und so funktioniert es: Die smarte Radarfalle erkennt laut Angaben sowohl Smartphones als auch Tablets und Navigationsgeräte. Fällt der Radarfalle ein entsprechendes elektronisches Gerät in den Händen des Fahrers auf, macht sie ein Foto vom Kennzeichen und Fahrer.

Das Bildmaterial des intelligenten Blitzers wird im Anschluss von Polizeibeamten gesichtet. Sie müssen beurteilen, ob die Fahrer auf den Fotos tatsächlich eine Ordnungswidrigkeit begangen haben oder vielleicht nur ein Butterbrot in den Händen halten.

Wurde ein Fahrer mit einem Smartphone oder Handy erwischt, wird er von der Behörde schriftlich benachrichtigt und muss in den Niederlanden mit einem Bußgeld von bis zu 240 Euro rechnen. Wie hoch die Bußgelder für Handy am Steuer im Ausland sind, erfahren Sie hier.

Smarte Handyblitzer vorerst keine Option für Deutschland  

Aus datenschutzrechtlichen Gründen verzichtet die niederländische Polizei bislang auf eine mögliche Gesichtserkennung der Fahrer. Die Technik  scheint dafür auch noch nicht ausgereift zu sein. Bei einem Testlauf in New York im Frühjahr 2019 erkannte das System auf Grund der hohen Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Autos kein einziges Gesicht.

Daher werden die smarten Handyblitzer wohl auch erst einmal nicht in Deutschland zum Einsatz kommen. "In Deutschland haben wir keine Halterhaftung bei derartigen Verstößen", erklärt ADAC Juristin Kristina Benecke. "Um ein Bußgeld verhängen zu können, muss daher der Fahrer ermittelt werden können, was in diesem Fall wohl nicht möglich wäre."

Wer in Deutschland mit einem Handy am Steuer erwischt wird, zahlt ein Bußgeld von 100 Euro und bekommt einen Punkt in Flensburg. Noch teurer wird es, wenn dadurch eine Gefährdung entsteht. Dann erhöht sich das Bußgeld auf 150 Euro, außerdem kommen noch ein Monat Fahrverbot und zwei Punkte in Flensburg hinzu.

Bei einer durch Handy am Steuer verursachten Sachbeschädigung müssen Autofahrer laut Bußgeldverordnung mit einer Strafe von 200 Euro, einem Monat Fahrverbot sowie zwei Punkten in Flensburg rechnen.

Bußgelder werden übrigens nicht nur fällig, wenn am Steuer telefoniert wird: Was genau mit Handy am Steuer in Deutschland erlaubt ist, lesen Sie hier.

Text: vg. Foto: i.Stock.com/ Drazen.

Kontakt zur Redaktion: redaktion@adac.de