Senioren im Straßenverkehr

20.12.2018

Der Wunsch, das Auto selbst zu fahren, bleibt auch im höheren Alter bestehen. Senioren am Steuer haben oft einen schlechten Ruf – zu Unrecht. Wir zeigen, wie auch ältere Fahrzeugführer ihre Mobilität aufrechterhalten und kritisch reflektieren können. Dabei helfen unsere Tipps für Senioren im Straßenverkehr.

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Entscheidend für eine unfallfreie Teilnahme am Straßenverkehr ist nicht das Lebensalter.

Entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass die Gruppe der älteren Autofahrer (65+) überdurchschnittlich viele schwere Unfälle verursacht, zeigt die Unfallstatistik ein anderes Bild. Senioren verursachten im Jahr 2017 lediglich 16 Prozent der Unfälle mit Personenschaden, obwohl sie 21 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachten.

Denn für eine unfallfreie Teilnahme am Straßenverkehr ist nicht das Lebensalter des Fahrers entscheidend, sondern neben dessen Gesundheitszustand auch die in einem langen Fahrerleben erworbene Fahrroutine. Ältere Fahrer zeichnen sich in der Regel durch einen an die Situation angepassten Fahrstil sowie durch vorausschauendes Fahren aus, meiden riskante Fahrmanöver und haben das Abstandsverhalten über die Jahre hin vergrößert. Mit einem derart besonnenen und selbstkritischen Fahrverhalten können altersbedingte Leistungseinbußen häufig gut kompensiert werden.

Senioren sind durch ihre erhöhte Eigenverletzlichkeit eher Gefährdete als Gefährder. Dies gilt besonders für ältere Verkehrsteilnehmer, die als Fußgänger oder Radfahrer unterwegs sind, denn bei einem Unfall steigt das Verletzungsrisiko hier deutlich. Nahezu jeder zweite im Straßenverkehr tödlich verunglückte Fußgänger oder Radfahrer ist älter als 65 Jahre. 

Aktuelle Trends wie Pedelecs und e-Bikes sind häufig ein Zugewinn für die eigenständige Mobilität. Die Nutzung sollte jedoch mit vorheriger Auseinandersetzung, Übung und entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen (z. B. Helm) einhergehen.

Was ändert sich im Alter?

Wahrnehmung, Reaktionsvermögen und Aufmerksamkeit sind zentrale Grundvoraussetzungen für eine sichere Verkehrsteilnahme. Das zunehmende Alter führt zu körperlich bedingten Einbußen, die oftmals nicht schlagartig auftreten, sondern sich schleichend ankündigen. Deshalb empfehlen wir in allen medizinischen Problemfeldern regelmäßige ärztliche Untersuchungen. Offensichtliche gesundheitliche Probleme müssen unverzüglich im vertraulichen Gespräch zwischen Arzt und Patient geklärt werden. Damit einhergehen sollte - verstärkt beim älteren Fahrer - eine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten.

Sehvermögen

Etwa 90 Prozent aller menschlichen Sinneseindrücke werden über die Augen wahrgenommen. Das Sehvermögen ist daher im Straßenverkehr von essenzieller Bedeutung. Ein vermindertes Sehvermögen führt zu einem erhöhten Unfallrisiko.

Was tun?
Da auch die Augen einem Alterungsprozess ausgesetzt sind, ist eine regelmäßige Überprüfung der Sehkraft wichtig. Während bei unter 40-jährigen Fahrern häufig eine Verminderung der Sehschärfe vorliegt, die mit Kontaktlinsen oder Brille problemlos ausgeglichen werden kann, können bereits ab dem 40. Lebensjahr ernstzunehmende Augenerkrankungen auftreten, die eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr gefährden. Aufgrund der schleichenden Entwicklung von Augenerkrankungen empfiehlt das ADAC Ärztekollegium, ab dem 50. Lebensjahr alle 2 Jahre und ab dem 60. Lebensjahr eine jährliche Kontrolle beim Augenarzt vornehmen zu lassen.

Wer akute Probleme hat, sollte direkt zum Augenarzt gehen. Mehr als 90 Prozent der Fahrer über 65 Jahre lassen sich bereits regelmäßig checken. 

Weiterführende Informationen finden Sie in unserem Beitrag "So behalten Sie den Durchblick im Straßenverkehr"

Hörvermögen

Während ernsthafte Augenerkrankungen etwa ab dem 40. Lebensjahr verstärkt auftreten, nimmt die Hörfähigkeit grundsätzlich bereits ab dem 30. Lebensjahr ab. Eine altersbedingte Schwerhörigkeit stellt sich in der Regel nicht vor dem 70. Lebensjahr ein. Auch wenn das Gehör im motorisierten Straßenverkehr nur eine untergeordnete Rolle spielt, kann Schwerhörigkeit dennoch zu Problemen führen. 

Für Fußgänger und Radfahrer können Defizite bei der Wahrnehmung akustischer Reize fatale Folgen haben – etwa wenn das Martinshorn nicht mehr oder nur noch eingeschränkt wahrgenommen wird. 

Was tun?
Wir empfehlen daher den Weg zum HNO-Arzt, wenn der Betroffene etwa in Gesprächen öfter nachfragen muss oder wenn er einer Unterhaltung in geräuschvoller Umgebung nur schwer folgen kann. Wurde ein Hörverlust diagnostiziert, ist es sinnvoll, beim Autofahren auf die Freisprechanlage und das Musikhören zu verzichten und zusätzlich verstärkt die Spiegel zur Verkehrsübersicht zu nutzen. 

Beweglichkeit

Auch der Bewegungsapparat unterliegt im Alter natürlichen Einschränkungen, die mittelbar zur Gefährdung im Straßenverkehr führen könnten – etwa wenn der Blick in den Rück- und Außenspiegel, durch das Heckfenster oder zur Seite wegen Schmerzen im Nackenbereich der Wirbelsäule einfach unterlassen wird. 

Wenn die Hände oder Arme nicht mehr voll beweglich sind, kann sich dies vor allem in Situationen negativ auswirken, in denen rasches Handeln wie z. B. Ausweichen eines Hindernisses erforderlich ist. Gleiches gilt für Bewegungseinschränkungen bei Füßen, Beinen oder Hüftgelenken, etwa wenn plötzlich stark gebremst werden muss. 

Was tun?
Wir empfehlen eine optimale Einstellung von Sitz und Rückenlehne – dadurch soll zu nahes oder zu weit entferntes Sitzen von Lenkrad und Pedalen verhindert werden. Zum Erhalt der körperlichen Beweglichkeit trägt ein regelmäßiges, gezieltes Ganzkörpertraining bei, in dem Wert auf Mobilisationsübungen gelegt wird. 

Weiterführende Infos zur richtigen Sitzposition 

Gehirn

Studien belegen, dass regelmäßige Bewegung nicht nur unseren Körper, sondern auch unser Gehirn fit hält. Dafür braucht es kein intensives Training, sondern eher zwei- bis dreimal pro Woche leichte bis mittlere körperliche Betätigung wie z. B. zügiges Spazierengehen oder Nordic Walking. Ergänzend dazu bringen auch Koordinations- und Balanceübungen das Hirn auf Trab. Wir empfehlen, mit dem Hausarzt auch über präventive Bewegungsübungen zu sprechen.

Gedächtnis

Auch die mentale Leistungsfähigkeit nimmt im Alter ab und zwar überwiegend in Bereichen, in denen Geschwindigkeit eine Rolle spielt. Gedächtnisleistungen können nicht nur im visuellen und auditiven Bereich nachlassen, sondern auch die Konzentrationsfähigkeit über einen längeren Zeitraum wird schwächer. Ältere Autofahrer sollten daher ganz besonders auf Ablenkungen verzichten und sich voll und ganz auf das Fahren konzentrieren.
 
Das Gedächtnis lässt sich durch das regelmäßige Setzen neuer Reize aktiv halten - das können die Lektüre eines anspruchsvollen Buches, das Lösen eines Kreuzworträtsels oder auch Gedächtnisaufgaben sein.

Verpflichtende Testverfahren nicht verhältnismäßig

Durch verpflichtende Testverfahren besteht die Gefahr, dass geeignete Fahrer irrtümlich als ungeeignet eingestuft werden. Hinzu kommt, dass ein positives Testergebnis einen älteren Fahrzeugführer dazu verleiten kann, seine eigenen Fähigkeiten weit über den Testzeitpunkt hinaus zu überschätzen. Denn Tests geben immer nur eine Momentaufnahme wieder. Insofern erscheinen Forderungen nach einer gesetzlichen Verpflichtung von Eignungsprüfungen für alle Kraftfahrer nicht verhältnismäßig. Dies ist auch zentrales Ergebnis eines wissenschaftlichen Symposiums der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt).

Hier geht's zu unserem freiwilligen "Fahr-Fitness-Check".

Tipps und technische Innovationen

Fahrerassistenzsysteme können älteren Fahrern dabei helfen, eventuelle motorische Defizite auszugleichen. So besteht schon heute die Möglichkeit, den Einparkvorgang mit Hilfe eines Parkassistenten sicher durchzuführen. Darüber hinaus ermöglichen Assistenten in der Längs- und Querführung eine sicherere Fahrweise. Sogar ein Spurwechsel kann inzwischen vom Fahrzeug überwacht werden und gegebenenfalls vor einer Kollision warnen. Zudem können spezielle rel="noopener noreferrer" Fahrtrainings wie das "Generation-Plus-Training" im realen Verkehr helfen, die Fahrkompetenz zu steigern.

 

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