Plötzlich null Sicht – Wie reagieren Autofahrende richtig?

Wenn man plötzlich nichts mehr sieht, wird es gefährlich
Wenn man plötzlich nichts mehr sieht, wird es gefährlich© Shutterstock/Alex Stemmer

Schlechte Sicht ist im Herbst und Winter an der Tagesordnung. Doch wie reagiert man am Steuer richtig, wenn die schlechte Sicht plötzlich auftritt? Zum Beispiel, wenn man in eine Nebelwand fährt oder ein dichtes Schneegestöber gerät.

  • Die Geschwindigkeit ist den Sicht- und Wetterverhältnissen anzupassen

  • Nur in Notsituationen: Anhalten auf Autobahnen erlaubt

  • Faustformel bei schlechter Sicht: Mindestabstand gleich Geschwindigkeit

  • Nebelschlussleuchte, Nebelscheinwerfer, Warnblinkleuchten richtig einsetzen

Welche Folgen fehlende Sicht haben kann, sah man im April 2011 in Mecklenburg-Vorpommern: Auf der A19 bei Rostock krachten innerhalb kürzester Zeit rund 80 Fahrzeuge ineinander, acht Menschen starben. Der Grund: Wegen eines lokalen Sandsturms betrug die Sicht ganz plötzlich unter einem Meter. Die meisten Autofahrenden reagierten zu langsam. Und sie waren zu schnell unterwegs.

Schlechte Sicht: So schnell darf man fahren

Laut Straßenverkehrsordnung (StVO §3) darf man nur so schnell fahren, dass das Fahrzeug ständig beherrscht wird. Die Geschwindigkeit ist insbesondere den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen sowie den persönlichen Fähigkeiten und den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anzupassen.

Die Faustformel bei Nebel

Mindestabstand in Metern = Geschwindigkeit in Kilometern pro Stunde: Das heißt, bei Tempo 50 sollte man mindestens 50 Meter Abstand zum Vordermann halten. Diese Distanz kann man gut an den Leitpfosten am Straßenrand ablesen.

Anhalten am Straßenrand

Wird man von einem Unwetter oder Nebel überrascht, kann man vorbeugend an einem sicheren Ort, z.B. einem Parkplatz oder in der nächsten Ortschaft, anhalten und abwarten, bis sich die Sicht wieder bessert. Sieht man plötzlich fast gar nichts mehr, stellt sich die Frage, ob man spontan am Straßenrand anhalten soll. Doch darf man das überhaupt?

Auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen ist es grundsätzlich verboten, am Fahrbahnrand zu halten. Wenn die Witterung oder die Sichtverhältnisse eine Weiterfahrt völlig unmöglich machen, dann dürfen Autofahrer und Autofahrerinnen ausnahmsweise – Juristen sprechen von einem rechtfertigenden Notstand – möglichst weit rechts am Fahrbahnrand oder auf der Autobahn auf dem Seitenstreifen anhalten.

Tückisch: Nebelwand ohne Vorwarnung

Gerät man plötzlich in eine Nebelwand ohne jegliche Vorwarnung sollten Autofahrende auf die eigene Fahrspur, den nachfolgenden Verkehr und den Gegenverkehr achten. Auch hier gilt: Es darf stets nur so schnell gefahren werden, dass innerhalb der übersehbaren Strecke gehalten werden kann. Plötzlich abruptes Abbremsen kann gefährlich sein, vor allem, wenn der nachfolgende Verkehr nicht ausreichend Abstand hält. Nicht an vorausfahrende Fahrzeuge orientieren. Das kann leicht dazu führen, dass der Sicherheitsabstand zum Vordermann zu gering wird. Unbedingt auf den für die Sichtweite und Geschwindigkeit notwendigen Abstand achten.

Autofahren bei Sturm und Starkregen: So verhalten Sie sich richtig

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Autofahrten planen

Notsituationen lassen sich am besten vermeiden, indem man vorausschauend handelt beziehungsweise fährt. Wenn bereits im Vorfeld einer geplanten Fahrt erhebliche Sichtbeeinträchtigungen durch Niederschläge (Nebel, Schnee, Regen) zu erwarten sind, sollte man sich überlegen, ob die Fahrt notwendig ist oder verschoben werden kann.

Bei schlechter Sicht: Zusätzliche Leuchten einschalten

Autofahrende sollten alles tun, um ihr Fahrzeug für andere Verkehrsteilnehmende kenntlich zu machen: also Abblendlicht, Nebelschlussleuchte und gegebenenfalls Nebelscheinwerfer einschalten, bei extrem langsamer Fahrt oder Stillstand auch Warnblinkleuchten.

Vor Fahrtantritt sollten die Scheinwerfer von Feuchtigkeit befreit werden. Während der Fahrt kann die Frontscheibe mit dem Gebläse von innen freigemacht werden. Außerdem empfiehlt es sich, den Scheibenwischer regelmäßig zu betätigen, um die durch Nebel verursachten Wassertropfen auf der Scheibe zu beseitigen.

Für den Durchblick: Funktionierende Scheibenwischer

Guter Durchblick ist wichtig beim Autofahren. Dazu tragen auch klare Scheiben und saubere, intakte Scheibenwischer bei. Sie müssen gepflegt und regelmäßig gewechselt werden.

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Katharina Dümmer
Katharina Dümmer
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