Klirrende Kälte: Wenn der Motor trotz Winterdiesels streikt

Mann tankt Auto im Winter
Klirrende Kälte macht manchem Dieselfahrer zu schaffen ∙ © iStock.com/Lubo Ivanko

Es ist ein altbekanntes Problem: Manchmal streiken im Winter Dieselmotoren – je kälter es ist, desto häufiger passiert es. Warum das so ist und wie Dieselfahrer gegensteuern können. Die Tipps des ADAC.

  • Bei kalten Temperaturen kann das Kraftstoffsystem verstopfen

  • Winterdiesel soll bis minus 20 Grad taugen, versagt aber oft früher

  • Bei einer Panne hilft nur Aufwärmen

Nach wie vor gilt: Bei fallenden Temperaturen bekommen Dieselfahrer zunehmend Schwierigkeiten. Schon ab etwa sieben Grad minus bilden sich auch im "Winterdiesel" die ersten Paraffinpartikel, die das Kraftstoffsystem bzw. den Kraftstofffilter verstopfen können. Die Folge: Der Motor springt nicht mehr an oder geht bei fallenden und sehr eisigen Temperaturen sogar während der Fahrt aus.

Eigentlich soll sogenannter Winterdiesel dem Problem entgegenwirken. Er wird von Mitte November bis Ende Februar an den Tankstellen in Deutschland verkauft und enthält Additive, die das "Ausflocken" des Kraftstoffs und damit die Verstopfung des Kraftstoffsystems verhindern sollen. Diese Zusätze werden dem Winterdiesel bereits in der Raffinerie beigemischt. Zudem sind bei manchen Dieselmodellen Kraftstoffheizsysteme verbaut, um der Verstopfung des Filters entgegenzuwirken.

Winterdiesel hält oft nicht, was er verspricht

Bei starker Kälte haben sich allerdings beide Maßnahmen als nicht immer ausreichend erwiesen. Ist der Diesel "versulzt", fährt das Auto erst wieder, wenn das gesamte Kraftstoffsystem erwärmt ist und sich alle Paraffinpartikel aufgelöst haben. Das Auto muss dazu in eine Garage mit deutlich über null Grad gestellt werden. Keinesfalls mit Föhn oder gar Heißluftgebläse anrücken: Einerseits bestehen Brand- und Beschädigungsgefahr, andererseits erreicht man so nicht alle erforderlichen Stellen, wo der Diesel ausgeflockt ist.

Theoretisch soll Dieselkraftstoff in Winterqualität bis minus 20 Grad funktionieren. Ob das realistisch ist, hat der ADAC bereits 2013 anhand von vier handelsüblichen Dieselkraftstoffen getestet und aufwendige Kälteversuche durchgeführt – mit dem Ergebnis, dass sich Dieselfahrer nicht immer auf die Wintertauglichkeit des Kraftstoffs verlassen können.

So vermeiden Sie eine Panne: Tipps für Dieselfahrer

  • Autofahrer sollten rechtzeitig Winterdiesel tanken, bevor die kalte Jahreszeit beginnt. Die noch im Tank befindliche Restmenge an Sommerdiesel sollte dabei so gering wie möglich sein.

  • Die Wartungsvorschriften des Herstellers sollten beachtet werden – insbesondere, wie oft ein Kraftstofffilter gewechselt werden muss.

  • Das Fahrzeug möglichst kälte- und windgeschützt abstellen

  • Dieselkraftstoff auf keinen Fall mit Benzin mischen. Nur ältere Fahrzeugmodelle von vor 1997 – mit ausdrücklicher Freigabe des Herstellers – sind davon ausgenommen.

  • Additive zur Fließverbesserung nur verwenden, wenn dies vom Hersteller abgesegnet ist.

  • Kraftstoff aus Vorratsbehältern nicht verwenden, wenn nichts über dessen Kältetauglichkeit bekannt ist.

  • Ein liegen gebliebenes Fahrzeug sollte in einer beheizten Garage aufgetaut werden. Außerdem sollten die Filterheizung überprüft und normgerechter Kraftstoff nachgetankt werden. Gegebenenfalls muss der Kraftstofffilter ersetzt werden.

  • Ist keine Filterheizung vorhanden, bieten nur wenige Hersteller eine Nachrüstung an.

ADAC Forderungen an die Industrie

  • Das bisherige in der Kraftstoffnorm EN 590 vorgeschriebene CFPP-Kälteprüfverfahren ist für eine hinreichend genaue Definition der Kältefahrbarkeitseigenschaften nicht mehr tauglich. Der ADAC erwartet deshalb zukünftig ein neues, genaueres Verfahren zur normgerechten Bestimmung der Kältetauglichkeit.

  • Grundsätzlich ist es Sache der Autohersteller, konkrete Betriebsstoffe für einen bestimmungsgemäßen und störungsfreien Betrieb zu definieren.

  • Winterdiesel sollte auch bei Fahrzeugen ohne Filterheizung bis mindestens minus 20 Grad funktionieren.

  • Neue Fahrzeuge müssen so ausgerüstet sein, dass sie auch bei sehr niedrigen Temperaturen (mindestens minus 25 Grad) betriebsbereit sind. Dies ist mit einer leistungsfähigen Filterheizung problemlos möglich.

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