So nutzen die Deutschen E-Scooter

Mann mit E-Scooter am Potsdamer Platz
E-Scooter-Fahren – hier auf dem Potsdamer Platz – erfreut sich wachsender Beliebtheit© imago images/Westend61

Auch wenn ihre Beliebtheit steigt: E-Scooter haben ein eher negatives Image. Im März 2022 hat der ADAC 6800 Personen befragt, ob, wie und warum sie die Elektro-Tretroller fahren.

  • Jeder oder jede sechste Deutsche ab 16 Jahren fährt E-Scooter

  • 45 Prozent der Nutzer und Nutzerinnen besitzen einen eigenen E-Scooter

  • Für jeden siebten Nutzenden ist Fahrspaß der wichtigste Grund

E-Scooter sind praktisch, schnell und – umstritten: 16 Prozent der Bevölkerung glauben, dass ihr Image positiv, 30 Prozent, dass es negativ ist. Viele kritisieren sorgloses Parken auf Gehwegen, durch Vandalismus beschädigte Fahrzeuge, die den knappen öffentlichen Raum blockieren, oder dass manche Fahrerinnen und Fahrer verbotenerweise auf dem Gehweg unterwegs sind.

Mitte 2019 durften die Flitzer starten – auch in der Hoffnung, sie würden für die "letzte Meile" von der Bus- oder U-Bahn-Haltestelle nach Hause genutzt. Die deutschlandweite Umfrage des ADAC analysiert die aktuelle Nutzung der elektrischen Roller, die von Verleihbetrieben als Teillösung des Verkehrswandels beworben werden.

E-Scooter-Nutzung

Aktuell nutzen 15 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren E-Scooter. Davon besitzen 45 Prozent ein eigenes Fahrzeug, 55 Prozent mieten elektrische Kleinstfahrzeuge von Sharing-Diensten. 39 Prozent sind mit ihnen nur selten – einen bis zehn Tage pro Jahr – unterwegs. Unter den elf Prozent Vielnutzern und -nutzerinnen – an 100 und mehr Tagen pro Jahr – sind die allermeisten Besitzer oder Besitzerinnen.

Drei Viertel der Bevölkerung haben noch nie einen E-Scooter ausprobiert, neun Prozent einmal und ihn dann nie wieder benutzt. Die drei häufigsten Gründe für den Verzicht nach dem Ausprobieren sind, dass diese Fortbewegungsart gefährlich sei, zu teuer und dass man lieber Fahrrad fahre.

Gründe für E-Scooter-Fahren

Für Besitzerinnen und Leiher gleichermaßen steht der Fahrspaß an erster Stelle. Jeder oder jede Siebte gibt das als wichtigsten Nutzungsgrund an. Viele sehen die E-Scooter als Alternative zum Zu-Fuß-Gehen, schätzen ihre ständige Verfügbarkeit und das schnelle Vorankommen im Stadtverkehr. Insgesamt 15 Prozent geben Überlegungen zur Nachhaltigkeit als ausschlaggebend an. Sie wollen das Autofahren reduzieren, keine Abgase verursachen oder einen Beitrag zum Mobilitätswandel leisten.

Auch wenn 60 Prozent aller E-Scooter-Nutzenden ein klimafreundliches Verkehrsverhalten wichtig ist, spielen Überlegungen zur Nachhaltigkeit noch keine tragende Rolle. Anders sieht es bei den Besitzern und Besitzerinnen aus: Als Grund für den Kauf gibt jeder oder jede Neunte von ihnen an, das Fahrzeug sei gut für die Umwelt bzw. nachhaltig, und jeder oder jede Zehnte, es sei ein persönlicher Beitrag zu mehr nachhaltiger Mobilität. Auch hier sind jedoch die permanente Verfügbarkeit (19 Prozent) und die niedrigen Unterhaltskosten (zwölf Prozent) wichtiger.

Spontane Schönwetterfahrer

Auf die Frage, zu welchen Gelegenheiten Nutzerinnen und Nutzer E-Scooter fahren, nennen 45 Prozent, das passiere spontan, wenn sie Lust darauf hätten. 33 Prozent sehen den Scooter als spontane Alternative zu überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln. Auf Platz sechs wird mit 20 Prozent der Weg zu Arbeit, Ausbildung, Studium und Schule genannt, an siebter Stelle mit 18 Prozent der Weg zur nächsten Haltestelle der Öffentlichen.

Close-up eines E-Scooters auf regennasser Fahrbahn
Bei Regen verzichten viele auf das E-Scooter-Fahren© imago images/Michael Gstettenbauer

In eine ähnliche Richtung ging die Frage, welche Rolle das Wetter bei der Entscheidung E-Scooter oder nicht spiele. 64 Prozent der Nutzenden sagen aus, sie seien nur bei schönem Wetter unterwegs. Dabei zeigen sich die Besitzerinnen wetterunempfindlicher als die Leiher. Das gilt auch für Regenwetter, bei dem 35 Prozent der Eigentümer trotzdem fahren, aber nur 23 Prozent der Sharing-Kundinnen.

Typisch: Der E-Scooter für die Kurzstrecke

Am häufigsten wird der Elektro-Tretroller für Entfernungen von einem bis zwei Kilometern genutzt, das geben 31 Prozent an. 27 Prozent nennen sogar sehr kurze Distanzen von einem Kilometer oder weniger. Strecken von drei Kilometern und mehr legen üblicherweise 17 Prozent der E-Scooter-Fahrenden zurück. Deutlich höher liegen diese Werte bei Vielfahrenden, also Personen, die das Gefährt an mindestens 30 Tagen pro Jahr nutzen (31 Prozent) und bei Eigentümern und Eigentümerinnen (23 Prozent).

E-Scooter im Verkehrsmittelmix

E-Scooter verschiedener Anbieter abgestellt am Straßenrand
E-Scooter-Fahrende nutzen öfter die Öffentlichen als der Durchschnitt der Verkehrsteilnehmenden© imago images/Sabine Gudath

Eine weitere Frage ermittelte, wie häufig verschiedene Verkehrsmittel bzw. Fortbewegungsarten genutzt werden. Dabei stellte sich heraus, dass die E-Tretroller-Fahrenden multimodaler unterwegs sind als Nichtnutzenden. Sie sind also "breiter aufgestellt" und fahren häufiger mit Öffentlichen, Rad und Motorrad. Auch der Anteil der Pkw-Fahrenden ist unter den Nutzern und Nutzerinnen höher, sie fahren aber an weniger Tagen im Jahr Auto.

Intermodales Verhalten, also die Verknüpfung mehrerer Verkehrsmittel für einen Weg, ist bei E-Scooter-Fahrenden nicht die Regel, aber mit Blick auf die Durchschnittsbevölkerung durchaus beachtlich. Das zeigt der bereits erwähnte Wert von 18 Prozent für den Weg zur nächsten Haltestelle des öffentlichen Verkehrs als Anlass der Nutzung.

Regeln für die E-Scooter-Nutzung

Close-up eines E-Scooters auf dem Radweg
E-Scooter-Fahrenden ist die Benutzung von Radwegen vorgeschrieben© Shutterstock/r.classen

In der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung ist festgelegt, welche Regeln für Elektro-Tretroller gelten. Unter anderem, dass ihre Benutzung in Fußgängerzonen, in Einbahnstraßen entgegen der Fahrtrichtung und auf Gehwegen verboten ist. An den letzten Punkt hält sich ein Fünftel der E-Scooter-Nutzenden nicht – sie steuern ihn am häufigsten auf dem Trottoir. Dabei sind Sharing-Dienst-Kunden und -Kundinnen mit 15 Prozent disziplinierter als Eigentümerinnen und Eigentümer der Roller mit 25 Prozent, und Vielfahrende verhalten sich mit 16 Prozent "Gehwegfahrenden" in diesem Punkt gesetzestreuer als Gelegenheitsnutzer und -nutzerinnen mit 22 Prozent.

E-Scooter-Fahren und Verkehrssicherheit

E-Scooter-Nutzende fühlen sich überwiegend (56 Prozent) sicher, wobei dieses Gefühl mit dem Eigentumsverhältnis zusammenhängt: Ist das Gefährt gekauft, schätzen sich 29 Prozent der Fahrenden als sehr sicher ein. Bei den Leihern und Leiherinnen dagegen sind es nur zwölf Prozent. Unterschiedlich fällt das Sicherheitsgefühl auch bei der Unterteilung nach der Nutzungshäufigkeit aus: Von den Vielfahrern und -fahrerinnen fühlen sich 28 Prozent dabei sehr sicher. Unter den Wenigfahrenden – unter zehn Tagen pro Jahr – sind es nur 15 Prozent. Zum Vergleich: Auf eine ähnliche Frage an Radfahrende hatten 2021 nur sechs Prozent von ihnen die Einschätzung "sehr sicher" abgegeben.

Nur ein Drittel trägt Helm

Ein junger Mann mit Helm auf dem E-Scooter im Berliner Stadtverkehr
E-Scooter-Fahren mit Köpfchen – ein Helm ist unverzichtbar© imago images/Westend61

Mehr als jeder dritte E-Scooter-Nutzende hat bereits einmal einen Sturz erlebt, ist also entweder selbst gefallen (16 Prozent) oder hat einen Sturz beobachtet (19 Prozent). Bei Besitzerinnen und Besitzern liegt diese Quote höher (50 Prozent) als bei Leiherinnen und Leihern (weniger als 25 Prozent).

Rund ein Drittel der Fahrenden von Elektro-Tretrollern trägt einen Helm, Besitzer und Besitzerinnen mit 50 Prozent deutlich eher als Leiher und Leiherinnen mit 22 Prozent und Vielfahrende mit 47 eher als Gelegenheitsfahrende mit 24 Prozent.

Wenn es eine Helmpflicht bei der Benutzung der Elektro-Kleinstfahrzeuge gäbe, wäre das eine große Barriere: Dann würden 45 Prozent verzichten, von den Gelegenheitsfahrenden noch ein paar mehr.

So hat der ADAC untersucht

Im März 2022 hat die Nürnberger infas quo GmbH im Auftrag der ADAC Markt- und Meinungsforschung 6799 Personen ab 16 Jahren online befragt. Von diesen nutzten 1026 an mindestens einem Tag im Jahr einen E-Scooter. Unter diesen waren 457 Besitzerinnen und Eigentümer und 569 Leiherinnen und Sharer.