Motorradfahren – das kostet der Führerschein Klasse A

Ein Fahrschullehrer erklärt einem Schüler auf dem Motorrad die Regeln
Fahrstunden sind teuer: Auf dem Weg zum Motorradführerschein ∙ © dpa/Petra Steuer

Über 17 Millionen Motorradfahrer sind in Deutschland unterwegs. Für den Führerschein fallen hohe Kosten an: Infos zu den einzelnen Posten und eine Beispielrechnung.

  • Für Motorräder ohne Hubraum- und Leistungsbegrenzung ist die Klasse A erforderlich

  • Fahrstunden und Sonderfahrten verursachen den Hauptteil der Kosten

  • Ein Preisvergleich mehrerer Fahrschulen lohnt sich

Den Motorradführerschein gibt es in vier verschiedenen Klassen. Hier finden Sie alle Informationen, welche Bedingungen an die Motorradführerscheinklassen A, A1, A2 und AM geknüpft sind.

Der Motorradführerschein Klasse A

Wer ein richtig schweres Motorrad fahren und sich dabei keine Gedanken um Kubikzentimeter, Pferdestärken und Höchstgeschwindigkeit machen will, muss mindestens 24 Jahre alt sein und braucht den "großen" Führerschein der Klasse A. Mit dieser Königsklasse der Motorradführerscheine dürfen alle Krafträder und dreirädrigen Kraftfahrzeuge ohne Leistungsbegrenzung gefahren werden. 

Zwei Wege führen zum Motorradführerschein der Klasse A: Zum einen der stufenweise – also erst die leistungsreduzierte Klasse A2 und danach die volle Motorradklasse A – und zum zweiten der direkte Weg, den viele nehmen. In diesem Artikel erfahren Sie, was der Direkteinstieg in den Führerschein der Klasse A kostet.

Kosten für das Fahren-Lernen

Ein Motorrad fährt auf einer Straße
Sonderfahrten wie in der Dämmerung sind vorgeschrieben – und teuer ∙ © Shutterstock/ambrozinio

Das Fahren eines Motorrads zu lernen ist kein billiges Vergnügen. Die Fahrschulen erheben zunächst einen Grundbetrag, eine Art Anmeldegebühr. Das sind bei den Führerscheinklassen A, A1 und A2 rund 400 bis 500 Euro.

Die Vorstellung zur theoretischen Prüfung kostet rund 70 bis 80 Euro, die zur praktischen etwa 180 bis 250 Euro. Sie werden in der Regel über die Fahrschule abgerechnet.

Den größten Kostenblock verursachen die Fahrstunden, die genau wie Schulstunden 45 Minuten dauern. Für normale Ausbildungs-Fahrstunden, auch Übungsfahrten genannt, sind circa 65 bis 70 Euro anzusetzen. Ihre Zahl hängt vom Lernfortschritt des Fahrschülers ab, und dabei beurteilt der Fahrlehrer, ob seine Schülerin oder sein Schüler schon sicher fahren kann. Dazu kommen zwölf Sonderfahrten zu je 70 bis 75 Euro, zusammengesetzt aus fünf Überland-, vier Autobahn- und drei Fahrten in der Dämmerung beziehungsweise bei Nacht.

Übungsmaterialien, Lernsysteme oder Apps sind bei manchen Fahrschulen im Grundbetrag enthalten, andere berechnen ungefähr 80 Euro.

Gebühren für die Prüfung beim TÜV

Zu den Kosten für die Vorstellungen zu theoretischer und praktischer Prüfung kommen die Gebühren für die eigentlichen Prüfungen bei TÜV* oder DEKRA*. Sie betragen für den Direkteinstieg in die Klasse A 22,49 Euro für die Theorie und 146,56 Euro für die Praxis. Wer die theoretische oder praktische Prüfung nicht gleich im ersten Anlauf besteht, muss für den zweiten nochmal bezahlen.

Motorradschüler müssen bei der Ausbildung und Prüfung nicht nur einen Helm, sondern auch Schutzkleidung tragen. Hier sind Informationen zu Motorradbekleidung und Motorradprüfung zusammengestellt.

Kosten für Erste-Hilfe-Kurs und Sehtest

Menschen leisten erste Hilfe an einem Dummy in einem Kurs
Wichtiger Schritt zum Motorradführerschein: Ein Erste-Hilfe-Kurs ∙ © Shutterstock/Rawpixel.com

Wer den Führerschein beantragt, muss einen Erste-Hilfe-Kurs nachweisen. Beim Roten Kreuz* kostet er rund 55 Euro. Nicht erforderlich ist er, wenn der Nachweis schon bei einem früheren Führerscheinverfahren vorgelegt wurde. Der Kurs muss neun Unterrichtseinheiten beinhalten, eine Teilnahmebescheinigung für Sofortmaßnahmen am Unfallort reicht nicht aus.

Auch ein Sehtest beim Augenarzt oder -optiker ist erforderlich. Der Test darf maximal zwei Jahre alt sein, viele Optiker bieten ihn kostenlos an.

Gebühren für die Ausstellung des Motorradführerscheins

Bei den Führerscheinstellen der Kommunen sind rund 45 Euro für die Ausstellung oder Erweiterung eines Führerscheins zu zahlen. Dazu kommen die Kosten für ein biometrisches Passfoto ab 10 Euro.

So teuer oder günstig wird der Motorradführerschein

Ein Motorradfahrer fährt auf einer Teststrecke einer Fahrschule
Bis zum absolut sicheren Fahren braucht es etliche Übungsstunden ∙ © stock.adobe.com/Torsten Rauhut

Bis die Fahrschülerin bzw. der Schüler erstmals ein schweres Motorrad fahren darf, fallen sehr unterschiedliche Gesamtkosten für den Führerschein der Klasse A an. Die Preise für die Fahrstunden zum Beispiel legen die Fahrschulen selbst fest, weshalb sich ein Vergleich lohnen kann.

Zur Prüfung sollte sich nur anmelden, wer überzeugt ist, das Motorrad sicher fahren zu können. Eine oder zwei Fahrstunden mehr kommen billiger als zum zweiten Mal die Gebühren bei TÜV oder DEKRA zahlen zu müssen.

Einen gewissen Betrag spart, wer schon seit mindestens zwei Jahren einen Führerschein der Klasse A2 besitzt und daher um theoretische Ausbildung und theoretische Prüfung herumkommt.

Die Gesamtkosten schwanken stark

Zwei Beispiele verdeutlichen, in welchem Rahmen sich die Gesamtkosten bewegen. Setzt man bei jedem Kostenpunkt den unteren Wert der Preisspanne an, ist der Erste-Hilfe-Kurs schon vorhanden und traut der Fahrlehrer dem Kandidaten schon nach zwei Übungsstunden die praktische Prüfung zu, die er dann auch besteht, sind es rund 1845 Euro. Legt man die oberen Werte zugrunde, braucht der Schüler den Erste-Hilfe-Kurs und 15 Übungsstunden, werden es ca. 3140 Euro.


Beispiel 1

Beispiel 2

Grundbetrag

400

500

Vorstellung zur theoretischen Prüfung

70

80

Vorstellung zur praktischen Prüfung

180

250

Ausbildungs-Fahrstunden

130 (2 á 65)

1050 (15 á 70)

Sonderfahrten

840

900

Übungsmaterialien

0 (inklusive)

80

Gebühren theoretische Prüfung

22,49

22,49

Gebühren praktische Prüfung

146,56

146,56

Erste-Hilfe-Kurs

0 (vorhanden)

55

Sehtest

0 (beim Optiker)

0 (beim Optiker)

Gebühren für die Ausstellung des Führerscheins

45

45

biometrisches Passfoto

10

10

Gesamtkosten

1844,05

3139,05

Die richtige Motorrad-Fahrschule

Ein Fahrschulauto steht vor einem Prüfer und einem Schüler auf einem Motorrad
In guten Fahrschulen gehen die Lehrer individuell auf die Schüler ein ∙ © dpa/Petra Steuer

Einige Fahrschulen werben mit Aktionsangeboten und einwöchigen Intensivkursen. Dabei ist genau zu prüfen, welche Leistungen im Pauschalbetrag enthalten sind und ob die vorgegebene Zahl der Fahrstunden ausreicht. Da die Schüler zum Bestehen der praktischen Prüfung unterschiedlich viele Stunden brauchen, gibt es keine Garantie, dass nach beispielsweise einer Woche beziehungsweise drei Übungsfahrstunden die praktische Prüfung bestanden wird.

Daher raten Experten von Ferien-Fahrschulen ab. Hier lesen Sie, wie Sie die richtige Motorrad-Fahrschule finden.

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Helmuth Meyer
Redakteur
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