Ohne Vignette in Österreich: Diese Strafen drohen
Von Simone Ettenhuber , Kai Thiele

Wer in Österreich ohne gültige Vignette unterwegs ist, begeht einen Mautverstoß. Was die Ersatzmaut kostet und welche Rechte Betroffene haben.
Ohne gültige Vignette drohen 200 Euro Ersatzmaut
Auch falsches Anbringen und Fehler beim Kauf gelten als Mautverstoß
Wer die Ersatzmaut nicht zahlt, riskiert bis zu 3000 Euro Strafe
Wann begehe ich einen Mautverstoß?
In Österreich gilt auf den meisten Autobahnen und Schnellstraßen für Kfz bis 3,5 Tonnen eine Vignettenpflicht. Ein Mautverstoß liegt nicht nur dann vor, wenn Sie gar keine Vignette haben. Auch in folgenden Fällen fahren Sie rechtlich ohne gültige Vignette:
Die Klebevignette ist falsch gelocht, falsch angebracht oder (teilweise) verdeckt.
Die digitale Vignette ist wegen der Rücktrittsfrist noch nicht gültig.
Das Kennzeichen wurde falsch angegeben.
Der Gültigkeitszeitraum wurde falsch gewählt.
Die Vignette ist eine Fälschung und wurde über einen unseriösen Anbieter gekauft.
Entscheidend ist, ob Sie beim Befahren der Straße eine gültige Vignette hatten, eine nachträgliche Zahlung der Maut ist nicht möglich. Gute Absichten oder Missverständnisse spielen rechtlich keine Rolle.
Hinweis: Ab 2027 wird es keine Klebevignette mehr geben. Dann ist nur noch die digitale Vignette erhältlich.
Wichtig: Unabhängig von der allgemeinen Vignettenpflicht kosten bestimmte Tunnel und Passstraßen extra. Hier müssen Sie zusätzlich eine sogenannte Streckenmaut bezahlen – entweder direkt an der Mautstelle oder vorab online. Die betroffenen Abschnitte sind klar ausgeschildert. Zahlen Sie diese Maut nicht, liegt ebenfalls ein Mautverstoß vor.
Was ist die Ersatzmaut in Österreich?
Stellt die österreichische Autobahngesellschaft Asfinag einen Mautverstoß fest, fordert sie zunächst eine sogenannte Ersatzmaut wegen "Mautprellerei". Dabei handelt es sich nicht um ein Bußgeld, sondern um ein gesetzlich vorgesehenes "Angebot" der Asfinag, mit dem Sie ein Verwaltungsstrafverfahren vermeiden können.
Wichtig: Für die Zahlung der Ersatzmaut gilt eine Frist von 4 Wochen ab Ausfertigung des Schreibens. Innerhalb dieser Frist muss der Betrag auf dem Konto der Asfinag eingegangen sein.
Hinweis der ADAC Juristen: Sie können mit der Asfinag die Höhe der Ersatzmaut nicht verhandeln. Auch wenn Sie schriftliche Einwände vorbringen, führt das regelmäßig dazu, dass nach Ablauf der Zahlungsfrist ein teures Verwaltungsstrafverfahren eingeleitet wird.
Achten Sie daher unbedingt auf eine fristgerechte Zahlung der Ersatzmaut. Sollten Sie berechtigte Einwände haben, können Sie aber im Verwaltungsstrafverfahren Einspruch einlegen.
Wie teuer ist die Ersatzmaut in Österreich?
Bei einem Mautverstoß zahlen Sie folgende Beträge als Ersatzmaut:
200 Euro für Pkw bis 3,5 Tonnen
100 Euro für Motorräder
Was passiert, wenn ich die Ersatzmaut nicht zahle?
Zahlen Sie die Ersatzmaut nicht oder nicht fristgerecht, gibt die Asfinag den Fall automatisch an die zuständige Bezirksverwaltungsbehörde weiter. Es folgt ein Verwaltungsstrafverfahren und Sie bekommen eine Strafverfügung. Dann drohen Ihnen eine Geldstrafe von 300 bis zu 3000 Euro und zusätzliche Verfahrenskosten.
Gegen die Strafverfügung können Sie innerhalb von 2 Wochen ab Zustellung per Post oder per E-Mail Einspruch einlegen. Hier kann ein ADAC Vertrauensanwalt in Österreich unterstützen.
Gut zu wissen: Die Behörde muss die Strafverfügung innerhalb eines Jahres nach der Mautübertretung erlassen. Danach ist die Forderung verjährt.
Lohnt sich ein Einspruch gegen die Strafverfügung aus Österreich?
Ein Einspruch gegen die Strafverfügung wegen der nicht gezahlten Maut kann zum Beispiel sinnvoll sein, wenn Sie Folgendes nachweisen können:
Die Vignette war tatsächlich gültig.
Es lag ein technischer Fehler im System der Asfinag vor.
Aussagen wie "Ich wusste nicht, dass hier Maut gilt" oder "Das Navi hat mich auf die Autobahn geführt" helfen Ihnen nicht weiter. Entscheidend ist ausschließlich, ob Sie beim Befahren der Straße eine gültige Vignette hatten.
Wie wird kontrolliert, ob man eine Vignette hat?

Kameras auf Autobahnen und Schnellstraßen prüfen automatisch, ob eine Klebe‑ oder digitale Vignette gültig ist. Zusätzlich führen Mitarbeiter der Asfinag stichprobenartige Kontrollen durch. Auch die Polizei kann Mautverstöße feststellen. Im schlimmsten Fall zahlen Sie für mehrere Fahrten auch mehrmals Ersatzmaut.
Kann die Geldstrafe in Deutschland vollstreckt werden?
Ja. Geldstrafen können bereits ab 25 Euro auch in Deutschland vollstreckt werden. Zudem kann es bei einer erneuten Einreise nach Österreich zu einer Vollstreckung im Rahmen einer Kontrolle kommen.
Wie vermeide ich die Ersatzmaut?
Prüfen Sie vor der Fahrt genau, welche Maut für Ihre Strecke gilt. Hier kann auch ADAC Maps behilflich sein.
Bringen Sie die Klebvignette korrekt und gut sichtbar an.
Achten Sie bei der digitalen Vignette darauf, dass das Kennzeichen richtig eingegeben und dass die Vignette bereits bei Fahrtantritt gültig ist.
Kaufen Sie Vignetten nur über offizielle Anbieter wie das ADAC Mautportal oder die Asfinag.
Denken Sie außerdem an die Streckenmaut für Tunnel und Passstraßen, denn diese gilt zusätzlich zur Vignette.
Auf Autobahnen und Schnellstraßen gilt in Österreich Vignettenpflicht.
Für bestimmte Tunnel und Passstraßen müssen Sie zusätzlich Streckenmaut zahlen.
Wenn Sie gegen die Mautregeln verstoßen, riskieren Sie eine hohe Ersatzmaut.
Einwände gegen die Ersatzmaut haben meistens keinen Erfolg.
Erkundigen Sie sich vor der Fahrt, welche Mautregeln für Ihre Strecke gelten.