Kinder als Fußgänger: Der Schulweg

23.8.2018

Straßenverkehr ist Stress, besonders für Schulkinder, die alles andere im Kopf haben als Autos oder Ampeln. Deshalb müssen sich die Eltern besonders viel Zeit nehmen, ihre Kinder mit den Gefahren des täglichen Schulweges vertraut zu machen.

Kinder auf dem Schulweg
©ADAC/Stefanie Aumiller

Die Vorbereitung auf den Schulweg ist eine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe, die viel Zeit, Geduld und Einfühlungsvermögen erfordert. Hier erhalten Sie wertvolle Tipps für den Schulweg.

Hintergründe

Schulanfänger sind auf Grund ihres Entwicklungsstandes den komplexen Situationen des Straßenverkehrs nicht gewachsen und schnell überfordert:

- Aufgrund ihrer geringen Körpergröße fehlt ihnen vielfach der nötige Überblick und sie werden leicht übersehen.

- Wegen ihrer kurzen Beine benötigen sie mehr Schritte und brauchen somit länger zum Überqueren einer Fahrbahn.

- Kinder sind noch sehr ichbezogen: Sie denken, wenn ich das Auto sehe, dann sieht es auch mich.

- Kinder lassen sich stark ablenken und sind spontan, wodurch Gefahren heraufbeschworen werden.

- Kinder haben aber auch eine "lange Leitung": Für das Reagieren in einer nicht zu schwierigen Situation benötigen sie die 2,5 - 3fache Zeit eines Erwachsenen.

- Kinder können erst in einem Alter von 10 Jahren rechts und links unterscheiden.

Kinder sehen und hören in diesem Alter auch anders

- Ihr Gesichtsfeld ist deutlich eingeschränkt, was insbesondere dazu führt, dass sie seitlich nahende Gefahren nicht so wie Erwachsene "aus den Augenwinkeln" erkennen können.

- Geräusche können noch nicht sicher unterschieden werden. Und die Richtung zu bestimmen, aus der ein Geräusch kommt, ist gänzlich unmöglich.

- Kinder sind benachteiligt, wenn es darum geht, aus dem "Geräuschsalat" wichtige, manchmal sogar lebenswichtige Geräusche herauszufiltern.

- Auf Grund dieser Verhaltensweisen sind Kinder für die anderen Verkehrsteilnehmer unberechenbar.

Diese Tipps helfen mit, sicher zur Schule zu kommen

Den Schulweg bereits frühzeitig und unter realen Bedingungen, also zu normalen Schulwegzeiten üben. Wochenenden und Ferien sind ungeeignet.

- Gefahrenstellen auf dem Weg ausführlich besprechen.

- Lieber einen etwas längeren Weg einüben, wenn dadurch Gefahrenstellen vermieden werden können.

- Kinder am Anfang unbedingt begleiten und später das Verhalten unbemerkt kontrollieren.

- Nicht ständig ermahnen und keine unnötige Angst vor möglichen Gefahren machen, lieber öfter loben.

- Rollentausch: Kinder bringen die Eltern zur Schule und erklären selbst die Gefahrenstellen.

- Walking Bus: Durch das Zu-Fuß-Gehen in die Schule werden die Kinder zu mehr körperlicher Aktivität motiviert und gleichzeitig wird der Autoverkehr reduziert. Dazu werden Gehgemeinschaften gebildet, die entlang einer risikoarmen Strecke den Schulweg zurücklegen. Erwachsene begleiten den "Walking Bus" aus Sicherheitsgründen.

Eltern als Vorbilder

Da Kinder auch in diesem Alter Verhalten und Einstellungen durch Nachahmung lernen, erhält die Vorbildfunktion der Eltern eine besondere Bedeutung. Sie sollten sich dessen stets bewusst sein, denn ein Kind wird nie verstehen, warum sein Vorbild sich nicht an die geforderten Spielregeln hält.

Verkehrslotsen und ehrenamtliche Helfer

Um den Kindern mehr Sicherheit auf ihrem täglichen Schulweg zu geben, werden Verkehrshelfer eingesetzt, die mit ihrer gelben Warnkleidung und einer Kelle die Kinder auf ihrem Schulweg begleiten. Diese Begleiter sind ein Teil unserer "Schutzengel". Sie helfen den Kindern an Gefahrenpunkten und erklären diesen die Verkehrsregeln.

Schüler- und Elternlotsen ermöglichen jüngeren Schülern das sichere Überqueren von Straßen. Die Einsatzstandorte werden von der Polizei oder von der Kommune festgelegt. 

Busbegleiter gestalten die Busfahrt für jüngere Schüler sicherer und schützen den Busfahrer vor Ablenkung. Sie koordinieren auch das Ein- und Aussteigen.

Schulwegbegleiter begleiten Kindergruppen (Walking Bus, Cycling Bus) auf dem Schulweg. Sie sind Ansprechpartner für die Kinder und können in kritischen Situationen eingreifen.

ADAC Schulweg-Ratgeber

Im ADAC Schulweg-Ratgeber werden die fünf häufigsten Arten beschrieben, wie Kinder zur Schule kommen und es werden hilfreiche Tipps gegeben: als Fußgänger, als Mitfahrer im Pkw, mit Schulbus oder öffentlichem Nahverkehr, bei schlechten Sichtverhältnissen, mit dem Fahrrad.

Hier können Sie den ADAC Schulweg-Ratgeber bestellen oder downloaden.