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Hardware-Nachrüstungen für Diesel: So vermeiden Sie Fahrverbote

Mechaniker liegt unter einem Auto
Der Einbau eines Nachrüst-Kats dauert etwa drei Stunden ∙ © Shutterstock/Squaredpixels

Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) genehmigt erstmals SCR-Systeme für Euro-5-Diesel von VW, Mercedes und Volvo, die den Stickoxid-Ausstoß im Alltagsbetrieb senken: Die Modelle, die Kosten und alle wichtigen Infos.

  • Kraftfahrt-Bundesamt genehmigt erste Nachrüstlösungen

  • Vorerst nur für BMW, Daimler, VW und Volvo

  • Einbaukosten: Ab 3000 Euro. Doch wer bezahlt? 

Seit Monaten streiten Politiker und Autobauer über Nachrüstlösungen für ältere Diesel. Doch jetzt ist es soweit: Nach langer Wartezeit können Besitzer von Diesel-Pkw mit der Abgasnorm Euro 5 ihre Autos nun nachrüsten, um so Fahrverbote zu vermeiden. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) erteilte die ersten Genehmigungen (Allgemeine Betriebserlaubnis ABE) zur Dieselnachrüstung – aktuell für 60 Fahrzeugmodelle des VW-Konzerns sowie für einige BMW-, Mercedes- und Volvo-Modelle.

Doch was ist beim Einbau zu beachten? Wer finanziert die Systeme? Was ist mit der Garantie? Und schützen die Systeme wirklich vor Fahrverboten? Wir klären die wichtigsten Fragen und geben Antworten.

Welche Modelle können schon nachgerüstet werden?

Der Bamberger Technologie-Entwickler Dr Pley* und der niederländische Autozulieferer Bosal, der die Produktion und den Vertrieb der Systeme übernimmt, haben Ende Juli und Anfang August die ersten ABE für Nachrüstsysteme für Euro 5-Diesel-Pkw von Mercedes und Volvo erhalten.  

Bei Mercedes betreffen die Freigaben die C- und E-Klasse sowie den GLK. Die Modelle: C 200/220/250 CDI, E 200/220/250 CDI und GLK 220/250 CDI.

Bei den Modellen von Volvo gilt die Betriebserlaubnis für Fahrzeuge mit dem 2,0- und 2,4-Liter-Dieselmotor (Euro 5): XC60, XC70, S60, S80, V60 und V70.

Anfang Oktober erhielt Dr Pley auch die Freigabe für BMW. Die Systeme sind für den 2-Liter-Diesel konstruiert und werden aktuell für diese Modelle angeboten: 320d, 520d, X1 18d/20d und X3 20d.

Die ABE für Nachrüstsysteme für über 60 Fahrzeugmodelle des VW-Konzerns mit den 1,6- und 2,0-Liter-Motoren EA 189 und EA 288 bekam am 15. August der Filterspezialist Twintec Baumot*. Konkret betroffen sind unter anderem die volumenstarken VW-Modelle Polo, Passat, Touran und Tiguan, von Audi A1, A3 und A4, von Skoda Fabia und Octavia sowie der Ibiza und Leon von Seat. 

Laut Twintec Baumot können mit deren freigegebenem Filtersystem rund 1,3 Millionen Fahrzeuge nachgerüstet werden. Eine detaillierte Liste der betroffenen Modelle des VW-Konzerns steht auf der Website des KBA.*

Ende Oktober erhielt Twintec Baumot auch die ABE für Nachrüstsysteme für über 50 Fahrzeugmodelle des Daimler-Konzerns mit dem Euro-5-Diesel mit 1,8 -und 2,2-Liter-Hubraum (OM 651). Dazu gehört neben der Mercedes E-Klasse auch die Mercedes C-Klasse und der Mercedes GLK sowie die Mercedes A-Klasse und die Mercedes B-Klasse. Eine vollständige Übersicht der potentiell betroffenen Modelle des Daimler-Konzerns finden Sie auf dieser KBA-Website* (pdf).

Inzwischen hat auch der Filterspezialist HJS* Freigaben für Nachrüstsätze für leichte Handwerkerfahrzeuge erhalten. Mit ihnen können vorerst 2,0- und 2,2-Liter-Diesel (Euro 5) der Modelle Mercedes Sprinter (70-120 kW), VW Transporter T5 (62-103 kW) und VW Crafter (80-120 kW) ausgerüstet werden. Preise sind noch nicht bekannt.

Dass diverse Nachrüstsätze unterschiedlicher Anbieter prinzipiell gut funktionieren, konnte der ADAC schon in einem groß angelegten Prototypen-Test von drei Nachrüstsystemen nachweisen. 

Was kosten die Systeme?

Die Firma Dr Pley gibt für ihre Produkte einen Preis zwischen 3000 und 3600 Euro inklusive Einbau an. Der Einbau soll dabei etwa drei Stunden dauern. Für die Systeme von Twintec Baumot kalkuliert der Nachrüster z.B. für den VW Passat mit 3300 Euro inkl. Einbau.

Die Kosten dafür trägt im Prinzip der Kunde selbst. Allerdings haben im Rahmen des Dieselgipfels die Hersteller Mercedes und VW zugesagt, an einem Hardware-Nachrüstungsprogramm für Diesel-Fahrzeuge in den von der Bundesregierung definierten Schwerpunktregionen zu beteiligen. 

Welche Hersteller finanzieren mit?  

Konkret bietet Mercedes an, "einen signifikanten Betrag von bis zu maximal 3000 Euro (brutto) je Fahrzeug als finanzielle Unterstützung zu leisten, um genehmigte Nachrüstungen von Drittanbietern für private Halter von Mercedes-Benz Diesel-Fahrzeugen (Pkw und M1-Vans mit Pkw-Zertifizierung) mit der Abgasnorm Euro 5 zu fördern."

Das Zuschuss-Angebot von Daimler richtet sich dann konkret an private Halter von betroffenen Mercedes-Modellen, die ihren Erstwohnsitz in diesen Schwerpunktregionen haben, die beim Dieselgipfel 2017 festgelegt wurden: Die Städte Backnang, Bochum, Darmstadt, Düren, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Hamburg, Heilbronn, Kiel, Köln, Limburg an der Lahn, Ludwigsburg, München, Reutlingen, Stuttgart – und die direkt angrenzenden Landkreise.

Die genauen Bedingungen für die Gewährung des Daimler-Zuschusses – das Auto muss z.B. bereits vor dem 2. Oktober 2018 auf den Halter zugelassen sein oder die Sonderbedingungen für Pendler und Schwerbehinderte erfüllen – sind auf einer Webseiteaufgeführt und werden in der Vorprüfung abgefragt.

Auch Volkswagen bietet seinen Kunden in den von der Bundesregierung 2017 festgelegten Intensivstädten und den direkt angrenzenden Landkreisen eine finanzielle Beteiligung von bis zu 3.000 Euro (brutto) für die vom KBA genehmigten Hardware-Nachrüstungen an. Interessierte Halter von Fahrzeugen des VW-Konzerns können sich auf einer Webseiteüber die genauen Rahmenbedingungen für die finanzielle Beteiligung seitens Volkswagen und die Voraussetzungen für Ihre Beantragung und Erlangung informieren.

Welche Hersteller weigern sich? 

BMW und Volvo beteiligen sich an den Kosten für die Nachrüstung nicht. Immerhin kann man die Dr Pley-Systeme in den Vertrags-Werkstätten des schwedischen Herstellers einbauen lassen, weil deren Mitarbeiter vom Nachrüster geschult wurden. Bei Mercedes-Benz und auch bei VW für die Twintec-Filter entscheiden die autorisierten Partnerbetriebe in eigener Verantwortung, ob sie die Nachrüstlösungen anbieten und/oder einbauen. Dr Pley setzt allerdings voraus, dass der Betrieb für den Einbau seiner Systeme von ihm autorisiert ist. Diese Mercedes-Händler beauftragt Dr Pley dann übrigens mit der Nachrüstung der BMW-Modelle – kurios.

Wer garantiert?

Zu den Garantie- und Gewährleistungsansprüchen der Kunden liegen noch sehr wenige Informationen vor. Klar ist: Der Nachrüsthersteller muss die Funktionsfähigkeit des Systems über eine Kilometerleistung von 100.000 km oder einer Lebensdauer von bis zu fünf Jahren (je nachdem, was zuerst erreicht wird) gewährleisten. Eine abgeschlossene Mercedes-Benz-Garantie oder eine Garantie des VW-Konzerns bleibt aber grundsätzlich weiter gültig – es sei denn, der Schaden am Fahrzeug wurde durch den Einbau oder den Betrieb einer Hardware-Nachrüstung verursacht.

Sind nachgerüstete Diesel von Fahrverboten ausgenommen? 

Obwohl nachgerüstete Diesel immer noch Euro 5-zertifiziert sind, fallen sie nicht mehr unter die derzeit verhängten Fahrverbote. Sie erhalten nach dem Werkstattbesuch bei der Fahrzeugbehörde in der Zulassungsbescheinigung Teil I im Feld 22 einen Eintrag, der bestätigt, dass das Fahrzeug mit einem vom KBA genehmigten Nachrüstsatz ausgerüstet wurde. Auf die Kfz-Steuer hat die Nachrüstung übrigens keinen Einfluss, da keine offizielle Änderung des CO₂-Werts erfolgt.

Wichtig ist natürlich, dass der notwendige Harnstoff AdBlue, der in einem Zusatztank mitgeführt wird und inzwischen an jeder Tankstelle erhältlich ist, ausreichend vorhanden ist. Das wird bei Nachrüstsätzen von Dr Pley dadurch sichergestellt, dass die Tankklappe automatisch verriegelt bleibt, wenn der Zusatztank leer ist.

Weil es für Fahrzeuge mit SCR-Kat keine Extra-Plakette gibt, ist der Eintrag im Fahrzeugschein der einzige Nachweis. Die Polizei führt deshalb in den bislang bestehenden Fahrverbotszonen (nicht mit den Umweltzonen zu verwechseln) in Stichproben Kontrollen über die Prüfung der Fahrzeugpapiere durch.

Das muss ein Nachrüstsystem können

Den definierten NOx-Grenzwert von 270 mg/km müssen die Umrüstsysteme im Realbetrieb (RDE) auf der Straße in einem Test-Temperaturbereich von 5 °C bis 30 °C einhalten. Mit zwei Ausnahmen: Bei niedrigeren Test-Temperaturen (zwischen 5° C und -3° C) dürfen die geminderten NOx-Werte um den Faktor 2 höher sein (das wären dann 540 mg/km), bei Test-Temperaturen zwischen 30° C und 35° C liegt der Faktor bei 1,6 (432 mg/km).

In der Pkw-Nachrüstrichtlinie wurde gleichzeitig festgelegt, dass der Mehrverbrauch bzw. der Mehrausstoß an CO maximal sechs Prozent betragen darf. Diese Begrenzung limitiert den Mehrausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases CO₂ und soll auch die Mehrkosten für den Autofahrer durch höheren Spritverbrauch möglichst gering halten.

Und wichtig: Der Hersteller muss die Funktionsfähigkeit des Systems über eine Kilometerleistung von 100.000 km oder einer Lebensdauer von bis zu fünf Jahren (je nachdem, was zuerst erreicht wird) gewährleisten.

Wer darf die Nachrüstsysteme einbauen? 

Die Nachrüstung muss von ist von einer anerkannten AU-Kraftfahrzeugwerkstatt durchgeführt werden. Die bestätigt dann den ordnungsgemäßen Einbau aller Teile und die einwandfreie Funktion des Filters in einer Abnahmebescheinigung zur Vorlage bei der Zulassungsbehörde.

Abweichend davon kann die Nachrüstung auch von einer anderen Stelle durchgeführt werden. Dann muss  der ordnungsgemäße Einbau aller Teile und die einwandfreie Funktion durch einen amtlich anerkannten Sachverständigen, einem Prüfer für den Kraftfahrzeugverkehr oder durch einen Kraftfahrzeugsachverständigen oder Angestellten nach Anlage VIIIb StVZO auf einer Abnahmebescheinigung nach Anlage 3 oder durch einen Technischen Dienst gemäß § 13 Absatz 3 EG-FGV bestätigt werden.

Übrigens: Die sogenannte "Nachrüst-Richtlinie für Pkw" schreibt im Prinzip nur vor, dass durch die Nachrüstung eines Stickoxid (NOx)-Minderungssystems in Bezug auf die Stickoxidemissionen (NOx) ein Grenzwert von 270 mg/km eingehalten werden muss – und das gilt sowohl für Euro 5-, als auch für Euro 4-Fahrzeuge.

Lohnt sich die Nachrüstung eines SCR-Kats?

Bei der finanziellen Frage sind auch die laufenden Betriebskosten im Auge zu behalten. Zum Beispiel der zusätzliche AdBlue-Verbrauch. Wie hoch der ist, hängt zwar vom Fahrstil und von der Außentemperatur ab, weshalb keine pauschale Antwort getroffen werden kann. In dem vom ADAC durchgeführten Alltagstest lag der durchschnittliche AdBlue-Verbrauch zwischen 0,07 und 0,37 l pro 100 km.

Und der Mehrverbrauch kostet ebenfalls. Denn gemäß der Nachrüstrichtlinie darf das Fahrzeug mit Katalysator maximal sechs Prozent mehr verbrauchen bzw. mehr CO₂ ausstoßen – und dieser Rahmen wird in der Regel auch ausgenutzt.

Dem Leiter der ADAC Fahrzeugtechnik Dr. Reinhardt Kolke ist noch ein anderer Aspekt wichtig: "Ob sich die Nachrüstung lohnt, das muss jeder für sich selbst beantworten. Das hängt davon ab, ob er überhaupt nennenswert von Fahrverboten betroffen ist, ob er die Förderung bekommt und ob er damit den Wert seines Fahrzeuges steigern bzw. dessen Wert erhalten kann. Aber für die Umwelt hat er in jedem Fall etwas getan, wenn er seinen Diesel nachrüstet." 

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