BMW-Fahrzeuge von Softwaremanipulation betroffen

22.4.2020

Auch bei BMW wurden fehlerhafte Abgasreinigungssysteme entdeckt. Betroffen sind 11.700 Fahrzeuge der bereits ausgelaufenen Modellgeneration der BMW 5er und 7er Reihe aus den Baujahren 2012 bis 2017. Im März 2020 hat ein Gericht BMW erstmals wegen Verwendung unzulässiger Technik zur Rücknahme eines Fahrzeugs des Typs X1 verurteilt. Das Gericht beanstandete, dass in dem Fahrzeug ein sogenanntes "Thermofenster" eingebaut sei. BMW hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.

Auspuff
©Fotolia/webmetix

BMW musste wegen Verfehlungen im Abgasskandal ein Bußgeld von 8,5 Millionen Euro zahlen. Der Autohersteller habe fehlerhafte Abgasreinigungssysteme in Tausende Dieselautos verbaut, was eine fahrlässige Aufsichtspflichtverletzung des Unternehmens sei, teilte die Staatsanwaltschaft München I mit. Einen Betrug habe man allerdings nicht nachweisen können. Stattdessen wurden die auffälligen Abgaswerte einiger Autos den Ermittlungen zufolge durch eine "fehlerhafte Bedatung" der Motorsteuerung ausgelöst. Der Konzern habe das Bußgeld bereits akzeptiert, alle Ermittlungen seien beendet.

 

Betroffene Fahrzeugmodelle

BMW M550d xDrive Limousine (Produktion 2012-2017)
BMW M550d xDrive Touring (Produktion 2012-2017)
BMW 750d xDrive (Produktion 2012-2017)
BMW 750Ld xDrive (Produktion 2012-2017)

 

Landgericht Düsseldorf bemängelt "Thermofenster"

Im März 2020 hat ein Gericht BMW erstmals wegen Verwendung unzulässiger Technik zur Rücknahme eines Fahrzeugs des Typs X1 verurteilt. In dem konkreten Fall hatte ein Kunde der BMW-Niederlassung in Düsseldorf im Mai 2017 einen gebrauchten BMW X1 mit Diesel-Motor der Schadstoffklasse Euro 5 erworben.

Nach Auffassung der Düsseldorfer Richter konnte der Käufer das Fahrzeug zu Recht zurückgeben, da ein sogenanntes "Thermofenster" eingebaut sei. Die Motorsoftware des Fahrzeugs steuere die Effektivität der Abgasreinigung in Abhängigkeit von der Außentemperatur. Das Landgericht sah hierin eine unzulässige Abschalteinrichtung. BMW hält diese Rechtsauffassung für falsch und hat deshalb Berufung beim Oberlandesgericht Düsseldorf eingelegt. In 210 "Parallelfällen" seien vergleichbare Kundenklagen von verschiedenen Landgerichten in ganz Deutschland abgewiesen worden, so BMW.

Der Streit über die Zulässigkeit der sogenannten "Thermofenster" läuft seit Jahren. In die Klärung dieser Frage wird sich in der Europäische Gerichtshof einschalten. Ende dieses Monats wird sich auch der Europäische Gerichtshof (EuGH) mit der Frage befassen. EuGH-Generalanwältin Eleanor Sharpston wird ein Gutachten dazu vorlegen. Der EuGH hat den Termin, bei dem es konkret um den VW-Motor EA189 geht, bereits mehrfach verschoben.

 

Freiwilliges Software-Update für BMW Dieselmodelle

BMW bietet seit Mitte November 2018 für eine Reihe seiner Zweiliter-Vierzylinder Dieselmotoren ein Software-Update zur Optimierung des Schadstoffausstoßes an. Als Anreiz für die Kunden und für eine zügigere Umsetzung wird bei einer Terminvereinbarung bis Ende 2018 ein 100-Euro-Gutschein für Serviceleistungen an alle Teilnehmer ausgegeben.

 

ADAC testet Update der Motorensoftware

Der ADAC hat untersucht, welche Änderungen und Auswirkungen es durch das Update der Motorensoftware gibt - am Beispiel eines BMW 520d.

Keine Nachteile für BMW-Fahrer nach Software-Update

Unsere Experten haben erste Prüfungen an einem BMW 520d vor und nach dem Update durchgeführt. Durch das Update ändern sich Leistung und Verbrauch nicht, auch die Fahrbarkeit zeigt keine Veränderung. Bei Außentemperaturen unter 20 °C sinken die Stickoxid-Emissionen; bei 10 °C wird eine Reduzierung um etwa 30 Prozent nachgewiesen, wie das Kraftfahrtbundesamt bestätigt. Mit einer Prüfstandmessung bei 10 °C und einer Straßenmessung bei 5 °C konnten auch wir eine Absenkung feststellen, der getestete BMW 520d liegt hier deutlich unter den Emissionen anderer Euro 5-Dieselfahrzeuge. 

Da sich für den BMW Fahrer keine Nachteile ergeben und die NOx-Emissionen insgesamt gesenkt werden, spricht aus unserer Sicht nichts gegen das Software-Update – auch weil BMW bei eventuellen technischen Problemen im Bereich der Abgasrückführung im Rahmen der gängigen Kulanzregelungen jeden Fall einzeln prüfen wird.

Text: ADAC Fahrzeugtechnik, Juristische Zentrale