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Testfahrt Yamaha Niken: Doppelt hält besser

die Yamaha Niken legt sich in die Kurve
Yamaha Niken: Das Dreirad ermöglicht problemlos extreme Schräglagen ∙ © Yamaha

Ist die Yamaha Niken die Zukunft des Motorrad-Fahrens? Sie hat drei Räder, Kraft aus drei Zylindern, grenzenlosen Grip und ein kontroverses Design. Fahrbericht, technische Daten, Bilder und Preise.

  • Revolutionäres Motorrad-Konzept mit drei Rädern

  • Maximaler Grip, maximale Schräglagen, maximale Sicherheit

  • Preis: ab 16.799 Euro

Um es gleich vorweg zu nehmen: Nein, die Niken ist kein Dreirad-Roller, den man mit dem Autoführerschein fahren darf. Sie ist ein ausgewachsenes Motorrad mit 115 PS, für das es die Führerscheinklasse A braucht – und ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein.

Unauffällig oder gar dezent kommt man mit der Niken nicht durch den Verkehr. Passanten erschrecken bisweilen, manche recken den Daumen in die Höhe, andere schütteln den Kopf. Rotphasen an Ampeln wachsen zu Fachgesprächen mit interessierten Autofahrern aus und für Tankstopps braucht man viel Zeit, bis all die Fragen neugieriger Biker, Busreisender und Scheibenreiniger-Nachfüller beantwortet sind.

Ein ausgewachsenes Motorrad – kein Roller

Ist das nun ein Motorrad? Nun, würde man die dauerwinkende Zweiradfraktion entscheiden lassen, wäre die Antwort ein klares "Nein!" Eine Niken wird nicht gegrüßt. Sie könnte ein Roller sein und das mögen ausgewachsene Biker gar nicht. Oder ein Trike, aber da sind die zwei Räder hinten und Kurven werden häufig behutsam im Schritttempo gefahren, weil sie sonst kippen könnten. Bei der Niken kippt naturgemäß nichts, außer im Stand, wo auch das Dreirad mindestens einen Fuß am Boden benötigt.

Und es rutscht auch nichts, außer wenn in einer Kurve bei zu viel Übermut das Hinterrad zum Überholen ansetzt. Die zwei 120er Vorderreifen erlauben mühelos 45 Grad-Schräglagen – auch für vorsichtigere oder gar ängstliche Piloten.

Das, was das Motorradfahren im Grunde ausmacht – Schräglagen in Kurven –, wird bei der Niken geradezu perfektioniert und nur von den irgendwann aufsetzenden Fußrasten in Schach gehalten. Auf dem Dreirad können auch vergleichsweise ungeübte Fahrer Passstraßen wie den Großglockner befahren, ohne ständig von Supermotos überholt zu werden, zumal auch der von der Yamaha MT-09 übernommene 847-Kubik-Dreizylinder in allen Drehzahlbereichen mithalten kann.

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Drei Räder für ein Plus an Sicherheit

Nun geht es beim Motorradfahrer nicht um Rundenzeiten oder Tagessiege an Bergstrecken, genau dieser Eindruck soll bei der Niken nicht aufkommen. Das Doppelreifen-Konzept bietet vielmehr ein hohes Plus an Sicherheit – in Kurven, beim Bremsen und auf schlechten oder nassen Straßen. Der Grip der Niken, der sich nun mal am besten in Spitzkehren beschreiben lässt, wird vor allem auch bei schlechteren Witterungsverhältnissen deutlich und bei der Vollbremsung im Notfall.

Dass man mitunter in Kreisverkehren dazu neigt (im besten Wortsinne!), drei oder vier Extrarunden einzulegen, muss man den sportlichen Dreiradfahrern schlichtweg nachsehen, weckt die Maschine doch bei dem einen oder anderen Fahrer das berühmte "Kind im Manne". Oder der Frau.

Der Preis der Niken liegt im normalen Bereich

Die doppelten Upside-down Gabeln der Vorderräder dürften dem Bike seinen Namen gegeben haben, denn im Japanischen bedeutet NI KEN (Neiken ausgesprochen) so viel wie doppeltes Schwert. Und in Anbetracht dessen, wie sich das Gefährt gewissermaßen in den Asphalt schneidet, ist der Begriff durchaus gut gewählt.

Aber, das Auge fährt eben mit. Und genau dieses Auge hat sich noch lange nicht an das Design der Niken gewöhnt. Wer sie einmal gefahren ist, wird den Gedanken nicht mehr los, etwas Einzigartiges erlebt zu haben. Wer sich das Bike danach allerdings noch einmal anschaut, erkennt, dass Einzigartigkeit nicht immer schön und elegant sein muss. Nur das wiederum liegt im Auge des Betrachters. In etwa so, wie die Scheinwerfer-Anordnung der BMW GS, und das Heck der Ducati Diavel. Oder erinnert sich noch jemand an die Honda DN-01?

Fazit: Fahrtechnisch könnte die Niken ein kluges Konzept für die Zukunft sein. Man muss sich einfach nur trauen – und fast 17.000 Euro für ein Dreirad ausgeben wollen.

Technische Daten Yamaha Niken

Herstellerangaben

Motor

3-Zylinder, 4-Takt, Flüssigkeitsgekühlt, DOHC, 4 Ventile, Hubraum 847 cm³, Leistung 85 kW (115 PS) bei 10.000/min, max. Drehmoment 87,5 Nm bei 8500 /min, sequentielles Getriebe, 6-Gang, Kette, Höchstgeschwindigkeit über 200 km/h

Fahrwerk

Hybrid-Brückenrahmen aus Stahlrohren und Aluminium; Parallelogramm-Vorderradführung mit doppelten USD-Telegabeln ø 41 mm u. 43 mm, voll einstellbar, 11 cm Federweg; Leichtmetall-Zweiarmschwinge, Zentralfederbein, Vorspannung mit Handrad sowie Zugstufe einstellbar, 12,5 cm Federweg, Aluminiumguss-Räder; schlauchlose Reifen 120/70 R 15 (vorne) und 190/55 R 17 (hinten)

Maße und Gewichte

Radstand 1510 mm, Tankinhalt 18 l, Sitzhöhe 820 mm; Gewicht: fahrfertig, vollgetankt 263 kg

Bremsen

Zwei Scheibenbremsen vorne je 26,56 cm, 29,8 cm Einscheibenbremse hinten

Assistenzsysteme

Zweikreis-ABS, drei Fahrmodi, zweistufige, abschaltbare Traktionskontrolle, Antihopping-Kupplung, LED-Beleuchtung, Einwege-Schaltassistent, Tempomat

Preis

ab 16.799 Euro

Text: Michael Gösele