E-Bike-Akku: So lassen sich Lebensdauer und Reichweite verlängern

• Lesezeit: 8 Min.

Von Andrea Piechotta

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Ein Mann entnimmt den Akku an seinem E-Bike
Richtiges Lagern und Laden des E-Bike-Akkus verlängert seine Lebensdauer© iStock.com/izusek

Der Akku ist das Herzstück eines E-Bikes – er bestimmt Reichweite und Fahrspaß. Gleichzeitig zählt er zu den teuersten Bauteilen beim Fahrrad. Wer einige Regeln beim Laden und Lagern beachtet, kann die Lebensdauer deutlich verlängern und teure Ersatz-Akkus vermeiden.

  • Hitze ist für den Akku schädlicher als Kälte

  • Temperaturunterschiede beim Lagern vermeiden

  • Laden: Idealer Ladezustand bei 80 Prozent

Der wichtigste Grundsatz: Extreme vermeiden

Lithium-Ionen-Akkus mögen keine extremen Temperaturen oder extreme Ladezustände. Beides belastet die Zellen und beschleunigt den natürlichen Alterungsprozess. Besonders ungünstig ist es, einen Akku über längere Zeit vollständig geladen liegen zu lassen. Viele E-Bike-Fahrende laden nach jeder Tour auf 100 Prozent auf, obwohl das Fahrrad anschließend mehrere Tage nicht genutzt wird. Technisch funktioniert das problemlos, aber auf Dauer beschleunigt es die Alterung des Akkus.

Ebenso kritisch ist ein dauerhaft nahezu leerer Akku. Wird ein stark entladener Energiespeicher über Wochen oder Monate nicht genutzt, kann eine Tiefentladung entstehen. Dadurch können die Zellen dauerhaft beschädigt werden. Im schlimmsten Fall lässt sich der Akku anschließend gar nicht mehr laden.

Als praktikable Regel gilt: Im Alltag möglichst zwischen 20 und 80 Prozent Ladezustand bleiben. Eine Vollladung empfiehlt sich vor allem dann, wenn für eine längere Tour die maximale Reichweite auch benötigt wird und die Tour zeitnah angetreten wird.

Ladestrategie: E-Bike-Akku voll laden?

Ein E-Bike wird gerade aufgeladen
Wird der E-Bike-Akku regelmäßig voll geladen, verringert das seine Lebensdauer© iStock.com/Karol Gajewski

Für viele Alltagsfahrten ist eine permanente Vollladung nicht notwendig. Wer mit dem E-Bike hauptsächlich kurze Strecken fährt oder zur Arbeit pendelt, benötigt oft nur einen Teil der verfügbaren Akkukapazität. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, den Akku überwiegend in einem mittleren Ladebereich zu betreiben.

Es empfiehlt sich, den Akku nur dann vollständig aufzuladen, wenn die zusätzliche Reichweite tatsächlich auch benötigt wird. Generell ist eine gelegentliche Vollladung dennoch sinnvoll, denn das Batteriemanagementsystem kann dabei die Zellspannungen überprüfen und bei Bedarf ausgleichen.

Leider bieten bislang nur wenige Hersteller die Möglichkeit, eine Ladeschwelle von beispielsweise 80 Prozent direkt am E-Bike einzustellen. Bei einigen modernen Systemen und Drittanbieter-Lösungen gibt es jedoch erste Ansätze.

Seit 2023 etwa bietet der Hersteller Specialized für viele Turbo-Modelle die Funktion "Charge Limit" mit integrierter Ladebegrenzung auf 80 Prozent an. Über die Specialized App wird der Akku dabei automatisch nur bis 80 Prozent geladen.

Praxistipp: Wer keine Ladebegrenzung am E-Bike nutzen kann, kann den Ladevorgang aber zum Beispiel über eine Zeitschaltuhr begrenzen. So lässt sich der Akku häufig näherungsweise auch auf etwa 80 Prozent laden.

Hitze häufig schädlicher als Kälte

Eine Frau entnimmt den Akku ihres E-Bikes
Besonders im Sommer sollte der E-Bike-Akku vor Hitze gut geschützt werden© iStock.com/MixMedia

Viele E-Biker sorgen sich vor allem, wenn der Akku niedrigen Temperaturen ausgesetzt ist. Tatsächlich ist jedoch Hitze viel kritischer für die Lebensdauer von Lithium-Ionen-Akkus.

Wer sein Fahrrad im Sommer abstellt, sollte möglichst einen schattigen Platz wählen. Noch besser sind kühle Innenräume, gut temperierte Kellerräume oder eine moderat temperierte Garage. Schon einige Grad weniger können die Alterung der Zellen langfristig verlangsamen.

Problematisch aber sind vor allem:

  • direkte Sonneneinstrahlung über mehrere Stunden

  • die Lagerung eines Akkus im heißen Auto oder Gartenschuppen

  • dauerhaft hohe Temperaturen über 30 Grad Celsius

Warum sinkt im Winter die Reichweite?

Im Winter sinkt die Reichweite eines E-Bikes häufig spürbar, denn niedrige Temperaturen beeinträchtigen zunächst vor allem die Leistungsfähigkeit des Akkus. Die elektrochemischen Prozesse laufen langsamer ab, wodurch vorübergehend weniger Energie verfügbar ist. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass der Akku Schaden nimmt. Erwärmt sich der Akku wieder, normalisiert sich seine Leistungsfähigkeit weitgehend.

Für Winterfahrten empfiehlt es sich daher, den Akku möglichst bei Raumtemperatur zu lagern und erst kurz vor Fahrtbeginn in das E-Bike einzusetzen. Nach einer Fahrt bei niedrigen Temperaturen sollte ein stark ausgekühlter Akku zunächst langsam auf Raumtemperatur kommen, bevor er geladen wird. Insbesondere das Laden eines Akkus unter 0 Grad Celsius sollte vermieden werden.

E-Bike-Akku in der Winterpause richtig lagern

Steht das E-Bike mehrere Wochen oder Monate still, sollte der Akku entsprechend vorbereitet werden. Ein Ladezustand von etwa 40 bis 60 Prozent gilt für die längere Lagerung als optimal. In diesem Bereich werden die Zellen vergleichsweise wenig belastet und gleichzeitig bleibt ausreichend Reserve gegen Selbstentladung. Der ideale Lagerort ist:

  • trocken

  • frostfrei

  • vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt

  • möglichst temperaturstabil

Gut geeignet sind deshalb Keller- oder Abstellräume innerhalb der Wohnung. Wichtig ist außerdem, den Akku nicht zu vergessen. Während längerer Standzeiten sollte der Ladezustand regelmäßig kontrolliert – beispielsweise alle 4 bis 8 Wochen – und bei Bedarf moderat nachgeladen werden.

Praxistipp: Wer den Ladezustand nicht exakt wie oben beschrieben in Prozent ablesen kann, lädt den Akku für die Winterpause am besten auf etwa die Hälfte der üblichen Reichweite. Bei vielen E-Bikes entspricht das ungefähr zwei bis drei von fünf Ladebalken am Display oder Ladezustandsanzeiger. Sollte der Akku noch voll geladen sein, kann vor der Einlagerung noch eine Fahrt von rund 10 bis 30 Kilometern helfen, den Ladezustand in den empfohlenen Bereich von 40 bis 60 Prozent zu bringen.

Video: Richtige Pflege für Akkus

Auch die richtige Pflege des E-Bike-Akkus ist wichtig und kann die Lebensdauer verlängern. Worauf besonders zu achten ist, zeigt folgendes Video.

Wo sollte ein E-Bike-Akku geladen werden?

Geladen werden sollte der E-Bike-Akku möglichst auf einer nicht brennbaren Unterlage© Shutterstock/Sergey Ryzhov

Grundsätzlich können E-Bike-Akkus problemlos in der Wohnung geladen werden. Wichtig sind jedoch einige Sicherheitsregeln. Sinnvoll ist zum Beispiel ein Rauchmelder in der Nähe des Ladeplatzes.

Für Eigenheimbesitzer bietet zudem ein trockener Keller gute Bedingungen zum Laden und Lagern. Auch Garagen können geeignet sein, sofern sie nicht dauerhaft Frost oder extremer Sommerhitze ausgesetzt sind. Grundsätzlich sind moderate Temperaturen für Lithium-Ionen-Akkus am besten.

Anders sieht es bei Gemeinschaftsflächen in Mehrfamilienhäusern aus. Nicht geeignet sind hier Flure, Treppenhäuser oder Rettungswege. Dort können zusätzliche brandschutzrechtliche Vorgaben gelten und Fluchtwege müssen freigehalten werden. Außerdem können Hausordnungen oder Vereinbarungen von Wohnungseigentümergemeinschaften weitere Regelungen enthalten.

Generell sollte der Akku während des Ladevorgangs:

  • auf einer stabilen, möglichst nicht brennbaren Unterlage liegen

  • nicht direkt neben Vorhängen oder Polstermöbeln geladen werden

  • keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein

  • möglichst nicht unbeaufsichtigt über lange Zeit laden

Außerdem sollte der Akku nicht zu lange unbeaufsichtigt oder über Tage hinweg am Ladegerät angeschlossen bleiben. Ist der Ladevorgang abgeschlossen, empfiehlt es sich, das Ladegerät vom Akku und vom Stromnetz zu trennen.

Praxistipp: Auch sehr hohe oder sehr niedrige Temperaturen sind ungünstig beim Laden. Besonders nach Fahrten im Winter empfiehlt es sich, den Akku zunächst auf Raumtemperatur kommen zu lassen, bevor er geladen wird.

Akku-Brände: Seltenes Risiko oder reale Gefahr?

Immer wieder sorgen Berichte über brennende Akkus für Aufmerksamkeit. Dadurch entsteht leicht der Eindruck, E-Bike-Akkus wären gefährlich. Tatsächlich gelten moderne Lithium-Ionen-Akkus aber als sicher, denn sie verfügen über Schutzmechanismen gegen Überladung, Tiefentladung, Kurzschluss und Überhitzung. Ein Akku-Brand ist gemessen an der großen Zahl genutzter E-Bikes selten.

Schadensfälle stehen eher im Zusammenhang mit beschädigten Akkus, ungeeigneten Ladegeräten, Manipulationen oder unsachgemäßen Reparaturen.

Die wichtigste Botschaft: Vorsicht ist sinnvoll, Panik nicht. Wer den Akku sachgerecht behandelt, Originalzubehör verwendet und Beschädigungen ernst nimmt, kann sein E-Bike über viele Jahre sicher und zuverlässig nutzen.

Woran ist ein beschädigter Akku zu erkennen?

Die meisten Akkus altern langsam und unauffällig. Es gibt jedoch Warnsignale, bei denen Verbraucher sofort reagieren sollten. Dazu gehören:

  • aufgeblähtes, verformtes Gehäuse oder ungewöhnliche Erwärmung

  • Rauchentwicklung

  • Flüssigkeitsaustritt

  • stechender Geruch

  • starke Reichweitenverluste oder häufige Fehlermeldungen beim Laden

Treten solche Anzeichen auf, sollte der Akku nicht weiter genutzt werden. Von Eigenreparaturen oder dem Austausch einzelner Zellen ist dringend abzuraten. Die Überprüfung sollte ausschließlich durch den Hersteller oder einen qualifizierten Fachbetrieb erfolgen.

Akku-Positionen: Vor- und Nachteile

In der Grafik sind die einzelnen Akku-Positionen am E-Bike zu sehen. Beim Anklicken auf die Positionen 1 bis 4 werden die Vor- und Nachteile der jeweils möglichen Akku-Position genauer beschrieben.

Fazit: So läßt sich die Akku-Lebensdauer verlängern

Zusammenfassend lässt sich sagen:

  • Schlecht für den E-Bike-Akku sind Hitze, lange Lagerzeiten bei 100 Prozent Ladung und eine mögliche Tiefentladung.

  • Wer den Akku im Alltag möglichst zwischen 20 und 80 Prozent nutzt, ihn trocken und temperaturgeschützt lagert sowie ausschließlich mit geeigneten Ladegeräten lädt, kann die Lebensdauer deutlich erhöhen. Das spart Geld, verbessert die Nachhaltigkeit und sorgt langfristig für mehr Reichweite und Fahrspaß.

  • Ein moderner E-Bike-Akku kann rund 500 bis 1000 vollständige Ladezyklen bzw. grob 25.000 bis 60.000 Kilometer erreichen. Danach ist er keineswegs zwangsläufig defekt: Häufig steht lediglich weniger Kapazität und damit weniger Reichweite zur Verfügung. Wie schnell ein Akku altert, hängt stark von Nutzung, Temperatur, Belastung und Lagerung ab.

Das fordert der ADAC von den Fahrradherstellern

  • Ladegrenzen serienmäßig ermöglichen
    Nutzer sollten die Möglichkeit haben, eine maximale Ladeschwelle von beispielsweise 80 Prozent festzulegen. Dies kann die kalendarische Alterung des Akkus reduzieren und die Lebensdauer verlängern. Entsprechende Funktionen sind bei Smartphones und Elektroautos längst etabliert und sollten auch bei E-Bikes zum Standard werden.

  • Transparente Informationen zum Akkuzustand
    Der tatsächliche Gesundheitszustand eines Akkus sollte einfach abrufbar sein. Angaben zur Restkapazität, Anzahl der Ladezyklen und zum Zustand einzelner Zellgruppen schaffen Transparenz und erleichtern Kauf-, Wartungs- und Reparaturentscheidungen.

  • Entwicklung langlebiger und reparierbarer Akkus
    Akkus sollten so konstruiert werden, dass einzelne Komponenten bei Defekten überprüft und instand gesetzt werden können. Hohe Ersatzteilpreise und fehlende Reparaturmöglichkeiten belasten Verbraucher unnötig.

  • Ausbau der Sicherheitsfunktionen
    Moderne Batteriemanagementsysteme sollten kritische Zustände wie Überhitzung, Tiefentladung oder Zellfehler frühzeitig erkennen und den Nutzer eindeutig warnen. Zudem sollten Auffälligkeiten einfach lesbar sein und nachvollziehbar dokumentiert werden.

  • Einheitliche Lager- und Ladeempfehlungen
    Verbraucher erhalten derzeit teilweise unterschiedliche Empfehlungen zu optimalen Ladezuständen und Lagerbedingungen. Hersteller sollten klare, verständliche und leicht auffindbare Handlungsempfehlungen bereitstellen und diese einheitlich kommunizieren.

  • Langfristige Verfügbarkeit von Ersatz-Akkus
    Da der Akku die teuerste Einzelkomponente eines E-Bikes ist, sollten Ersatz-Akkus über viele Jahre verfügbar bleiben. Dies erhöht die Nutzungsdauer des gesamten Fahrrads und verbessert die Nachhaltigkeit des Produkts.

Fachliche Beratung: Matthias Zimmermann, ADAC Technik Zentrum