Pannenstatistik 2019: Die Zuverlässigkeits-Hitliste

23.4.2019

Die aktuelle ADAC Pannenstatistik verrät, welche Autos am zuverlässigsten und welche am häufigsten liegen geblieben sind. Plus: Diese Bauteile machten die meisten Probleme.

ADAC Pannhilfeauto
Gut, wenn die Gelben Engel bei einer Panne schnell da sind
  • Fast vier Millionen Einsätze leistete der ADAC im Jahr 2018
  • Batterieprobleme bleiben Pannenursache Nr. 1
  • Übersicht: Die Modelle mit den wenigsten und meisten Pannen 

Exakt 3.926.533 Mal rückten die  ADAC Straßenwachtfahrer und die ADAC Mobilitätspartner in 2018 aus, um havarierten Autofahrern auf und neben der Straße zu Hilfe kommen. Damit leisteten sie pro Tag im Durchschnitt 10.758 Einsätze.

Damit wurden die Gelben Engel fast genauso oft gerufen wie im Vorjahr (2017: 4.008.747) – obwohl 2018 Jahr das statistisch wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war. Am meisten Arbeit hatten die 1737 ADAC Pannenhelfer und die Mobilitätspartner mit allein 24.065 Hilfeeinsätzen am bitterkalten 26. Februar 2018 bei Temperaturen von bis zu 18o C minus.

Tops und Flops des Jahres

In der aktuellen Statistik aus den Pannen des vergangenen Jahres werden Ergebnisse für insgesamt 123 Modelle (11 mehr als im Vorjahr) von 25 Marken veröffentlicht.

Die Zuverlässigen. Nachdem es 2017 kein einziges Modell geschafft hat, in allen Jahren zu den besten 15 Prozent in der Pannenanfälligkeit gehören, sind es dieses Mal gleich zwei BMW-Modelle: Die 1er- und die 3er-Reihe schaffen dieses Kunststück. Nicht in allen Jahren vertreten, aber wenn dann ebenfalls voll im grünen Bereich: BMW 2er, 4er, X1 und der Mitsubishi Colt.

Die Problemfälle. Vorweg eine gute Nachricht: Kein Modell ist in allen Jahren schlecht. Es gibt aber mehrere, die in einem oder mehreren Baujahren schlecht abschneiden. Besonders auffällig waren dieses Jahr der 2009er-Ford S-Max: Rein (ADAC-)statistisch gesehen, blieben 113 Autos pro 1000 zugelassener Fahrzeuge dieses Jahrgangs liegen. Bei den ganz jungen Fahrzeugen ist immer noch der Nissan Qashqai aus 2015 und 2016 der größte Problemfall: 30 bzw. 40 havarierte Fahrzeuge pro 1000 Zulassungen sind ein Vielfaches über dem, was gleich alte Modelle anderer Hersteller bieten. Warum? Batterieprobleme sind beim Qashqai seit Jahren bei jungen Fahrzeugen der Pannentreiber.

Und so nutzen Sie die Tabelle: Wenn Sie auf den Link der Fahrzeugklasse klicken, erhalten Sie – alphabetisch sortiert – alle erfassten Modelle dieser Klasse. Klicken Sie dann hier (oder direkt in der Top- und Flop-Tabelle) auf ein spezielles Modell, sehen Sie die individuellen Pannenursachen, zugeordnet zu den Zulassungsjahren.

Fahrzeugklasse Tops * Flops **                   
Kleinstwagen Chevrolet Spark, Citroën C1, Opel Agila, Peugeot 107, Suzuki Splash, Toyota Aygo, VW Fox Fiat 500 (Erstzulassung 2014-15), Fiat Panda (2012-13), Smart Forfour (2015-16), Smart Fortwo (2015-16) 
Kleinwagen Audi A1, Fiat Punto, Ford Fusion, Honda Jazz, Mazda 2, Mazda CX-3, Mini 3/5-Türer, Mitsubishi Colt, Mitsubishi Space Star, Peugeot 2008, Renault Captur, Škoda Fabia, Škoda Roomster, Suzuki Vitara, Toyota Yaris Hyundai i20 (2011-14)
Untere Mittelklasse Audi A3, Audi Q3, BMW 1er-Reihe, BMW 2er-Reihe, BMW X1, Hyundai Tucson, Mazda CX-5, Mercedes A-Klasse, Mercedes B-Klasse, Mercedes CLA-Klasse, Mercedes GLA-Klasse, Mitsubishi ASX, Renault Kadjar, Škoda Rapid, VW Beetle Dacia Logan (2012), Ford C-Max (2010), Ford Kuga (2012), Hyundai i30 (2009-10), Kia cee´d (2009, 2011-12), Kia Sportage (2011), Nissan Qashqai (2015-16), Peugeot 308 (2011), Renault Kangoo (2015), Renault Scénic (2015) 
Mittelklasse Audi A4, Audi A5, Audi Q5, BMW 3er-Reihe, BMW 4er-Reihe, BMW X3, Mercedes GLC-Klasse Ford S-Max (2009-10, 2016), Opel Insignia (2013-14, 2016), Seat Alhambra (2013-14), VW Sharan (2013-14)
Obere Mittelklasse Audi A6, BMW 5er-Reihe, VW Touareg Mercedes E-Klasse (2009-10)
Vans/Transporter Mercedes Sprinter Kein Fahrzeug betroffen

* Als zuverlässige Modelle werden alle drei- bis zehnjährigen Modelle bezeichnet, deren Pannenkennziffer in allen berichteten Jahren zu den besten 40 Prozent gehören. ** Das sind die Modelle, deren Pannenkennziffer in einem Jahr zu den schlechtesten fünf Prozent gehören 

Pannenursache Nr. 1: Batterieprobleme 

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ADAC Pannenhelfer
Er springt nicht an? Vielleicht ist es ja die Batterie ...

Die ingesamt häufigste Pannenursache war im Jahr 2018 mit 42 Prozent aller Fälle wieder die Autobatterie. Das hat auch mit dem Durchschnittsalter der in Deutschland zugelassenen Pkw zu tun, das laut Kraftfahrt-Bundesamt erneut gestiegen ist – auf 9,5 Jahre. 

Platz zwei belegten Defekte am Motor und dem Motormanagement (19 Prozent). Dazu zählt der ADAC vor allem Probleme mit Einspritzung, Sensorik oder Zündung. Mit 14 Prozent dritthäufigster Grund, der die Hilfe der Straßenwacht erforderte, waren Pannen bei Lenkung, Karosserie, Bremsen, Fahrwerk oder Antrieb.

Da der Bestand an Elektroautos auf deutschen Straßen derzeit noch relativ gering ist, hielt sich auch das Pannenvolumen in diesem Segment in Grenzen: Insgesamt 400 Mal kam die ADAC Straßenwacht im vergangenen Jahr Fahrern von liegen gebliebenen E-Fahrzeugen zu Hilfe.

Gut, dass die Gelben Engel durch Schulungen bestens auf die Elektromobilität vorbereitet sind. Denn obwohl sich die Bauart der Fahrzeuge aktuell besonders rasant ändert, zeigt ein Blick auf die Pannenursachen im Lauf der über 40 Jahre Pannenstatistik: Die Straßenwachtfahrer meisterten schon immer neue Herausforderungen. 

Waren früher noch gerissene Keilriemen die Übeltäter für liegengebliebene Fahrzeuge, sind es heute eben die zahlreichen Steuergeräte, die Starterbatterien in die Knie zwingen. Wir haben uns die Verschiebung der Bauteile angesehen und die aktuellen Pannenursachen mit denen von vor 20 Jahren verglichen. 

Grafik ADAC Pannenstatistik
Infografik: Pannenursachen 1998 und 2018

Die häufigsten Pannenursachen: Vor 20 Jahren und heute

Motoren und Einspritzsysteme

Die Technik der Motoren und Einspritzsysteme hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, so dass es hier seltener zu Ausfällen kommt. Das gilt auch für die neuen elektronischen Zündsysteme: Marderverbisse an den besonders beliebten Zündkabeln sind weitgehend Geschichte, denn heutige Digital-Zündanlagen haben keine Hochvolt-Zündkabel mehr. Kaum noch Probleme gibt es mit Verteilern, die wegen Verschleiß oder Feuchtigkeit Probleme machen, oder Zylinderköpfen, die mit verbesserten Materialien und Dichtsystemen ausgestattet sind. Zugenommen haben dagegen Defekte der Abgasrückführung – das Thema gab es bei den ungeregelten Dieselmotoren noch nicht. Und kaputte Turbolader tauchen ebenfalls erst heute in der Statistik auf, nachdem fast jedes Auto inzwischen einen hat.

Elektrische Verbraucher

Die Zahl der elektrischen Verbraucher ist extrem gestiegenen. Besonders stromfressend: Elektronische Steuergeräte, die auch nach dem Ausstellen der Zündung noch für eine gewisse Zeit Strom verbrauchen.  Oft sind außerdem mangelhaft ausgelegte Batteriemanagement-Systeme die Ursache der steigenden Zahlen von Batteriepannen. 

Auspuffanlage

Auspuffanlagen bestehen heute zu einem großen Teil aus rostfreien oder rostarmen Materialien und halten oft ein Autoleben lang. Früher konnte man froh sein, wenn der Endtopf bis zum ersten TÜV intakt geblieben ist. 

Räder/Reifen

Bei den Rädern und Reifen hat sich in puncto Haltbarkeit nichts geändert – und das zeigt sich in sich in der Stagnation der Pannenzahlen.

Kühlung/Heizung

Vor zwanzig Jahren ein normales Bild: Beim stundenlangen Stau auf dem Weg in den Sommerurlaub stehen reihenweise Autos mit kochendem Kühler auf dem Pannenstreifen der Autobahn. Heute sind die Kühlsysteme leistungsfähiger und besser geregelt, so dass es diese Pannen kaum noch gibt.

Kraftstoffanlage

Auch bei der Kraftstoffanlage kommen ausgereiftere Systeme und Materialien zum Einsatz, weshalb die Pannen wegen defekter Kraftstoffpumpe oder undichten Spritleitungen abnehmen.

Sonstige

Rund um Karosserie, Fahrwerk, Lenkung und Bremsen hat sich relativ wenig verändert, so dass hier die Entwicklung der Pannenzahlen weitgehend konstant ist. Zumindest zerrissene Kupplungsseilzüge gibt es kaum noch: Heute werden Kupplungen hydraulisch betätigt. 

Leere Batterie? Muss nicht sein!

Zoom-In
ADAC Pannenhelfer überbrückt Auto
Batterietest: Reicht die Spannung noch zum Starten?

Im Schnitt halten Batterien fünf bis sechs Jahre. Trotzdem bleiben schon viele junge Fahrzeuge mit leerer oder defekter Batterie liegen. Der Hauptgrund ist die hohe Belastung durch viele elektrische Verbraucher – doch auf die kann auch der Autofahrer einwirken. 

Wer viele Kurzstrecken fährt, sollte ab und an längere Etappen fahren, um die Batterie vollständig zu laden. Und wer neben dem heimischen Parkplatz eine Steckdose hat, kann die Batterie gelegentlich aufladen. Auch ein rechtzeitiger Austausch bzw. eine Batteriekontrolle hilft, diese Pannenursache zu verhindern.

Sehr oft ist das unzureichende Batteriemanagement des Autoherstellers die Ursache einer defekten Batterie. Darauf angesprochen wiegeln die meisten Firmen ab: Batteriepannen wären vor allem "Bedien- oder Wartungsfehler" der Kunden. Ein Hersteller könne auf Batteriepannen nicht einwirken, da der Zustand des Akkus allein vom Fahrzeugbesitzer abhänge.

Doch das stimmt nicht. Eine Sonderauswertung der ADAC Pannenstatistiken beweist: Einige Hersteller haben durch ein intelligentes Energiemanagement das Batterieproblem schon seit einigen Jahren weitgehend gelöst, während andere noch viel Arbeit vor sich haben. BMW zum Beispiel überwacht ständig den Ladezustand der Batterie, schaltet Verbraucher notfalls ab und weist den Fahrer darauf hin.

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Automarken im Batterie-Check

Richtig deutlich werden die unterschiedlichen Haltungen der Hersteller in der folgenden Tabelle. Hier wurden alle Batteriepannen der fünf- und zehnjährigen Autos (Erstzulassung EZ 2009, 2013 und 2014) einer Marke mit dem Bestand ins Verhältnis gesetzt und die Anzahl Pannen je 1000 zugelassener Fahrzeuge dargestellt. Die Zahl entspricht also der Batterie-Pannenkennziffer (PKZ) aller erfassten Fahrzeuge dieser Jahrgänge – und es gilt: Je kleiner die PKZ, umso zuverlässiger sind die verbauten Batterien der Marke.

Marke Pannenkennziffer PKZ
bei Erstzulassung EZ 2009
PKZ bei EZ 2013  PKZ bei EZ 2014 PKZ-Durchschnitt
Mini 2,8 2,1  1,4 2,1 
BMW 5,2 1,6  1,0 2,6 
Audi 12,4 2,1  2,1 5,5 
Mitsubishi 7,8 8,8  4,7 7,1 
Porsche 26,3 3,9  1,8 10,7 
Škoda 18,5 9,1  5,8 11,1
Smart 16,1 8,1 10,0 11,4
Citroën 21,2 8,5  5,1 11,6
VW 20,2 9,1  6,7 12,0
Mercedes  23,9 6,9  5,3 12,0
Peugeot 19,9 12,3 5,5 12,6
Opel 19,8 13,1  8,8 13,9
Renault 22,2 10,5  12,1 14,9
Dacia 16,3 19,6  9,4 15,1
Ford 25,2 12,5 8,4 15,4
Suzuki 15,7 17,6  12,9  15,4
Toyota 21,9 14,3  10,3 15,5
Nissan 22,6 12,0  12,2 15,6
Seat 30,0 10,9  12,9  17,9
Volvo 34,2 12,0 7,7  18,0
Mazda 23,5  18,4  14,2  18,7
Fiat 16,5 22,7  21,9  20,4
Kia 20,6  23,8  17,3  20,6
Hyundai 23,4  24,5  14,4  20,8
Honda 31,6  26,8  23,1  27,2

 

Tipp Icon

Tipps für den Gebrauchtwagenkauf

Selbst wenn ein Modell in der ADAC Pannenstatistik als zuverlässig aufgeführt ist, können einzelne Exemplare einer Modellreihe in ihrer Zuverlässigkeit doch sehr unterschiedlich sein. Denn: Je älter ein Fahrzeug, umso größer der Einfluss des Halters auf die Pannenanfälligkeit.

Deshalb gilt beim Kauf eines älteren Fahrzeugs ganz allgemein:

Text: Thomas Kroher. Fotos: ADAC/Martin Hangen. Infografik: ADAC.

Hier geht es zu den ADAC Pannenstatistiken der letzten Jahre und hier finden Sie viele aktuelle Fahrberichte und Autotests.

Kontakt zur Redaktion: redaktion@adac.de