ADAC Pannenstatistik 2024: Gewinner und Verlierer

Aufnahme eines helfenden Straßenwachtfahrers aus Leipzig
Pannenursache Nummer eins war bei allen Fahrzeugen wieder die Starterbatterie© ADAC/Peter Hirth

Die neue ADAC Pannenstatistik zeigt nicht nur, welche Pkw im Jahr 2023 am häufigsten liegen geblieben sind, sondern auch, dass die ausgewerteten Elektroautos an Zuverlässigkeit gewonnen haben.

  • ADAC Pannenstatistik: Analyse von 156 Modellreihen

  • Zuverlässigkeits-Index: Die Tops und Flops

  • 30 Elektroautos im Check: Das sind die Pannenursachen

Die Arbeit geht den Pannenhelfern des ADAC nicht aus: Alle neun Sekunden wurde im Jahr 2023 ein Gelber Engel zu Hilfe gerufen. Insgesamt kam die ADAC Pannenhilfe im letzten Jahr über 3,5 Millionen Mal zum Einsatz – das waren 117.570 mehr Pannenfälle als im Jahr zuvor. Wesentlicher Grund: ein allgemein erhöhtes Verkehrsaufkommen.

Mit dem Hochlauf der Elektromobilität steigt dabei natürlich auch die Pannenzahl von E-Autos: Registrierte der ADAC im Jahr 2022 etwa 15.000 Einsätze, waren es 2023 doppelt so viele Fälle (exakt 30.009), bei denen ein Elektroauto gestrandet ist.

Wichtig sind dabei eine ganze Reihe von Fragen: Welche Modelle sind besonders zuverlässig, sodass man weniger Gefahr läuft, unterwegs liegen zu bleiben? Gibt es umgekehrt Modelle, bei denen eher mit einer Panne zu rechnen ist? Und steigt das Risiko einer Panne mit einem bestimmten Fahrzeugalter eklatant an?

Und zu guter Letzt ist es interessant, ob Elektroautos möglicherweise pannenanfälliger sind als Autos mit Benzin- oder Dieselmotor.

Auf all diese Fragen liefert die Pannenstatistik Antworten, die bei der Kaufentscheidung hilfreich sein können.

Modellvergleich: Sieger & Verlierer

Pannenursache Nummer eins: Batterie

Warum sind manche Autos superzuverlässig, andere ein Hort von Ärger und Unsicherheit? Was sind die Ursachen?

Im Fokus auf der Suche nach der Pannenursache steht seit Jahren die Starterbatterie. Auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie 2020 schnellte die Häufigkeit von Batteriepannen steil nach oben, weil die Autos oft gar nicht oder nur sehr wenig gefahren wurden. Die Erklärung: Eine Batterie leidet weniger durch den Verschleiß im Betrieb als durch den Verschleiß im Nichtbetrieb.

Sind im Jahr 2022 noch 43,2 Prozent aller Pannen aufs Konto einer leeren Batterie gegangen, entfallen im aktuell ausgewerteten Jahr 2023 sogar 44,1 Prozent der Pannen auf die Batterie. Damit ist eine schwache oder defekte Bordnetzbatterie weiterhin die absolut häufigste Pannenursache im Vergleich aller Bauteilgruppen.

Pannenursache Nummer zwei sind Motorprobleme bzw. Probleme mit der Motorelektronik, der Einspritzung und der Zündung (22,8 Prozent). Mit weitem Abstand Nummer drei sind Ausfälle, die mit dem Anlasser, dem Generator, dem Bordnetz oder der Beleuchtung zu tun haben (10,5 Prozent). Dahinter folgen Defekte an Reifen (8,8 Prozent) und Schließsystemen (7,1 Prozent).

Zuverlässigkeitsindex für 156 Modelle

Insgesamt 156 Fahrzeugreihen von rund 20 Automarken wurden in der aktuellen Pannenstatistik ausgewertet. Herangezogen wurden alle Pannen im Lauf des Jahres 2023, die Fahrzeuge im Alter von drei bis zehn Jahren (Erstzulassung 2014 bis 2021) betrafen. Um statistisch verwertet werden zu können, müssen die Baureihen mindestens 7000 Zulassungen in zwei Jahren aufweisen. Ist diese Voraussetzung erfüllt, werden alle Fahrzeug-Baujahre mit mindestens 5000 Zulassungen angezeigt.

Modelle mit weniger Zulassungen werden grundsätzlich nicht ausgewertet. Auch eindeutig selbstverschuldete Ursachen wie ein leerer Kraftstoffbehälter werden bei der modellbezogenen Pannenzählung nicht berücksichtigt, da sie schließlich nicht dem Fahrzeug selbst anzulasten sind.

In der folgenden Pannenstatistik-Tabelle finden Sie alle gewerteten Modellreihen, alphabetisch sortiert und in Fahrzeugklassen eingeteilt. Hinweis: Wenn Sie auf den Umschaltpfeil am Kopf der Tabelle klicken, bekommen Sie die jeweils nächste Fahrzeugklasse angezeigt. Die Bewertung der Pannenhäufigkeit folgt dem Farbschema Dunkelgrün (sehr niedrig) bis Rot (sehr hoch). Klicken Sie auf eine Spalte mit dem Baujahr, werden die Fahrzeuge nach ihrer Bewertung sortiert, entweder die besten oder die schlechtesten Modelle werden oben angezeigt.

Das Farbschema bietet eine gute und schnelle Orientierung für Gebrauchtwagen-Käuferinnen und -Käufer. Dabei gilt: Bei Autos mit vielen Modelljahren in grüner Bewertung ist das Risiko einer Fehlerquelle geringer, bei Autos mit einigen Modelljahren in roter Bewertung ist dagegen erhöhte Vorsicht angebracht.

Die Bewertungen sind grundsätzlich als Orientierungshilfe zu verstehen, nicht mehr als das. Denn die Qualität eines Fahrzeugs kann auch von der statistischen Bewertung abweichen – im Positiven wie im Negativen. Wer also nach der Vorauswahl ein passendes Angebot auf dem Gebrauchtwagenmarkt gefunden hat, sollte unabhängig von der statistischen Bewertung einen professionellen Gebrauchtwagen-Check durchführen lassen. Das hilft, teure Reparaturen im Nachgang zu vermeiden.

Technikvergleich: E-Auto gegen Verbrenner

Sind Elektrofahrzeuge pannenanfälliger als Verbrenner? Diese Frage wurde dem ADAC in den vergangenen Jahren oft gestellt. Dank der gestiegenen Zulassungszahlen für E-Fahrzeuge – und einer ausreichenden Datenbasis – gab es im letzten Jahr erstmals eine Antwort.

In der Auswertung vor einem Jahr war der Vergleich allerdings noch auf Fahrzeuge mit Erstzulassungsjahr 2020 begrenzt. Dieses Jahr kommt das Erstzulassungsjahr 2021 als Beobachtungszeitraum hinzu.

Bei der Vergleichbarkeit von Pkw mit Elektroantrieb und Pkw mit Verbrennungsmotor gibt es jedoch ein Problem: Das Durchschnittsalter aller in Deutschland zugelassenen Autos liegt laut Kraftfahrt-Bundesamt bei zehn Jahren. Alle gewerteten E-Fahrzeuge dagegen sind noch sehr jung. Da die Pannenwahrscheinlichkeit mit steigendem Fahrzeugalter wächst, wäre ein Vergleich der Pannenanfälligkeit zwischen E-Fahrzeugen und Verbrennern über den gesamten Bestand unfair.

Der ADAC hat daher Verbrenner (Diesel wie Benziner) sowie reine Elektromodelle jeweils nur mit den Erstzulassungsjahren 2020/2021 verglichen.

Ergebnis: Junge Elektroautos zeigen sich weiterhin weniger pannenanfällig als Pkw mit Benzin- oder Dieselantrieb. Für die Fahrzeuge mit Erstzulassung (EZ) 2020 bleibt der Abstand zwischen E-Fahrzeugen und Verbrennern etwa auf dem Niveau des letzten Jahres: Auf 1000 zugelassene Fahrzeuge haben E-Fahrzeuge 1,9 Pannen weniger als Verbrenner. Bei den Fahrzeugen mit EZ 2021 können E-Fahrzeuge diesen Vorsprung auf 3,6 Pannen ausbauen.

Bauteile: Wo Elektroautos im Vorteil sind

Damit ergibt sich die weiterführende Frage: In welchen Punkten konkret schneiden Elektroautos im Vergleich zu Verbrennern besser oder schlechter ab? Gibt es möglicherweise prinzipbedingte Ursachen für eine höhere oder niedrigere Pannenwahrscheinlichkeit? Sind gewisse Bauteile störanfälliger?

Erwartet wird von den meisten Experten, dass Elektroautos weniger Pannen haben als Verbrenner. Begründung für die These ist erstens, dass es bei einem Elektroantrieb viel weniger Teile gibt, die kaputtgehen könnten. Es gibt keinen Auspuff, kein Getriebe mit etlichen Übersetzungen, weder Kupplung noch Anlasser, keine Abgasrückführung, keine Kraftstoffeinspritzung, keinen Turbolader. Doch stimmt die These? Was sagen die neuen Daten der Pannenstatistik?

Auffallend häufig sind nach wie vor Pannen aufgrund einer defekten oder entladenen Starterbatterie – und zwar für beide Antriebsarten gleichermaßen. Dazu muss man wissen: Elektroautos haben, neben der sogenannten Hochvolt- oder Traktionsbatterie im Unterboden, eine 12-Volt-Starterbatterie zum Betreiben des Lichts, der Armaturen und aller Systeme, die mit Niederspannung arbeiten – genau wie das bei jedem Verbrenner auch der Fall ist. Bei der Starterbatterie hat also weder das Elektroauto noch der Verbrenner-Pkw einen Vorteil.

Das zweithäufigste Problem ist ein defekter Reifen. Dann folgen die in einer Ursachengruppe zusammengefassten Bauteile Generator, Anlasser, das Bordnetz selbst und die Beleuchtung. Dieses Problemfeld ist mehr oder weniger gleich stark vorhanden bei Elektroautos und Verbrennern (0,1 Promille Differenz). Ohne signifikante Unterschiede bleiben die Bauteile Karosserie, Antrieb, Bremsen und Fahrwerk.

Klammert man die Reifen als Pannenursache mal aus (die durchschnittliche Laufleistung der Verbrenner ist höher), treten als signifikant unterschiedlich im Vergleich der Mängelhäufigkeit von Elektroautos und Pkw mit Verbrennungsmotor nur zwei Bereiche hervor: Schlüssel, Schlösser, Wegfahrsperre und der Bereich Motor, Management und Hochvolt-(HV)-System.

Der Unterschied bei Problemen hinsichtlich des Antriebs (das HV-System des Elektroautos ist das Pendant zum Antrieb des Verbrenner-Pkws) lässt sich wahrscheinlich auf den deutlich einfacheren technischen Aufbau eines E-Motors zurückführen.

Bei Pannen oder Problemen im Zusammenhang mit dem Schlüssel liegt die Vermutung nahe, dass bei den Elektroautos kontaktlose Ausführungen (Keyless Go) deutlich häufiger sind und hierdurch der Pannengrund "Schlüssel im Auto" (Fahrer ausgesperrt) deutlich seltener vorkommt.

Endgültiges Fazit? Noch nicht möglich

Sind E-Fahrzeuge also weniger pannenanfällig als Verbrenner? Es sieht so aus. Für ein abschließendes Fazit ist es aber trotz breiterer Datenbasis immer noch zu früh. Die Gründe:

  • Die aktuell auf der Straße befindlichen E-Fahrzeuge sind auch für die Hersteller noch Neuland. Insofern ist es gut möglich, dass die Pannenwahrscheinlichkeit durch Lerneffekte/technische Verbesserungen in Bezug auf einzelne Bauteile noch weiter gesenkt werden können.

  • Ob die Reifen, die durch das hohe Gewicht von Elektroautos einer ungleich stärkeren Belastung ausgesetzt sind, über die Jahre standhalten, ist ungewiss. Noch sind die Laufleistungen der aktuellen E-Fahrzeuge geringer als bei den Verbrennern. Höhere bzw. andere Belastungen müssen auch Achsen, Achsaufhängungen und Bremsen aushalten. Die Langzeitfolgen kennen wir heute noch nicht.

  • Ob die Antriebsbatterien vergleichbar lang ihren Dienst tun werden wie ein Verbrennungsmotor (Diesel und Benziner), darüber kann die Pannenstatistik Stand heute keine Auskunft geben.

Der ADAC wird den Systemvergleich Elektroauto gegen Verbrenner deshalb in den nächsten Jahren fortführen und stetig ausbauen.

Tipps für den Gebrauchtwagen-Kauf

Selbst wenn ein Modell in der ADAC Pannenstatistik als zuverlässig aufgeführt ist, können einzelne Exemplare einer Modellreihe in ihrer Zuverlässigkeit doch sehr unterschiedlich sein. Denn: Je älter das Fahrzeug ist, umso größer ist der Einfluss des Halters oder der Halterin auf die Pannenanfälligkeit.

Deshalb gilt beim Kauf eines älteren Fahrzeugs ganz allgemein:

  • Nehmen Sie das Auto kritisch unter die Lupe.

  • Informieren Sie sich vorher in der ADAC Autodatenbank (auch als App für Android und Apple). Hier finden Sie zum Wunschauto alle Informationen und erfahren auch die typischen Störungen sowie die häufigsten Pannenursachen je Modell und Jahr.

  • Lassen Sie das Fahrzeug fachmännisch überprüfen. Das kann in der Werkstatt Ihres Vertrauens sein oder die ADAC Gebrauchtwagenuntersuchung in einem ADAC Prüfzentrum in Ihrer Nähe.

  • Lassen Sie sich alle Wartungsnachweise bzw. Belege für durchgeführte Reparaturen zeigen.

  • Halten Sie alle zugesicherten Angaben des Verkäufers im Vertrag fest.

Und hier finden Sie alles zum Thema Gebrauchtwagen.

Tipps bei Batterie- und Reifenproblemen

  • Batterie: Im Schnitt halten Starterbatterien fünf bis sechs Jahre. Allerdings bleiben schon viele junge Fahrzeuge mit leerer oder defekter Batterie liegen. Die Gründe hierfür sind oft eine hohe Belastung durch viele elektrische Verbraucher. Wer neben dem heimischen Parkplatz eine Steckdose hat, kann die Batterie gelegentlich aufladen. Auch ein rechtzeitiger Austausch bzw. eine Batteriekontrolle helfen, diese Pannenursache zu verhindern. Sofern längere Fahrten anstehen, hilft es, diese bewusst auch mal mit dem "Kurzstreckenauto" zu fahren, um die Batterie vollständig zu laden. Aber: Die Hersteller bleiben auch aufgefordert, das Batteriemanagement neuer Fahrzeuge zu verbessern und ein Entladen der Batterie technisch zu verhindern.

  • Reifen: Auch wenn dafür meist nicht der Fahrzeughersteller verantwortlich ist, können Funktionsstörungen oder falsch interpretierte Warnungen der Reifendruck-Kontrollsysteme ein Problem sein. Der Trend zu Pannensets statt Notrad bzw. Ersatzreifen schränkt die Möglichkeiten zur eigenständigen Weiterfahrt nach einer Reifenpanne zusätzlich ein. Als Autofahrer bzw. Autofahrerin kann man die Pannenwahrscheinlichkeit verringern, indem man den Reifendruck mindestens alle zwei Wochen überprüft und regelmäßig Sichtkontrollen hinsichtlich Abnutzung oder Rissen durchführt.

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Datenanalyse und fachliche Beratung: Jan Schreier, ADAC Technikzentrum