Sicher im Auto: 14 Kindersitze im ADAC Vergleichstest

20.10.2020

Im aktuellen Test wurden 14 verschiedene Kindersitze in puncto Sicherheit, Bedienung, Ergonomie und Schadstoffgehalt geprüft. Alle Daten und Ergebnisse sowie nützliche Tipps zum Einkauf – und die häufigsten Fehler beim Einbau. 

Die aktuellen Testergebnisse Herbst 2020

  • Im Test: 14 Kindersitze in allen Größen

  • Kein Modell fällt diesmal durch

  • Hohes Verletzungsrisiko bei falschem Einbau

Modelle/Einbau

Egal ob Babyschale, integraler oder nicht-integraler Kindersitz: Das Ergebnis ist diesmal erfreulich. Acht der getesteten Sitze erreichen das ADAC Urteil „gut“, sechs Modelle erhalten ein „befriedigend“. Damit übertreffen alle getesteten Sitze die gesetzlichen Vorschriften. Doch wichtig und lebensrettend ist der richtige Einbau – und hier werden viele Fehler gemacht.

Babyschalen 

Zoom-In
Eine falsch eingebaute Babyschale fliegt beim Kindersitz Test 2020 in der Crashanlage des ADAC in Landsberg aus dem Testschlitten
Das passiert, wenn der Gurt nicht in der Führungshilfe eingelegt ist 

Babyschalen, die praktisch auch zum Babytransport ohne Auto genutzt werden können, sind für Kleinstkinder bis ca. 1,5 Jahre geeignet. Wird eine Isofix-Station dazu gekauft, spart man sich die Befestigung mit dem Fahrzeuggurt.

Diesmal im Test:

Cybex Aton B i-Size + Base M (Isofix): Gesamtnote 1,7
Cybex Aton B i-Size: Note 1,8
ABC Design Tulip: Note 2,2
ABC Design Tulip + Isofix base Tulip: Note 2,9

Die häufigsten Einbaufehler

Becken und Schultergurt vertauscht

  • Richtig: Beim Anschnallen von Babyschalen wird der Fahrzeuggurt immer zuerst über das Beinende der Schale gelegt und dann in das Gurtschloss eingesteckt. Der verbleibende Diagonalgurt, der nach oben zur Lehne des Fahrzeugsitzes läuft, wird anschließend um das Kopfteil der Babyschale gelegt.
  • Falsch: Werden Becken- und Diagonalgurt beim Anschnallen vertauscht, kann sich die Babyschale bei einem Frontalunfall aus dem Gurt drehen. Das Verletzungsrisiko fürs Baby ist dabei enorm hoch.

Gurt nicht in Führungshilfe eingelegt

  • Richtig: Die Führungen für den Fahrzeuggurt sind bei Babyschalen blau bzw. bei den neuesten Modellen grün gekennzeichnet. Sowohl der Beckengurt (am Beinende der Babyschale) als auch der Diagonalgurt (am Kopfende der Babyschale) müssen in die vorgesehenen Führungen eingelegt werden.
  • Falsch: Wird der Gurt nicht in die Führung eingelegt, so kann dieser beim Unfall abrutschen, die Schale wird nach vorne geschleudert, und das Baby kann dabei schwer verletzt werden. 

Integrale Kindersitze

Zoom-In
Durch den falsch angelegten  Hosenträgergurt fliegt das Dummy-Kind mit dem kompletten Oberkörper beim Kindersitz Test 2020 in der Crashanlage des ADAC in Landsberg aus dem Kindersitz
Ist der Gurt zu lose, fliegt der Dummy nach vorne

In den integralen Kindersitzen (bis ca. 4 Jahre) sind die Kinder mit integrierten Hosenträgergurten gesichert. Einige Modelle sind bereits ab Geburt zugelassen und können so als Ersatz für die Babyschale genutzt werden. Man kann sie meist sowohl entgegen als auch in Fahrtrichtung nutzen, lediglich Babys bis 15 Monate müssen "rückwärts" sitzen.

Integrale Sitze sind meist einteilig und deshalb relativ schwer, viele neue Modelle können aber zum Hineinsetzen des Kindes praktisch zur Seite gedreht werden. Es gibt aber auch zweiteilige „integrale Kindersitze“ wie z.B. der „Besafe iZi Modular X1 + iZi Modular i-Size Base“ aus dem aktuellen Test. Hier ist der Einbau aufgrund der Zweiteilung zwar etwas leichter, doch die Sitzschale kann zum Anschnallen des Kindes nicht zur Seite gedreht werden.

Im aktuellen Test (alle mit Isofix):

Joie i-Spin Safe: Gesamtnote 1,6
Nuna Prym: Note 2,1
Recaro Salia: Note 2,3
Maxi-Cosi Mica: Note 2,7
Recaro Salia Elite: Note 2,7
Besafe iZi Modular X1 + iZi Modular i-Size Base: Note 2,0


Der häufigste Einbaufehler

Gurt zu lose
  • Richtig: Je enger die Gurte anliegen, desto geringer ist der Ruck bei der Rückhaltung und desto kleiner ist die Gefahr eines Anpralls am Vordersitz. Kindersitze haben meist keine Automatikgurte, deshalb muss der Hosenträgergurt beim Anschnallen am Zentralgurt straff gezogen werden. Der Beckengurt sollte möglichst unter die Jacke gelegt werden.
  • Falsch: Wird der Gurt beim Anschnallen nicht festgezogen, ist die Verletzungsgefahr fürs Kind viel höher. Wie gefährlich es ist, wenn das Kind mit den Armen aus dem Hosenträgergurt schlüpft, zeigt das nebenstehende Bild: Der Dummy fliegt nahezu ungebremst nach vorne – ein Kind würde mit dem Kopf an den Vordersitz prallen.
Tipp Icon

So wird der ADAC Kindersitztest gemacht

Wollten Sie schon immer mal wissen, was und wer hinter dem Kindersitztest steckt? Dann blicken Sie doch mal hinter die Kulissen: Im ADAC Inside "Der Kindersitztest-Ingenieur Andreas Ratzek" erfahren Sie, wie der Test organisiert und durchgeführt wird.

Nicht-integrale Kindersitze

Zoom-In
Das Dummy-Kind fliegt beim falsch eingebauten integralem Sitz  beim Kindersitz Test 2020 in der Crashanlage des ADAC in Landsberg aus dem Testschlitten nach vorne
Liegt der Gurt unter der Schulter, hält er den Oberkörper nicht

In nicht-integralen Kindersitzen werden Kinder mit dem Fahrzeuggurt angeschnallt, einige Modelle können zusätzlich mit Isofix oder mit Isofix und Top Tether mit dem Auto verbunden werden. Diese Sitze sind für Kinder ab etwa 4 Jahren geeignet. Manche Modelle haben auch zusätzlich herausnehmbare Hosenträgergurte und können so direkt nach der Babyschale (frühestens ab 15 Monaten) genutzt werden. Wichtig ist die Rückenlehne: Sie übernimmt die Gurtführung und den Seitenaufprallschutz, dient auch als Schlafstütze.

Im aktuellen Test:

Britax Römer Advansafix i-Size: Gesamtnote 2,6
Renolux Olymp i-Size: Note 2,9
Avova Sperling-Fix i-Size: Note 3,2
Maxi-Cosi Morion: Note 2,0

Die Fehler beim Einbau

Gurt nicht in der Führungshilfe

  • Richtig: Die Führungen für den Fahrzeuggurt sind bei Kindersitzen, die in Fahrtrichtung eingebaut werden, rot bzw. bei den neuesten Modellen grün gekennzeichnet. Sowohl der Beckengurt (seitlich am Sitzkissen) als auch der Diagonalgurt (am Sitzkissen und an der Kopfstütze) müssen in die vorgesehenen Führungen eingelegt und straff gezogen werden.
  • Falsch: Wird der Beckengurt nicht in, sondern über die Führung gelegt, verläuft er zu hoch über den empfindlichen Bauch des Kindes und überträgt die Belastung nicht über das Becken. Bei einem Unfall schneidet der Gurt in den Bauch ein und kann dabei schwere innere Verletzungen verursachen.

Rückenlehne falsch eingestellt

  • Richtig: Um den Kindersitz an das wachsende Kind anzupassen, kann die Rückenlehne in der Höhe verstellt werden. Bei korrekter Einstellung wird der Kopf seitlich gut abgestützt, der Diagonalgurt liegt mittig auf der Schulter des Kindes.
  • Falsch: Scheuert der Diagonalgurt am Hals (z.B. weil er aufgrund einer falsch eingestellten Rückenstütze nicht mittig über die Schulter verläuft), legen ihn manche Kinder unter die Achsel. Das erhöht das Verletzungsrisiko erheblich: Bei einem Frontalunfall wird der Oberkörper kaum zurückgehalten, der Kopf schleudert weit nach vorne, und der Diagonalgurt schneidet tief in den Bauch ein. 
Tipp Icon

Sitzerhöher nur im Notfall

Einfache Sitzerhöhungen ohne Rückenstütze sind allenfalls als Notbehelf für etwas größere Kinder zu empfehlen. Sie bieten keinen Seitenaufprallschutz, Gurt und Kind werden nicht optimal zueinander positioniert. Der Gesetzgeber hat die Sicherheitsdefizite durch die fehlende Rückenstütze ebenfalls erkannt und deshalb deren Anwendung eingeschränkt. Neue Sitzmodelle ohne Rückenstütze dürfen seit Februar 2017 nur noch für Kinder über 1,25 Meter (ab ca. 7 Jahre) zugelassen und genutzt werden. Vor Februar 2017 erteilte Genehmigungen von Sitzen behalten aber bis auf Weiteres ihre Gültigkeit.

Hier finden Sie noch viele weitere Infos und Tipps zu Kindersitzen

Autor: Thomas Kroher. Fachliche Beratung: Andreas Ratzek, ADAC Technik Zentrum

Aktuelle Testergebnisse Herbst 2020

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Altersklassen

Montage

In welche Richtung soll der Kindersitz befestigt werden können?

Sie können den Kindersitz in Fahrtrichtung oder entgegen der Fahrtrichtung (als Reboarder) befestigen. Manche Kindersitze bieten beide Befestigungsmöglichkeiten.

Mit welcher Mechanik soll der Kindersitz befestigt werden?

Die meisten Autos haben eine Isofix-Halterung, um den Kindersitz zu befestigen. Ist dies nicht der Fall, befestigen Sie den Sitz mit dem Sicherheitsgurt. Achten Sie bei der Auswahl auch auf die Gegebenheiten im Zweitwagen oder bei Ausflügen in anderen Autos.

Preis in € (ca.)

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Die getesteten Modelle

Hersteller / Modell Testjahr Preis in € (ca.) Größe Gewicht Isofix ADAC Urteil
Sicherheit
(Gewichtung 50%)
Bedienung
(Gewichtung 40%)
Ergonomie
(Gewichtung 10%)
Schadstoffe
(Gewichtung 0%)
Verarbeitung und Reinigung
(Gewichtung 0%)
Altersklasse
2020 170 45cm bis 85cm 4,1 kg nein
2,2
2,1
2,5
1,6
1,0
2,3
2) bis ca. 1 1/2 Jahre ABC Design Tulip
2020 330 45cm bis 85cm 4,1 kg ja
2,9
2,0
3,5
1,8
1,0
2,3
2) bis ca. 1 1/2 Jahre ABC Design Tulip + Isofix Base Tulip
2020 350 76cm bis 105cm 13,7 kg ja
3,2
3,2
3,1
2,1
1,0
1,9
5) bis ca. 12 Jahre Avova Sperling-Fix i-Size
2020 700 40cm bis 105cm 16,0 kg ja
2,4
1,5
3,1
2,0
1,0
2,3
3) bis ca. 4 Jahre Besafe iZi Twist B
2020 600 61cm bis 105cm 8,6 kg ja
2,0
1,7
2,6
1,9
1,0
3,0
3) bis ca. 4 Jahre Besafe iZi Modular X1 + iZi Modular i-Size Base
2020 600 61cm bis 105cm 14,6 kg ja
2,3
1,5
2,9
2,1
1,0
2,3
3) bis ca. 4 Jahre Besafe iZi Twist
2020 280 76cm bis 105cm 11,0 kg ja
2,6
2,7
2,6
2,0
1,0
2,9
5) bis ca. 12 Jahre Britax Römer Advansafix i-Size
2020 320 35cm bis 100cm 14,3 kg ja
2,4
2,1
2,7
2,4
1,0
2,2
3) bis ca. 4 Jahre Britax Römer Dualfix 2 R
2020 170 75cm bis 150cm 4,9 kg ja
2,4
2,4
2,5
1,9
1,0
1,8
5) bis ca. 12 Jahre CBX Xelo
2020 140 95cm bis 150cm 3,8 kg ja
2,1
2,3
2,0
1,9
1,0
1,5
5) bis ca. 12 Jahre CBX Yari
2020 199 100cm bis 150cm 6,2 kg ja
2,7
2,5
3,0
1,4
1,0
2,3
5) bis ca. 12 Jahre Chicco Fold & Go i-Size
2020 170 45cm bis 87cm 4,3 kg nein
1,8
1,5
2,2
1,7
1,0
2,0
2) bis ca. 1 1/2 Jahre Cybex Aton B i-Size
2020 340 45cm bis 87cm 4,3 kg ja
1,7
1,6
1,7
1,7
1,0
2,0
2) bis ca. 1 1/2 Jahre Cybex Aton B i-Size + Base M
2020 170 75cm bis 150cm 4,9 kg ja
2,4
2,4
2,5
1,9
2,0
1,8
5) bis ca. 12 Jahre Cybex Pallas B-Fix
2020 140 95cm bis 150cm 3,8 kg ja
2,1
2,3
2,0
1,9
2,0
1,5
5) bis ca. 12 Jahre Cybex Solution B-Fix
2020 210 100cm bis 150cm 7,1 kg ja
1,9
1,8
1,9
2,1
1,0
3,4
5) bis ca. 12 Jahre Cybex Solution Z i-Fix
2020 460 61cm bis 105cm 7,1 kg ja
2,7
2,6
2,7
2,5
1,0
2,4
3) bis ca. 4 Jahre Inglesina Darwin Toddler + Base Darwin i-Size
2020 110 40cm bis 75cm 3,2 kg nein
2,0
1,5
2,5
2,0
1,0
1,5
1) bis ca. 1 Jahr Joie i-Snug
2020 220 40cm bis 75cm 3,2 kg ja
1,7
1,5
2,0
2,0
1,0
1,5
1) bis ca. 1 Jahr Joie i-Snug + i-Base Advance
2020 400 40cm bis 105cm 14,3 kg ja
1,6
1,2
2,1
1,9
1,0
1,5
3) bis ca. 4 Jahre Joie i-Spin Safe
2020 280 40cm bis 105cm 6,7 kg ja
2,4
2,0
2,8
2,1
1,0
1,4
3) bis ca. 4 Jahre Joie i-Venture + i-Base Advance
2020 169 75cm bis 150cm 12,0 kg ja
2,8
3,1
2,3
2,3
1,0
1,7
5) bis ca. 12 Jahre Kinderkraft Oneto 3
2020 239 100cm bis 150cm 6,0 kg ja
2,1
2,5
1,6
2,0
1,0
1,9
5) bis ca. 12 Jahre Maxi-Cosi Kore
2020 400 35cm bis 125cm 8,2 kg ja
3,4
2,8
3,6
2,6
1,6
2,5
4) bis ca. 7 Jahre Maxi-Cosi Beryl
2020 299 40cm bis 75cm 5,3 kg nein
1,9
1,5
2,5
1,8
1,7
1,9
1) bis ca. 1 Jahr Maxi-Cosi Coral
2020 520 40cm bis 75cm 5,3 kg ja
1,6
1,5
1,7
1,9
1,7
1,9
1) bis ca. 1 Jahr Maxi-Cosi Coral + FamilyFix3
2020 269 100cm bis 150cm 6,0 kg ja
2,1
2,5
1,6
2,0
1,0
1,9
5) bis ca. 12 Jahre Maxi-Cosi Kore Pro
2020 450 40cm bis 105cm 15,1 kg ja
2,7
3,0
2,2
2,0
1,0
1,8
3) bis ca. 4 Jahre Maxi-Cosi Mica
2020 179 100cm bis 150cm 5,8 kg ja
2,0
2,5
1,5
1,9
1,0
2,0
5) bis ca. 12 Jahre Maxi-Cosi Morion
2020 199 95cm bis 150cm 4,4 kg nein
3,0
3,5
2,1
1,7
2,9
2,0
5) bis ca. 12 Jahre Mifold Hifold Fit and Fold Booster
2020 220 40cm bis 83cm 3,2 kg nein
2,0
1,7
2,3
2,1
1,0
1,5
2) bis ca. 1 1/2 Jahre Nuna Pipa Next
2020 370 40cm bis 83cm 3,2 kg ja
1,6
1,2
1,9
2,2
1,0
1,5
2) bis ca. 1 1/2 Jahre Nuna Pipa Next + Pipa Next Base
2020 450 40cm bis 105cm 14,9 kg ja
2,1
1,8
2,6
1,9
1,0
1,8
3) bis ca. 4 Jahre Nuna Prym
2020 120 75cm bis 150cm 7,9 kg ja
2,8
3,0
2,4
2,1
1,0
1,5
5) bis ca. 12 Jahre Osann Flux Isofix
2020 75 75cm bis 150cm 5,5 kg nein
3,7
3,7
3,7
2,1
1,0
1,5
5) bis ca. 12 Jahre Osann Flux Plus
2020 480 40cm bis 105cm 15,8 kg ja
2,3
2,0
2,5
2,4
1,7
2,2
3) bis ca. 4 Jahre Recaro Salia
2020 600 40cm bis 105cm 15,8 kg ja
2,7
2,0
3,0
2,5
1,7
2,2
3) bis ca. 4 Jahre Recaro Salia Elite
2020 330 76cm bis 105cm 14,4 kg ja
2,9
2,8
2,9
2,1
1,9
2,0
5) bis ca. 12 Jahre Renolux Olymp i-Size
2020 249 40cm bis 85cm 5,3 kg nein
2,0
1,3
2,8
1,8
1,0
2,0
2) bis ca. 1 1/2 Jahre Silver Cross Dream
2020 500 40cm bis 85cm 5,3 kg ja
1,5
1,3
1,7
2,0
1,0
2,0
2) bis ca. 1 1/2 Jahre Silver Cross Dream + Dream i-Size Base
Zum Vergleich hinzufügen
0,6 bis 1,5
sehr gut
1,6 bis 2,5
gut
2,6 bis 3,5
befriedigend
3,6 bis 4,5
ausreichend
ab 4,6
mangelhaft

Tipps für den Kauf

Tipp Icon

Tipps zum Kindersitz-Kauf      

  • Eltern sollten sich vor dem Kauf über das Angebot informieren. Dabei helfen die Ergebnisse dieses Kindersitztests und auch die der Vorjahre. Vorab muss man auch prüfen, ob der in Frage kommende Kindersitz im eigenen Auto montiert werden darf.

  • Kindersitzmodelle mit semi-universaler Zulassung (z.B. Kindersitze mit Stützfuß) können nicht in allen Autos montiert werden. Diesen Produkten liegt eine Typliste bei, mit der man überprüfen kann, ob das Produkt im eigenen Fahrzeug verwendet werden darf.
  • Nach dem „i-Size“-Standard (UN Reg. 129) zugelassene Kindersitze können auf allen Fahrzeugsitzen mit „i-Size“-Freigabe montiert werden (Kennzeichnung am Fahrzeugsitz, Beschreibung im Handbuch des Fahrzeugs).
  • Isofix-Kindersitze mit Top Tether können nur in Fahrzeugen verbaut werden, die über die erforderlichen Befestigungspunkte verfügen. Erst seit November 2014 müssen neue Pkw mit Top-Tether-Verankerungspunkten ausgestattet sein.
  • Wichtig ist, mit Kind und Auto beim Fachhandel vorzufahren, um die zur Auswahl stehenden Modelle vor dem Kauf auszuprobieren.
  • Der Kindersitz muss sich möglichst stramm und standsicher im Fahrzeug einbauen lassen. Vor allem bei älteren Fahrzeugen können z.B. lange Gurtschlossbefestigungen dazu führen, dass sich der Sitz nicht stabil anschnallen lässt.
  • Achten Sie darauf, dass Gurte möglichst geradlinig verlaufen und keine Falten werfen.
  • Besonders bei Babyschalen sollte geprüft werden, ob die Gurtlänge im Fahrzeug ausreicht, um den Sitz sicher anschnallen zu können. Ist der Gurt zu kurz für eine herkömmliche Babyschale, lässt sich eventuell eine Schale mit separater Basis montieren.
  • Bei Sitzerhöhungen mit Rückenstütze kann es vorkommen, dass sich der Gurt nicht mehr selbstständig aufrollt, wenn sich das Kind nach vorne beugt. Probieren Sie dann ein anderes Modell aus.
  • Wenn der Kindersitz häufig ein- und ausgebaut werden soll oder wenn man ein zweitüriges Fahrzeug (z.B. ein Cabrio) besitzt, gewinnen Gewicht und Abmessungen des Kindersitzes an Bedeutung. Zweigeteilte Kindersitze (bestehend aus Sitzschale und Isofix-Station) bieten diesbezüglich Vorteile beim Einbau, können aber meist nicht zur Seite gedreht werden, um das Hineinheben und Anschnallen von kleineren Kindern zu erleichtern.
  • Beachten Sie auch immer die Hinweise und Angaben in der Bedienungsanleitung des Kindersitzes und im Handbuch des Fahrzeugs.

Methodik

Produktauswahl

Zielrichtung des alljährlichen ADAC Kindersitztests ist, das Angebot möglichst umfassend darzustellen. Die Vielzahl an Modellen erfordert allerdings eine Vor-Auswahl - sie erfolgt entsprechend Marktbedeutung und Innovativität in Abstimmung mit unseren Testpartnern. Gerade Neuheiten bringen manchmal Probleme: Entsprechend des hohen Testaufwandes arbeiten wir mit ca. sechs Monaten Vorlaufzeit. Waren die Produkte nicht rechtzeitig bzw. frühzeitig im Handel beschaffbar, können sie erst im Folgejahr getestet werden. "Nachtests" lassen sich wegen des damit verbundenen hohen Aufwands leider nicht durchführen. Auch Sitze, bei welchen Modifizierungen bevorstehen, können nicht bzw. erst in späteren Tests berücksichtigt werden. Modelle, die im Test der Vorjahre mit dabei waren und nicht verändert wurden, werden nicht nochmals getestet - die zurückliegenden Testergebnisse sind hier weiterhin gültig und werden von uns auch zur Verfügung gestellt. Es muss aber beachtet werden, dass bis 2011 keine Schadstoffprüfung erfolgte. Die Ergebnisse sind somit nicht direkt vergleichbar!
Ab 2015 wurde eine neue Testkarosserie und auch ein neues Seitencrashtestverfahren verwendet. Die Ergebnisse ab 2015 sind deshalb mit den vorherigen nicht direkt vergleichbar, denn die Anforderungen sind leicht erhöht.
Ab 2020 wurden sowohl die Testdurchführung als auch die Testauswertung dem Stand der Technik angepasst. Die Änderungen im Test führen dazu, dass die aktuellen Ergebnisse nicht direkt mit denen der Vorjahre vergleichbar sind. Referenzversuche haben gezeigt, dass die Unterschiede nicht besonders groß sind, so dass „sehr gut“, „gut“ und „befriedigend“ bewertete Kindersitze aus den Vorjahren weiterhin empfohlen werden können.
Die Produkte werden anonym am Markt eingekauft.

Testverfahren

Die Kindersitze wurden auf ihre Sicherheit beim Frontalaufprall mit 64 km/h und beim Seitenaufprall mit 50 km/h geprüft. Mit einem Prüfschlitten, auf dem seit 2020 eine fünftürige VW Polo VI-Karosserie montiert ist (ab 2007 bis einschließlich 2010 Opel Astra, ab 2011 bis einschließlich 2014 VW Golf VI, ab 2015 bis einschließlich 2019 VW Golf VII), simulierten die Tester mit dem zugehörigen Verzögerungspuls aus den Euro NCAP Front-Offset-Crash einen Frontalunfall. Beim Seitencrash werden die Kindersitze in Anlehnung an die UN Reg. 129 auf einer Testbank mit einer beim Aufprall eindringenden Fahrzeugtüre montiert. Die Prüfungen liegen deutlich über den gesetzlichen Mindestanforderungen der Kindersitz-Prüfnormen UN Reg. 44 und UN Reg. 129.
Die Belastungswerte wurden für jedes Kindersitz-Modell mit unterschiedlich großen Dummies ermittelt, ggf. in Sitz- und Ruhestellung. Zusätzlich geprüft wurde der Gurtverlauf, die Größenanpassung, die Standfestigkeit auf dem Fahrzeugsitz, die Kopfabstützung und ab 2011 die Ergonomie des Kindersitzes (Platzangebot, Sitzposition und Platzbedarf im Fahrzeug). Für die Bewertung vom Sitzeinbau kommen aktuelle Fahrzeugmodelle (Ford Fiesta, VW T-Cross und Citroen Berlingo) zum Einsatz. Die Bewertung der Gefahr der Fehlbedienung wurde angepasst, dabei wurden auch die Ergebnisse der „Studie zur Verwendung von Kinderschutzsystemen“[1] vom GDV (Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V.) berücksichtigt. Seit 2011 werden alle Teile, mit denen das Kind in Kontakt kommt (Bezug), auf Schadstoffe untersucht. In Anlehnung an die GS-Prüfung "REACH"-Richtlinie und Ökotex 100 werden der Gehalt von PAK's, Phthalaten, Flammschutzmitteln, Phenolverbindungen, Organozinn-Verbindungen, AZO-Farbstoffe und Schwermetalle geprüft und bewertet.

Testkriterien

Das "ADAC Urteil" ergibt sich aus den Ergebnissen in den Kriterien "Sicherheit" und "Bedienung/Ergonomie" sowie "Schadstoffgehalt"

Testkriterium Gewichtung in Prozent 
Sicherheit  50                    
Schutz beim Frontalaufprall mit 64 km/h  40                    
Schutz beim Seitenaufprall mit 50 km/h  40                    
Gurtverlauf, Größenanpassung  10                    
Standfestigkeit  10                    
Bedienung
Einbauversuche mit Kindern und Dummys auf dem Beifahrersitz, dem äußeren Rücksitz und dem mittleren Rücksitz, falls der Kindersitz dafür zugelassen ist.
40                    
Möglichkeiten der Fehlbedienung  40
An-/Abschnallen des Kindes  20                    
Ein-/Ausbau des Sitzes  20
Umbau des Sitzes  10
 Bedienungsanleitung  8
 Reinigung/Verarbeitung  2
Ergonomie
Einbauversuche mit Kindern und Dummys auf dem Beifahrersitz, dem äußeren Rücksitz und dem mittleren Rücksitz, falls der Kindersitz dafür zugelassen ist
10
Platzangebot im Sitz  40
Platzbedarf im Fahrzeug  20                    
Sitzposition für Kind  20
Komfort (Polsterung, Sicht)  20
ADAC Urteil
Für das ADAC Urteil wurden die drei wichtigsten Kriterien Sicherheit, Bedienung und Ergonomie herangezogen. Ein erhöhter Schadstoffgehalt führt zur Abwertung
100

ADAC Bewertungsschema

Die Bewertung und Wichtung der Einzelkriterien erfolgt wie bisher. Die Abwertungseffekte wurden aber neu nach folgenden Kriterien definiert:

Abwertungseffekte Sicherheit:
  • Ist die Bewertung im Frontal- oder Seitenaufprall schlechter als „gut“, führt dies zu einer graduellen Abwertung der Note Sicherheit.
  • Eine mangelhafte Bewertung im Frontal- oder Seitenaufprall schlägt direkt auf die Note Sicherheit durch.
  • Ist die Bewertung der Sitzkonstruktion schlechter als „gut“, führt dies zu einer graduellen Abwertung der Note Sicherheit.
Abwertungseffekte Bedienung:
  • Ist die Bewertung der Fehlbedienungsgefahr, des Anschnallens des Kindes oder des Sitzeinbaus schlechter als „gut“, führt dies zu einer graduellen Abwertung der Note Bedienung.
  • Eine mangelhafte Bewertung der Fehlbedienungsgefahr, des Anschnallen des Kindes oder des Sitzeinbaus schlägt direkt auf die Note Bedienung durch.
Abwertungseffekte ADAC Urteil:
  • Ist die Bewertung der Sicherheit oder der Bedienung schlechter als „gut“, führt dies zu einer graduellen Abwertung des Gesamturteils.
  • Ist die Bewertung des Schadstoffgehalts schlechter als „befriedigend“, führt dies zu einer graduellen Abwertung des Gesamturteils.
  • Eine mangelhafte Bewertung der Sicherheit, der Bedienung, oder des Schadstoffgehalts schlägt direkt auf das Gesamturteil durch.

Deckt ein Sitz mehrere Gewichtsklassen, Körpergrößen oder Einbauarten ab, so werden diese getrennt getestet. Für die Bewertung wird das schlechteste Ergebnis, das in einem einzelnen Test erzielt wurde, herangezogen. Ein Sitz, der für mehrere Gewichtsklassen, Körpergrößen oder Einbauarten ausgelegt ist, muss dem größer werdenden Kind während der gesamten Gebrauchszeit maximale Sicherheit bieten.

Warum dürfen Kindersitze, die das Urteil „mangelhaft“ haben, verkauft werden?

Höhere Anforderungen beim ADAC Kindersitztest als bei der amtlichen Zulassung

Die amtliche Zulassung von Kindersitzen sind in der UN Reg. 44 und der 129 geregelt. Sitze nach UN Reg. 44/01 und /02 dürfen nicht mehr eingesetzt werden.

Während die amtliche Zulassung eine Mindestanforderung darstellt, werden beim ADAC Kindersitztest schon seit Jahren deutlich höhere Anforderungen gestellt. So werden z.B. beim Front- und Seitencrash die Bedingungen wie bei einem Fahrzeugcrash nach Euro NCAP gesetzt. Demgegenüber erfolgt bei der Zulassungsprüfung nach UN Reg. 44/04 bis heute noch kein Seitencrashtest, den der ADAC aufgrund hoher Verletzungsrisiken schon seit dem Jahr 2001 zusätzlich durchführt und immer wieder auch für die amtliche Zulassung gefordert hat. Aus diesem Grund ist bei einer Abwertung beim ADAC Kindersitztest die Zulassung für den Kindersitz dennoch gültig, und er darf weiterhin verkauft und verwendet werden. Für die neue UN Reg. 129 "i-Size" ist das Bestehen des Seitencrashs Zulassungsvoraussetzung. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass Kindersitze mit dem ADAC Urteil "mangelhaft" sehr schnell vom Markt verschwinden und die Hersteller umgehend verbesserte Produkte anbieten. Das ist ein Erfolg des ADAC Verbraucherschutzes.

Die wichtigsten Unterschiede beim ADAC Kindersitztest gegenüber der Zulassung nach UN Reg. 44 und 129 (Werte in Klammern) sind:

  • Frontcrash in Fahrzeugkarosserie mit 64 km/h (auf Prüfsitzbank mit 50 km/h)
  • Seitencrash auf Prüfsitzbank mit 50 km/h (für Kindersitze nach der neuen i-Size Norm UN Reg. 129 Zulassungsvoraussetzung)
  • neueste Q-Dummygeneration (bisher P-Dummies, bei "i-Size" Q-Dummies)
  • Strengere Prüfung der Schadstoffbelastung des Bezuges

Der ADAC Kindersitztest hat sich bei Verbrauchern und auch bei den Herstellern international etabliert - nicht zuletzt durch die hohen Anforderungen. Der Seitencrashtest ist deshalb so wichtig, da im Seitenbereich nur eine geringe Knautschzone zur Verfügung steht und das Verletzungsrisiko dadurch deutlich höher ist als bei den häufigeren Frontalkollisionen.

Hersteller-Adressen für Kindersitze

Hersteller-Adressen, 70,73 KB

Qualitätssicherung

Qualitätssicherung im Kindersitztest, 68,82 KB

Fotos: ADAC/Ralph Wagner, ADAC/Test und Technik

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