Sicher im Auto: 30 Kindersitze im ADAC Vergleichstest

17.5.2022

Im aktuellen Test wurden 30 verschiedene Kindersitze in punkto Sicherheit, Bedienung, Ergonomie und Schadstoffgehalt geprüft. Alle Daten und Ergebnisse sowie nützliche Tipps zum Einkauf – und die empfehlenswerten Modelle der Vorjahre.

Versuchsaufbau des Seitencrashs beim Kindersitztest 2022
Crashtest-Idylle: Kindersitz und Dummy erwarten den Seitenaufprall

Die aktuellen Testergebnisse Frühjahr 2022

  • Im Test: 30 Kindersitze in allen Größen

  • Kindersitz mit Airbag schneidet sehr gut ab

  • Vier getestete Modelle mit ADAC Urteil "mangelhaft"

Zusammenfassung

Das Ergebnis des aktuellen Vergleichstests ist insgesamt erfreulich: 19 der getesteten Sitze erreichen das ADAC Urteil „gut“ und sechs Modelle erhalten ein „befriedigend“. Damit übertreffen diese Sitze die gesetzlichen Vorschriften zum Teil deutlich. Man merkt also, dass die höheren Anforderungen des Verbraucherschutztests schon bei ihrer Entwicklung berücksichtigt wurden. Das Modell "Cybex Anoris T i-Size" mit einem integrierten Airbag wird sogar mit "sehr gut" bewertet – ein nur sehr selten vergebenes ADAC Urteil.

Wichtig ist, dass sich die Eltern vor dem Kauf eines Kindersitzes über das Angebot informieren. Dabei helfen die Ergebnisse dieses Kindersitztests und auch die der Vorjahre. Die Ergebnisse seit 2020 sind direkt mit den aktuellen Ergebnissen vergleichbar, alle seit 2015 sehr gut, gut und befriedigend bewertete Sitze können immer noch empfohlen werden.

Cybex Anoris T: Sehr gut mit Airbag

Zoom-In
Frontcrash des Anoris T Kindersitzes
Beim Testsieger Anoris von Cybex entfaltet sich beim Fontalaufprall ein Airbag 

Der „Cybex Anoris T i-Size” erhält als einziger vorwärtsgerichteter Kindersitz im Test die Bewertung „sehr gut“ für seinen Schutz beim Frontalaufprall. Der Anoris T i-Size ist für Kinder von 76 cm bis 125 cm Körpergröße zugelassen, zur Bewertung wurden Crashversuche mit dem Q1½ und dem Q6 Dummy (entsprechen einem 1½-, bzw. einem 6-jährigen Kind) durchgeführt (jeweils in Sitz- und Liegeposition). Der Kindersitz ist mit Isofix und Stützfuß im Fahrzeug montiert und verfügt über einen sitzeigenen Airbag, der im Fangkörper integriert ist.

Der Airbag löst etwa 25 Millisekunden nach dem Anprall aus, füllt zunächst den gesamten Bereich zwischen Dummy und Fangkörper aus und entfaltet sich dann über dem Fangkörper in Richtung Kopf des Dummys. Rund 40 Millisekunden nach dem Aufprall ist der Airbag vollständig mit Gas gefüllt. Aufgrund der festen Isofix-Verbindung zwischen Sitz und Fahrzeug und der guten Ankopplung des Dummys an den Sitz (durch den Airbag) wird der Dummy – wie in einem guten rückwärtsgerichteten Kindersitz – nahezu zeitgleich mit dem Fahrzeug abgebremst und alle an Kopf, Nacken und Brust gemessenen Belastungen lassen auf ein geringes bzw. sehr geringes Verletzungsrisiko schließen.

Beim den Seitenaufprall-Versuchen löste der Airbag des Cybex übrigens nicht aus. Allerdings ist das auch nicht notwendig, weil der Sitz auch ohne Airbag-Unterstützung beim Seitencrash einen sehr guten Schutz bietet.

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Zulassungsvorschriften

In Deutschland müssen Kinder bis zum Alter von 12 Jahren oder einer Körpergröße von 1,50 m in Kindersitzen gesichert werden. Um den Schutz beim Unfall sicherzustellen, gibt es jedoch in den Zulassungsvorschriften für Kindersitze Vorgaben, die die Gestaltung der Produkte maßgeblich beeinflussen.

  • Neugeborene dürfen nicht in Fahrtrichtung sitzen: Kinder unter 9 Kilogramm Gewicht (in nach UN Reg. 44 zugelassenen Produkten) bzw. unter 15 Monaten (in nach UN Reg. 129 zugelassenen Produkten) dürfen nicht in Fahrtrichtung gesichert werden.
  • Kleinkinder dürfen nicht direkt mit dem Fahrzeuggurt angeschnallt werden: Kinder bis 15 Kilogramm Gewicht (in nach UN Reg. 44 zugelassenen Produkten) bzw. bis 100 cm Köpergröße (in nach UN Reg. 129 zugelassenen Produkten) müssen in sogenannten integralen Kindersitzen mit Hosenträgergurten oder mit einem Fangkörper angeschnallt werden. 
  • Neue Sitzerhöher, also Sitzmodelle ohne Rückenstütze,  dürfen seit Februar 2017 nur noch für Kinder über 1,25 Meter (ab ca. 7 Jahre) zugelassen und genutzt werden. Vor Februar 2017 erteilte Genehmigungen von Sitzen behalten aber bis auf Weiteres ihre Gültigkeit.

Drei Sitze fallen bei der Schadstoffprüfung durch

Zoom-In
Montage der Verlierer des Kindersitztests 2022
Diese vier Sitzmodelle werden mit "mangelhaft" bewertet

Aus allen Teilen des Sitzes, mit denen das Kind in Berührung kommt, wurde eine Mischprobe erstellt, die auf den Gehalt von Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAKs), Phthalaten, Flammschutzmitteln, Weichmachern, phenolischen Verbindungen, Organozinn, Formaldehyd und Schwermetallen untersucht wurde.

Drei Modelle schneiden bei der Schadstoffprüfung „mangelhaft“ ab: Die Bezugsstoffe vom „Lionelo Antoon RWF“ und vom „Walser Kids Experts Noemi“ sind mit Flammschutzmitteln belastet, die unter Verdacht stehen, krebserregend zu wirken. Auch der Bezugsstoff vom „Urban Kanga Uptown Model TV107“ ist mit Flammschutzmitteln belastet, doch dieser Sitz scheitert aufgrund der hohen Dummybelastungen und des Kopfkontaktes mit der Türe auch am durchgeführten Seitenaufpralltest. Bei diesem Test scheitert auch der „Kinderkraft Comfort Up“, bei dem zur Sicherung von größeren Kindern die Rückenstütze abgenommen werden muss: Der Sitz bietet dann keinen ausreichenden Schutz bei einer seitlichen Kollision. Kann die Rückenstütze montiert bleiben, ist der Schutz beim Seitencrash aber ausreichend, mit Hosenträgergurten sogar befriedigend.

Text: Thomas Kroher. Fotos: Ralph Wagner/ADAC, Hugger/ÖAMTC. Fachliche Beratung: Andreas Ratzek, ADAC Technik Zentrum

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So wird der ADAC Kindersitztest gemacht

Wollten Sie schon immer mal wissen, was und wer hinter dem Kindersitztest steckt? Dann blicken Sie doch mal hinter die Kulissen: Im ADAC Inside "Der Kindersitztest-Ingenieur Andreas Ratzek" erfahren Sie, wie der Test organisiert und durchgeführt wird.

Aktuelle Testergebnisse Frühjahr 2022

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Altersklasse

Altersklassen

Montage

In welche Richtung soll der Kindersitz befestigt werden können?

Sie können den Kindersitz in Fahrtrichtung oder entgegen der Fahrtrichtung (als Reboarder) befestigen. Manche Kindersitze bieten beide Befestigungsmöglichkeiten.

Mit welcher Mechanik soll der Kindersitz befestigt werden?

Die meisten Autos haben eine Isofix-Halterung, um den Kindersitz zu befestigen. Ist dies nicht der Fall, befestigen Sie den Sitz mit dem Sicherheitsgurt. Achten Sie bei der Auswahl auch auf die Gegebenheiten im Zweitwagen oder bei Ausflügen in anderen Autos.

Preis

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ADAC Urteil

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Die getesteten Modelle

Hersteller / Modell Testjahr Preis Größe Gewicht Isofix ADAC Urteil
Sicherheit
(Gewichtung 50%)
Bedienung
(Gewichtung 40%)
Ergonomie
(Gewichtung 10%)
Schadstoffe
(Gewichtung 0%)
Verarbeitung und Reinigung
(Gewichtung 0%)
Altersklasse
2022 570 61cm bis 105cm 8,6 kg ja
1.7
1.2
2.4
1.9
1.0
3.0
bis ca. 4 Jahre Besafe iZi Modular RF X1 + iZi Modular i-Size Base
2022 500 61cm bis 105cm 5,6 kg ja
2.4
2.0
2.7
2.3
1.0
2.2
bis ca. 4 Jahre Britax Römer Dualfix 3 i-Size + Flex Base iSense
2022 180 100cm bis 150cm 6,5 kg ja
2.0
2.4
1.6
1.9
1.0
2.5
bis ca. 12 Jahre Britax Römer Kidfix M i-Size
2022 210 100cm bis 150cm 5,1 kg ja
3.3
3.5
2.9
1.7
1.0
3.3
bis ca. 12 Jahre Casualplay Backfix i-Size
2022 360 45cm bis 105cm 14,7 kg ja
3.0
2.8
3.1
2.4
2.1
2.4
bis ca. 4 Jahre Chicco Seat2Fit i-Size
2022 380 45cm bis 105cm 14,7 kg ja
3.0
2.8
3.1
2.4
1.9
2.4
bis ca. 4 Jahre Chicco Seat2Fit i-Size Air
2022 700 76cm bis 115cm 11,7 kg ja
1.5
1.2
1.8
1.9
1.0
2.5
bis ca. 7 Jahre Cybex Anoris T i-Size
2022 160 45cm bis 87cm 3,9 kg nein
1.9
1.7
2.2
1.7
1.0
2.0
bis ca. 1 1/2 Jahre Cybex Aton B2 i-Size
2022 240 45cm bis 87cm 3,9 kg ja
1.7
1.6
1.8
1.9
1.0
2.0
bis ca. 1 1/2 Jahre Cybex Aton B2 i-Size + Base One
2022 110 100cm bis 150cm 4,4 kg ja
2.1
2.1
2.1
2.2
1.0
1.9
bis ca. 12 Jahre Graco EverSure i-Size
2022 180 40cm bis 75cm 3,7 kg ja
1.8
1.6
2.0
1.9
1.0
1.5
bis ca. 1 Jahr Graco Snugessentials + Isofamily i-Size Base
2022 175 - 12,3 kg ja
2.8
2.3
3.1
1.9
1.0
1.5
bis ca. 4 Jahre Graco Turn2Me
2022 500 40cm bis 125cm 15,4 kg ja
3.5
3.2
3.6
2.7
1.0
1.9
bis ca. 7 Jahre Joie i-Spin Grow
2022 180 - 12,3 kg ja
2.8
2.3
3.1
1.9
1.0
1.5
bis ca. 4 Jahre Joie Spin 360
2022 68 - 4,8 kg nein
5.5
5.5
3.6
2.6
1.0
2.3
bis ca. 12 Jahre Kinderkraft Comfort Up
2022 200 40cm bis 105cm 12,1 kg ja
5.0
2.2
3.3
1.8
5.0
2.3
bis ca. 4 Jahre Lionelo Antoon RWF
2022 150 45cm bis 75cm 3,2 kg nein
1.8
1.3
2.5
1.6
1.0
1.9
bis ca. 1 Jahr Maxi-Cosi CabrioFix i-Size
2022 300 45cm bis 75cm 3,2 kg ja
1.7
1.5
1.9
1.8
1.0
1.9
bis ca. 1 Jahr Maxi-Cosi CabrioFix i-Size + CabrioFix i-Size Base
2022 400 40cm bis 105cm 14,5 kg ja
2.1
1.9
2.4
1.8
1.0
2.5
bis ca. 4 Jahre Maxi-Cosi Mica Pro Eco i-Size
2022 630 40cm bis 105cm 7,9 kg ja
2.1
2.1
2.3
2.0
1.0
2.5
bis ca. 4 Jahre Maxi-Cosi Pearl 360 + FamilyFix 360 Base
2022 290 40cm bis 83cm 3,3 kg nein
2.0
1.6
2.4
2.0
1.0
1.5
bis ca. 1 1/2 Jahre Nuna Pipa Next
2022 520 40cm bis 83cm 3,3 kg ja
1.8
1.8
1.7
2.1
1.0
1.5
bis ca. 1 1/2 Jahre Nuna Pipa Next + Base Next
2022 610 40cm bis 105cm 7,3 kg ja
2.3
1.7
2.9
1.9
1.7
2.0
bis ca. 4 Jahre Nuna Todl Next + Base Next
2022 199 40cm bis 87cm 4,2 kg nein
2.3
1.4
3.0
1.7
1.0
2.4
bis ca. 1 1/2 Jahre Peg Perego Primo Viaggio SLK
2022 340 40cm bis 87cm 4,2 kg ja
1.9
1.5
2.4
1.7
1.0
2.4
bis ca. 1 1/2 Jahre Peg Perego Primo Viaggio SLK + i-Size Base
2022 209 40cm bis 83cm 4,4 kg nein
2.4
1.6
3.1
1.6
1.0
1.9
bis ca. 1 1/2 Jahre Recaro Avan
2022 530 40cm bis 83cm 4,4 kg ja
1.8
1.8
1.9
1.7
1.0
1.9
bis ca. 1 1/2 Jahre Recaro Avan + Avan/Kio Base
2022 580 60cm bis 105cm 7,1 kg ja
2.3
2.0
2.7
2.0
1.0
1.9
bis ca. 4 Jahre Recaro Kio + Avan/Kio Base
2022 149 - 3,1 kg nein
4.8
4.8
3.3
1.4
4.6
2.3
bis ca. 4 Jahre Urban Kanga Uptown Model TV107
2022 80 100cm bis 135cm 3,0 kg nein
5.5
2.5
2.4
2.0
5.5
1.3
bis ca. 12 Jahre Walser Kids Experts Noemi
Zum Vergleich hinzufügen
0,6 bis 1,5
sehr gut
1,6 bis 2,5
gut
2,6 bis 3,5
befriedigend
3,6 bis 4,5
ausreichend
ab 4,6
mangelhaft

Tipps für den Kauf

Tipp Icon

Tipps zum Kindersitz-Kauf      

  • Eltern sollten sich vor dem Kauf über das Angebot informieren. Dabei helfen die Ergebnisse dieses Kindersitztests und auch die der Vorjahre. Vorab muss man auch prüfen, ob der in Frage kommende Kindersitz im eigenen Auto montiert werden darf.

  • Kindersitzmodelle mit semi-universaler Zulassung (z.B. Kindersitze mit Stützfuß) können nicht in allen Autos montiert werden. Diesen Produkten liegt eine Typliste bei, mit der man überprüfen kann, ob das Produkt im eigenen Fahrzeug verwendet werden darf.
  • Nach dem „i-Size“-Standard (UN Reg. 129) zugelassene Kindersitze können auf allen Fahrzeugsitzen mit „i-Size“-Freigabe montiert werden (Kennzeichnung am Fahrzeugsitz, Beschreibung im Handbuch des Fahrzeugs).
  • Isofix-Kindersitze mit Top Tether können nur in Fahrzeugen verbaut werden, die über die erforderlichen Befestigungspunkte verfügen. Erst seit November 2014 müssen neue Pkw mit Top-Tether-Verankerungspunkten ausgestattet sein.
  • Wichtig ist, mit Kind und Auto beim Fachhandel vorzufahren, um die zur Auswahl stehenden Modelle vor dem Kauf auszuprobieren.
  • Der Kindersitz muss sich möglichst stramm und standsicher im Fahrzeug einbauen lassen. Vor allem bei älteren Fahrzeugen können z.B. lange Gurtschlossbefestigungen dazu führen, dass sich der Sitz nicht stabil anschnallen lässt.
  • Achten Sie darauf, dass Gurte möglichst geradlinig verlaufen und keine Falten werfen.
  • Besonders bei Babyschalen sollte geprüft werden, ob die Gurtlänge im Fahrzeug ausreicht, um den Sitz sicher anschnallen zu können. Ist der Gurt zu kurz für eine herkömmliche Babyschale, lässt sich eventuell eine Schale mit separater Basis montieren.
  • Bei Sitzerhöhungen mit Rückenstütze kann es vorkommen, dass sich der Gurt nicht mehr selbstständig aufrollt, wenn sich das Kind nach vorne beugt. Probieren Sie dann ein anderes Modell aus.
  • Wenn der Kindersitz häufig ein- und ausgebaut werden soll oder wenn man ein zweitüriges Fahrzeug (z.B. ein Cabrio) besitzt, gewinnen Gewicht und Abmessungen des Kindersitzes an Bedeutung. Zweigeteilte Kindersitze (bestehend aus Sitzschale und Isofix-Station) bieten diesbezüglich Vorteile beim Einbau, können aber meist nicht zur Seite gedreht werden, um das Hineinheben und Anschnallen von kleineren Kindern zu erleichtern.
  • Beachten Sie auch immer die Hinweise und Angaben in der Bedienungsanleitung des Kindersitzes und im Handbuch des Fahrzeugs.

Methodik

Produktauswahl

Zielrichtung des alljährlichen ADAC Kindersitztests ist, das Angebot möglichst umfassend darzustellen. Die Vielzahl an Modellen erfordert allerdings eine Vor-Auswahl - sie erfolgt entsprechend Marktbedeutung und Innovativität in Abstimmung mit unseren Testpartnern. Gerade Neuheiten bringen manchmal Probleme: Entsprechend des hohen Testaufwandes arbeiten wir mit ca. sechs Monaten Vorlaufzeit. Waren die Produkte nicht rechtzeitig bzw. frühzeitig im Handel beschaffbar, können sie erst im Folgejahr getestet werden. "Nachtests" lassen sich wegen des damit verbundenen hohen Aufwands leider nicht durchführen. Auch Sitze, bei welchen Modifizierungen bevorstehen, können nicht bzw. erst in späteren Tests berücksichtigt werden. Modelle, die im Test der Vorjahre mit dabei waren und nicht verändert wurden, werden nicht nochmals getestet - die zurückliegenden Testergebnisse sind hier weiterhin gültig und werden von uns auch zur Verfügung gestellt. Es muss aber beachtet werden, dass bis 2011 keine Schadstoffprüfung erfolgte. Die Ergebnisse sind somit nicht direkt vergleichbar!
Ab 2015 wurde eine neue Testkarosserie und auch ein neues Seitencrashtestverfahren verwendet. Die Ergebnisse ab 2015 sind deshalb mit den vorherigen nicht direkt vergleichbar, denn die Anforderungen sind leicht erhöht.
Ab 2020 wurden sowohl die Testdurchführung als auch die Testauswertung dem Stand der Technik angepasst. Die Änderungen im Test führen dazu, dass die aktuellen Ergebnisse nicht direkt mit denen der Vorjahre vergleichbar sind. Referenzversuche haben gezeigt, dass die Unterschiede nicht besonders groß sind, so dass „sehr gut“, „gut“ und „befriedigend“ bewertete Kindersitze aus den Vorjahren weiterhin empfohlen werden können.
Die Produkte werden anonym am Markt eingekauft.

Testverfahren

Die Kindersitze wurden auf ihre Sicherheit beim Frontalaufprall mit 64 km/h und beim Seitenaufprall mit 50 km/h geprüft. Mit einem Prüfschlitten, auf dem seit 2020 eine fünftürige VW Polo VI-Karosserie montiert ist (ab 2007 bis einschließlich 2010 Opel Astra, ab 2011 bis einschließlich 2014 VW Golf VI, ab 2015 bis einschließlich 2019 VW Golf VII), simulierten die Tester mit dem zugehörigen Verzögerungspuls aus den Euro NCAP Front-Offset-Crash einen Frontalunfall. Beim Seitencrash werden die Kindersitze in Anlehnung an die UN Reg. 129 auf einer Testbank mit einer beim Aufprall eindringenden Fahrzeugtüre montiert. Die Prüfungen liegen deutlich über den gesetzlichen Mindestanforderungen der Kindersitz-Prüfnormen UN Reg. 44 und UN Reg. 129.
Die Belastungswerte wurden für jedes Kindersitz-Modell mit unterschiedlich großen Dummys ermittelt, ggf. in Sitz- und Ruhestellung. Zusätzlich geprüft wurde der Gurtverlauf, die Größenanpassung, die Standfestigkeit auf dem Fahrzeugsitz, die Kopfabstützung und ab 2011 die Ergonomie des Kindersitzes (Platzangebot, Sitzposition und Platzbedarf im Fahrzeug). Für die Bewertung vom Sitzeinbau kommen aktuelle Fahrzeugmodelle (Ford Fiesta, VW T-Cross und Citroen Berlingo) zum Einsatz. Die Bewertung der Gefahr der Fehlbedienung wurde angepasst, dabei wurden auch die Ergebnisse der „Studie zur Verwendung von Kinderschutzsystemen“[1] vom GDV (Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V.) berücksichtigt. Seit 2011 werden alle Teile, mit denen das Kind in Kontakt kommt (Bezug), auf Schadstoffe untersucht. In Anlehnung an die GS-Prüfung "REACH"-Richtlinie und Ökotex 100 werden der Gehalt von PAK's, Phthalaten, Flammschutzmitteln, Phenolverbindungen, Organozinn-Verbindungen, AZO-Farbstoffe und Schwermetalle geprüft und bewertet.

Testkriterien

Das "ADAC Urteil" ergibt sich aus den Ergebnissen in den Kriterien "Sicherheit" und "Bedienung/Ergonomie" sowie "Schadstoffgehalt"

Testkriterium Gewichtung in Prozent 
Sicherheit  50                    
Schutz beim Frontalaufprall mit 64 km/h  40                    
Schutz beim Seitenaufprall mit 50 km/h  40                    
Gurtverlauf, Größenanpassung  10                    
Standfestigkeit  10                    
Bedienung
Einbauversuche mit Kindern und Dummys auf dem Beifahrersitz, dem äußeren Rücksitz und dem mittleren Rücksitz, falls der Kindersitz dafür zugelassen ist.
40                    
Möglichkeiten der Fehlbedienung  40
An-/Abschnallen des Kindes  20                    
Ein-/Ausbau des Sitzes  20
Umbau des Sitzes  10
 Bedienungsanleitung  8
 Reinigung/Verarbeitung  2
Ergonomie
Einbauversuche mit Kindern und Dummys auf dem Beifahrersitz, dem äußeren Rücksitz und dem mittleren Rücksitz, falls der Kindersitz dafür zugelassen ist
10
Platzangebot im Sitz  40
Platzbedarf im Fahrzeug  20                    
Sitzposition für Kind  20
Komfort (Polsterung, Sicht)  20
ADAC Urteil
Für das ADAC Urteil wurden die drei wichtigsten Kriterien Sicherheit, Bedienung und Ergonomie herangezogen. Ein erhöhter Schadstoffgehalt führt zur Abwertung
100

ADAC Bewertungsschema

Die Bewertung und Wichtung der Einzelkriterien erfolgt wie bisher. Die Abwertungseffekte wurden aber neu nach folgenden Kriterien definiert:

Abwertungseffekte Sicherheit:
  • Ist die Bewertung im Frontal- oder Seitenaufprall schlechter als „gut“, führt dies zu einer graduellen Abwertung der Note Sicherheit.
  • Eine mangelhafte Bewertung im Frontal- oder Seitenaufprall schlägt direkt auf die Note Sicherheit durch.
  • Ist die Bewertung der Sitzkonstruktion schlechter als „gut“, führt dies zu einer graduellen Abwertung der Note Sicherheit.
Abwertungseffekte Bedienung:
  • Ist die Bewertung der Fehlbedienungsgefahr, des Anschnallens des Kindes oder des Sitzeinbaus schlechter als „gut“, führt dies zu einer graduellen Abwertung der Note Bedienung.
  • Eine mangelhafte Bewertung der Fehlbedienungsgefahr, des Anschnallen des Kindes oder des Sitzeinbaus schlägt direkt auf die Note Bedienung durch.
Abwertungseffekte ADAC Urteil:
  • Ist die Bewertung der Sicherheit oder der Bedienung schlechter als „gut“, führt dies zu einer graduellen Abwertung des Gesamturteils.
  • Ist die Bewertung des Schadstoffgehalts schlechter als „befriedigend“, führt dies zu einer graduellen Abwertung des Gesamturteils.
  • Eine mangelhafte Bewertung der Sicherheit, der Bedienung, oder des Schadstoffgehalts schlägt direkt auf das Gesamturteil durch.

Deckt ein Sitz mehrere Gewichtsklassen, Körpergrößen oder Einbauarten ab, so werden diese getrennt getestet. Für die Bewertung wird das schlechteste Ergebnis, das in einem einzelnen Test erzielt wurde, herangezogen. Ein Sitz, der für mehrere Gewichtsklassen, Körpergrößen oder Einbauarten ausgelegt ist, muss dem größer werdenden Kind während der gesamten Gebrauchszeit maximale Sicherheit bieten.

Warum dürfen Kindersitze, die das Urteil „mangelhaft“ haben, verkauft werden?

Höhere Anforderungen beim ADAC Kindersitztest als bei der amtlichen Zulassung

Die amtliche Zulassung von Kindersitzen sind in der UN Reg. 44 und der 129 geregelt. Sitze nach UN Reg. 44/01 und /02 dürfen nicht mehr eingesetzt werden.

Während die amtliche Zulassung eine Mindestanforderung darstellt, werden beim ADAC Kindersitztest schon seit Jahren deutlich höhere Anforderungen gestellt. So werden z.B. beim Front- und Seitencrash die Bedingungen wie bei einem Fahrzeugcrash nach Euro NCAP gesetzt. Demgegenüber erfolgt bei der Zulassungsprüfung nach UN Reg. 44/04 bis heute noch kein Seitencrashtest, den der ADAC aufgrund hoher Verletzungsrisiken schon seit dem Jahr 2001 zusätzlich durchführt und immer wieder auch für die amtliche Zulassung gefordert hat. Aus diesem Grund ist bei einer Abwertung beim ADAC Kindersitztest die Zulassung für den Kindersitz dennoch gültig, und er darf weiterhin verkauft und verwendet werden. Für die neue UN Reg. 129 "i-Size" ist das Bestehen des Seitencrashs Zulassungsvoraussetzung. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass Kindersitze mit dem ADAC Urteil "mangelhaft" sehr schnell vom Markt verschwinden und die Hersteller umgehend verbesserte Produkte anbieten. Das ist ein Erfolg des ADAC Verbraucherschutzes.

Die wichtigsten Unterschiede beim ADAC Kindersitztest gegenüber der Zulassung nach UN Reg. 44 und 129 (Werte in Klammern) sind:

  • Frontcrash in Fahrzeugkarosserie mit 64 km/h (auf Prüfsitzbank mit 50 km/h)
  • Seitencrash auf Prüfsitzbank mit 50 km/h (für Kindersitze nach der neuen i-Size Norm UN Reg. 129 Zulassungsvoraussetzung)
  • neueste Q-Dummygeneration (bisher P-Dummies, bei "i-Size" Q-Dummies)
  • Strengere Prüfung der Schadstoffbelastung des Bezuges

Der ADAC Kindersitztest hat sich bei Verbrauchern und auch bei den Herstellern international etabliert - nicht zuletzt durch die hohen Anforderungen. Der Seitencrashtest ist deshalb so wichtig, da im Seitenbereich nur eine geringe Knautschzone zur Verfügung steht und das Verletzungsrisiko dadurch deutlich höher ist als bei den häufigeren Frontalkollisionen.

Hersteller-Adressen für Kindersitze

Hersteller-Adressen, 78,14 KB

Qualitätssicherung

Qualitätssicherung im Kindersitztest, 68,82 KB

Fotos: ADAC/Ralph Wagner, ADAC/Test und Technik

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