ADAC Test 2017: Fahrradhelme für Erwachsene

20.4.2017

Im Testlabor und im Praxistest mussten 15 Fahrradhelme von 30 bis 140 Euro ihre Qualitäten in den Kapiteln Unfallschutz, Handhabung & Komfort, Hitzebeständigkeit und Schadstoffe beweisen.

 Ingenieur beim Fahrradhelmtest
Ingenieur beim Fahrradhelmtest/©ADAC/Ralph Wagner
0,6 bis 1,5
sehr gut
1,6 bis 2,5
gut
2,6 bis 3,5
befriedigend
3,6 bis 4,5
ausreichend
ab 4,6
mangelhaft

Fazit

Sieben gute, sieben befriedigende und ein ausreichender Fahrradhelm

Nur rund 15 Prozent aller erwachsenen Radfahrer tragen einen Helm. Alle Anderen riskieren schwere Kopfverletzungen. Deshalb informiert der ADAC mit beeindruckenden Statistiken der Unfallforschung und testet erneut diese lebensrettenden Helme.

Im Fokus der Tester steht immer zuerst die Schutzwirkung vor Verletzungen, also die wichtige Stoßdämpfung. Ein Helm schützt natürlich nur dann, wenn er beim Sturz auch auf dem Kopf bleibt. Deshalb ist auch eine Prüfung der Belastbarkeit von Riemen und Schloss, sowie ein Abstreiftest unverzichtbar. Ein weiterer Prüfpunkt im Kapitel Unfallschutz ist die Erkennbarkeit des Helms im Dunkeln.

Das Kapitel Handhabung und Komfort umfasst Anpassen, Aufsetzten sowie Abnehmen der Helme. Zudem bewerteten wir hier den Komfort, die Passform und den Kinnriemen nebst Verschluss beim Fahren sowie Belüftung, Blendschutz und Reinigung im Labor. Auch die Hitzebeständigkeit und etwaige Schadstoffbelastungen der Helme haben wir untersucht.

Die Preisspanne der getesteten Helme liegt zwischen 30 und 140 Euro. Dass Helme mit dem ADAC Urteil gut nicht unbedingt auch teuer sein müssen, zeigen der Zweitplatzierte »Cratoni Pacer« für 60 Euro und der Drittplazierte »Lazer Beam MIPS« für 55 Euro. Die beiden günstigsten Helme im aktuellen Test, der »B'twin BH 500« für 30 Euro sowie der »Prophete 770/771« für 32 Euro, schaffen das ADAC Urteil »befriedigend« und sind somit für preisbewusste Käufer eine Überlegung wert.

Drei Helme in diesem Test sind mit »MIPS« (Multi-directional Impact Protection System) ausgestattet. Dieses System besteht primär aus einer dünnen Kunststofffolie zwischen Kopf und Helm, welche beim Aufprall etwaige Drehkräfte auf den Kopf mindern soll. Wie an unseren Ergebnissen zu erkennen, ist MIPS kein Garant für eine herausragende Schutzwirkung.

Tipps und Empfehlungen

Empfehlungen an die Hersteller

 

  • Leicht bedienbare und effektive Verstellmechanismen für die individuelle Anpassung an die Kopfgröße
  • Die Erkennbarkeit des Helmes muss weiter verbessert werden

 

Tipps für Verbraucher

    • Nur mit Helm radeln
    • Unabhängig aller Testergebnisse muss ein Helm immer anprobiert werden, um den für die individuelle Kopfform besten Typ zu bestimmen. Tragen Sie den entsprechenden Helm hierzu einige Minuten oder machen Sie möglichst eine Probefahrt. Der Helm muss mäßig straff und angenehm sitzen
    • Auf Verpackung und Helmschale muss unter anderem das Produktionsdatum und das Verfallsdatum angegeben sein. Keine „Ladenhüter“ kaufen
    • Tauschen Sie den Helm nach einem Sturz unbedingt aus, auch wenn keine äußeren Schäden sichtbar sind. Bei einem inneren strukturellen Schaden könnte die Schutzwirkung deutlich schlechter sein
    • Achten Sie darauf, dass der Helm mit großen und sinnvoll positionierten Reflektoren und zusätzlich mit LED-Rücklicht ausgestattet ist
    • Der Helm darf sich bei geschlossenen Kinnriemen nicht nach hinten abstreifen lassen
    • Wählen Sie möglichst helle und auffällige Farben. Diese steigern nicht nur die Erkennbarkeit, sondern verringern im Vergleich zu dunklen Dekors zudem das Aufheizen des Helmes durch Sonneneinstrahlung
  •  
  •  

Methodik & Hintergrund

Unfallschutz

  • Berechnung und Bewertung der Verletzungswahrscheinlichkeit durch FE-Simulation auf Grundlage der linearen und rotatorischen Beschleunigung       
  • Festigkeit des Kinnriemens und Verschlusses gemäß DIN EN 1078
  • Abstreifsicherheit in Anlehnung der DIN EN 1078
  • Öffnen des Verschlusses unter Last gemäß DIN EN 1078
  • Erkennbarkeit im Dunkeln


Handhabung und Komfort

  • Gebrauchsanleitung und Kennzeichnungen in Anlehnung der DIN EN 1078
  • Passform mit mehreren Probanden, Benutzung mit Brille, Kopf- und Riemenanpassung sowie Bedienbarkeit
  • Belüftung mittels thermografischer Aufnahmen und Probandenversuche
  • Wirksamkeit des Blendschutzes
  • Reinigungsfreundlichkeit von Innenpolster und Außenschale      

 

Hitzebeständigkeit und Schadstoffe

Hitzebeständigkeit

Beständigkeit nach 4 Stunden bei 75 Grad Celsius

Schadstoffe

Untersuchung der Teile mit kontinuierlichem Hautkontakt auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Phthalate (Weichmacher)