Lego-Crash: Porsche gegen Bugatti

11.10.2019

Kann eine Computer-Simulation einen Zusammenstoß so genau berechnen, dass Crashtests überflüssig werden? Computerspezialisten und Crash-Profis ließen zwei Lego-Autos kollidieren. Erst digital, dann im ADAC Technikzentrum. 

  • Im Fahrzeugbau werden Computer-Simulationen immer wichtiger
  • ADAC Experten überprüfen die Rechnerleistung mit zwei Lego-Autos
  • Reale Crashtests sind weiterhin notwendig

 

Der Porsche beschleunigt rasant, nach Sekunden prallt er auf den geparkten Bugatti Chiron. Es kracht. Und dann fliegen Lego-Steine durch die Crashtest-Halle des ADAC Technikzentrums in Landsberg. Experiment geglückt, Lego-Autos zerstört. Zwei Jahre nach dem ersten Lego-Crash haben wir gemeinsam mit dem Technikmagazin c't wieder Plastikklötzchen beschleunigt. Die Protagonisten: ein Porsche 911 GT3 RS und ein Bugatti Chiron

Und das nicht nur zum Spaß. Denn aus solchen Simulationen lassen sich wertvolle Schlüsse für die Fahrzeugentwicklung ziehen. Besonders, wenn man ihre Ergebnisse mit einem echten Crash vergleicht. Genau das wurde bei diesem Lego-Crash gemacht: Der Computer sagte voraus, wie groß der Schaden an beiden Fahrzeugen sein würde. Und diese Voraussage wurde dann von den ADAC Experten überprüft. So können die Programme verfeinert werden – und das dient letztlich der Sicherheit.   

Initiator des Experiments war das IT- und Technikmagazin c't. IT-Spezialisten der Firma Dynamore fütterten ein Software-Programm mit Größe, Gewicht und Position aller in den beiden Autos verbauten Legosteinchen. Am Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart (HLRS) übernahm anschließend ein Supercomputer. Dann wurde das Ergebnis in die sogenannte "Cave" projiziert, einen würfelförmigen Raum. Dessen Wände dienen als Bildschirme und ermöglichen eine dreidimensionale und begehbare Darstellung der Simulation.


300 Halogenstrahler für 1000 Bilder pro Sekunde 

Beim realen Crash in der ADAC Crash-Anlage im Technikzentrum in Landsberg war die Vorbereitung genauso aufwendig wie bei einem Test mit einem "Großen": Acht Kameras – jede zeichnet bis zu 1000 Bilder pro Sekunde auf – und diverse Action-Cams sollten festhalten, wie der Lego-Porsche auf den Lego-Bugatti prallt.

Beide Crash-Fahrzeuge wurden mit den üblichen Rasterstreifen und einer offiziellen Crash-ID beklebt: SI3019PB01 steht für "Side Impact KW 30 2019 Porsche und Bugatti erster Versuch". 300 Halogenstrahler à 1000 Watt sorgten für die nötige Belichtung der Highspeed-Bilder.

Dann ist es soweit: Der Porsche knallt mit 60 Stundenkilometern auf die B-Säule des stehenden Bugatti, es kracht und splittert, hunderte Teile fliegen umher – der Bugatti ist komplett in zwei Teile zerrissen, die Fahrgastzelle des Porsche ist zerstört. Die Fahrer-Dummies liegen unter den Plastikteilchen begraben, "überlebt" haben wohl beide nicht.  

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Fazit: Echter Crash bleibt unverzichtbar

Das Ergebnis ist spektakulär: Fast kein Stein blieb auf dem anderen. Überraschend für die IT-Experten: Die Schäden sind wesentlich größer als es die Computersimulation vorausberechnet hatte. Fazit unseres Experten von der Fahrzeugsicherheit, Andreas Rigling: "Simulationen im Entwicklungsprozess sind absolut wichtig, weil sie Ressourcen sparen. Der Vergleich zeigt aber auch ganz deutlich: Das reale Schadensbild ist deutlich schwerer als in der Simulation vorausberechnet, der echte Crash ist also unverzichtbar.“

 

Text: Katja Legner. Fotos: c't magazin, ADAC Test und Technik.

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