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Der ADAC

Test: Wie gut sind moderne Spurhalteassistenten?

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC/Uwe Rattay

Eine ADAC Auswertung der Euro NCAP Tests von 2018 und 2019 zeigt: Spurhalteassistenten werden immer besser und können im Ernstfall schwere Unfälle vermeiden.

  • Auswertung von 71 Fahrzeugen aus 2018 und 2019

  • Modelle von Tesla und Audi liegen im Vergleich vorn

  • Ab 2024 sind Spurhalteassistenten Pflicht für EU-Neuwagen

Seit 2014 werden Spurhalteassistenten bei den Autotests vom Verbraucherschutzprogramm Euro NCAP (engl. für: European New Car Assessment Programme) bewertet. Eine ADAC Auswertung der Euro NCAP Tests aus 2018 und 2019 zeigt, was die modernen Assistenzsysteme der aktuellen Fahrzeugmodelle leisten – und dass sie Unfälle verhindern können.

Auch die EU-Kommission hat den Nutzen dieser Assistenzsysteme mittlerweile erkannt. So werden ab 2022 Notfall-Spurhalteassistenten verpflichtend für neue Fahrzeugtypen eingeführt. Ab 2024 muss dann jeder neu verkaufte Pkw in der EU einen Spurhalteassistenten an Bord haben.

Häufige Unfallursache: Das Verlassen der Fahrspur

Das Abkommen von der vorgegeben Fahrspur ist mit knapp 40 Prozent eine der häufigsten Unfallursachen, die von der ADAC Unfallforschung registriert werden. Sie wertet mit Hilfe der ADAC Luftrettung Daten von Unfällen aus, die sich außerorts ereignen, da die ADAC Luftrettung nur dort bei Verkehrsunfällen zum Einsatz kommen kann.

Lane Support System verhindert Überfahren der Begrenzungslinie
Moderne Spurhalteassistenten können auch sogenannte Bankett-Unfälle verhindern ∙ © ADAC/Uwe Rattay

Oft ist die Ursache für den Unfall mangelnde Aufmerksamkeit des Fahrers, in den meisten Fällen auch auf gerader Fahrbahn. Auch eine Fehleinschätzung bei Kurvenfahrten führt häufig zu schweren Kollisionen mit dem Gegenverkehr oder mit Hindernissen wie Bäumen. Eine weitere Ursache für das Verlassen der Fahrspur sind nicht befestigte Fahrbahnränder. Sie führen regelmäßig zu so genannten Bankett-Unfällen. Dabei gerät das rechte Vorderrad des Fahrzeugs in das oft tiefer ausgefahrene Bankett neben der Fahrbahn, ein instinktiv starkes Gegenlenken des Fahrers führt dann häufig zum abrupten Ausscheren des Fahrzeugs in den Gegenverkehr.

Ergebnis: Systeme von Tesla und Audi überzeugen

An der Spitze des Rankings liegen punktgleich auf den ersten drei Plätzen das Model 3 und das Model X von Tesla sowie der Audi Q3. Ihre Fahrspurassistenten beinhalten alle sinnvollen Funktionen – von der automatischen Aktivierung beim Neustart über das Erkennen des Straßenrands auch ohne Fahrbahnmarkierung bis hin zum Schutz vor Kollision mit dem Gegenverkehr. Schlusslichter sind der Suzuki Jimny, der nur einen Spurverlassenswarner hat, sowie der Fiat Panda und der Jeep Wrangler. Für sie sind gar keine Fahrspurassistenten erhältlich.

Im Euro NCAP Test erhalten LKA- und ELK-Spurhalteassistenten (siehe unten) Punkte auf Basis von standardisierten Tests auf einer Teststrecke. Beide Systemtypen werden mit unterschiedlichen Straßenmarkierungen, einschließlich durchgezogener und gestrichelter Linien, sowie bei unmarkierten Fahrbahnrändern getestet. Die Leistungsbewertung richtet sich danach, wie nahe das Fahrzeug den Spurmarkierungskanten oder Fahrbahnrändern kommt und ab wann ein Eingriff erfolgt. Zusätzliche Punkte werden Fahrzeugen verliehen, die mit einem Spurhalte- und Spurwechsel- bzw. Totwinkelassistenten ausgerüstet sind.

LKA, ELK: Unterschiedliche Spurhalteassistenten

Lane Support System fordert Fahrer auf einzugreifen
Trotz Spurhalteassistent: Der Fahrer muss die Hände stets am Lenkrad lassen ∙ © ADAC/Uwe Rattay

Die Fahrzeughersteller haben unterschiedliche Typen von Fahrspurassistenten in die Pkw verbaut. Spurhalteassistenten (LKA – Lane Keeping Assist) unterstützen den Fahrer bei der Kurskorrektur, wenn das Fahrzeug langsam von der Fahrspur abzuweichen droht. Häufig wird der Fahrer durch eine akustische Warnung auf die nötige Kurskorrektur hingewiesen, aber diese Systeme können in Maßen auch aktiv in den Lenkvorgang eingreifen, um dem Verlassen der Fahrspur entgegen zu wirken.

Notfall-Spurhalteassistenten (ELK – Emergency Lane Keeping) oder aktive Spurhalteassistenten greifen dagegen erheblich beherzter ein, allerdings nur bei Erfassung kritischer Situationen. Der ELK greift beispielsweise dann stark in den Lenkvorgang ein, wenn das Fahrzeug von der Straße abzukommen droht oder in den Gegenverkehr gerät. Am sinnvollsten sind laut ADAC Systeme, die anzeigen, ob das Auto die Fahrbahnbegrenzung erkennt und nur dann sanft eingreifen, wenn Gefahr besteht, dass die Spurbegrenzung überfahren wird.

Mehr Sicherheit nur gegen Aufpreis?

Anzeige des Lane Support Systems im Display
Manche Systeme entfalten ihr volles Potenzial nur mit aufpreispflichtigen Extras ∙ © ADAC/Uwe Rattay

Die ADAC Auswertung der Euro NCAP Tests zeigt, dass viele Modelle der unterschiedlichsten Fahrzeugklassen serienmäßig über gute Spurassistenten verfügen. Jedoch scheinen der Totwinkelwarner und die damit verbundenen aktiven Funktionen in den meisten Fällen kostenpflichtige, optionale Extras zu sein, was bedeutet: Mehr Sicherheit gibt es nur gegen Aufpreis! Für eine Euro NCAP Bewertung werden allerdings nur Fahrzeuge in der Basisausstattung herangezogen.

Fazit

Die Euro NCAP Tests zeigen, dass aktuell bereits ausgereifte Spurhalteassistenzsysteme auf dem Markt sind. Laut ADAC ist es aber entscheidend, dass die Systeme beim Fahrzeugstart automatisch aktiviert werden und nicht nach einer manuellen Deaktivierung des Fahrers ausgeschaltet bleiben. Nach Ansicht des ADAC sollte ab 2022/2024 ebenfalls vorgeschrieben sein, dass Fahrspurassistenten auch Straßenränder ohne Fahrbahnmarkierungen erkennen. Da diese Markierungen auf vielen engen und gefährlichen Überlandstrecken fehlen, hätten solche Systeme ein erhebliches Potenzial, um Unfälle, darunter die oft folgenschweren Bankett-Unfälle, zu vermeiden.

Wirksam sind moderne Spurhalteassistenten allerdings nur, wenn sie aktiviert sind und reibungslos funktionieren. Viele Systeme werden jedoch schnell als störend empfunden, wenn der Fahrer ihre Funktionsweise nicht versteht. Entscheidend ist daher, dass der Fahrer sich mit der Wirkungsweise seiner Assistenzsysteme vertraut macht, damit sie ihr ganzes Potenzial auch entfalten können.

ADAC Tipps für Verbraucher

  • Sparen Sie nicht an der Sicherheit

  • Wählen Sie beim Neuwagenkauf auch optionale Sicherheitspakete mit aus

  • Achten Sie beim Gebrauchtwagenkauf auf eine gute Sicherheitsausstattung

  • Ziehen Sie beim Fahrzeugkauf die Bewertungen von Euro NCAP zu Rate

  • Machen Sie sich intensiv mit der Bedienung des Fahrzeugs und der Sicherheitsassistenten vertraut

  • Studieren Sie das Bedienungshandbuch. Sie werden überrascht sein, was Ihr Auto alles kann

  • Gestatten Sie sich und dem neu erworbenen Fahrzeug eine Eingewöhnungsphase

  • Hinterfragen Sie gelegentlich Ihre Voreinstellung zu Assistenzsystemen

  • Passen Sie Ihre Fahrweise den Straßenverhältnissen, dem Verkehrsgeschehen und den Wetterbedingungen an

  • Legen Sie eine Fahrtpause ein, wenn Sie sich nicht fit fühlen. Halten Sie an und schlafen Sie 15 bis 30 Minuten (Power Napping). Studien belegen, dass es die Konzentration deutlich fördern kann

  • Alkohol, auch geringste Mengen, macht müde und verringert die Konzentration

  • Lassen Sie sich nicht ablenken. Finger weg von Smartphone und intensiver Bedienung des Touch-Displays des Fahrzeugs

Fachliche Beratung: Burkhard Böttcher, ADAC Technikzentrum Landsberg