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Autowerkstatt: Tipps zu Fahrzeugabholung und Bezahlung

Mechaniker in der Werkstatt
Schön wenn das Auto fertig ist, doch einige Punkte sollten Sie bei der Abholung beachten. ∙ © iStock.com/gilaxia

"Ihr Fahrzeug ist fertig" – das hört jeder Kunde gerne. ADAC Juristen geben wichtige Tipps für die Abholung des Autos aus der Werkstatt und zur Bezahlung der Rechnung.

  • Repariertes Auto muss innerhalb einer Woche abgeholt werden

  • Dokumentieren Sie etwaige Schäden sofort 

  • Im Streitfall: Zahlen Sie nur unter Vorbehalt

Was ist bei der Abholung des Autos aus der Werkstatt zu beachten? Muss immer gleich bezahlt werden? Was passiert, wenn das Fahrzeug beschädigt ist? Wir klären auf. Bei Ärger mit der Werkstatt helfen auch die kostenlose Schiedsstellen des Kfz-Gewerbes. 

Wann muss das Fahrzeug abgeholt werden?

Teilt Ihnen die Werkstatt mit, dass Ihr Fahrzeug fertig repariert ist und übergibt Ihnen die Rechnung, müssen Sie das Fahrzeug in der Regel innerhalb einer Woche bei der Werkstatt abholen. Bei Reparaturarbeiten, die innerhalb eines Arbeitstages ausgeführt werden, verkürzt sich die Frist auf zwei Arbeitstage. Wenn Sie das unterlassen, kann Ihnen die Werkstatt die ortsüblichen Aufbewahrungsgebühren (d.h. 2,50 bis 7,50 Euro pro Tag) in Rechnung stellen. 

Wurden bei Auftragserteilung nicht die Kfz-Reparaturbedingungen des ZDK vereinbart, so gelten die gesetzlichen Regelungen. Danach muss der Kunde sein Fahrzeug abholen, sobald ihm die Fertigstellung mitgeteilt wurde. Tut er das nicht, können ihm nach erfolgter Mahnung Stand- oder Aufbewahrungsgebühren berechnet werden.

Und wenn das Auto noch nicht fertig ist?

Überschreitet die Werkstatt einen schriftlich vereinbarten verbindlichen Fertigstellungstermin schuldhaft um mehr als 24 Stunden, muss sie Ihnen entweder kostenfrei ein Ersatzfahrzeug zur Verfügung stellen oder 80 Prozent der angefallenen Mietwagenkosten übernehmen. 

Entschuldigt ist die Werkstatt, wenn sich der Arbeitsumfang geändert hat und Sie Bescheid wissen, wenn höhere Gewalt oder Streiks vorliegen oder wenn Zulieferungen ausgeblieben sind. Weiteren Schadensersatz kann der Kunde nur verlangen, wenn der Werkstatt bei der Verzögerung vorsätzliches oder grob fahrlässiges Verhalten vorzuwerfen ist. 

Liegen dem Auftrag nicht die Kfz-Reparaturbedingungen des Zentralverbands des deutschen Kraftfahrzeug-Gewerbes (ZDK) zugrunde, gerät die Werkstatt bei schuldhafter Überschreitung eines verbindlichen Termins in Verzug. Wenn im schriftlichen Auftrag kein bestimmter Tag für die Fertigstellung vereinbart wurde, muss die Werkstatt dennoch innerhalb einer angemessenen Frist reparieren. Geschieht dies nicht, können Sie nach einer Mahnung und Fristsetzung die Kosten für ein Ersatzfahrzeug verlangen (nach Abzug der Eigenersparnis). 

Nur bei wesentlichen Mängeln können Sie die Abnahme des Fahrzeuges verweigern, es bleibt dann in der Werkstatt.  

Zahlen Sie bei Mängeln nur unter Vorbehalt

Wenn die Werkstatt auf Bezahlung besteht, bevor sie das Auto herausgibt, vermerken Sie "Zahlung unter Vorbehalt" auf der Rechnung. Nach Abnahme des Fahrzeuges müssen ansonsten Sie beweisen, dass bereits bei Abholung Mängel vorgelegen haben. 

Mit der Zahlung unter Vorbehalt machen Sie deutlich, dass Sie das Fahrzeug mit diesen Mängeln nicht akzeptieren. Damit ist auch festgehalten, dass der Mangel schon zum Zeitpunkt der Abholung vorhanden war und Sie sichern sich Ihre Rechte.

Schauen Sie sich das Fahrzeug noch auf dem Werkstatt-Parkplatz genau auf Beschädigungen oder Verschmutzungen an, die bei Abgabe noch nicht vorhanden waren. Lassen Sie sich solche Beschädigungen sofort schriftlich von der Werkstatt bestätigen und fordern Sie deren Beseitigung.

Darauf sollten Sie achten, bevor Sie zahlen!

Lesen Sie die Rechnung sorgfältig durch. Sie muss alle Arbeiten nach Lohn- und Materialkosten aufschlüsseln. Lassen Sie sich alle unklaren Positionen von der Werkstatt so erklären, bis Sie diese verstehen. 

Der Zeitaufwand für einzelne Arbeiten wird zumeist in "AW" (Arbeitswerten) oder "ZE" (Zeiteinheiten) aufgeführt. Je nach Abrechnungssystem besteht eine Arbeitsstunde aus unterschiedlich vielen AW oder ZE. Hierfür haben Vertragswerkstätten Vorgaben der Fahrzeug-Hersteller. Fragen Sie danach. Wenn Ihre Vertrags-Werkstatt diese Vorgaben überschreitet, so muss sie dies erklären. 

Wenn die ZDK-Reparaturbedingungen vereinbart wurden, muss die Rechnung bei Abholung des Fahrzeuges bar bezahlt werden – spätestens binnen einer Woche, nachdem die Fertigstellung gemeldet wurde. Kommen die gesetzlichen Regelungen zur Anwendung, ist die Rechnung sofort bei Abnahme und grundsätzlich bar zu bezahlen.

Haben Sie bei der Abholung nicht genügend Bargeld dabei und werden Zahlung per Karte oder Überweisung nicht akzeptiert, darf die Werkstatt Ihren Wagen samt Zulassungsbescheinigung Teil I (der frühere Fahrzeugschein) als Pfand einbehalten.

Bitte beachten Sie außerdem, dass nicht in jeder Werkstatt die Bezahlung per Kreditkarte oder Überweisung möglich ist. Fragen Sie bereits bei der Auftragserteilung, welche Zahlungsmöglichkeiten die Werkstatt akzeptiert.  

Wird nicht gezahlt: Werkstatt hat ein Pfandrecht

Die Werkstatt hat ein Zurückbehaltungs- und auch ein Pfandrecht. Das bedeutet, dass die Werkstatt das Auto des Kunden nicht herausgeben muss, solange die Rechnung nicht bezahlt ist. Sollten Sie indes mit der Reparaturrechnung nicht einverstanden sein, dann zahlen Sie unter Vorbehalt.

Vermerken Sie auf der Reparaturrechnung, dass diese inhaltlich nicht (vollständig) anerkannt wird und die Bezahlung nur unter dem Vorbehalt der Rückforderung erfolgt. Ein Duplikat der Rechnung bleibt in der Werkstatt. Wenn möglich sollte ein Zeuge hinzugezogen werden.

Durch die Bezahlung unter Vorbehalt kann das Pfand- oder Zurückbehaltungsrecht abgewendet werden, wenn Sie der Meinung sind, die Rechnung nicht oder nicht in voller Höhe begleichen zu müssen. Außerdem wird vermieden, dass die Zahlung der Rechnung als Anerkenntnis der Reparaturforderung gewertet wird und Sie erhalten sich Ihre Rechte. 

Ein schriftlicher Kostenvoranschlag darf ohne Ihr Einverständnis nicht wesentlich überschritten werden: Als Faustregel gilt eine Grenze von ca. 15 Prozent.

So hilft der ADAC

ADAC Clubjuristen: Beratung und Musterschreiben

Bei Rechtsfragen und möglichen Ansprüchen gegen die Werkstatt können Sie sich als ADAC Mitglied kostenlos durch unsere ADAC Juristen beraten lassen.
Musterschreiben Nachbesserung nach Reparatur: Was Sie schreiben müssen, damit eine fehlerhaft durchgeführte Reparatur nachgebessert wird.

ADAC Fahrzeugtechnik der Regionalclubs vor Ort

Die Techniker der ADAC Regionalclubs informieren Sie über "versteckte" Reparaturkosten, kostengünstige Ersatzteile oder beraten Sie bei zu hohen Reparaturrechnungen.

ADAC Vertragssachverständige

Die wenigsten Autobesitzer können die Reparaturen am Fahrzeug aus technischer Sicht beurteilen. Die ADAC Technikspezialisten im Regionalclub sagen Ihnen, wann es sinnvoll ist, sich an einen der ADAC Vertragssachverständigen in Ihrer Nähe zu wenden.

Text: Juristische Zentrale