Kfz-Ersatzteile könnten billiger sein

31.5.2019

Autohersteller bestimmen die Preise sichtbare Kfz-Ersatzteile wie Kotflügel und Scheinwerfer. Der ADAC möchte freien Wettbewerb und damit sinkende Preise. Die Bundesregierung hat einen entsprechenden Gesetzentwurf im Mai 2019 vorgelegt. Nun entscheidet der Bundestag über die Reform. 

Autos nebeneinander in einer Reihe
Ersatzteile für Autos sind teuer – das könnte sich bald ändern
  • Autohersteller haben Monopol auf Kotflügel & Co.
  • ADAC kämpft gegen Designschutz für sichtbare Ersatzteile
  • Neuregelung ist in den Startlöchern

 

Monopole sind für Verbraucher teuer: Nur einer bestimmt den Preis, der Kunde muss zahlen, was verlangt wird. So wie auf dem lukrativen Markt für sichtbare Kfz-Ersatzteile. Das sind Außenspiegel, Scheinwerfer, Stoßfänger, Kotflügel oder andere Karosserieteile. Hier besitzen Autohersteller in Deutschland nach dem Geschmacksmusterrecht vollen Designschutz. Das heißt: Meldet ein Automobilhersteller ein Teiledesign, zum Beispiel für einen Seitenspiegel beim Deutschen Marken- und Patentamt oder dem Europäischen Markenamt als Geschmacksmuster an, kann er gegen den Nachbau vorgehen.

Ein bisschen Konkurrenz dulden die Hersteller trotzdem: Es gibt eine freiwillige Selbstverpflichtung, nach der sie nicht gegen Kopierer vorgehen. Berufen kann sich darauf aber niemand. Händler, die günstige nachgebaute Ersatzteile vertreiben, müssen befürchten, dass der Staatsanwalt gegen sie aktiv wird. Und bei einem Verstoß gegen den Designschutz drohen bis zu fünf Jahre Haft.

Deshalb zögern Händler und mittelständische Teileproduzenten, nachgebaute Kotflügel und ähnliche Teile in großem Stil zu vertreiben. Der freie Ersatzteilmarkt für sichtbare Kfz-Ersatzteile funktioniert in Deutschland nicht. Anders als in anderen europäischen Ländern wie den Niederlanden, Belgien, Polen oder Italien, wo schon heute freier Wettbewerb herrscht.

Rasanter Preisanstieg bei Rückleuchten 

Zoom-In
Detailaufnahme von einem Auto Scheinwerfer
Scheinwerfer wären ohne Designschutz günstiger

Die Zahl der Blechschäden nimmt zu und die Preise für Ersatzteile steigen rasant. Das untersucht regelmäßig der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Von 2013 bis 2018 sind laut GDV* die Preise für Ersatzteile durchschnittlich um satte 24 Prozent gestiegen. Bei vorderen Stoßfängern waren es 25, bei Kofferraumklappen mehr als 30 und bei Rückleuchten sogar fast 50 Prozent.

Von einem Wegfall des Monopols der Autohersteller würden Verbraucher profitieren. In Ländern mit freiem Wettbewerb fallen die Endkundenpreise deutlich niedriger aus. Und auch für den deutschen Markt sehen Experten viel Sparpotenzial.

Auch bei der Passgenauigkeit müssen Verbraucher sich keine Sorgen machen. Die ADAC Techniker haben das am Beispiel von Kotflügeln für einen VW Golf untersucht und herausgefunden, dass billige Teile genauso gut wie das Original passen.

Aktuell sind Autofahrer aber auch bei kleinen Unfallschäden auf teure Originalersatzteile angewiesen. Das kann gerade bei älteren Fahrzeugen zu einer so hohen Kostenbelastung führen, dass die Reparatur wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll ist.

Koalition möchte fairen Wettbewerb

Die Liberalisierung des Ersatzteilmarktes und damit mehr Wahlfreiheit und niedrigere Preise wurde 2018 in den Koalitionsvertrag aufgenommen. Einen entsprechenden Reformvorschlag hat die Bundesregierung im Mai 2019 mit ihrem Entwurf für ein Gesetz zur Stärkung des fairen Wettbewerbs vorgelegt.

Vorgeschlagen wird darin die Aufnahme einer sogenannten Reparaturklausel in das Designrecht, die einen freien Wettbewerb im Sekundärmarkt, also bei Ersatzteilen, ermöglichen würde. Ziel ist es, den Designschutz, der sich auf die äußere Erscheinungsform eines Produkts wie zum Beispiel eines Kotflügels bezieht, zu streichen. Das hätte zur Folge, dass freie Ersatzteilhändler künftig mit Automobilherstellern und deren Original-Ersatzteilen konkurrieren dürfen.

Nun muss der Bundestag über den Gesetzentwurf entscheiden.

ADAC ist für eine europaweite Regelung

Seit Jahren führt der ADAC eine breite Allianz für freien Wettbewerb an: Verbraucherschützer, Kraftfahrzeuggewerbe, Autoteile-Hersteller und -Handel sowie die Versicherungswirtschaft fordern Wahlfreiheit für die Autofahrer. Der Club fordert schon lange die Einführung einer Reparaturklausel im Designrecht. Daher begrüßt der ADAC in einem Positionspapier, 208,18 KB das Gesetzesvorhaben von Ministerin Katarina Barley und plädiert außerdem für eine europaweite Harmonisierung der Rechtslage.

Eine Gefahr für die Sicherheit von Fahrzeugen ist bei der Einführung einer Reparaturklausel nicht zu befürchten. Denn der Designschutz regelt ausschließlich das äußere Erscheinungsbild von Produkten. Die Sicherheit und die Qualität von Ersatzteilen wird durch das Typgenehmigungsverfahren sichergestellt.

Fotos: Ralph Wagner

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