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Marktübersicht: Die aktuellen Elektro-Transporter

Der Elektrotransporter Vivaro-e von Opel an der Ladesäule
In drei Größen und Aufbauvarianten bestellbar: Der Opel Vivaro-e ∙ © Opel

Noch vor wenigen Jahren war es für Logistikunternehmen, Bäckereien oder Gemüsehändler schwierig bis unmöglich, einen rein elektrisch angetriebenen Lieferwagen zu bekommen. Doch inzwischen boomt das Angebot der leisen Elektro-Transporter. Die aktuelle Marktübersicht.

  • Immer mehr Markenhersteller bieten E-Nutzfahrzeuge an

  • Innovationsprämie senkt Anschaffungskosten

  • Nur ein Transporter fährt mit Plug-in-Hybrid

Als die Deutsche Post DHL Group vor einigen Jahren nach einem Lieferanten für elektrische Paketautos suchte, wurde das Logistikunternehmen nirgends fündig: Kein etablierter Autohersteller konnte oder wollte einen E-Lieferwagen anbieten. Aus der Not heraus übernahm die Deutsche Post DHL einen kleinen Hersteller für elektrische Nutzfahrzeuge aus Aachen: die Streetscooter GmbH.

Das war 2014. Die Post stieg 2020 wieder aus der E-Lieferwagen-Produktion aus – und inzwischen nimmt die Zahl der großen Autohersteller, die rein elektrische Transporter anbieten, stetig zu. Die Hersteller wittern angesichts der verschärften Vorgaben zum CO₂-Ausstoß und möglicher Einfahrverbote für Verbrennerlieferwagen in deutsche Innenstädte ein gutes Geschäft. Und die Nachfrage nach strombetriebenen Nutzfahrzeugen dürfte in den kommenden Jahren weiter steigen, denn Logistikriesen wie GLS, UPS oder die Otto Group haben sich klare Ziele gesteckt, um mittelfristig klimaneutral zu werden. Der Onlineversandhändler Amazon hat zu diesem Zweck kürzlich 100.000 elektrische Lieferwagen des US-Herstellers Rivian bestellt. Auch in Europa soll der Amazon-Fuhrpark 2020 noch um 1800 elektrische Lieferfahrzeuge erweitert werden.

Elektro-Transporter sind nicht billig

Der Elektrotransporter E-Ducato von Fiat
Die Preise für den E-Ducato von Fiat beginnen bei knapp 68.000 Euro ∙ © Fiat

Ob die leisen Lieferwagen auch langfristig eine Option für mittelständische und kleinere Betriebe sein können, muss sich zeigen. Zwar werden die E-Transporter mit einer bis Ende 2021 abrufbaren Innovationsprämie von 7500 Euro gefördert, doch wirkliche Schnäppchen sind die elektrischen Nutzfahrzeuge damit noch nicht. So schlägt zum Beispiel die Anschaffung eines E-Ducato von Fiat Professional mit derzeit mindestens 68.000 Euro zu Buche.

Dafür bietet der als Fahrgestell mit Fahrerkabine, Kastenwagen oder Personentransporter bestellbare Italiener einen 90 kW/122 PS starken Motor, der für 100 km/h Höchstgeschwindigkeit sorgt. Bei der Größe der Batterie sind zwei Varianten erhältlich: Eine mit 47 und eine mit 79 kWh, die für 220 beziehungsweise 360 Kilometer NEFZ-Reichweite gut sein sollen. Gleichstromladungen mit sieben, elf oder 22 Kilowatt erlauben Ladezeiten zwischen 2,5 und acht Stunden, 50-kW-Wechselstrom verkürzt die 80%-Ladung auf nur 60 Minuten.

Auch Opel liefert elektrisch

Der Elektrotransporter Vivaro-e von Opel in gelb als Langversion
Der rein elektrische Opel Vivaro hat eine Zuladung von 1,2 Tonnen ∙ © Opel

Opel hat seit Sommer 2020 den Vivaro-e zu Preisen ab 41.354 Euro im Programm. Das Modell gibt es – mit 4,60, 4,95 oder 5,30 Metern Außenlänge – als Kastenwagen, Doppelkabine oder Kombi. Der E-Motor des Vivaro hat 100 kW/136 PS, bei den Akkugrößen stehen 50 oder 75 kWh für 230 respektive 320 Kilometer Reichweite zur Verfügung. Die Zuladung beträgt maximal 1,2 Tonnen. 2021 will Opel das Angebot noch um rein elektrische Versionen des kleinen Combo und des großen Movano erweitern.

Alle drei stammen übrigens von Opels Konzernmutter PSA, deren französische Marken Peugeot und Citroën das Movano-Pendant e-Boxer beziehungsweise e-Jumper als Kastenwagen und Fahrgestell in drei Höhen und vier Längen mit Radständen zwischen drei und 4,04 Metern noch dieses Jahr anbieten werden. Als Antrieb dient ein 90 kW/122 PS starker Motor, die Reichweite beträgt 340 Kilometer.

Bei Opels Schwestermarken Citroën und Peugeot bereits bestellbar sind die Vivaro-Geschwistermodelle e-Jumpy und e-Expert. Der Peugeot e-Expert kostet 40.240 Euro. Die beiden kleineren PSA-E-Transporter werden ab 2021 als Proace sowie als Combo-Pendant Proace City auch von Toyota vertrieben.

Renault setzt auf Master und den neuen Kangoo

Elektropionier Renault bietet seinen großen Master bereits seit mehreren Jahren in der E-Version Z.E. als Kastenwagen in drei Längen (bis 6,23 Meter) und drei Höhen sowie als Fahrgestell an. Der 57 kW/76 PS starke Motor erlaubt maximal 100 km/h, die 33-kWh-Batterie kann im Ecomodus den kleinsten Master bis 180 Kilometer weit tragen. Die Preise der geschlossenen Variante starten bei rund 69.600 Euro inklusive Batterie.

Alternativ bietet Renault den Kangoo Z.E. in vier Karosserievarianten mit maximal 4600 Litern Stauraum und 650 Kilogramm Zuladung an. Der 44 kW/60 PS starke Motor kann flotte 130 km/h, die 33-kWh-Batterie ermöglicht bis 230 Kilometer Reichweite. Die Preise starten bei 24.151 Euro exklusive Batterie. Sie kostet monatlich 74 Euro extra.

Ebenfalls ein Veteran unter den elektrischen Nutzfahrzeugen ist der Kastenwagen Nissan E-NV200. Er verfügt über einen 4200 Liter großen Stauraum oder ist als 5+2-Sitzer Evalia verfügbar. Beide kombinieren einen 80 kW/109 PS starken Motor mit 40-kWh-Batterie für 275 Kilometer Reichweite (NEFZ). Preise starten hier bei 33.246 Euro.

VW selbst bietet bislang nur den e-Crafter an

Den bei MAN eTGE getauften E-Transporter nennt VW e-Crafter
Der eTGE von MAN ist baugleich mit dem VW e-Crafter ∙ © MAN/Lothar Reichel

Einziger Stromer von VW Nutzfahrzeuge ist der ausschließlich als rund sechs Meter langer Kastenwagen verfügbare e-Crafter. Auf maximal 90 km/h beschleunigt dessen 100 kW/136 PS starke Maschine, während die mit 40-kW-Strom in 45 Minuten aufladbare 36-kWh-Batterie 115 WLTP-Kilometer erlaubt. Der mit dem MAN eTGE baugleiche e-Crafter ist für 62.524 Euro zu haben.

Der aktuelle T6.1, der VW-Klassiker unter den Transportern, ist ebenfalls mit Elektroantrieb erhältlich, wird ebenso wie der VW Caddy aber noch von Tuner Abt im Allgäu zum E-Lieferwagen umgebaut. Ab 58.000 Euro ist die elektrische Variante des VW Bulli als Kastenwagen lieferbar. Auch im Programm: der neunsitzige Kombi oder der Caravelle-Bus. Angetrieben wird der T6.1 von einem 83 kW/113 PS starken E-Motor, die Reichweite beträgt bis zu 131 Kilometer (WLTP).

Mercedes investiert 350 Millionen in die Zukunft

Seit 2019 hat Mercedes-Benz den e-Sprinter im Programm, der in der Klasse bis 3,5 Tonnen in einer 6,09 Meter langen Karosserievariante antritt. Als Antrieb dient ein 85 kW/116 PS starker Motor für 80, 100 oder 120 km/h. Ebenfalls wählbar sind die Akkugrößen 35 oder 47 kWh. Die größte Reichweite wird mit 168 Kilometern angegeben. Bis 11.000 Liter Ladevolumen und 1045 Kilogramm Zuladung sind möglich. Die Preise für den e-Sprinter beginnen bei 62.524 Euro.

Außerdem bietet Mercedes den kleineren eVito als Kastenwagen mit 85 kW/116 PS starkem Antrieb, 35 kWh großer Batterie für maximal 180 Kilometer Reichweite und knapp über einer Tonne Nutzlast. Um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu sein, hat Mercedes-Benz Vans die Electric Versatility Platform ins Leben gerufen. Sie soll die Basis für die nächste Generation des e-Sprinter bilden. Kern des neuen Konzepts werden drei Module sein, die größtmögliche Variabilität bei der Entwicklung und verschiedenen Aufbauten bieten sollen, die bislang nur vom konventionell angetrieben Sprinter bekannt sind.

Chinesische Transporter für Deutschland

Der Elektrotransporter Deliver von Maxus
Der Maxus eDELIVER 3 aus China wird mittlerweile auch in Deutschland vertrieben ∙ © Maxus

Mittlerweile wollen auch chinesische Hersteller auf dem europäischen Markt für elektrische Nutzfahrzeuge Fuß fassen. Ein Beispiel ist die junge Marke Maxus aus dem SAIC-Konzern, die seit Kurzem das Modell EV80 als Kastenwagen, Neunsitzer oder reines Fahrgestell anbietet. Der rund 5,80 Meter lange Elektrotransporter verfügt über 11.600 Liter Ladevolumen und bis zu 910 Kilogramm Zuladung. Angetrieben wird der Maxus von einer 92 kW/125 PS starken Maschine, die maximal 100 km/h und im Zusammenspiel mit einer 56-kWh-Batterie 190 Kilometer Reichweite erlaubt. Die Preise starten bei 60.784 Euro.

Etwas kleiner und günstiger ist der Maxus eDELIVER 3 mit einem Basispreis ab 40.588 Euro. Beim Laderaumvolumen stehen je nach Radstand 4800 oder 6300 Liter zur Verfügung. Der Motor stellt 90 kW/122 PS, der Akku 35 oder 52,5 kWh bereit. Maximal sind damit 120 km/h und 240 Kilometer Reichweite möglich. Im Stadtverkehr gibt der Hersteller sogar bis zu 342 Kilometer an. Während Maxus bis vor Kurzem nur in Belgien, den Niederlanden, Luxemburg und der Schweiz aktiv war, hat mit der Gründung der Maxomotive Deutschland GmbH in Köln auch der offizielle Import und Vertrieb in Deutschland begonnen.

Ford bietet den Transit als Plug-in an

Während alle bislang genannten Transporter eingeschränkte Reichweiten bieten, ist Fords Transit Custom PHEV als einziges Nutzfahrzeug mit Plug-in-Hybridantrieb verfügbar. Dieser kommt elektrisch zwar nur 56 Kilometer weit, doch sein zusätzlicher 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 93 kW/126 PS ermöglicht 500 Kilometer Gesamtreichweite. Ford verspricht zudem 1130 Kilogramm Zuladung. Los geht es bei 55.674 Euro. Auf das rein elektrische Pendant müssen Kunden noch bis zum Frühjahr 2022 warten. Dann kommt der E-Transit mit 67 kWh fassenden flüssigkeitsgekühlten 400-Volt-Lithium-Ionen-Akkus auf den Markt. Ford gibt eine Reichweite (nach WLTP) von bis zu 350 Kilometern an.

Text: Mario Hommen/SP-X

Jochen Krauß
Redakteur
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