Was erhöht die Reichweite beim Elektroauto? Tipps und Tricks

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Von Wolfgang Rudschies

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Der Kia ev5 in dark ocian blue metallic bei einer Testfahrt des ADAC
Strom sparen im Elektroauto: Für mehr Reichweite ist das zuträglich© Kia

Wer die Reichweite seines Elektroautos erhöhen möchte, muss Energie sparen. Welche konkreten Möglichkeiten es dazu gibt, welche Maßnahmen wirklich etwas bringen und welche Stromverbraucher überschätzt werden. Tipps und Tricks des ADAC.

  • Umsichtig fahren hilft auch beim E-Auto

  • Ist Segeln besser als Rekuperieren?

  • Problemfall Winter

Was erhöht die Reichweite von Elektroautos?

Sparsam mit Energie umzugehen kostet nicht nur weniger Geld – im Falle eines E-Autos erhöht es auch noch die Reichweite. Genau das wünschen sich viele Fahrer von Elektroautos. Doch was kann man tun, um das zu erreichen? Einfach nur möglichst langsam fahren? Oder gibt es auch noch andere Möglichkeiten?

Im Folgenden zeigen ADAC Experten, mit welchen Maßnahmen man Energie sparen und die Reichweite verlängern kann, ohne dass dabei Fahrspaß und Bequemlichkeit verloren gehen. Um es vorwegzunehmen: Außentemperatur und Geschwindigkeit sind die beiden Schlüsselfaktoren, wenn es um Verbrauch und Reichweite beim Elektroauto geht.

Galerie: 10 Tipps zum Energiesparen

Wie fährt man besonders effizient?

Verbrauchstreiber Nummer eins ist wie beim Pkw mit Verbrenner auch beim Elektroauto die Geschwindigkeit. Mit der Geschwindigkeit steigt der Luftwiderstand quadratisch. Das bedeutet: Bei einer doppelt so hohen Geschwindigkeit verursacht die Luft, die das Fahrzeug verdrängen muss, einen viermal so großen Widerstand, der Verbrauch steigt exponentiell.

Der einfachste Weg, die Reichweite spürbar zu erhöhen, ist also eine niedrigere Geschwindigkeit. Bei einem Geschwindigkeitsanstieg von 100 auf lediglich 120 km/h erhöht sich der Verbrauch sehr deutlich, und zwar um durchschnittlich 26 Prozent.

Darüber hinaus gilt beim Elektroauto wie beim Verbrenner, dass starkes Beschleunigen und Bremsen zulasten des Verbrauches geht. Stattdessen sollte man möglichst vorausschauend unterwegs sein und gleichmäßig fahren. Insbesondere das sogenannte Segeln (das Rollen ohne Motorkraft) ist die sparsamste Art, ein Elektroauto zu bewegen. Dazu ist vorausschauendes und umsichtiges Fahren wichtig.

Gehen Sie also frühzeitig vom Gas und lassen Sie das Auto die letzten paar Hundert Meter auf eine Ortschaft, einen Bahnübergang oder einen Kreisverkehr zurollen, statt erst kurz davor auf die Bremse zu treten. Segeln ist grundsätzlich effizienter als Rekuperieren. Eindrücklichstes Beispiel aus der Praxis: Selbst bei einer reinen Bergabfahrt lassen sich laut ADAC Messungen nur 35 bis maximal 50 Prozent der für die Bergauffahrt eingesetzten Energie durch Rekuperation zurückgewinnen.

Eine Reihe von Elektro-Modellen bietet dem Fahrer auch die Möglichkeit einer Feinjustierung der Rekuperation, und zwar mittels Wippen am Lenkrad. Ein Zug an der Wippe rechts am Lenkrad reduziert die Bremsleistung um jeweils eine Stufe, ein Zug an der Wippe links erhöht sie um jeweils eine Stufe. Gewiefte Fahrer schaffen es so tatsächlich, den Verbrauch merklich zu drücken und trotzdem flott unterwegs zu sein.

Was bewirkt ein Eco-Modus?

Wer beim sparsamen Fahren auf Nummer sicher gehen will, kann in den allermeisten Fahrzeugen den Eco-Modus des Antriebs zu Hilfe nehmen. Der drosselt Leistungsabgabe und Beschleunigung und begrenzt bei manchen Fahrzeugen auch die Höchstgeschwindigkeit. Beim Sparen hilft außerdem das Fahren mit dem Tempomaten oder dem Limiter (so vorhanden).

Welche Routenoption sollte man wählen?

Die meisten Navigationssysteme schicken den Fahrer für die "schnellste Route" über die Autobahn und berücksichtigen für die Berechnung die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h. Wenn man jedoch lieber langsamer fahren möchte, ist die Strecke über die Landstraße häufig deutlich kürzer und dauert oft kaum länger. Besonders schlaue Navigationssysteme in Elektroautos bieten auch eine Option für die "sparsamste Route" an.

Was ist beim Heizen zu beachten?

Das Dilemma im Winter: Wer die Heizung aufdreht, verbraucht Akkustrom, und das verringert die Reichweite merklich, wenn es draußen richtig kalt ist. So kann sich der Energieverbrauch im Winter um 20 bis 30 Prozent erhöhen – das belegen verschiedenste ADAC Messungen.

Im Winter ist es natürlich unvermeidlich, das Auto zu heizen. Um den Effekt auf die Reichweite zu senken, bietet es sich an, den Energieverbrauch dafür nach vorne zu verlagern: Wer eine eigene Wallbox hat, tut gut daran, sein Fahrzeug per App oder Timer vorzuwärmen, während es noch mit dem Stromnetz verbunden ist. Weniger Energie braucht das zwar nicht, es schont aber die Reichweite, weil man mit einem warmen Auto starten kann und die Batterie trotzdem noch 100 Prozent Energie hat.

Gerade das erstmalige Hochheizen bei kalten Temperaturen kostet viel Energie. Wer dafür Netzstrom verwendet, kann die Reichweite beträchtlich erhöhen. Häufige Kurzstrecken treiben im Winter den Verbrauch aufgrund der ständigen Aufheizvorgänge nach oben. Bei kurzen Stopps bietet es sich daher an, die Heizung bzw. die Klimaanlage einfach durchlaufen zu lassen – per App-Steuerung oder über den "Haustier"- oder "Camping"-Modus (wenn vorhanden). Und beim Aus- und Einsteigen sollte darauf geachtet werden, die Türen wieder zügig zu schließen, um möglichst wenig Wärme entweichen zu lassen.

Neben dem schlauen Heizen ist das körpernahe Heizen sinnvoll: Sitz- und Lenkradheizung erwärmen nicht den gesamten Innenraum und sind deshalb besonders sparsam. Viele Fahrzeuge reduzieren im Eco-Modus die Heizleistung oder heizen bei Alleinreisenden ausschließlich den Bereich des Fahrers.

Auch durch das Umschalten der Klimaanlage von Frischluft auf Umluft kann Energie gespart werden, weil dann nicht ständig kalte Luft von außen neu aufgeheizt werden muss.

Muss der Akku geheizt werden?

Spürbar Reichweite kann die Akkuheizung kosten. Im Langstreckenbetrieb bei kalten Außentemperaturen ist diese sinnvoll, wenn man die höchste Ladeleistung an Schnellladesäulen bekommen möchte. Wer aber eine längere Mittagspause plant oder einfach nur gerade so an der heimischen Wallbox ankommen will, für den kann es sogar sinnvoll sein, die Akkuheizung gezielt auszuschalten.

Wie viel Strom kosten Nebenverbraucher?

In ihrer Wirkung auf die erzielbare Reichweite sind Nebenverbraucher kaum relevant. Eine Sitzheizung zieht nach dem Aufheizen weniger als 50 Watt. Auch Scheinwerfer, Scheibenwischer oder Radio bewegen sich in der Regel in diesem Bereich. Zusammengenommen machen alle zuschaltbaren Nebenverbraucher (Heizung dabei außen vor gelassen) in der Regel um die 100 Watt aus – bei 120 km/h und einem Verbrauch von 20 kWh/100 km entspricht das einem niedrigen einstelligen Prozentanteil des gesamten Verbrauchs.

Treiben Dachboxen den Verbrauch?

Dachboxen, Fahrradträger und Anhänger sind echte Verbrauchstreiber. Alles, was Windwiderstand und Gewicht erhöht, sollte man wirklich nur dann benutzen, wenn es notwendig ist. Eine Dachbox zum Beispiel lässt den Verbrauch um etwa 14 Prozent ansteigen, ein Dachträger mit zwei Fahrrädern um rund 33 Prozent.

Im Kofferraum sammelt sich mit der Zeit leicht unnötiger Ballast an. Auch dieses zusätzliche Gewicht erhöht den Verbrauch, besonders bei viel Stop-and-Go-Verkehr. So kann man sich überlegen, ob ein Notladekabel bei der heutigen Dichte an Ladestationen ständig mitgeführt werden muss. Das Einsparpotenzial beim Ballast ist aber relativ überschaubar.

Wie wichtig sind Druck und Rollwiderstand der Reifen?

Um den Verbrauch niedrig zu halten, sollten die Reifen des Autos einen geringen Rollwiderstand aufweisen. Achten Sie aber darauf, dass die Sicherheitskriterien nicht ins Hintertreffen geraten. Ebenfalls wichtig ist der richtige Reifendruck. Hier sollte man sich an der oberen Grenze der Herstellerangabe orientieren.

Fazit: Sparsam zu fahren erhöht unter dem Strich nicht nur die Reichweite, der geringere Verbrauch senkt auch die Betriebskosten. Und das ist für Autofahrer vielleicht der noch stärkere Ansporn als der Zugewinn von Reichweite.

Fachliche Beratung: Matthias Vogt/ADAC Technik Zentrum