Tesla FSD Supervised: Fast zu gut und deshalb nicht ungefährlich

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Von Andreas Huber

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Tesla verspricht mit seinem Full Self-Driving Supervised allein schon über den Namen viel. Doch kann das System tatsächlich selbstständig fahren? Eine ADAC Testfahrt in Dänemark zeigt beeindruckende Fähigkeiten, unerwartete Fehler und ein grundsätzliches Problem.

  • Testfahrt mit Teslas Full Self-Driving Supervised

  • Tesla FSD in immer mehr europäischen Ländern per Sondergenehmigung erlaubt

  • Sondergenehmigung auch in Deutschland denkbar

Navigationsziel eingeben, auf einen Knopf drücken, und schon bringt einen der Tesla ans Ziel. Was sich immer noch nach Zukunftsmusik anhört, konnte der ADAC in Kopenhagen bereits ausprobieren – mit bemerkenswerten Erkenntnissen, die zeigen, wie gut die Technik schon ist. Aber auch, wo die Grenzen liegen: Während der zweistündigen Testfahrt wäre der selbstfahrende Tesla dreimal durch die deutsche Führerscheinprüfung gefallen.

Tesla FSD mit Sondergenehmigung in Dänemark erlaubt

Der Tesla FSD bei einer Testfahrt mit Leuten des ADAC
Mithilfe eines kurzen Films unterweist der Tesla die Insassen, wie das FSD-System funktioniert© ADAC/ABGEDREHT

Tesla verspricht schon lange automatisiertes Fahren, konnte sein Versprechen aber nie einhalten. Das soll sich jetzt ein Stück weit ändern: Die europäische Richtlinie DCAS erlaubt es Autoherstellern schon länger, dass ihre Autos auf Autobahnen das Steuer übernehmen. Die Person hinter dem Lenkrad muss die Technik allerdings überwachen und aufmerksam bleiben. So sind hierzulande BMW und Ford mit entsprechenden Systemen auf der Autobahn unterwegs.

Die Amerikaner nutzen nun die Möglichkeit einer Sondergenehmigung und bringen die Funktionalität von der Autobahn auch auf die Landstraße und in die Städte. Full Self-Driving (FSD) nennt Tesla das, allerdings mit dem wichtigen Zusatz "Supervised". Auch hier heißt das: Die Person am Steuer muss die Technik überwachen und hat nach wie vor die rechtliche Verantwortung. Damit bleibt das System, wie die von BMW und Ford, ein Level 2+-System.

In europäischen Ländern wie den Niederlanden und Dänemark ist das System bereits über eine Sondergenehmigung zugelassen. Je nach Land gibt es eine kostenlose Testphase. Danach bietet Tesla die Funktion zu einem Abopreis von bis zu 99 Euro im Monat an.

Der Tesla schafft schon früh Vertrauen

Der Tesla FSD bei einer Testfahrt mit Leuten des ADAC
Besonderheit dänischer Landstraßen: Die Linien dürfen zum Aneinandervorbeifahren überfahren werden. Das hat im Tesla geklappt© ADAC/ABGEDREHT

Aber wie sicher fühlt man sich nun, wenn diese Art der Automatisierung im Stadtverkehr genutzt wird? Im Navi wird das Ziel eingegeben, wir nehmen die Hände vom Lenkrad, und schon geht es los. Bereits nach wenigen Kilometern Testfahrt stellt sich ein Gefühl ein, das Fahrerassistenzsysteme bislang nur selten vermitteln: ein sehr sicheres. Das Tesla Model 3 fährt nicht bloß stumpf seiner Spur hinterher. Es wechselt selbstständig den Fahrstreifen und bewältigt auch anspruchsvollere Verkehrssituationen erstaunlich natürlich.

FSD Supervised übernimmt das Lenken, Beschleunigen und Bremsen, kann abbiegen, Spuren wechseln und die Routenführung übernehmen. Eine ganze Menge also, ein autonomer Betrieb ist aber selbst nach Angaben des Herstellers damit nicht möglich.

Dennoch: Während der ADAC Testfahrt in Dänemark funktionierte das über weite Strecken bemerkenswert gut. Auf einer schmalen Landstraße mit Gegenverkehr reagierte das Fahrzeug ruhig und kontrolliert. Enge Straßen und Gassen bereiten ihm ebenfalls kaum Schwierigkeiten. Selbst in einem zweispurigen Kreisverkehr wählte es den passenden Fahrstreifen. Das wirkt nicht nur technisch ausgereift, sondern über weite Strecken fast so, als säße ein aufmerksamer Mensch am Steuer.

Genau darin liegt allerdings auch das größte Problem von Tesla FSD: Das System fährt teilweise so überzeugend, dass der Mensch schnell Vertrauen fasst, sich zurücklehnt und zum reinen Beobachter wird. Wer auf dem Fahrersitz Platz nimmt, muss aber weiterhin dauerhaft aufmerksam bleiben. Das Lenkrad loszulassen bedeutet nicht, dass die Verantwortung an das Fahrzeug übergeht. Der Mensch muss den Verkehr und das Verhalten des Systems beobachten und jederzeit eingreifen können. Doch kann er das wirklich, wenn er dem System vertraut und vielleicht nicht mehr ganz so aufmerksam beim Geschehen ist?

Fehler bei vermeintlich einfachen Aufgaben

Der Tesla FSD bei einer Testfahrt mit Leuten des ADAC
Ergebnis nach vielen Rangierversuchen: Das Model 3 parkt trotzdem noch viel zu weit vom Randstein entfernt© ADAC/ABGEDREHT

Wie wichtig die Überwachung des Systems bleibt, zeigten mehrere Situationen während der Testfahrt. Überraschenderweise traten nicht unbedingt in den kompliziertesten Verkehrslagen Probleme auf. Das System wählte einmal einen falschen Fahrstreifen und entschied sich in einer weiteren Situation für die falsche Autobahnauffahrt. Beim anschließenden Korrekturversuch überfuhr der Tesla eine durchgezogene Linie. Hinzu kamen die unzulässige Nutzung einer Busspur und das Überfahren einer roten Ampel (!). Bei einer Führerscheinprüfung wäre der Tesla also dreimal durchgefallen.

Auch beim Parken zeigte das System seine Grenzen. In einem Szenario suchte der Tesla vergeblich nach einem geeigneten Parkplatz und fuhr zunächst weiter. Als eine passende Lücke gefunden wurde, wirkte der Tesla beim Einparken unbeholfen. Nach vielen Rangierversuchen gab das System auf und stand mit einer Seite noch immer auf der Straße.

Für Fahrerinnen und Fahrer ist das besonders tückisch. Eine lange fehlerfreie Fahrt kann den Eindruck erzeugen, das System beherrsche jede Situation. Ein einzelner unerwarteter Fehler reicht jedoch aus, um ein sofortiges Eingreifen notwendig zu machen.

Fahrerüberwachung mit Schwachstellen

Damit FSD Supervised freihändig genutzt werden kann, überwacht eine Kamera im Innenraum die fahrende Person. Wandert der Blick von der Straße ab, warnt das Fahrzeug laut den Erfahrungen während der Testfahrt dabei allerdings erst nach einigen Sekunden. Hier lässt das System viel Zeit verstreichen, ehe es die Person am Lenkrad bittet, wieder aufmerksam zu sein. Das ist problematisch, da ohne dauerhaften Blick auf die Fahrbahn und das Verkehrsgeschehen der Mensch das Verhalten des Fahrzeugs nicht zuverlässig überwachen kann.

Im ADAC Versuch zeigte sich zudem eine weitere Schwachstelle: Mit einer verspiegelten Sonnenbrille wurde keine Warnung ausgegeben. Das System konnte somit nicht zuverlässig erkennen, ob die Augen geöffnet waren. Bei einem Assistenzsystem, das eine dauerhafte Aufmerksamkeit des Menschen voraussetzt, ist eine verlässliche Fahrerüberwachung jedoch besonders wichtig.

FSD ist nicht mehr als ein Assistenzsystem

BMW und Mercedes fahren nebeneinander auf einer breiten Straße, Reifenspuren auf dem Asphalt, Wolkenhimmel im Hintergrund.
Während der BMW 5er nur nach Level 2+ auf der Autobahn unterwegs ist, konnte der EQS zwischenzeitlich sogar mit einem Level-3-System aufwarten© ADAC/André Kirsch

Bei all der technischen Begeisterung, die das System auslöst: Das FSD von Tesla bleibt ein klassisches Assistenzsystem. Es soll unterstützen und kann die Person am Steuer nicht ersetzen. Erst ab Level 3 der 5 Stufen des automatisierten Fahrens wird bei hoch automatisierten Systemen die Verantwortung vom Menschen genommen und an das Fahrzeug und damit an den Hersteller übergeben.

Level-3-Systeme sind noch mal deutlich komplexer, benötigen redundante Sensorik und sind dadurch nach aktuellem Stand auch noch sehr teuer. Mercedes versuchte sich in S-Klasse und EQS bereits an einem in Deutschland zugelassenen Level-3-Assistenten für die Autobahn, mittlerweile bieten die Schwaben das System aber nicht mehr zum Verkauf an. Tesla ist mit seinem FSD von diesem Automatisierungsgrad noch ein gutes Stück entfernt.

Fazit: Beeindruckender Assistent, irreführender Name

Der Tesla FSD bei einer Testfahrt mit Leuten des ADAC
Am Ende der Fahrt gibt einem der Tesla zudem Feedback, wie gut man ihn überwacht hat© ADAC/ABGEDREHT

Tesla FSD Supervised zeigt eindrucksvoll, wie leistungsfähig moderne Fahrerassistenzsysteme bereits sein können. Gleichzeitig darf die grundsätzlich gute Vorstellung nicht darüber hinwegtäuschen, dass das System unerwartete Fehlentscheidungen treffen kann. Der Fahrer oder die Fahrerin bleibt verantwortlich und muss den Verkehr permanent überwachen. Das gilt auch dann, wenn das Auto über längere Zeit ohne erkennbaren Fehler gefahren ist.

Aus Verbrauchersicht braucht es deshalb eindeutige Bezeichnungen, damit keine Missverständnisse entstehen, und eine transparente Beschreibung der Systemgrenzen. Ein Name wie "Full Self-Driving" vermittelt mehr Eigenständigkeit, als das System tatsächlich bietet. Hersteller sollten klar kommunizieren, wer die Fahraufgabe überwachen muss und wer im Ernstfall verantwortlich ist.

Der eigentliche Fortschritt entsteht erst dann, wenn ein Fahrzeug den Menschen innerhalb eines definierten Einsatzbereichs tatsächlich von der Fahraufgabe entlastet. Bis dahin bleibt Teslas FSD, trotz beeindruckender Fähigkeiten, ein Assistent.

Fachliche Beratung: Manuel Griesmann, ADAC Technik Zentrum