MG4 EV: Jetzt legen die Chinesen noch einmal nach
Von Jochen Wieler

MG schärft den Elektro‑Kompaktwagen MG4 EV für das Modelljahr 2026 nach. Die Überarbeitung konzentriert sich auf Design, Interieur und Batterie. Herausgekommen ist ein MG4, der erwachsener wirkt und im Cockpit einen Qualitätssprung macht.
MG4 Facelift mit neuem Cockpit
Zwei Akkuversionen mit 64 und 77 kWh
Preise ab 42.990 Euro
Der MG4 Electric ist seit 2022 auf dem Markt und macht bereits ebenso lange dem VW ID.3 das Leben schwer. Vor allem mit günstigeren Preisen. Doch seit VW die Preise massiv gesenkt hat, ist die chinesische Marke mit dem englischen Markennamen in Zugzwang geraten. Für das Modelljahr 2026 wurde der MG4 EV, wie er nun heißt, folglich überarbeitet.
MG4 EV 2026: Das ist neu

Optisch bleibt der MG4 seinem dynamischen Auftritt treu. Außer neuen 18‑Zoll‑Leichtmetallrädern und einem modifizierten Heckspoiler hat sich von außen nichts verändert. Beides mag kaum ins Auge fallen, optimiert aber die Aerodynamik, genau wie die aktive Kühlerjalousie, die den Luftstrom bedarfsgerecht reguliert. Dass das charakteristische LED‑Lichtdesign an Front und Heck ganz leicht verändert wurde, nimmt man so gut wie nicht wahr.
Überarbeitetes Cockpit – der größte Fortschritt

Die sichtbarste Neuerung findet sich im Innenraum. Das Cockpit wurde komplett neu gestaltet und basiert nun auf dem Layout des größeren MGS5 EV. Eine horizontale, aufgeräumte Architektur, hochwertige Soft‑Touch‑Oberflächen heben die Qualitätsanmutung deutlich an. Im Vergleich zum alten Modell mit billigem Hartplastik und angestaubtem Design ist das ein großer Unterschied. Besonders die weicheren Materialien nehmen die Insassen wohlwollend wahr.
Auch bei der Bedienung macht der MG4 einen großen Sprung nach vorn. Musste man sich beim alten Modell noch etwas länger mit der Bedienlogik anfreunden, gelingt das nun schneller. Der neue 12,8‑Zoll‑HD‑Touchscreen hat eine klare Struktur, sodass sich die Einstellmöglichkeiten gut erschließen.
Für zentrale Funktionen wie die Klimatisierung, die Lautstärkeregelung oder die Spiegelverstellung sind zudem physische Tasten erhalten geblieben. Neu an Bord sind außerdem kabelloses Apple CarPlay und Android Auto, eine induktive Ladeschale sowie eine reibungslose App‑Integration.
Gut auch, dass sich "Shortcuts" auf zwei frei belegbare Lenkradtasten legen lassen, die Assistenzsysteme etwa oder die vier Rekuperationsstufen. So muss man sich nicht immer durch die Menüs quälen. Die Tempolimiterkennung scheint nun besser zu funktionieren als bei früheren Modellen, wie die erste Testfahrt gezeigt hat.
Effizientere Antriebe und optimiertes Laden

Im Zuge des Facelifts wurde die kleine Basisbatterie gestrichen, was insofern sinnvoll ist, als MG Mitte 2026 mit einer zusätzlichen, völlig neuen Modellreihe namens MG4 Urban unten anlegt. Sie wird mit einer kleineren Batterie kommen und günstiger zu haben sein.
Für den aktualisierten MG4 EV heißt das nun: Als Basis dient eine Version mit Heckantrieb und 140 kW/190 PS und einer neuen 64‑kWh‑LFP‑Batterie mit 61,7 kWh nutzbarem Inhalt. Reichweite nach WLTP: 452 Kilometer und damit 52 mehr als bisher. Als Alternative steht eine 77‑kWh‑NCM‑Batterie (74,4 kWh nutzbar) und bis zu 545 Kilometern WLTP‑Reichweite zur Wahl. Sie leistet 180 kW/245 PS und hat ebenfalls Heckantrieb.
Und als dritte Variante gibt es nach wie vor den XPower mit sage und schreibe 320 kW/435 PS für die GTI-Fraktion. Allerdings leidet hier die Reichweite erheblich. Und wer den Beschleunigungskick von 0 auf 100 km/h in 3,8 Sekunden (!) nicht braucht, ist auch mit der Basisvariante mehr als gut bedient, wie die Redaktion bei der ersten Testfahrt mit dem gelifteten MG4 feststellen konnte.
MG4: Details in Bildern

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Das 140 kW starke Grundmodell beschleunigt schließlich auch schon in 7,5 Sekunden auf Tempo 100 – und das merkt man. Der MG4 setzt jeden Gasbefehl sofort in Vortrieb um, wischt behände von der Ampel weg und überholt lässig auf der Landstraße. Wozu mehr Geld ausgeben für die stärkere Version mit 180 kW? Als einziger Grund ist dessen größere Batterie zu sehen. Auf langen Strecken ist die bessere Reichweite sicher ein Pluspunkt.
Zudem sollen sich die Ladezeiten an Schnellladesäulen verbessert haben, doch da war bereits der Vorgänger ganz gut dabei, wie der ausführliche Test vor dem Facelift gezeigt hat. Als Maximum verspricht MG 154 kW Ladeleistung für den 64-kWh-Akku an DC-Schnellladesäulen, der größere Akku lädt mit 144 kW eigenartigerweise etwas langsamer. Wie das neue Modell lädt, muss ein kommender, ausführlicher ADAC Autotest zeigen.
Gutes Fahrwerk, wirksame Bremsen

Das Fahrwerk meistert alle Aufgaben außerordentlich gut. Der MG4 liegt stets sicher auf der Straße und lässt sich auch von engen, schnell gefahrenen Kurven nicht aus der Ruhe bringen. Der Geradeauslauf ist einwandfrei. Bei sportlicher Gangart halten sich Wanken oder Nicken in Grenzen. Auch Lenkung und Bremsen machen einen guten Job. Die Lenkung ist nicht zu leichtgängig, die angepeilte Linie auf kurvigen Landstraßen trifft man auf Anhieb. Und ja: Der MG4 kann auch Fahrspaß!
An die Gangwahl über den handtellergroßen Drehknopf auf der Mittelkonsole hat man sich rasch gewöhnt. Auch das Umschalten von Vorwärts- auf Rückwärtsfahrt klappt damit recht schnell – was sich leider nicht für jeden Getriebeschalter in heutigen E-Autos konstatieren lässt.
Abstriche beim Federungskomfort
Nicht zur geschmeidigsten ihrer Art gehört die Federung des MG4. Insgesamt federt der kompakte MG4 zwar passabel, kurzwellige Fahrbahnabschnitte und Einzelhindernisse wie abgesenkte Kanaldeckel kommen jedoch spürbar in den Innenraum durch.
Hintergrund ist nicht etwa ein hartes Sportfahrwerk – die Federung arbeitet mit konventionellen Dämpfern zusammen. Problem ist eher: Der Testwagen stand auf Reifen der Dimension 235/45, das heißt auf Breitreifen mit einem sehr schmalen Querschnitt. Und das lässt Schwellen und Fahrbahnverwerfungen zu den Insassen durchdringen.
Schade ist, dass die Anhängelast nach wie vor mäßig ausfällt. 500 Kilo, ob gebremst oder ungebremst, sind nicht der Rede wert und schließen größere Anhänger aus.
Klassengemäße Platzverhältnisse
Das Platzangebot im MG4 liegt auf klassenüblichem Niveau. Der Platz vorn geht in Ordnung, ist aber nicht ganz so großzügig wie bei manchem Konkurrenten. Grund ist der weniger weite Längseinstellbereich der Vordersitze. So reicht die Beinfreiheit vorn für Personen bis etwa 1,90 Meter Größe. Auf der Sitzbank hinten finden Personen bis 1,85 Meter bequem Platz.
Der Gepäckraum des MG4 hat sich nach dem Facelift nicht verändert. So konnte der ADAC bei einem vor der Überarbeitung gemessenen Modell 250 Liter Fassungsvermögen unter der Kofferraumabdeckung ermitteln. Entfernt man die obere Abdeckung und nutzt den Stauraum bis zum Dach hoch, erweitert sich das Volumen auf 340 Liter. Alternativ kann man im Kofferraum auch bis zu fünf Getränkekisten unterbringen. Das sind eher mäßige Werte. Weiteren Stauraum für Kleinkram (55 Liter) gibt es unter dem Kofferraumboden.
Fazit: Merklich besser geworden

Der MG4 hat durch seine Überarbeitung deutlich gewonnen. Er ist reifer geworden, moderner, im Innenraum fühlt man sich im Vergleich zum arg kargen Vorgänger wohler. Ob es reicht, um sich gegen den ID.3 dauerhaft zu behaupten? Denn trotz fraglos guter Serienausstattung ist der MG4 kein Schnäppchen zum Dumpingpreis: Die Preise starten bei 42.990 Euro, die Version mit größerer Batterie liegt bei 44.990 Euro, und der sportliche XPower kommt auf 46.990 Euro.
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