Mercedes-AMG GT SUV: Elektro-Bolide mit bis zu 1169 PS

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Von Jochen Wieler

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Ein Mercedes AMG GT SUV fährt auf einer Straße
Wie der AMG-Viertürer hat auch das SUV-Pendant eine sehr markante Front© Mercedes-Benz Group AG

Mercedes-AMG bringt mit dem GT SUV ein elektrisches Hochleistungs-SUV. Das Topmodell leistet sagenhafte 860 kW/1169 PS. Technisch bemerkenswert: die Batterie mit direkter Zellkühlung und bis zu 710 kW Ladeleistung. Alle Infos.

  • Zwei 800-Volt-Batterien zur Wahl: 106 und 128 kWh

  • WLTP-Reichweite von bis zu 700 Kilometern

  • Mercedes-AMG GT 53 SUV ab 113.050 Euro

Mit dem GT SUV schlägt Mercedes-AMG ein neues Kapitel auf: Erstmals entwickelt die Performance-Marke ein SUV von Grund auf selbst. Gleichzeitig ist das neue Modell nach dem AMG GT 4-Türer Coupé das zweite Fahrzeug auf Basis der elektrischen High-Performance-Plattform AMG.EA.

Dabei fährt AMG technisch schweres Geschütz auf. Drei Motorisierungen sind angekündigt: GT 53, GT 55 und GT 63. Während das Einstiegsmodell mit zwei permanenterregten Synchronmaschinen arbeitet, kommen im GT 55 und GT 63 drei Axialflussmotoren zum Einsatz. Die Spitzenleistung reicht bis 860 kW/1169 PS.

Mercedes-AMG GT 63 SUV mit 2000 Nm

Ein Mercedes AMG GT SUV fährt auf einer Straße
Das AMG SUV ist stolze 5,08 Meter lang© Mercedes-Benz Group AG

Die Leistungsdaten des Topmodells bewegen sich in Regionen, die noch vor wenigen Jahren reinrassigen Supersportwagen vorbehalten waren. Der Mercedes-AMG GT 63 SUV entwickelt sagenhafte 860 kW/1169 PS und ein maximales Drehmoment von 2000 Nm. Zwei E-Motoren sitzen an der Hinterachse, ein weiterer an der Vorderachse. Die Kraft verteilt ein vollvariabler Allradantrieb.

Nach Herstellerangaben beschleunigt der GT 63 in 2,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Tempo 200 steht nach 7,2 Sekunden auf dem Tacho. Mit dem sogenannten Driver's Package sind maximal 270 km/h möglich. Der GT 63 kann seine maximale Boost-Leistung laut Datenblatt für bis zu 63 Sekunden zur Verfügung stellen. Bemerkenswert ist dabei nicht nur die kurzfristig abrufbare Spitzen-, sondern auch die Dauerleistung. AMG gibt für GT 63 und GT 55 eine Dauerleistung von 530 kW/721 PS an.

Braucht ein SUV wirklich 1169 PS?

Die nackten Zahlen sind zweifellos beeindruckend. Gleichzeitig stellt sich bei 1169 PS und 2000 Nm aber die Frage nach dem praktischen Nutzen eines derartigen Leistungsniveaus im Straßenverkehr. Schon die schwächeren Varianten erreichen Fahrleistungen, die weit über dem liegen, was sich im normalen Verkehr ausschöpfen lässt. Ein Leichtgewicht ist der AMG indes nicht: Der GT 63 bringt bis zu 2695 Kilogramm auf die Waage.

Technisch interessanter als die hohe PS-Angabe dürfte deshalb sein, wie AMG versucht, diese Leistung dauerhaft beherrschbar zu machen. Denn bei einem Hochleistungs-Elektroauto entscheidet nicht allein die Maximalleistung des Motors, sondern auch, ob Batterie, Leistungselektronik und Kühlsystem sie wiederholt bereitstellen können.

Drei Elektromotoren dienen als Antrieb

Ein Mercedes AMG GT SUV fährt auf einer Straße
Die auffällige Lichtleiste am Heck findet sich in ähnlicher Form auch im AMG GT Viertürer© Mercedes

Dafür setzt AMG bei den beiden stärkeren Varianten auf drei besonders kompakte und drehmomentstarke Axialflussmotoren. Die hintere Antriebseinheit kombiniert zwei dieser E-Maschinen mit jeweils einem Eingangs-Planetenradgetriebe. Motoren und Getriebe werden mit Öl gekühlt. Wassergekühlte Siliziumkarbid-Inverter übernehmen die Leistungselektronik.

An der Vorderachse sitzt ein dritter Axialflussmotor. Er dient vor allem als Booster und wird zugeschaltet, wenn zusätzliche Leistung oder Traktion benötigt wird. Bei geringer Last wird er vom Antrieb getrennt, um Schleppverluste zu reduzieren. Beim Beschleunigen und Rekuperieren kann er wieder eingekoppelt werden.

Der GT 55 nutzt ebenfalls drei E-Maschinen und leistet 600 kW/816 PS. Von 0 auf 100 km/h soll es hier in 3,1 Sekunden gehen, Tempo 200 ist nach 9,9 Sekunden erreicht. "Vernünftiger" ist das Einstiegsmodell GT 53 mit 400 kW/544 PS, 800 Nm Drehmoment und einer Beschleunigung von 4,2 Sekunden auf Tempo 100. Auch hier kann der Vorderachsmotor bei geringer Last abgekoppelt werden. An der Hinterachse setzt AMG ein Zweiganggetriebe ein.

Damit die Leistung auch abrufbar ist, braucht es eine entsprechende Hochvoltbatterie. Sie arbeitet mit 800 Volt und wird mit 106 oder 128 kWh nutzbarer Kapazität angeboten, wobei für den GT 53 im Datenblatt 106 kWh ausgewiesen sind. GT 55 und GT 63 können mit beiden Batteriegrößen kombiniert werden.

Die Batterie verwendet schlanke Rundzellen mit 105 Millimetern Höhe und 26 Millimetern Durchmesser. AMG nennt eine Energiedichte von mehr als 298 Wh/kg. Der Clou steckt in der Kühlung: Jede einzelne Rundzelle wird von einem elektrisch nicht leitenden Öl umströmt. Dadurch sollen die Temperaturen innerhalb der Batterie möglichst gleichmäßig bleiben. Das ist besonders bei hohen Lade- und Entladeleistungen wichtig und damit für hohe Dauerleistungswerte.

Bis zu 710 kW Ladeleistung

Seitenansicht eines stehenden Mercedes AMG GT SUV
Die Standzeiten sollen am Schnelllader extrem kurz ausfallen, verspricht der Hersteller© Mercedes

Spektakulär ist auch die Ladeleistung. Die 106-kWh-Batterie lässt laut Mercedes-AMG maximal 600 kW, die 128-kWh-Version sogar 710 kW zu. Für Letztere gibt der Hersteller bis zu 83 kWh nachgeladene Energie innerhalb von 10 Minuten an, für die kleinere Batterie bis zu 70 kWh. Unter den besten Bedingungen soll der Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent beim 106-kWh-Akku rund 11 Minuten, beim 128-kWh-Akku 12 Minuten dauern. Nach 10 Minuten sollen bis zu 386 bzw. 454 Kilometer WLTP-Reichweite nachgeladen sein.

Allerdings sind solche Spitzenwerte nur dann möglich, wenn die Ladesäule entsprechend hohe Leistungen bereitstellen kann. Für eine 400-kW-Ladesäule – und auch solche Säulen sind noch eher selten anzutreffen – nennt der Hersteller Ladezeiten von 14 Minuten für die 106-kWh- und 16 Minuten für die 128-kWh-Batterie.

AMG GT SUV: Bis zu 700 Kilometer Reichweite

Die angegebenen Reichweiten sind natürlich nur bei leichtem Gasfuß im gesetzlich vorgeschriebenen Zyklus möglich. Für GT 63 und GT 55 nennt AMG mit der 106-kWh-Batterie 525 bis 585 Kilometer nach WLTP, mit dem 128-kWh-Akku 620 bis 700 Kilometer. Der kombinierte Normverbrauch liegt bei 20,9 bis 23,8 kWh/100 km, abhängig von Variante und Batterie. Der GT 53 kommt laut Hersteller mit seinem 106-kWh-Akku auf 597 bis 668 Kilometer WLTP-Reichweite. Sein Normverbrauch wird mit 18,8 bis 21,1 kWh/100 km angegeben.

Als erstes Modell soll der Mercedes-AMG GT 53 SUV bestellbar sein. Mercedes nennt dafür einen Preis ab 113.050 Euro. GT 55 und GT 63 sollen später folgen.

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