Mercedes AMG GT 4-Türer: Elektro-Hammer mit 1169 PS
Von Redaktion

Der Titel "Superstromer des Jahres" dürfte ihm schon jetzt sicher sein. Das viertürige Mercedes-AMG GT Coupé sprengt als Elektro-Limousine in Sachen Antrieb, Batterie und Ladeleistung alles bislang Dagewesene.
Leistungsfähiger Akku dank besonderer Kühlung
Superschnelles Laden möglich
1169 PS aus drei Elektromotoren
Über den Sinn eines Elektroautos mit 860 kW/1169 PS Motorleistung lässt sich trefflich streiten. Über die Technik des hier vorgestellten Supersportwagens aber nicht. Denn die ist revolutionär und stellt einen erheblichen Entwicklungssprung bei der Elektromobilität dar.
AMG GT 4-Türer: E-Auto der Superlative

Die knapp 5 Meter lange Sportlimousine trägt die Bezeichnung Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé. Allein diesen Modellnamen auszusprechen dauert in etwa so lange, wie der schwäbische Stromer für den Sprint auf Tempo 100 braucht: 2,1 Sekunden. Und es geht unbändig weiter, die 200-km/h-Marke fällt nach nur 6,4 Sekunden. Nicht einmal Supersportwagen mit Hochleistungs-Achtzylinder schaffen diese Werte. Und selbst der über 3 Millionen Euro teure AMG One muss hier passen.
"Wir wollten nicht einfach das nächste austauschbare Elektroauto bauen", sagt AMG-Chef Michael Schiebe. "Das neue Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé ist eine absolute Hochleistungsmaschine, mit Innovationen, die in diesem Bereich bis dato ungeahnte Fahrleistungen ermöglichen."
Dauervollgas kein Problem

Dem voraus gingen ungezählte Dauerhaltbarkeits-Testläufe, unter anderem auf dem Hochgeschwindigkeits-Rundkurs im süditalienischen Nardo. Hier stellte AMG mit dem Technologieträger GT Concept XX im vorigen Jahr gleich 25 Rekorde auf, legte innerhalb von 24 Stunden nicht nur 5479 Kilometer zurück, sondern setzte dem Ganzen gleich auch noch die Marathon-Krone auf, indem man die Limousine knapp acht Tage durchrennen ließ. Am Ende standen 40.075 Kilometer auf dem Tacho, eine Strecke, die dem Erdumfang am Äquator entspricht.
Vieles der komplett neu entwickelten GT-XX-Technik – die 800-Volt-Plattform nennt sich AMG.EA – steckt nun im bis zu 300 km/h schnellen Serien-4-Türer-Coupé. Dazu gehören die sogenannten Axial-Fluss-E-Maschinen (AFM). Zwei dieser superkompakten und leichten Motoren sitzen an der Hinterachse, einer treibt bei Bedarf die Vorderachse an.
Zusammen stellen sie eine Spitzenleistung von bis zu 860 kW/1169 PS bereit – und dies nicht nur einmal, sondern "viele Male hintereinander, ohne dass die Batterie schlappmacht", wie Entwicklungs-Vorstand Jörg Burzer verspricht. Auch bei der Dauerleistung von 530 kW/721 PS setzen die AMG-Ingenieure Maßstäbe. Sie bleibt für gut 30 Minuten konstant. Kein Wettbewerber kommt hier auch nur annähernd heran.
Hightech: Batterie und Motoren

Damit eine solch hohe Performance überhaupt möglich ist, braucht es sehr spezielle Batteriezellen. AMG entschied sich für 2660 Rundzellen in Zylinderform, deren Zellchemie (Nickel/Kobalt/Mangan/Aluminium) auf hohe Leistungsstabilität unter Dauerbelastung abgestimmt ausgelegt wurde.
Die neu entwickelten Zellen haben laut Mercedes eine Energiedichte von über 298 Wattstunden pro Kilogramm. Erreicht wurde die Performance durch den Einsatz von Aluminium an der Kathode und Silizium an der Anode. Ein spezielles Öl umfließt jede der Zellen direkt und soll eine gleichmäßige Temperaturverteilung gewährleisten.
Das Besondere an einem Axial-Fluss-Motor ist, dass der elektromagnetische Fluss parallel zur Drehachse des Motors statt senkrecht zur Drehachse bei einem konventionellen E-Motor verläuft. So kann die Kraft optimal durch das vom Stator erzeugte elektrische Feld auf die Rotoren übertragen werden.
Die Bauteile des Motors (Rotoren und Stator) sind als schmale Scheiben umgesetzt, bauen sehr kompakt und nehmen in etwa die Fläche einer großen Pizza ein. Im Inneren befinden sich keine runden, sondern eckige Kupferdrähte (sogenannte Hairpins), um möglichst viel Material auf engem Raum unterbringen zu können. Zudem sind die Motoren ölgekühlt.
AMG-eigene 1000-kW-Ladesäulen

Um den Elektro-GT-Fahrern die Freude hinter dem Lenkrad nicht mit langen Ladestopps zu vermiesen, haben die AMG-Techniker auch auf diesem Feld professionelle Arbeit geleistet. An Reichweite sind bis knapp 700 Kilometer möglich. Geht's an einen Ladepunkt, kann die Sportlimousine mit bis zu 600 kW Leistung versorgt werden. Entsprechende Säulen sind zwar noch äußerst dünn gesät. Sollte der GT aber hier stoppen, sind in nur 10 Minuten rund 460 frische Kilometer nachgeladen.
Entsprechend hat AMG zusammen mit dem Ladesäulenhersteller Alpitronic eine neue Säule entwickelt, die bis zu 1000 kW bereitstellen kann. Noch ist sie ein Prototyp, doch 2026 sollen die ersten AMG-gebrandeten Säulen an den Mercedes-eigenen Ladehubs errichtet werden. Geladen wird dabei über den konventionellen CCS-Stecker.
Laden: In 11 Minuten auf 80 Prozent

Wie viele es davon geben wird und an welchen Standorten sie aufgestellt werden, ist noch nicht klar. Einfach wird die Suche sicher nicht, denn das Stromnetz vor Ort muss schließlich dafür ausgelegt sein.
Um die Batterie von 10 auf 80 Prozent ihrer Kapazität (netto 106 kWh) zu füllen, sollen nur 11 Minuten vergehen. Der GT 4-Türer macht das Laden damit fast so schnell wie herkömmliches Tanken.
Wie die technische Basis des AMG 4-Türer-Coupé ist auch die Karosserie eine komplette Eigenentwicklung der Affalterbacher Mercedes-Tochter. Klares Statement: Sportlichkeit. Für eine optimale Aerodynamik sorgen Frontsplitter, Venturi-Elemente im Unterboden, Airpanels vorne, Seitenschweller, Heckspoiler und ein ausfahrbarer Heckdiffusor. Die Seitenspiegel setzten die Designer in Anlehnung an den Motorsport oben auf die Vordertüren.
Innen feinstes GT-Feeling

Insgesamt passen die Proportionen des GT-4-Türers gut, das Auto wirkt harmonisch und trotz seiner Größe von immerhin 5,09 Metern optisch kleiner. In den Kofferraum passen 415 Liter, die Rücksitzlehnen lassen sich umlegen und erhöhen so den Nutzwert deutlich.
Apropos Rücksitze: Flach gehaltene Elektrolimousinen und -coupés stoßen beim Passagierkomfort schnell an ihre Grenzen. Damit man im Fond des GT-4-Türers vernünftig sitzen kann, verzichteten die AMG-Techniker auf etwas Batteriekapazität und senkten im Fußbereich den Boden ab.
Perfekt ist die Sitzposition hinter dem Lenkrad. GT-Feeling vom Feinsten, mit Ausrichtung der Displays zum Fahrer hin, breiter Mittelkonsole und optimal platzierten Fahrschaltern. Wenn jetzt das Fahrprogramm AMG Force S+ (eines von sieben) angesteuert wird, glaubt man nicht mehr, in einem (gewöhnlich leisen) Elektroauto zu sitzen. Stattdessen: Gänsehaut-Grollen aus alten Achtzylinder-Zeiten.
Abgefahren: V8-Sound im Elektroauto

Statt wie woanders üblich einfach nur ein bisschen Sound elektronisch zu imitieren, erfasste man bei AMG den Klang eines echten V8-Motors in allen seinen Facetten, um in jeder Fahrsituation den exakt passenden Sound zu generieren, inklusive Beschleunigung, Gangwechsel und Spätzünd-Spratzeln.
Zum Preis sagt Mercedes nur, dass sich der neue AMG GT 4-Türer mit E-Antrieb auf dem Niveau des bisherigen Coupés mit Verbrennungsmotor bewegen wird. Das würde bedeuten, dass die Preisliste irgendwo um die 150.000 Euro herum beginnt.
Die Produktion des Mercedes-AG GT 4-Türer Coupés startet im Sommer 2026 in Sindelfingen. Für das Modell wurde extra eine Werkshalle entsprechend eingerichtet. Man rechnet mit einer hohen Nachfrage. Selbstredend wird so viel Aufwand nicht nur für ein Modell gemacht. Auf der AMG.EA-Technologie sollen in den kommenden Jahren zwei weitere Modelle folgen: ein Full-Size-SUV und ein SUV-Coupé. Warum? Weil es geht.
Text: Michael Specht/SP-X, Jochen Wieler
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