City Transformer: Schmalhans auf Knopfdruck

Selbst das Türkonzept spart Platz: City Transformer CT-1
Selbst das Türkonzept spart Platz: City Transformer CT-1© Citytransformer

Ein israelisches Start-up bringt einen Kleinstwagen heraus, der auch auf dem Motorrad-Parkplatz unterkommen kann. Ein Klappmechanismus lässt den Zwerg dazu auf einen Meter Breite schrumpfen. Aber der CT-1 hat einen größeren Anspruch.

  • Auf Knopfdruck reduzierte Spurweite

  • Platz für zwei Personen hintereinander

  • E-Auto mit rund 180 Kilometer Reichweite

Der Parkraum in vielen Städten wird immer knapper - und teurer - und viele Pkw, die im urbanen Raum privat genutzt werden, stehen einen Großteil des Tages nur herum. Ein elektrischer Kleinstwagen aus Israel will der Parkplatznot den Kampf ansagen. Der City Transformer bietet eine klimatisierte Kabine für zwei Passagiere, einen umweltfreundlichen Elektroantrieb und eine verstellbare Spurbreite, um auch noch in den engsten Gassen oder Parklücken Platz zu finden.

Ausgedacht hat sich das Konzept der israelische Erfinder Asaf Formoza aus Tel Aviv. „In meine Garage passt ein normaler Kompaktwagen und daneben mein Motorrad“, sagt der Mittvierziger. Am Motorradfahren hatte Formoza aber nie richtig Freude. Im Winter zu nass, im Sommer kochte es unterm Helm, den Kleinsten damit in die Kita bringen? Zu unsicher. Die Lösung wäre ein vollwertiges Auto, das aber möglichst genauso schmal wie ein einspuriges Fahrzeug sein sollte.

Auf Knopfdruck wird der CT-1 zum Schmalhans

Platz ist in der kleinsten Lücke: Der CT-1 kann seine Spurweite auf einen Meter reduzieren © Citytransformer

Nun ist die Lösung fahrbereit und soll 2024 auf den Markt kommen. Formoza hat den CT-1 getauften Winzling gemeinsam mit den Prototypenbauern von Roding auf die Räder gestellt. Der Wagen ist 1,58 Meter hoch, 2,50 Meter lang – und eben nur einen Meter breit. Der erste Eindruck bei der Probefahrt ist fast wie damals im ersten Smart: Von innen wirkt das Fahrzeug viel erwachsener also von außen. Es fühlt sich an wie ein vollwertiger Pkw. Die beiden Sitze im CT-1 sind sind hintereinander angeordnet, und bieten auch größer gewachsenen Personen ausreichend Platz.

Im Cockpit liefern zwei kleine Bildschirme alle wesentlichen Infos, Infotainment und Verbindung zu Apps und den üblichen Diensten. Anders als andere Fahrzeuge der kleinen Klasse L7e wie etwa der Renault Twizzy, ist der CT-1 komplett geschlossen und klimatisierbar. Der 14-kWh-Akku unter dem Fahrzeugboden und zwei 7,5-kW- Elektromotoren liefern antriebstypisch spontan ausreichende Leistung ab. Mühelos kann der heckgetriebene Schmalhans im Verkehr mitschwimmen.

City Transformer: Mehr Stabilität für Tempo 90

Für mehr Fahrstabilität bei höherem Tempo macht sich der CT-1 einfach breit © Citytransformer

Das klappt allerdings nur, weil sich Tüftler Formoza ab Tempo 30 einen Trick hat patentieren lassen: Die beiden Stahlträger links und rechts im Fahrzeugrahmen, an denen die Räder aufgehängt sind, lassen sich auf Knopfdruck elektrohydraulisch um je 25 Zentimeter ausfahren. Die breitere Spur soll eine sicherere Straßenlage auch bei höheren Geschwindigkeiten ermöglichen. Bis zu 90 Stundenkilometer sind beim CT-1 drin.

Und die Reichweite von 180 Kilometern soll das Auto auch für Vorstadt-Pendler attraktiv machen. In 3,5 Stunden ist der Akku selbst an einer Haushalts-Steckdose wieder vollgeladen; am Schnelllader dauert es nur 20 Minuten.

Zwar quietscht und knarzt die Mechanik beim Ausfahren des Fahrgestells im Prototypen noch so laut, dass zunächst kein Vertrauen in den Aufklapp-Mechanismus aufkommen mag. Aber schon nach wenigen Kilometern und beherzter Beschleunigung ist das Gefühl der Unsicherheit verflogen. Der CT-1 wieselt munter wie ein Mini über Altstadtstraßen und den autobahnähnlichen Mittleren Ring in München. Flotte Spurwechsel bringen die Karosse kaum zum Neigen, ABS und ESP halten allzu ambitionierte Beschleunigungsorgien aber im Zaum. Der niedrige Schwerpunkt – unten Akkupack, oben CFK-Karosse – lässt den 450 Kilo leichten Wagen satter auf der Straße liegen, als er im Stand aussieht. Fahrspaß ist also gegeben. Und dank umklappbarem Rücksitz lässt sich auch noch ein Wochenend-Einkauf verstauen.

Marktstart für den CT-1 ist 2024 geplant

Das Cockpit des City-Transformer bietet alle üblichen Funktionen © Citytransformer

Die ganz große Stunde des ganz kleinen Autos aber kommt beim Parken in der chronisch verstopften City: Fahrwerk einfahren – und quer in die 1,20 Meter vor einem SUV gemogelt. 2,50 Meter Länge erlauben, wie beim Ur-Smart diese Parkposition, solange das Auto keine Behinderung etwa für Fußgänger oder andere Fahrspuren darstellt. Aussteigen ist auch kein Problem, denn die Türen schwingen wie beim Lamborghini Aventador nach vorn oben. Ingenieur Formoza rechnet vor, dass auf einen Normparkplatz gleich vier seiner Klapp-Künstler Platz finden. Zehnmal leichter als mit einem Kompaktwagen sei so eine Parklücke zu finden. „Das ist hochinteressant für Carsharing-Anbieter, Sanitäter oder Lieferdienste.“ Mit denen hat Formoza auch schon über erste Kaufverträge verhandelt.


Ab 2024 soll der CT-1 in Europa vom Band rollen. Rund 15.000 Fahrzeuge sind zum Start als Jahresproduktion geplant – und ein Preis von rund 16.000 Euro. Für 12.500 Euro können aber erste Enthusiasten auch jetzt schon via Website das Auto vorbestellen. Eine Umweltprämie gibt es aber für Autos dieser Fahrzeugklasse nicht.

Sonderrechte in der Stadt?

Querparken erlaubt - falls andere Verkehrsteilnehmer dadurch nicht behindert werden © Citytransformer

Formoza will aber ohnehin nicht als Preisbrecher seine Nische im Markt finden. Der Entwickler setzt beispielsweise darauf, dass Besitzer des CT-1 von Stadtverwaltungen Sonderrechte bekommen. Aus zwei Gründen: Erstens sei sein Leicht-Kfz besonders umweltfreundlich. Durch die geringe Größe und auch deswegen, weil er nur aus 1500 Einzelteilen besteht und auch in der Herstellung besonders ressourcenschonend ist. Ein herkömmliches Auto besteht aus bis zu 10.000 Teilen. Dazu kommt der geringe Platzbedarf des Schmalspur-Stromers.

In Tel Aviv etwa sei in Aussicht, auch spezielle Motorradspuren befahren zu dürfen. Und auch mit Metropolen in Italien, Frankreich oder Deutschland stehe er in Kontakt, um Straßen oder Parkraum zu erschließen, die Autos mit Normalmaß ansonsten verwehrt bleiben.

Text: Peter Weißenberg/SP-X

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