Radmuttern nachziehen: Wer haftet bei einem Unfall?

Mechaniker zieht die Radmuttern nach
Reifenwechsel in der Werkstatt: Wie sollen Kunden mit dem Hinweis "Radschrauben nachziehen" umgehen? ∙ © Shutterstock/Dusan Petkovic

Nach dem Reifenwechsel weist die Werkstatt Kunden meist darauf hin, dass die Radmuttern nachgezogen werden müssen. Was passiert, wenn diese Anweisung nicht beachtet wird und deshalb ein Unfall passiert?

  • Bei ordnungsgemäßer Montage dürfen sich Räder nicht lockern      

  • Haftung der Werkstatt durch Hinweis nicht aufgehoben

  • Urteil: Bei Unfall haftet überwiegend die Werkstatt

Den Aufkleber im Fahrzeug oder den Hinweis auf der Rechnung kennt jeder, der den Reifenwechsel in der Werkstatt machen lässt: Die Radschrauben bzw. Radmuttern sollen nach einer bestimmten Anzahl von Kilometern nachgezogen werden. Aber wie verbindlich ist die Anweisung? Müssen sich Autofahrer daran halten?

Ordnungsgemäß montierte Räder müssen halten

Der Hinweis auf ein Nachziehen der Radschrauben auf den Werkstattrechnungen ist aus technischer Sicht nicht nötig. "Wenn die Radbefestigungen in Ordnung sind und beim Anziehen der Schrauben das richtige Drehmoment verwendet wurde, muss das Rad halten", so ADAC Reifenexperte Ruprecht Müller.

Die rechtliche Seite sieht so aus: Die Haftung der Werkstatt für eventuelle Fehler wird durch den Hinweis auf der Rechnung nicht aufgehoben. Löst sich ein Rad nach dem Werkstattbesuch, spricht der erste Anschein dafür, dass der Radwechsel nicht ordnungsgemäß durchgeführt wurde. Eine Mithaftung des Kunden kommt dann in Betracht, wenn er die Schrauben nicht nachziehen lässt, obwohl er nach dem Wechsel Unregelmäßigkeiten beim Fahrverhalten bemerkt hat.

Urteil: Werkstatt haftet zu 70 Prozent

In einem Urteil des Landgerichts München II ging es genau um diese Frage. Wer haftet, wenn es durch einen gelösten Reifen zu einem Unfall kommt? Ein Mercedes-Fahrer ließ seine Sommerreifen in einer Werkstatt montieren. Nach etwa 100 km löste sich auf der Autobahn das linke Hinterrad, es kam zum Unfall mit hohem Sachschaden.

Der Autofahrer forderte Schadenersatz von der Werkstatt, weil der Reifenwechsel seiner Ansicht nach nicht fachgerecht durchgeführt worden war, vor allem die Radschrauben nicht ordnungsgemäß angezogen. Die Werkstatt bestritt einen Montagefehler. Außerdem sei der Kunde schriftlich und mündlich deutlich darauf hingewiesen worden, dass er die Radmuttern nach 50 km überprüfen muss.

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC/David Klein/Shutterstock

Das Gericht kam zu dem Schluss, dass die Werkstatt zum überwiegenden Teil haftet. Der Kunde einer Reifenfachwerkstatt darf erwarten, dass mit höchster Sorgfalt gearbeitet wird. Das war hier offensichtlich nicht der Fall. Die Pflicht des Kunden zur Überprüfung der Radmuttern wiegt dagegen deutlich geringer. Die Richter hielten eine Haftungsverteilung von 70 zu 30 für angemessen, der Mercedes-Fahrer bekam 70 Prozent seines Schadens ersetzt (LG München II, Urteil vom 9.4.2020, Az.: 10 O 3894/1). Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Fall ist in der nächsten Instanz beim Oberlandesgericht München.

Hier finden Sie Tipps für den Reifenwechsel.

Angela Baumgarten
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Petra Zollner
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