Ab 2021: Opel schaltet OnStar-Notruf ab

das OnStar System im Opel  im close up
Notfallknopf ohne Funktion: Opel stellt OnStar ein ∙ © Opel

Nach einem Unfall erstmal zur Telefonzelle? Für viele Opel-Fahrer bald Realität: Opel stellt zum Jahresende 2020 seinen Notruf-Service OnStar ersatzlos ein.

  • Opel kündigt Vertrag mit GM

  • Notrufnummer 112 nicht mehr erreichbar

  • Keine Nachrüstmöglichkeiten

Opel-Fahrzeuge mit dem Notruf-Dienst OnStar können ab 1. Januar 2021 über die eingebaute Technik keine Notrufe mehr absetzen. Denn Opel hat seinen Vertrag mit OnStar, einem Notfallruf und WLAN-Dienst mit weiteren praktischen Services wie der Parkhaus- oder Hotelsuche, zum 31.12.2020 für alle Fahrzeuge von Opel, Vauxhall, Cadillac und Chevrolet aufgekündigt.

Somit müssen Insassen nach einem Unfall den Notruf über ein Smartphone oder die nächste Telefonzelle absetzen. Es gibt keine Möglichkeit, die mit OnStar ausgerüsteten Opel-Modelle auf ein anderes Call-Center oder auf die öffentliche Notrufnummer 112 umzustellen. Auch mit dem in aktuellen Opel-Modellen verbauten Opel Connect arbeitet OnStar nicht zusammen.

Hintergrund der Einstellung von OnStar ist, dass der neue Opel-Eigentümer PSA keine Verträge mit dem zu General Motors (GM) gehörenden OnStar-Callcenter geschlossen hat. OnStar wurde 1996 von GM und Motorola entwickelt und konnte als Vorläufer der modernen eCall-Systeme erstmals den GPS-Standort automatisch an eine Notrufzentrale übertragen. Ein OnStar-FAQ zur Abschaltung des Notrufdienstes finden Sie hier.

Hersteller-Notruf kostet Zeit

Inzwischen ist der automatische eCall gesetzlicher Standard bei Neuwagen. Doch eine Umfrage des ADAC bei mehr als 30 Herstellern hatte im Herbst 2020 ergeben, dass insbesondere bei den großen deutschen Marken wie Audi, BMW, Mercedes und Volkswagen die eigenen Notruf-Systeme voreingestellt sind. Und diese Dienste werden nicht immer unbegrenzt angeboten, sind nach einer bestimmten Zeit kostenpflichtig oder werden – wie im Fall Opel – schlicht eingestellt.

Die Voreinstellung des eigenen Notruf-Dienstes ist zwar rechtlich zulässig, kostet aber Zeit, da zuerst eine Telefonzentrale des Herstellers kontaktiert wird, die anschließend die Rettungsleitstelle informiert. Außerdem kann es zu Übertragungsfehlern bei der Unfallposition kommen. Will der Verbraucher auf den gesetzlichen eCall 112 wechseln, ist nicht selten ein Werkstattbesuch nötig.

ADAC sieht ersatzlose Streichung von Opel OnStar kritisch

Der ADAC kritisiert die Entscheidung von Opel, den Notruf-Service OnStar zu streichen, ohne Verbrauchern den Wechsel zum gesetzlichen eCall zu ermöglichen. Der Club fordert alle Hersteller auf, bei der Auslieferung von Fahrzeugen den öffentlichen Notruf 112 zu aktivieren. Wo dies nicht der Fall ist, müssen Verbraucher schnell und problemlos selbst vom herstellereigenen eCall auf die gesetzliche Variante wechseln können.