Diesel-Nachrüstung: ADAC Test beweist Wirksamkeit

21.9.2018

Seit Anfang September führen wir Dauertests mit drei verschiedenen Nachrüst-Systemen für ältere Dieselfahrzeuge durch. Inzwischen sind 10.000 km absolviert. Erstes Ergebnis: Die Technik funktioniert

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Saubere Luft in Städten ist durch sinnvolle Maßnahmen möglich.
  • Im ADAC Dauertest für Diesel-Nachrüstsysteme sind 10.000 km absolviert
  • Durch die Hardware-Nachrüstung lässt sich der Schadstoffausstoß im Stadtverkehr um bis zu 70 Prozent reduzieren
  • Für den Test wurden ein Opel Astra, ein VW T 5 sowie ein Fiat Ducato mit SCR-Systemen nachgerüstet

Lange bestritt die Autoindustrie, dass sich ältere Diesel-Fahrzeuge mit SCR-Systemen nachrüsten lassen: Zu teuer, zu aufwändig, zu wenig NOx-Reduktion. Bei diesen Hardware-Einbauten wird ein spezieller Katalysator in den Abgasstrang eingesetzt, in dem die giftigen Stickoxide mithilfe des Harnstoffs AdBlue unschädlich gemacht werden. 

Schon im Februar 2018 bewies der ADAC Württemberg mit Unterstützung des baden-württembergischen Verkehrsministeriums: Hardware-Nachrüstungen an Euro-5-Dieselfahrzeugen sind nicht nur möglich, sondern funktionieren auch. Um bis zu 70 Prozent innerorts und sogar 90 Prozent außerorts sinkt der Schadstoffausstoß durch die Nachrüstung dieser Fahrzeuge. In besonders belasteten Gebieten wie dem Stuttgarter Neckartor könnte das für eine Verbesserung der Luftqualität um bis zu 25 Prozent sorgen.

Testfahrten in der Stadt, auf dem Land und der Autobahn

Nach der ersten Testreihe optimierten drei der untersuchten Anbieter ihre Technik weiter: Baumot Twintec, Oberland-Mangold sowie HJS. Die überarbeiteten SCR-Systeme werden nun in einem Opel Astra 1.7 CDTI, einem VW T 5 und einem Fiat Ducato getestet. Insgesamt 50.000 Kilometer müssen die Fahrzeuge zurücklegen. Die Testwagen fahren täglich eine fest definierte Strecke von rund 700 km, die zu 56 Prozent aus Fahrten in der Stadt, auf Land- und Bundesstraßen sowie rund 44 Prozent Autobahn besteht.

Für den Dauertest wurden die Wagen mit Datenloggern ausgestattet, die das Abgasverhalten aufzeichnen: Etwa NOx-Emissionen vor und hinter dem SCR-System, Abgastemperaturen und AdBlue®-Verbrauch. Die ersten 10.000 Kilometer sind mittlerweile absolviert, und die Datenauswertung sowie die Fahrten auf dem Abgas-Prüfstand des ADAC im Landsberger Testzentrum bestätigten die Ergebnisse der ersten Testreihe: Die Technik greift.

Die ADAC Experten gehen davon aus, dass der Dauertest im Januar 2019 abgeschlossen sein wird. Bis dahin wird sich zeigen, wie die Hardware-Nachrüstsysteme mit Hitze, Frost, Regen und Schnee klarkommen. 

Baden-Württembergs Verkehrsminister Hermann fordert Diesel-Nachrüstung

Die Kosten der Nachrüstung könnten bei 1400 bis 3300 Euro pro Fahrzeug liegen. Dieter Roßkopf, Vorstandsvorsitzender des ADAC Württemberg, sagt: "Diese Ausgaben dürfen auf keinen Fall beim Verbraucher hängen bleiben, eine staatliche Förderung sollte deshalb geprüft werden." Schließlich seien die von Fahrverboten bedrohten Diesel keineswegs "alte Kisten", sondern oft junge Gebrauchte oder Leasingrückläufer mit hohem Restwert.

Württembergs Landesverkehrsminister Winfried Hermann sieht jetzt die Bundesregierung in der Pflicht. Es sei "allerhöchste Zeit", dass die Bundesregierung die Rahmenbedinungen für die Hardware-Nachrüstung von Diesel-Autos schaffe. Nur so ließen sich weitere Fahrverbote, wie sie in Stuttgart oder Frankfurt ab 2019 drohen, vermeiden.

Die Ergebnisse des ersten Tests im Detail

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Ulrich Klaus Becker, ADAC Vizepräsident für Verkehr

„Mobilität für alle muss im Einklang mit Gesundheits- und Umweltschutz stehen. Unsere Tests zeigen deutlich, dass saubere Luft durch ein sinnvolles Maßnahmenpaket erreichbar ist. Zu diesem Paket gehören Software-Updates und Hardware-Nachrüstungen ebenso wie die beschleunigte Einführung von Euro-6d-TEMP-Fahrzeugen, ein deutlich attraktiverer ÖPNV, sinnvolle Verkehrsverflüssigungen oder die Umrüstung großer Flotten, die vor allem innerstädtisch unterwegs sind. Hierfür ließen sich beispielsweise auch Fördermittel wie der Fonds für ‚Nachhaltige Mobilität in Städten’ nutzen.“