Auf Sardinien kann man sich ausgiebig dem Kurvenfahren auf dem Motorrad hingeben. Die Insel bietet eine enorme Bandbreite an kurvigen Straßen, mal eng und verwinkelt, mal gut ausgebaut und zügig, mal hügelig-bergig bis weitsichtig auf Hochebenen. Was einen immer begleitet: Unfassbar guter Grip und ein dickes Grinsen unter dem Helm.
Nicht umsonst wird Sardinien als Eldorado für Motorradbegeisterte bezeichnet. Gerade Streckenabschnitte sind rar. Tatsächlich bieten die passähnlichen Straßen nur wenige Verschnaufpausen, doch genau das zieht zahlreiche Motorradtouristen jährlich magisch an. Ein schier endlos geschlängeltes Straßennetz, gepaart mit einer sagenhaften Verkehrsarmut, sorgt für Tourenvergnügen vom Feinsten.
Vom Anfänger über den Genuss-Cruiser bis hin zum sportlichen Kurvenjäger kommen hier alle Zweirad-Fans auf ihre Kosten. Berge mit Erhebungen bis 1800 Meter und wilde, knapp 2000 Kilometer lange Küsten, traumhafte Sandstrände, weite Ebenen und Sumpflandschaften sorgen für Abwechslung im Tourenprogramm. Eine herzhaft-bodenständige Küche und freundliche Gastgeber machen die richtige Mischung für einen gelungenen Urlaub komplett.
Nachfolgend finden Sie neben den schönsten Motorradtouren auf Sardinien auch Tipps zur besten Reisezeit, Streckenlänge und dazu, wie man sich am besten auf eine Fährfahrt mit dem Motorrad vorbereitet.
Tipps für Motorradreisen nach Sardinien
Beste Reisezeit zum Motorradfahren auf Sardinien
Die beste Reisezeit für die Motorrad-Trauminsel Sardinien ist die mildere Nebensaison im Frühjahr (Mai) und im Herbst (September/ Oktober), wenn man in beliebten Touristengebieten wie der Costa Smeralda und an der Costa del Sud wenig befahrene Straßen vorfindet und die Kurvenstrecken der SS125 Orientale Sarda sowie die Bergpässe des Supramonte in Zentralsardinien herrlich einsam sind.
Motorradfahren kann man auf der Mittelmeerinsel fast ganzjährig, wobei es im Hochsommer für Biker in Schutzkleidung sehr heiß wird.
Auch im Winter verschlägt es zahlreiche Enduro-Fans auf die spannenden Schotterpisten, Waldstrecken und ausgewaschenen Feldwege der Insel. Die Wintermonate sind zwar verhältnismäßig mild, aber auch niederschlagsreich – auf den Gipfeln der Berge liegt dann oftmals Schnee.
Mit dem eigenen Motorrad auf der Fähre nach Sardinien
Zahlreiche Fähren ermöglichen einen Sardinien-Urlaub mit dem eigenen Motorrad. Allein die Anreise zu den Festland-Häfen Genua und Livorno sind Roadtrips, die hohen Fahrspaß versprechen, wenn man sich ein wenig Zeit lässt und Hauptrouten meidet.
Aufgrund der hohen Kurvendichte und abwechslungsreichen Streckenverläufe fordert die Mittelmeerinsel Sardinien hohe Konzentrationsfähigkeit von Motorradfahrern.
Besondere Achtsamkeit ist gefragt, wenn tierische Hinterlassenschaften auf der Fahrbahn zu sehen sind. Dann heißt es: Tempo rausnehmen. Auf der Insel sind viele freilaufende Tiere unterwegs. So stehen hinter der nächsten Kurve gern mal Kühe, Esel, Schafe, Ziegen oder Schweine auf und neben der Fahrbahn – wenn pflichtbewusste Hütehunde in der Nähe sind, hält man besser Abstand.
Die hohe körperliche Belastung beim Motorradfahren wird oft unterschätzt, insbesondere auf Sardinien, wo Geraden Mangelware sind. Damit die Tour nicht zu Tortur wird, sind ausreichend Trink- und Verschnaufpausen ratsam, lädt die Mittelmeerinsel doch immer wieder an aussichtsreichen Spots zum Verweilen und Landschaft-Bestaunen ein.
Bremsen, Reifen, Antriebskette und Gepäcksysteme sind auf einer langen Motorradreise ebenfalls besonderen Belastungen ausgesetzt. Zwar gibt es in vielen sardischen Werkstätten noch Künstler der Schraube, die ihr Handwerk beherrschen, Motorradwerkstätten sind aber im kaum besiedelten Bergland rar. Vor der Abreise ist daher ein gründlicher Check des Motorrads empfehlenswert.
Sardische Straßenbeläge sind für ihren perfekten Grip bekannt – und damit auch für hohen Verschleiß. Wer auf eigener Achse an- und abreist sollte den verschleißfreudigen Asphalt mit einberechnen und, wie überall, auf ausreichend Profiltiefe achten – wer kann, tritt die Reise besser gleich mit einem frischen Satz Reifen an.
Wer das erste Mal auf der Insel ist, sollte die Tourenlängen mit Bedacht planen und sich zu Beginn nicht überschätzen: Durchschnittsgeschwindigkeiten fallen aufgrund der Vielzahl an Kurven verhältnismäßig niedrig aus, wodurch Touren ab 200 Kilometer anstrengend werden können.
Ganz Sardinien ist ein einziges Highlight, wenn es um den Fahrspaß geht. Bei der Planung kann man nur einen Fehler machen: sich zu wenig Zeit für das Bikerparadies nehmen. Die nachfolgenden sechs ausgewählten Routenvorschlägemit GPS-Daten zählen zu den schönsten Motorradtouren auf Sardinien und sorgen für reichlich Genuss-Gänsehaut.
Tourbeschreibung - Mit Motorrad durch Sardiniens Nordosten
Sardinien bietet die ideale Kombination zwischen Motorradspaß und Stranderholung – ein Ort, an dem man in die nahezu unberührte Naturlandschaft eintauchen kann und das Gefühl der Freiheit stets mit einem fährt. So auch auf dieser Tour.
Kurvensüchtige Motorradfahrer werden von dieser Route in den Nordosten Sardiniens begeistert sein. Ausgangsort ist die Küstenstadt Santa Maria Navarrese, nördlich der Stadt Arbatax gelegen. Von dort aus beginnt der Kurvenspaß auf der bei Motorradfahrern beliebten Strada Statale 125 Orientale Sarda, gemeinhin als SS125 bekannt, gen Norden.
Die landschaftlich reizvolle Straße führt insgesamt auf über 350 Kilometern von der Regionalhauptstadt Cagliari im Süden der Insel durch bergige Gebiete in den Norden. In ihrem besonders kurvigen Verlauf passiert die SS125 hierbei auch aussichtsreiche Küstenabschnitte und Städte wie Tortoli, Baunei, Dorgali und Orosei bis nach Olbia und Palau an der Costa Smeralda im Nordosten Sardiniens.
Diese Motorradtour widmet sich dem Highlight im Norden der SS125: der Strecke von Baunei nach Dorgali. Um das friedliche Bergdorf Baunei von Santa Maria Navarrese aus zu erreichen, werden die ersten knapp 500 Höhenmeter in einem munteren Kurventanz bewältigt. Schnell aufgewärmt, bietet sich in Baunei ein unvergleichliches Panorama auf die Küstenregion rund um Tortoli.
Auf den darauffolgenden 50 Kilometern der SS125 folgt ein Traum vom Motorradfahren: Unzählige Haarnadelkurven wechseln sich mit besonders "flowigen" Streckenabschnitten ab, in denen man in ein rhythmisches Links-rechts-Schwingen verfällt. Die spektakuläre Bergstraße ist zwar kein Geheimtipp, ist dank anderer gut ausgebauter Hauptrouten aber weitestgehend Lkw-frei.
Durch eine einmalige Berglandschaft, die hinter jeder Windung ein neues Panorama zu bieten hat, erreicht man den Biker-Treff am Passo Ghenna Silana auf rund 1000 Metern Höhe. Von dort aus geht es in einem Kurvenrausch weiter bergab nach Dorgali.
Es folgt eine kurze Fahrt durch die Ebene. Ab der Ortschaft Lula geht es auf einer kleineren und wenig befahrenen Straße in wechselhaften Kurvenkombinationen bergauf zum Monte Albo, dessen Gipfel stolz auf 1127 Metern rechts neben der Strecke thront. Kurz vor Sant‘ Anna bietet sich ein sagenhafter Ausblick auf die Küste Richtung Siniscola.
Auch über Lodè und Bitti reißen die Kurvenkombinationen nicht ab. Die Strecke von Bitti nach Nuoro bietet ein weiteres fahrerisches Highlight. Auf einer Nebenstraße führt die Motorradroute von Nuoro nach Fonni und über den Pass am Punta Gonnoroco in luftige Höhen. Weil ein Teilstück der Passstraße am Arcu Correboi gesperrt ist, folgt die Route ein kleines Stück der Schnellstraße SS389 und biegt schließlich links nach Talana ab.
Ab hier teilt man sich die Fahrbahn mit frei herumlaufenden Schafen, Kühen und Schweinen – besonders aufmerksames Fahren ist in dieser einzigartigen Felsenlandschaft gefragt. Am höchsten Punkt bei der Terrazza Regina della Pace und dem Punto Panoramico di Talana mit seiner großen sardischen Flagge sollte unbedingt ein Boxenstopp eingelegt und die grandiose Aussicht auf Tortoli und Arbatax, umrahmt von einer einzigartigen Berglandschaft mit dem tiefblauen Meer im Hintergrund, aufgesaugt werden.
Von den über 1000 Metern Höhe geht es serpentinenreich auf kleinen Straßen bergab nach Talana. Das "Grande Finale" der Motorradtour folgt kurz nach Talana, wo eine gut ausgebaute Kurvenstrecke mit hohem Spaßfaktor hinab nach Lotzorai und schließlich Santa Maria Navarrese führt.
Mit dem Motorrad: Kurvenreiche, menschenleere Bergstrecken mit bestem Grip sorgen für puren Fahrspaß durch eine abwechslungs- und gebirgsreiche Landschaft. Auf der Route werden insgesamt knapp 9000 Höhenmeter bewältigt und atemberaubende Aussichtspunkte passiert.
Tipps: ausreichend Pausen einplanen und bei der Kleidungswahl die Temperaturunterschiede zwischen Küste und Gebirge mit bis zu 1100 Metern Höhe beachten.
Highlights der Tour: Wer den kurvenreichen Nordosten der Insel auf dem Motorrad entdecken möchte, kommt mit dieser Panorama-Tour voll auf seine Kosten. Die gesamte Route ist ein einziges fahrerisches Highlight. Der Aussichtspunkt Punto Panoramico di Talana ist ein Biker-Pflichtstopp auf Sardinien und der landschaftlich wahrscheinlich schönste Spot der Tour.
Tourbeschreibung - Kurvenparadies Sardinien mit Motorrad
Unterwegs in Zentral- und Ost-Sardinien: Diese Motorradroute rund um das höchste Gebirge Sardiniens, den Gebirgskamm Monti del Gennargentu, führt durch die Gemeinden Fonni, Desulo, Aritzo, Seui, Ussassai sowie Gairo und damit in das fahrtechnisch sowie landschaftlich reizvollste Tourenrevier auf der Mittelmeerinsel.