Rucksack richtig aussuchen, packen und einstellen

Ein Mann und eine Frau wandern mit Rucksack auf Klippen über dem Meer
Ein Muss beim Backpacker-Trip: Der optimal gepackte Rucksack© iStock.com/josh hodge

Wer einen Backpacker-Urlaub plant, sollte sich den richtigen Rucksack aussuchen und genau überlegen, was unbedingt mitmuss. Die wichtigsten Tipps für die beste Ausrüstung.

  • Rucksackauswahl von 50 bis über 80 Liter Volumen

  • Richtige Lastenverteilung auf Hüfte und Schultern

  • Praktisch: Schlafsackinlay und Mikrofaserhandtuch

Wenn der Rücken schmerzt, wird die Backpacker-Tour schnell zur Qual. Das A und O sind daher ein bequemer Rucksack aus dem Fachhandel sowie das Wissen, wie man ihn optimal einstellt und packt. Das sollten Sie beachten.

Rucksack soll zu Reiseplänen passen

Für die Auswahl des richtigen Rucksack-Modells sind zunächst die individuellen Reisepläne wichtig: Wo soll es hingehen? Wie lange soll die Reise dauern? Welche Reiseart ist geplant?

Volumen

50 – 55 Liter

60 – 65 Liter

70 – 75 Liter

ab 80 Liter

Urlaubsdauer

2 bis 3 Wochen

bis zu 3 Wochen

mind. 3 Wochen

mehrere Monate (Wäsche unterwegs)

Reiseart

Städtetrip und Kurzurlaub

alle

alle

Reisen in verschiedene Klimazonen

Vorteile

kompakt – mit richtigen Maßen auch als Handgepäck

viel Platz, ohne zu schwer zu werden

viel Platz, aber Gewicht beachten

viel Platz, aber belastendes Gewicht

Richtigen Rucksack aussuchen

Die Anschaffung eines Trekking-Rucksacks sollte man buchstäblich nicht auf die leichte Schulter nehmen. Eine fachmännische Beratung zahlt sich letztendlich mit einem erhöhten Tragekomfort aus, denn auch bei Menschen identischer Körpergröße können Hüftweite, Schulterbreite oder Rückenlänge stark variieren. Gerade Letztere ist maßgeblich für die Wahl der richtigen Rucksackgröße.

Dazu kommen Faktoren wie Verarbeitung und Material sowie die Funktionalität (Fächer). Nehmen Sie sich deshalb Zeit bei der Auswahl eines für Ihre Statur und Bedürfnisse passenden Rucksackmodells.

  • Beim Kauf eines Trekking-Rucksacks die Rückenlänge beachten: Maßband vom Beckenkamm bis zum untersten Halswirbel (C7) anlegen – den C7 sieht man, wenn man den Kopf nach vorne beugt

  • Richtige Lastenverteilung: 70 Prozent des Gesamtgewichts sollten auf der Hüfte lasten, nur 30 Prozent auf den Schultern

  • Die Tragelast sollte maximal ein Viertel des eigenen Körpergewichts betragen

Die wichtigsten Pack-Tipps

Um die Schlepperei erträglicher zu machen, können diese drei Pack-Tipps von Nutzen sein:

Schweres dicht am Körper tragen

Intuitiv verstauen die meisten Backpacker die schwersten Gegenstände ganz unten im Rucksack – das ist falsch. Ein Rucksack fühlt sich leichter an, wenn das Schwerste so dicht wie möglich am Körper getragen wird, und zwar am besten mittig auf Höhe der Schulterblätter. Dies verhindert auch das Hin- und Herwackeln des Backpacks und leitet zudem das Gewicht hauptsächlich auf die Hüften.

Leichtes nach unten, Mittelschweres in die Mitte

Kleidung sowie andere leichte Gegenstände sollten für den maximalen Tragekomfort ganz unten eingepackt werden. Mittelschwere Dinge gehören in die Mitte des Rucksacks, aber nicht wie die schweren Utensilien direkt an den Rücken. Wertsachen sollten übrigens nicht im Rucksack verstaut, sondern am Körper getragen werden (Bauchtasche, Geldgürtel).

Klamotten rollen

Es spart Platz, T-Shirts und Hosen zu rollen anstatt sie zusammenzulegen. Am besten mehrere Kleidungsstücke gleicher Art aufeinanderstapeln und zusammen einrollen. Mit solchen "Würsten" lassen sich auch prima Hohlräume stopfen. Hilfreich sind zudem durchsichtige Zip-Lock-Beutel, in denen sich Slips, Socken, Hygieneartikel etc. geordnet verstauen lassen. Besonders platzsparend sind Vakuumbeutel.

Ausrüstung: Was sonst noch praktisch ist

Für das Wohlgefühl im Backpack-Urlaub dürfen einige Dinge nicht fehlen.

Tagesrucksack

Sobald das erste Etappenziel erreicht und die Unterkunft bezogen ist, ist man froh, den großen Trekking-Rucksack erst mal abladen zu können. Um bei Erkundungen und Ausflügen vor Ort Utensilien wie Brotzeitmesser, Wasserflasche, Bluetooth-Lautsprecher oder Regenponcho sicher verstaut dabeizuhaben, empfiehlt sich die Mitnahme eines kleineren, zusammenfaltbaren und wenn möglich wasserdichten Tagesrucksacks. Als Handgepäck leistet solch ein Daypack auch schon bei der Anreise gute Dienste, etwa wenn der große Rucksack im Flieger aufgegeben wird.

Weitere Infos zum Handgepäck

Wertsachengürtel

Kreditkarte, Bargeld, Smartphone und Ausweise gehören an den Köper in die Bauchtasche. Am besten besorgt man sich eine mit sogenanntem RFID-Schutz. Die Abkürzung steht für Radio-Frequency-Identification. Dabei handelt es sich um einen kleinen Chip, der mittlerweile an vielen Stellen im Einsatz ist, darunter auch in Kreditkarten und Handys, und der per Funk kontaktlos ausgelesen werden kann. Der RFID-Blocker sorgt dafür, dass genau dies nicht geschieht. Auch bei den sogenannten Geldgürtel-Safes mit innen liegendem Geheimfach werden Modelle mit RFID-Schutz angeboten.

Packtaschen

Durchsichtige Packtaschen aus Plastik zum Reisen
Gegen das Chaos im Rucksack: Durchsichtige Packtaschen© Shutterstock/sasimoto

Nichts nervt so sehr, wie den ganzen 85-Liter-Trekking-Rucksack auf der Suche nach einem bestimmten Gegenstand durchwühlen zu müssen. Für Übersicht sorgen schlichte, durchsichtige Zip-Beutel mit Reißverschluss oder Druckknöpfen, die es in unterschiedlichen Größen zu kaufen gibt. Denselben Zweck erfüllen verschiedenfarbige Packtaschen oder Packwürfel aus Baumwolle, Jute oder zur Not auch Plastik. Transparente Beutel haben allerdings den unschlagbaren Vorteil, dass auf einen Blick zu sehen ist, was sich darin befindet. Wer Platz sparen will, kann auch zu Vakuum-Beuteln greifen.

Multitool

Schere, Feile, Flaschenöffner, Pinzette: Unentbehrlich für viele Alltags-Belange eines Backpackers ist ein handliches Multitool wie zum Beispiel das klassische Schweizer Taschenmesser. Sinnvollerweise sollte es so eingepackt sein, dass es jederzeit schnell griffbereit ist. Beachtet werden muss jedoch, dass es im Flieger nicht ins Handgepäck darf.

(Stahlseil-)Vorhängeschloss

Vorhängeschloss mit Drahtseil
Auf Nummer sicher gehen: Vorhängeschloss© Shutterstock/MriMan

Damit lässt sich nicht nur das Schrankfach im Hostel verschließen. Zieht man das Stahlseil durch die Zipper des Reißverschlusses, sichert man gleichzeitig den Rucksack. Einen hundertprozentigen Schutz bietet ein Vorhängeschloss zwar nicht, doch Gelegenheitsdiebe dürfte es abschrecken. Wertsachen sollte man dennoch besser am Leib tragen oder im Hostel-Safe an der Rezeption deponieren.

Schlafsackinlay

Blaues Schlafsack-Inlett von Novatho
Hygiene: Mit einem Schlafsackinlay ist man auf der sicheren Seite© www.mountrex.shop

Ein Schlafsackinlay ist im Prinzip nicht mehr als ein dünnes Tuch in Schlafsack-Form, das mal weiter, mal enger geschnitten ist. In jeder Unterkunft und unabhängig von der dort herrschenden Hygiene kann man darin quasi in der eigenen Bettwäsche schlafen.

Schlafsackinlays gibt es in Baumwolle, Mikrofaser oder Seide. Letztere ist zwar am teuersten, doch Seide hat den Vorteil, dass sie in warmen Nächten kühlt und in kalten wärmt. Preiswerter und strapazierfähiger ist Mikrofaser, am schwersten ist Baumwolle. Übrigens: Richtige Schlafsäcke sind in den meisten Hostels verboten, um das Bettwanzen-Risiko möglichst geringzuhalten.

Mikrofaserhandtuch

Mikrofaser-Handtuch zum Reisen
Saugt viel Feuchtigkeit auf und müffelt nicht so schnell: Mikrofaserhandtuch© Shutterstock/IhorM

Ein eigenes Handtuch im Hostel dabei zu haben, ist unbedingt empfehlenswert. Am besten besorgt man sich ein Exemplar aus Mikrofaser. Das Material ist deutlich leichter als Frottee, zudem saugfähiger, platzsparender, und es trocknet schneller. Außerdem wirkt es antibakteriell und ist geruchsneutral. Umweltfreundlicher sind Mikrofaserhandtücher, die einen Anteil an Bambus-Aktivkohlefasern besitzen.

Richtige Schuhe

Ohne vernünftige und passgenaue Schuhe kann das Wandern zur Gefahr werden. Für steile, steinige oder matschige Wege sollte man keine Sneakers tragen. Infos zur richtigen Schuh-Auswahl bietet zum Beispiel der Deutsche Alpenverein.

Geeignete Kleidung

Grundsätzlich sinnvoll sind farbige, leichte und schnell trocknende Kleidungsstücke. Ob man sich mit Funktionskleidung ausstattet, die beispielsweise auch gegen UV-Strahlung und Mückenstiche schützen kann, ist letztendlich eine Frage des Budgets. Empfehlenswert sind Materialien wie Leinen oder Merino, da sich beide sowohl für warmes als auch kaltes Klima hervorragend eignen.

Empfehlenswert für alle Backpacker ist eine Zip-Hose mit diversen Taschen, die sich dank Reißverschlüssen auf Oberschenkelhöhe kürzen lässt. Sie sollte bequem, leicht (beispielsweise aus Nylongewebe), abriebfest, atmungsaktiv und schnell trocknend sein. Ein zusätzliches Muss für Backpackerinnen ist ein Sarong. Er wiegt quasi nichts, ist preiswert, platzsparend und vielseitig einsetzbar als Kleid, Rock, Schal, Sonnenschutz oder Decke.

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Regenponcho

Besser als eine (meist kostspielige) Regenjacke ist ein leichter Regenponcho, den man sich schnell überwirft. Es gibt Ponchos, die am Rücken eine Erweiterung für den Trekking-Rucksack besitzen – sogenannte Kraxenponchos –, und die man mittels eines Knebels zwischen den Beinen befestigen kann, damit sie nicht vom Wind aufgebläht werden. In manchen Rucksäcken ist ein Poncho bereits integriert. Sinnvollerweise packt man den Poncho zuoberst in den Rucksack, insbesondere, wenn die Wetter-App Regen ankündigt.

Weitere nützliche Utensilien

Ohrenstöpsel, Schlafmaske, Nackenkissen und Stirnlampe.

Rucksack optimal anpassen

Rucksack richtig einstellenin 5 Schritten erklärt
Mit wenigen gekonnten Handgriffen ist der Trekking-Rucksack perfekt eingestellt© ADAC e.V.

Der Rucksack ist gepackt, die Reise kann beginnen. Um den Körper nicht unnötig zu belasten, muss jeder Backpacker seinen Rucksack anpassen. Wenn der Rucksack nicht individuell eingestellt ist, drohen ein schmerzender Rücken, steifer Nacken oder verspannte Schultern. Auf Dauer kann dies auch die Wirbelsäule schädigen.

Wichtig ist, dass die Hauptlast auf den Hüften ruht anstatt auf Rücken und Schultern. Doch auch bei optimaler Anpassung empfiehlt es sich auf längeren Strecken, Hüft- und Schultergurt wechselweise anzuziehen oder zu lockern, um das Gewicht zu verlagern und so einzelne Muskelpartien zu entspannen.

  • Alle Riemen lösen: Schulterträger, oberer und unterer Lageverstellriemen (Lasten- und Stabilisationsriemen), Brust- und Hüftgurt

  • Hüftgurt anpassen: Das Gewicht sollte zu 60 bis 70 Prozent von der Hüfte und nicht von den Schultern getragen werden. Aus diesem Grund muss der Hüftgurt mittig über dem Hüftbein aufliegen. Dazu legt man den vollgepackten Rucksack an, beugt sich leicht nach vorne und platziert den Gurt mittig über die Hüftknochen. Ohne dabei den Bauch zu sehr einzuziehen, werden der Gurt gestrafft und die Schnallen geschlossen

  • Schultergurte anziehen: Trekking-Rucksäcke lassen sich über das Straffziehen der Schultergurte in ihrer Höhe auf dem Rücken variabel einstellen. Ziel ist es, das Gewicht so zu verteilen, dass weder Wirbelsäule noch Schultern zu sehr belastet werden – nur 30 bis 40 Prozent der Last dürfen, wie bereits erwähnt, auf den Schultern ruhen. Zu diesem Zweck sollten die Schultergurte so angezogen werden, dass ihr Ansatz mittig an den Schulterblättern anliegt und die Polster oben auf den Schultern platziert sind. Durch das Ziehen an Schlaufen (je nach Hersteller) lässt sich gegebenenfalls die Höhenverstellung noch etwas korrigieren – sofern der Rucksack grundsätzlich zur Rückenlänge passt. Mit diesem Schritt ist die Hauptarbeit geleistet

  • Lageverstellriemen (Lastenriemen) anpassen: Das Anziehen der Lageverstellriemen bezweckt, dass der Rucksack dicht am Körper sitzt und beim Gehen nicht wackelt. Der obere sorgt dafür, dass der Rucksack etwas nach oben und vorne gezogen wird, wodurch die Schultergurte etwas angehoben werden; der untere zieht den Rucksack etwas näher an den Körper

  • Brustgurt anpassen: Er dient lediglich dazu, die Schultergurte an Ort und Stelle zu halten, sodass sie nicht seitlich verrutschen. Er sollte nicht zu fest angezogen werden

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Mitarbeit: Julia Berger

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Elke Satzger
Redakteurin
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