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Der ADAC

Warum lohnt sich allein reisen?

Selbstportrait von Susanne Flachmann auf Reisen mit ihrem Wohnmobil
Mit ihrem Van "Franz" war Susanne Flachmann schon oft allein unterwegs ∙ © Cool Camping Wohnmobil/Susanne Flachmann

Die Weltenbummlerin Susanne Flachmann ist bei ihren Roadtrips immer solo unterwegs – egal ob auf dem Motorrad, mit dem Van oder Wohnmobil. Mittlerweile schreibt sie Bücher für Alleinreisende und Wohnmobil-Neulinge. Im Interview erklärt sie die Faszination des Reisens ohne Begleitung und verrät ihre besten Tipps.

Mit ihrem neuen Buch "Solo Van Life" will Susanne Flachmann Mut machen aufzubrechen. Was auf einem Roadtrip zu beachten ist, was allein reisen bedeutet und wie man im Notfall Hilfe bekommt, erklärt die 50-Jährige beim Interview mit dem ADAC im August 2020.

ADAC Redaktion: Helfen und Hilfe anbieten ist für den ADAC ein wichtiges Thema. Aber sollte man sich als Alleinreisende nicht auch selbst besonders gut mit der Technik des Fahrzeugs auskennen, bevor man aufbricht?

Selbstportrait von Susanne Flachmanns auf einer ihrer Motorradreisen
Pures Abenteuer: Susanne Flachmann bei einer ihrer Motorradtouren ∙ © Cool Camping Wohnmobil/Susanne Flachmann

Susanne Flachmann: Die erste Frage, die mir gestellt wird, wenn ich erzähle, dass ich allein reise, ist: "Hast du keine Angst vor Pannen? Du kennst dich doch sicher perfekt mit deinen Fahrzeugen aus, oder?" Alle sind dann ganz erstaunt, dass ich mich nicht super auskenne. Ich habe einfach Vertrauen, dass ich die Hilfe bekomme, die ich brauche. Und dieses Vertrauen zu haben ist eine Grundvoraussetzung. Wie ich Hilfe bekomme – und wie wunderbar es ist, diese zu erhalten –, darüber habe ich in meinem neuen Buch sogar ein ganzes Kapitel geschrieben.

Was war die abenteuerlichste Hilfeaktion, die Sie je erlebt haben?

Das war im letzten Jahr mit meinem Van auf einer Hochgebirgsstraße in Albanien. Ich bin mit dem Fahrzeug auf einer engen, sehr steilen Schotterstraße hängen geblieben und zurückgerutscht. Ich konnte nicht mehr wenden und steckte fest. Auf dieser einsamen Piste kamen dann tatsächlich zwei Motorradfahrer vorbei. Sie erkundeten als Guides gerade eine neue Tour für erfahrene Offroadfahrer. Gemeinsam haben wir versucht, meinen Kastenwagen wieder fahrtüchtig zu machen. Leider zunächst erfolglos. Hier hätte eine Schaufel geholfen, die ich aber ausgerechnet diesmal nicht dabei hatte. Einer der Motorradfahrer hat schließlich Stunden später in einem abgelegenen Bergdorf Hilfe geholt. Schlussendlich kam er gemeinsam mit einem Jeep und einer albanischen Familie zurück. Sie haben mich samt meinem Kastenwagen "Franz" mit einem alten Seil aus dem Graben herausgezogen.

Camping ist wieder Kult, Vans und Wohnmobile sind schwer in Mode. Worin liegt für Sie die Faszination dieser Art des Reisens?

Impression von einer nachdenklichen Susanne Flachmanns Reisen in ihrem Wohnmobil
Maximale Unabhängigkeit und Freiheit: Susanne Flachmann in ihrem Van ∙ © Cool Camping Wohnmobil/Susanne Flachmann

Für mich ist ein Roadtrip im Van die maximale Unabhängigkeit und damit Freiheit. Ich bin damit überall zu Hause, denn ich habe alles dabei, was ich zum Leben brauche. In einem Wohnmobil ist das Unterwegssein natürlich am luxuriösesten, weil man kaum Kompromisse eingehen muss. Anders als mit Auto oder Motorrad und Zelt, wo man immer erst noch eine schöne Unterkunft oder einen guten Zeltplatz zum Übernachten suchen muss. Im Van, Bulli oder Wohnmobil ist man heimelig und wettergeschützt unterwegs, es ist eher wie "Prinzessinnen-Urlaub": Man kann entspannt reisen und sich alle Wünsche erfüllen.

Was hat Sie bei Ihren Roadtrips besonders beeindruckt? Warum lohnt es sich, allein zu verreisen?

Wenn ich allein unterwegs bin, komme ich viel leichter und intensiver in Kontakt mit Einheimischen und anderen Reisenden als in der Gruppe oder zu zweit. Meine Quintessenz aber ist: Es ist überall schön. Wer mit einem Lächeln im Gesicht durch die Welt reist, dem strahlt dieses ebenso zurück! Wenn ich den Menschen neugierig, offen, freundlich, achtsam und fröhlich begegne, werde ich genauso empfangen. Und das ist mein Glück des Reisens! Es braucht deshalb nicht viel, um allein auf Reisen zu gehen und überall zu Hause sein zu können: mein Auto oder Motorrad und den Blick in die Ferne.

Nehmen wir mal an, jemand war im Urlaub noch nie allein unterwegs, welche Tipps würden Sie ihm geben?

Ich kann nur empfehlen, den Mut zu haben, allein aufzubrechen. Einfach weil es so lehrreich ist. Dazu gehört, sich mal treiben zu lassen und auf die innere Stimme zu hören. Möglichst wenig zu planen und sich Zeit zu nehmen für alles: für Schwierigkeiten, für die Suche nach dem Übernachtungsplatz und vor allem für das Genießen.

Und ganz konkret beim Reisen?

Rein praktisch gibt es natürlich einiges, was man an Equipment dabei haben sollte. Das Wichtigste ist meiner Erfahrung nach tatsächlich eine Schaufel, um sich im Notfall als Alleinreisende selbst auf einer rutschigen oder sandigen Piste befreien zu können. Gut sind dafür auch klappbare Sandbleche, die man unter die Reifen legen kann. Empfehlen kann ich zudem ein mobiles Starthilfegerät, damit man sich selbst Starthilfe geben kann. Besonders wichtig ist das in abgelegenen Gegenden, wo es keinen Handyempfang gibt, um den ADAC zu rufen. Beim Übernachten sollte man im Interesse der eigenen Sicherheit im Fahrzeug die Türen im Innenraum mit Riegeln oder einem Seil sichern, damit diese von außen nicht geöffnet werden können. Generell ist es ratsam, immer umsichtig und achtsam zu reisen und sich den lokalen Gegebenheiten anzupassen.

Hat der ADAC Ihnen denn schon mal in einer schwierigen Lage helfen können?

Mir ist schon unzählige Male geholfen worden. Auch vom ADAC. Ehrlich gesagt habe ich immer ein bisschen Angst, dass der ADAC irgendwann mal meine Nummer sperrt, weil ich ihn schon so oft angerufen habe. Ich war zum Beispiel sehr froh, dass ich nach der Reparatur meines Autos in Frankreich nach zwei Tagen wieder weiterfahren konnte.

Wohnmobil von Susanne Flachmann auf Reisen wird abgeschleppt vom ADAC-Pannendienst
Die Pannenhilfe des ADAC war auf den Roadtrips von Susanne Flachmann schon oft im Einsatz ∙ © Cool Camping Wohnmobil/Susanne Flachmann

Nicht ganz so glimpflich ging eine Reise nach Portugal aus, bei der mein Auto wegen einer völlig defekten Bremsanlage verschrottet werden musste. Am nervigsten waren meine Startprobleme auf meinem Baltikum-Rundtrip. Ich habe meinen alten Van drei Wochen lang nur mit meinem Starthilfegerät anlassen können. Hunderte Male hat es geklappt – nur an einem wirklich scheußlichen, eher unheimlichen Ort in einem Hinterhof in Riga nicht mehr. Hier hat mir allerdings ausnahmsweise nicht der ADAC geholfen, sondern jemand, der jemanden kannte, der jemanden kannte…

Für Ihr neues Buch haben Sie viele Weltenbummler interviewt. Welches war die spektakulärste Hilfeaktion, von der Ihnen berichtet wurde?

Das war eine Autopanne im Grenzgebiet zwischen der Türkei, Armenien und dem Iran. Mein Interviewpartner war auf dem Weg zum Berg Ararat. Leider ist mitten in Ostanatolien sein Van einfach stehen geblieben. Er wusste sich nicht mehr anders zu helfen, als den ADAC anzurufen. Es stand dann tatsächlich in dieser abgelegenen Gegend nach nur 20 Minuten ein ADAC Pannenhelfer vor ihm und hat ihn abgeschleppt. Der ADAC hat nicht nur den Austausch mit der Werkstatt geregelt, sondern gleich noch die Essenseinladung für den Helfer ins Türkische übersetzt. Nach diesem Rundum-sorglos-Paket konnte mein Gesprächspartner ein paar Tage später weiterreisen und hat den Berg Ararat noch besteigen können.

Zu guter Letzt: Was hilft, vom Anruf beim ADAC einmal abgesehen, bei einer Autopanne auf Reisen?

Zu allererst: Ruhe bewahren! Und überlegen, was denn das Schlimmste wäre, was in dieser Situation passieren könnte. Das Tolle beim Reisen mit Van oder Wohnmobil ist ja: Eigentlich hat man alles dabei – Essen, Trinken und ein Bett. Was braucht man mehr, um gelassen auf Hilfe warten zu können? Wichtig ist natürlich auch, jemanden anrufen zu können, der einen mit viel Ruhe, Geduld und Sachverstand durch schwierigere Situationen lotst und nicht allein lässt. Ich bin deshalb sehr froh, dass ich einen Schutzbrief habe, der mich weltweit auf allen Straßen begleitet und mich noch nie im Stich gelassen hat.

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