Geld zurück bei Lärm, Schmutz und Ungeziefer

7.8.2019

Schmutziger Pool, Ungeziefer im Hotelzimmer, Baulärm oder Flugverspätung – bei Ärger im Pauschalurlaub können Sie den Reisepreis mindern. ADAC Juristen erklären, wie Sie einen Reisemangel richtig reklamieren.

Pauschalreise beeinträchtigt: Urlauber bekommt Reisepreis anteilig zurück iFoto: Stock.com/MariusLtu)

Was ist eine Pauschalreise?

Wenn Sie eine Pauschalreise gebucht haben, können Sie beim Reiseveranstalter den Reisepreis mindern, wenn die Reise mangelhaft ist. Eine Pauschalreise ist ein Paket von mindestens zwei verschiedenen Reiseleistungen. Der typische Fall: der Urlauber bucht im Reisebüro oder online ein Leistungspaket aus Hotel und Flug.
 
Keine Pauschalreise ist:

  • Die Buchung eines Ferienhauses oder einer Ferienwohnung. Hier gilt in der Regel das Mietrecht des Reiselandes.
  • Eine individuell gebuchte Reise. Hier schließt der Reisende auf eigene Faust einzelne Verträge (z.B. Flug und Hotelübernachtung). Er muss seine Ansprüche gegenüber dem jeweiligen Vertragspartner durchsetzen. Bei der Buchung im Ausland ist das Recht des jeweiligen Reiselandes anzuwenden.   
  • Eine Tagesreise ohne Übernachtung unter 500 Euro.

Neues Zimmer, anderes Hotel: So kommen Sie zu Ihrem Recht

Mangel melden, Beweise sichern

Wenden Sie sich umgehend an die Reiseleitung, das Reisebüro oder den Reiseveranstalter (nicht an die Rezeption des Hotels!), wenn Sie im Urlaub Mängel feststellen. Schildern Sie die einzelnen Mängel, damit sie möglichst schnell behoben werden können. 

Verwenden Sie für die Meldung der Mängel das ADAC Musterschreiben Mängelanzeige, 40,4 KB.

Sichern Sie Beweise, die Sie im Streitfall vorlegen können. Machen Sie Fotos, holen Sie bei einer Flugverspätung eine Bestätigung der Fluggesellschaft ein oder sammeln Sie Anschriften von Zeugen, die den Reisemangel bestätigen können.

Beseitigung des Mangels verlangen

Setzen Sie dem Veranstalter eine angemessene Frist für die Behebung des Mangels. Eine Frist ist nicht notwendig, wenn sofortige Abhilfe nötig ist. Sie dürfen z.B. ohne Fristsetzung ein Taxi zum Flughafen nehmen, wenn Sie wegen einer Busverspätung Ihren Flug verpassen würden.

Beseitigt der Veranstalter den Mangel nicht innerhalb der Frist (z.B. anderes Zimmer), können Sie selbst tätig werden. Die dafür erforderlichen Kosten können Sie vom Reiseveranstalter ersetzt verlangen. 

Kann der Mangel nicht behoben werden, muss Ihnen der Reiseveranstalter eine gleichwertige Ersatzleistung (z.B. die Unterbringung in einem anderen Hotel) anbieten. Der Reiseveranstalter muss den Reisepreis (angemessen) herabsetzen, wenn die Ersatzleistung nicht mindestens gleichwertig ist. 

Kündigung

Sie können die Reise kündigen, wenn ein erheblicher, nicht behebbarer Reisemangel vorliegt. Das Gleiche gilt, wenn sog. unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände (z.B. Naturereignisse oder terroristische Anschläge) gegeben sind.

Können Sie wegen unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstände nicht zurückreisen, muss Sie der Reiseveranstalter (für höchstens drei Nächte) kostenfrei in einer möglichst gleichwertigen Unterkunft unterbringen. Der Reiseveranstalter muss die Mehrkosten übernehmen, die Ihnen für die Rückreise entstehen.

Sie müssen für Reiseleistungen, die wegen der Kündigung nicht mehr erbracht werden, nichts bezahlen. Was Sie schon gezahlt haben, bekommen Sie anteilig zurückerstattet.
 

Nach der Rückkehr: Ansprüche anmelden

Beachten Sie folgende Punkte, wenn Sie Ansprüche beim Reiseveranstalter geltend machen:

  • Richten Sie die Ansprüche auf Reisepreisminderung an den Reiseveranstalter, nicht an Ihr Reisebüro! 
  • Fordern Sie eine Reisepreisminderung und beschreiben Sie die Reisemängel möglichst genau. 
  • Verwenden Sie das Musterschreiben der ADAC Juristen, 76,11 KB.
  • Schicken Sie das Schreiben per Einschreiben/Rückschein an den Veranstalter. 

Ihre Ansprüche auf Minderung des Reisepreises verjähren zwei Jahre nach der Rückkehr. Der Reiseveranstalter darf diese Frist nicht durch Allgemeine Geschäftsbedingungen verkürzen.

Neben der Minderung oder Kündigung können Sie auch Schadensersatz (z.B. wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit) verlangen. Das gilt nicht, wenn Sie den Reisemangel selbst verschuldet haben oder ein Dritter den Mangel verschuldet hat und der Reiseveranstalter dies nicht vorhersehen und vermeiden konnte (z.B. grölende Hotelgäste oder Vorliegen unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstände). 

 

 

Höhe der Reisepreisminderung

Wie viel Sie vom Reisepreis bei einem Reisemangel zurückbekommen, hängt vom Einzelfall ab:

 

Mangel bei Pauschalreise                     Reisepreisminderung
Verzögerung beim Flug  5 bis 150 % des Tagesreisepreises
Änderung des Abflug- / Ankunftsflughafens  5 bis 100 % des Tagesreisepreises 
Wechsel der Fluggesellschaft  Bis zu 70 % des Tagesreisepreises
Gepäck verspätet oder verloren  15 bis 50 % des Reisepreises pro betroffenem Urlaubstag 
Schmutz im Hotel oder Hotelzimmer  3 bis 60 % des Reisepreises pro betroffenem Urlaubstag 
Fehlender Balkon / Terrasse / Ausblick 

5 bis 75 % des Reisepreises 

 Ungeziefer im Hotel  5 bis 100 % des Reisepreises
 Swimmingpool fehlt oder ist verschmutzt  Bis zu 25 % des Reisepreises
 Fehlende und eingeschränkte Sportmöglichkeiten / Animation / Disko  Bis zu 15 % des Reisepreises
 Baulärm  Bis zu 60 % des Reisepreises
 Beeinträchtigung durch Unwetter  Bis zu 100 % des Reisepreises

ADAC Juristische Zentrale, Stand Juli 2019

Weitere Fälle finden Sie in der ADAC Reisepreisminderungstabelle, 883,49 KB. Sind nur einzelne Tage betroffen, wird die Minderung anteilig am Tagesreisepreis berechnet.

Reisegutschein nicht akzeptieren

Die Reisepreisminderung muss ausgezahlt werden. Der Veranstalter schickt üblicherweise einen Verrechnungsscheck, wenn er den Reisemangel anerkennt. Einen Reisegutschein müssen Sie nicht akzeptieren.

Scheck nicht einfach einlösen

Lösen Sie den vom Reiseveranstalter angebotenen Scheck nicht ein, wenn Sie mit der Höhe der Reisepreisminderung nicht einverstanden sind. Sie können nichts mehr nachfordern, wenn Sie den Scheck widerspruchslos einlösen. Denn damit gilt das Angebot des Reiseveranstalters auf einen außergerichtlichen Vergleich als angenommen.

Reiseveranstalter zahlt nicht – Mahnverfahren hilft

Zahlt der Reiseveranstalter trotz Zahlungsfrist und Mahnung die geforderte Reisepreisminderung nicht, können Sie (vor der Einschaltung eines Rechtsanwalts) mit einem Mahnbescheid gegen den Reiseveranstalter vorgehen. Wie das geht, erfahren Sie hier.

Text: Juristische Zentrale