Reisemängel bei Buchungen ab 1.7.2018

4.6.2019

Schmutz im Pool, Kakerlaken im Zimmer – Bei Mängeln einer seit dem 1.7.2018 gebuchten Pauschalreise gelten neue Vorschriften für die Ansprüche gegen den Reiseveranstalter. ADAC Juristen erklären, wie Sie Reisemängel richtig reklamieren.

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  • Für Buchungen seit dem 1.7.2018 gilt das neue Pauschalreiserecht. 
  • Bei bis zum 30.6.18 gebuchten Pauschalreisen richten sich die Ansprüche nach der alten Rechtslage. Wann die Reise tatsächlich angetreten wird, ist dabei unerheblich.
  • Ist die pauschal gebuchte Reise mangelhaft, muss der Reiseveranstalter Abhilfe schaffen. 
     

So hilft der ADAC 

ADAC Musterschreiben Mängelanzeige, 40,4 KB
Musterschreiben Reisemängelanzeige beim Reiseveranstalter, 61,09 KB
ADAC Reisepreisminderungstabelle, 883,49 KB 

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Der richtige Anspruchsgegner

Bei einer Pauschalreise kann der Reisende beim Reiseveranstalter den Reisepreis mindern, wenn die Reise mangelhaft ist.

Was ist eine Pauschalreise?

Eine Pauschalreise ist ein Paket von mindestens zwei verschiedenen Reiseleistungen (z.B. Beförderung, Unterkunft, Mietwagen und sonstige touristische Leistungen wie Eintrittskarten zu Veranstaltungen, Wellnessbehandlungen, Skipässe etc.).

Beispiele für eine Pauschalreise

  • Der Reisende bucht im Reisebüro oder online ein Leistungspaket aus z.B. Hotel und Flug.
  • Der Kunde bucht bei einem Online-Anbieter ein Hotel. Der Anbieter vermittelt den Kunden dann für die Buchung des Fluges auf die Homepage einer Fluggesellschaft und leitet die Daten des Kunden an die Fluggesellschaft weiter. Hier ist eine Pauschalreise gebucht, wenn der zweite Vertrag innerhalb von 24 Stunden geschlossen wird.

Keine Pauschalreise liegt vor

  • Der Buchung von Ferienunterkünften als Einzelleistung - hier gilt in der Regel das Mietrecht des Reiselandes.
  • Einer Tagesreise ohne Übernachtung unter 500 Euro.

Individuell gebuchte Reise 

Bei der Individualreise schließt der Reisende auf eigene Faust einzelne Verträge (z.B. Flug und Hotelübernachtung). Der Individualreisende muss seine Ansprüche direkt gegenüber dem jeweiligen Vertragspartner durchsetzen. Bei der Buchung im Ausland ist das Recht des jeweiligen Reiselandes anzuwenden.   

Bei der Vermittlung sog. verbundener Reiseleistungen haftet der Vermittler nicht für Mängel. Der Reisende muss seine Ansprüche direkt bei dem jeweiligen Anbieter geltend machen.

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Mängel rügen, Abhilfe, Kündigung

Mängel rügen, Beweise sichern

Eine Pauschalreise ist mangelhaft, wenn die vertraglich vereinbarte Beschaffenheit der Reise von der tatsächlichen Durchführung abweicht.  

Wenn Sie im Urlaub einen Reisemangel feststellen, wenden Sie sich am Urlaubsort umgehend an die Reiseleitung (nicht an die Rezeption des Hotels!) und schildern die festgestellten Mängel, damit möglichst sofort Abhilfe geschaffen werden kann. Die Mängelanzeige kann auch gegenüber dem Vermittler und dem Reiseveranstalter erfolgen.

Sichern Sie Beweise, die Sie im Fall eines Rechtsstreits vorlegen können. Machen Sie möglichst Fotos z.B. vom verschmutzten Swimmingpool, holen Sie bei einer Flugverspätung eine Bestätigung der Fluggesellschaft ein oder sammeln Sie Anschriften von Zeugen, die den Reisemangel bestätigen können.

Verwenden Sie das ADAC Musterschreiben Mängelanzeige, 40,4 KB.

Abhilfe

Der Reisende muss dem Veranstalter eine angemessene Frist zur Abhilfe setzen. Eine Frist ist nicht notwendig, wenn die sofortige Abhilfe nötig ist: droht dem Reisenden z.B. aufgrund einer Busverspätung dass er seinen Flug verpasst, darf er ohne Fristsetzung ein Taxi nehmen.

Hat der Veranstalter trotz Fristsetzung den Mangel nicht beseitigt, kann der Reisende selbst Abhilfe schaffen und die erforderlichen Kosten dafür verlangen. 

Ist eine Abhilfe nicht möglich, muss der Reiseveranstalter eine angemessene Ersatzleistung anbieten. Ist die Ersatzleistung nicht mindestens gleichwertig, muss der Reiseveranstalter den Reisepreis angemessen herabsetzen. 

Kündigung

Der Reisende kann die Reise bei einem erheblichen, nicht behebbaren Reisemangel oder beim Vorliegen unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstände kündigen.

Ist die Rückreise aufgrund unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstände (z.B. Naturereignissen oder terroristische Anschläge) nicht möglich, muss der Reiseveranstalter die notwendigen Beherbergungskosten einer möglichst gleichwertigen Unterkunft für höchstens drei Nächte tragen. Die zusätzlich anfallenden Mehrkosten der Rückreise trägt ebenfalls der Reiseveranstalter.

Für die Reiseleistungen die wegen der Kündigung nicht mehr erbracht werden, muss der Reisende nichts bezahlen. Wurden schon Zahlungen geleistet, müssen diese dem Reisenden erstattet werden.

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Nach der Rückkehr: Ansprüche anmelden

Um Ihre Ansprüche gegenüber dem Reiseveranstalter geltend zu machen, müssen Sie folgendes beachten:

  • Ansprechgegner ist der Reiseveranstalter, nicht Ihr Reisebüro!
  • Beschreiben Sie den Reisemangel möglichst genau und fordern Sie eine Reisepreisminderung.
  • Schicken Sie das Schreiben am besten per Einschreiben/Rückschein an den Veranstalter.
  • Verwenden Sie das Musterschreiben der ADAC Juristen, es hilft bei der Beschreibung und Anspruchsstellung: ADAC Musterschreiben Mängelanzeige, 40,4 KB

Die Ansprüche des Reisenden verjähren zwei Jahre nach der Rückkehr. Der Reiseveranstalter darf die Frist in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht verkürzen.

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Reisepreisminderung und Schadenersatz

Höhe der Reisepreisminderung

Wie hoch die Reisepreisminderung ist, die Sie bei einem Reisemangel geltend machen können, hängt vom Einzelfall ab. Der ADAC hat für Sie die bundesweite Rechtsprechung zum Reiserecht ausgewertet und eine Übersicht zur Höhe der Reisepreisminderung erstellt: ADAC Reisepreisminderungstabelle, 883,49 KB

Reisegutschein muss nicht akzeptiert werden

Die Reisepreisminderung muss ausgezahlt werden. Sie müssen keinen Reisegutschein akzeptieren. In der Regel übersendet der Veranstalter einen Verrechnungsscheck, wenn er den Reisemangel anerkennt. 

Vorsicht Vergleich: Scheck nicht einfach einlösen

Wer Mängelansprüche anmeldet und daraufhin vom Reiseveranstalter einen Scheck erhält, verliert weitergehende Ansprüche, wenn er diesen Scheck widerspruchslos einlöst! Denn dann gilt das Angebot des Reiseveranstalters auf einen (außergerichtlichen) Vergleich als angenommen. Nehmen Sie den vom Reiseveranstalter angebotenen Scheck also nicht an, wenn Sie mit der Höhe der Reisepreisminderung nicht einverstanden sind und weitere Rechtsansprüche geltend machen wollen.

Reiseveranstalter zahlt nicht – Mahnverfahren hilft

Zahlt der Reiseveranstalter trotz Zahlungsfrist und Mahnung die geforderte Reisepreisminderung nicht, so muss nicht immer ein Rechtsanwalt eingeschaltet werden. Gerade bei kleineren Geldforderungen bietet es sich an, mit einem Mahnbescheid gegen den Reiseveranstalter vorzugehen. Wie das geht, erfahren Sie hier.

Schadenersatz

Neben der Minderung oder der Kündigung kann der Reisende Schadensersatz verlangen (z. B. nutzlos aufgewendete Urlaubszeit), es sei denn, der Reisende hat den Reisemangel selbst verschuldet. Außerdem besteht kein Anspruch auf Schadenersatz, wenn der Reisemangel von einem Dritten verschuldet wurde, der kein Leistungserbringer ist und der Reisemangel für den Reiseveranstalter nicht vorhersehbar und vermeidbar war (z.B. grölende Hotelgäste oder Vorliegen unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstände).