Reform: So soll der Führerschein günstiger werden
Von Lorenzo Walcher

Der Führerschein soll günstiger werden. Eine Reform der Bundesregierung sieht umfangreiche Maßnahmen vor, um die stark gestiegenen Preise abzufedern. Auch Eltern könnten bald bei der Ausbildung unterstützen. Das Wichtigste im Überblick.
Mehr Flexibilität dank digitaler Theorie
Verkehrsministerium plant weniger Kosten für Fahrschulen und -schüler
Günstigerer Führerschein: Vor 2027 kaum realistisch
Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat einen umfassenden Reformplan für den Führerschein vorgestellt. Gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe der Länder wurden Möglichkeiten erarbeitet, die Preise für die Fahrerlaubnis zu reduzieren. Neben digitalen Lernformaten und Simulatortraining könnten künftig auch Übungsfahrten mit erfahrenen Begleitern – etwa mit Eltern – möglich werden.
Führerschein könnte ab 2027 günstiger werden
Eine ADAC Umfrage zeigt: Der Führerschein in Deutschland ist bei jungen Erwachsenen nach wie vor sehr gefragt. Der Hauptgrund, keinen Führerschein zu machen, sind laut der Erhebung die hohen Kosten.
Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) möchte dagegen vorgehen und schlägt einen vierteiligen Reformplan vor, um den Führerschein wieder billiger zu machen. Sollte die Reform auf der Verkehrsministerkonferenz Ende März beschlossen werden, dürfte es trotzdem noch bis 2027 dauern, bis die Maßnahmen den Führerschein tatsächlich günstiger machen. Das Wichtigste im Detail:
Praktische Ausbildung: Freunde, Eltern und Simulatoren
Nach österreichischem Vorbild soll es erlaubt werden, Fahrpraxis auch mit vertrauten Begleitpersonen zu sammeln. Damit wären – im Gegensatz zum Begleiteten Fahren ab 17 – bereits vor der praktischen Prüfung mehr als 1000 Kilometer private Übungsfahrten erreicht. Das Modell soll zunächst für fünf Jahre getestet werden. Alle Anforderungen finden Sie hier.
Neben zusätzlichen Übungsfahrten mit erfahrenen Begleitpersonen – auch bekannt als "Laienausbildung" – sollen auch Simulatoren eingesetzt werden, um günstig zu mehr Fahrpraxis zu gelangen. Sonderfahrten dürfen jedoch weder mit Laien noch mit Simulatoren absolviert werden. Außerdem schlägt das BMV vor, die für den Autoführerschein verpflichtenden 12 Sonderfahrten signifikant zu reduzieren. Dann wären jeweils nur eine Überland-, Autobahn- und Nachtfahrt nötig.
Theoretische Ausbildung: Mehr Digitalisierung, weniger Bürokratie
Der Arbeitskreis plant mehr Flexibilität für Fahrschülerinnen und Fahrschüler. Künftig soll die theoretische Ausbildung vollständig online möglich sein – auf Wunsch weiterhin auch in Präsenz oder als Mischung. Fahrschulen könnten dadurch kleinere Räume nutzen oder ganz auf Präsenzunterricht verzichten. Außerdem sollen zahlreiche Vorgaben für Schulungsräume und Lehrmittel gestrichen werden. Das BMV will so über die gesenkten Kosten für Fahrschulen auch die Preise für Schülerinnen und Schüler reduzieren. Zusätzlich soll der Theorie-Fragenkatalog um etwa 30 Prozent schrumpfen. Der Umfang des geforderten Wissens bleibt jedoch unverändert, da er EU-weit vorgegeben ist.
Führerschein-Preise: Verpflichtend transparent
Die Wahl der Fahrschule kann schnell einen preislichen Unterschied machen. Damit das in Zukunft einheitlich und transparent geht, möchte das Ministerium eine Datenbank schaffen. Hier müssten Fahrschulen verpflichtend vierteljährlich ihre Preise angeben. Verbraucher könnten dann über Vergleichsportale auf die Datenbank zugreifen und Fahrschulen vergleichen. Darüber hinaus würden Erfolgsquoten der Fahrschulen – also wie viele Prüflinge die praktische Prüfung auch bestehen – einsehbar gemacht werden.
Vereinfachung der Ausbildung von Fahrlehrern
Auch die Aus- und Weiterbildung von Fahrlehrerinnen und Fahrlehrern soll digitaler und weniger bürokratisch werden. Außerdem soll der Kreis der Fahrprüfenden erweitert werden: Statt nur amtlich anerkannter Sachverständiger sollen künftig auch Personen ohne Ingenieurstudium Prüfungen abnehmen können. Damit sollen Prüfungsengpässe verringert und der Zugang zu diesem Beruf erleichtert werden.
ADAC begrüßt Vorhaben
Aus Sicht des ADAC greift das Vorhaben des BMV ein für die Mitglieder wichtiges Thema auf. Die Reform könnte nicht nur Führerscheinanwärterinnen und -anwärter finanziell entlasten, sondern – wie in Österreich – auch die Verkehrssicherheit erhöhen. Mehr Fahrpraxis senkt nachweislich das Unfallrisiko. Die Möglichkeit zu Übungsfahrten mit erfahrenen Begleitpersonen noch vor der Prüfung wäre daher eine sinnvolle Ergänzung zu den unersetzbaren, qualitativ hochwertigen Fahrstunden. Die Vorschläge sind als Erweiterung des bisherigen Unterrichts zu verstehen und bieten aus Sicht des Clubs mehr Flexibilität für alle Beteiligten.