Tanken: Krieg in Nahost treibt Spritpreise nach oben

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Von Katharina Dümmer

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Anzeigetafel für Benzin
Irankrieg: Benzin und Diesel kosten deutlich mehr als vor Kriegsbeginn© Imagoimages/Rene Traut

Der Nahost-Konflikt lässt die Kraftstoffpreise erneut spürbar steigen. Hauptgrund ist der stark angezogene Ölpreis. Eine Entlastung an der Zapfsäule ist vorerst nicht in Sicht.

  • Update: Neues Maßnahmen-Paket ab Anfang April

  • Starker Preisanstieg bei Diesel

  • Ölpreis bei rund 109 US-Dollar

  • Mit diesen Tipps lässt sich etwas sparen

Wegen des Kriegs im Nahen Osten sind der Ölpreis und die Spritpreise zuletzt so hoch gestiegen wie seit Langem nicht mehr. Nach einer kurzen Stagnation steigen die Kraftstoffpreise wieder stark, vor allem der Dieselpreis. Grund dafür ist der hohe Ölpreis.

Hohe Spritpreise: Vor allem Diesel steigt stark

Benzin kostete am Donnerstag, 19. März, den elften Tag in Folge mehr als zwei Euro, Diesel seit knapp zwei Wochen. Für einen Liter Super E10 wurden am Donnerstag, 19. März, im Schnitt 2,068 Euro fällig. Der Liter Diesel kostete am Donnerstag 2,229 Euro. Von ihren Rekordhochs zu Beginn des Ukraine-Kriegs vor vier Jahren sind die Kraftstoffpreise aber noch ein Stück weit entfernt.

Auch am Freitag, 20. März, ziehen die Preise in der morgendlichen Spitze weiter kräftig an. Um 7.15 Uhr lag E10 bei 2,147 Euro pro Liter, Diesel bei 2,324 Euro. Sollte sich der Trend bestätigen, nähert sich Diesel dem bisherigen Höchststand aus dem März 2022 an.

Der ADAC wirft der Mineralölwirtschaft eine unangemessene Preissetzung an den Tankstellen vor. Der Anstieg der Benzinpreise ist unverhältnismäßig. Der ADAC fordert die Senkung der Energiesteuer sowie eine vollständige Weitergabe der Steuersenkung an Verbraucherinnen und Verbraucher.

Krieg in Nahost: Ölpreis steigt stark

Weil der Iran eine der wichtigsten Handelsrouten für Öltanker, die Straße von Hormus, blockiert, war der Ölpreis anfangs dramatisch gestiegen. Der Preis für ein Fass Öl der Nordseesorte Brent lag Anfang März kurzzeitig sogar bei 120 US-Dollar – in diesen Preisregionen befand sich der Ölpreis zuletzt 2022.

Nach einem kurzen Preisrückgang in den vergangenen Tagen sorgt der andauernde Krieg im Nahen Osten jetzt aber wieder für einen deutlichen Preisanstieg. Am Donnerstag, 19. März, lag der Ölpreis zeitweise bei 115 US-Dollar, im Schlusskurs bei ca. 109 US-Dollar.

Zum Vergleich: Am Freitag, 27. Februar, vor dem Beginn des Irankriegs, kostete ein Barrel Rohöl der Sorte Brent noch rund 72 US-Dollar.

Zerstörte Infrastruktur in Katar lässt Ölpreise steigen

Der deutliche Anstieg – besonders bei Diesel – ist nach Ansicht des ADAC Kraftstoffexperten Christian Laberer vor allem auf den höheren Brent-Ölpreis zurückzuführen. Zusätzlich treiben die Angriffe des Irans auf LNG-Infrastruktur in Katar die Dieselpreise, da längerfristige Ausfälle befürchtet werden. Während eine Sperrung der Straße von Hormus theoretisch kurzfristig aufgehoben werden könnte, wiegen zerstörte LNG-Förderanlagen deutlich schwerer.

Nationale Ölreserven freigegeben

Nach Einschätzung der ADAC Fachleute zeigen die Preissprünge beim Öl deutlich, wie groß die Verunsicherung derzeit ist und wie viel Bewegung im Weltmarkt steckt.

Um die Märkte zu beruhigen, geben Deutschland und die anderen 31 Mitgliedsländer der Internationalen Energieagentur (IEA) nun einen Teil der nationalen Ölreserven frei. Nach dem Start der Freigabe strategischer Ölreserven setzt die IEA auf eine schnelle Beruhigung der Märkte. "Angesichts dieser beispiellosen Maßnahme hoffe ich sehr, dass sich die Lage rasch klärt, damit sich die Märkte wieder erholen können", sagte IEA-Chef Fatih Birol in Paris.

Hohe Spritpreise: Maßnahmen der Bundesregierung

Als Reaktion auf die deutlich gestiegenen Spritpreise infolge des Irankriegs hat die Bundesregierung ein Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht. Geplant ist eine Verschärfung des Kartellrechts, um die Spritpreise im Zaum zu halten. Politiker hatten Mineralölkonzernen "Abzocke" vorgeworfen.

Zudem sollen Tankstellen nach österreichischem Vorbild künftig nur noch einmal am Tag, um 12 Uhr, die Preise erhöhen dürfen. Preissenkungen sollen jederzeit möglich sein. Verstöße könnten mit Bußgeldern bis zu 100.000 Euro geahndet werden, wie es aus Regierungskreisen hieß. Die neue Regel solle für mehr Transparenz und weniger kurzfristige Preissprünge an der Zapfsäule sorgen.

Für entsprechende Gesetzesänderungen wurde am Sonntag, 15. März, die Ressortabstimmung eingeleitet, wie ein Sprecher der Bundesregierung sagte. Die neue Regelung zur Preiserhöhung an den Tankstellen soll nach Angaben von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) spätestens Anfang April beschlossen werden.

ADAC zu Maßnahmen gegen überteuerte Spritpreise

Der ADAC konnte am Montag, 16. März, in der Task Force der Koalitionsfraktionen im Bundestag dafür werben, dass Maßnahmen gegen überteuerte Spritpreise schnell und wirksam umgesetzt werden müssen. ADAC Verkehrs- und Technikpräsident Karsten Schulze unterstrich nach der Sitzung:

Es ist gut, dass die Koalition die Preispolitik der Mineralölkonzerne in den Blick nimmt, denn in Deutschland sind die Kraftstoffpreise seit Beginn des Irankriegs teilweise doppelt so stark gestiegen wie in anderen europäischen Ländern.“

Karsten Schulze, ADAC Verkehrs- und Technikpräsident

Auch die Preisentwicklung bei HVO100 zeige, dass die Kraftstoffwirtschaft die volatile Lage dafür nutzt, Gewinne zu maximieren: HVO100 habe den Preisanstieg nach oben mitgemacht, ohne dass es dafür eine direkte Rechtfertigung über den Ölpreis gibt. HVO enthält kein fossiles Öl und ist damit unabhängig vom Rohölpreis. Hier müsse jetzt wirksam gegengesteuert werden.

In Bezug auf das sogenannte Österreich-Modell bleibt der ADAC skeptisch, ob sich dadurch niedrigere Preise erzielen lassen.

Prognose für Spritpreis schwierig

Angesichts der großen Unruhe und Verunsicherung im Markt und den damit verbundenen Schwankungen bei Öl- und Spritpreisen ist eine Prognose äußerst schwierig. Der Ölpreis ist in normalen Zeiten der zentrale Treiber für Veränderungen der Spritpreise.

Sprit sparen: Die 11 besten Tipps

Gut zu wissen: Spritpreise im Wochenvergleich.

Tanken im Ausland: Nicht immer günstiger

Nicht nur in Deutschland steigen die Kraftstoffpreise. Auch in etlichen anderen Ländern sind die Preise seit dem Irankrieg deutlich gestiegen. Zu den teuren Ländern zählen seit je Dänemark, die Niederlande und die Schweiz. Relativ günstig konnte man normalerweise etwa in Polen, Tschechien, Österreich oder Luxemburg tanken. Aktuell günstig ist der Sprit in Slowenien.

Inzwischen gibt es Medienberichte über Sprit-Engpässe in der Grenzregion zu Deutschland, etwa in Tschechien oder Polen, weil der Andrang an den Tankstellen zu groß geworden ist.

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Kosten sparen: Nicht morgens tanken

Doch auch wenn die Kraftstoffpreise derzeit stark ansteigen, gilt unverändert: Wer beim Tanken sparen möchte, sollte die Preisunterschiede im Tagesverlauf beachten und möglichst die besonders teure Phase zwischen 7 und 8 Uhr meiden. Ansonsten gilt in volatilen Zeiten wie aktuell mehr denn je: Preise vergleichen und gezielt zum Sparen günstige Tankstellen anfahren.

Preiserhöhung an Tankstellen nur einmal am Tag? Warum das Autofahrenden nichts bringt

Weitere Tipps zum Spritsparen

Neben einer spritsparenden Fahrweise helfen auch diese Tipps, die Tankkosten weiter zu reduzieren:

  • Die erstbeste Tankstelle ist nicht immer die günstigste: Autofahrende sollten deshalb vor dem Tanken Spritpreise vergleichen und an teuren Anbietern vorbeifahren. So spart man nicht nur, sondern fördert auch den Wettbewerb auf dem Kraftstoffmarkt. Die Preisunterschiede der Tankstellen betragen im Normalfall bis zu 13 Cent je Liter. Derzeit kann die Ersparnis etwas weniger sein. Tanken an Autobahntankstellen ist deutlich teurer.

  • Auf teures Super E5 verzichten: In der Regel vertragen alle Benziner ab Produktionsdatum November 2010 Super E10. Daher sollte man auf das teurere E5 nach Möglichkeit verzichten. So lassen sich je Liter im Schnitt weitere 6 Cent sparen.

  • Eine praktische Hilfe bei der Suche nach günstigen Tankstellen bietet die Spritpreis-App "ADAC Drive". Hier lassen sich rund um die Uhr die aktuellen Preise an den mehr als 14.000 Tankstellen in Deutschland vergleichen.

Keine Versorgungsengpässe zu befürchten

"Versorgungsengpässe sind nicht zu befürchten, weder bei Benzin und Diesel noch bei Heizöl oder Flugkraftstoff", heißt es vom Wirtschaftsverband Fuels und Energie. Ein Grund dafür ist, dass Deutschland Rohöl aus rund 30 Ländern beziehe. "Hauptlieferländer sind Norwegen, die USA, Libyen, Kasachstan und Großbritannien."

Zuversichtlich äußerte sich Wirtschaftsministerin Reiche: "Wir sehen keine Knappheiten bei Öl", sagte sie. "Im Gasmarkt sehen wir auch keine physischen Knappheiten."

Neue Verkehrsregeln, Spritpreise und Verbraucher-Tipps

Mit Material von dpa.