Spritpreise: Bundesregierung beschließt Senkung der Energiesteuer
Von Sabrina Doschek

Der Krieg in Nahost verursacht Rekordpreise bei Benzin und Diesel. Jetzt hat die Bundesregierung Entlastungsmaßnahmen beschlossen und eine Senkung der Energiesteuer verkündet.
Bundesregierung einigt sich auf Entlastung und senkt Energiesteuer um 17 Cent
Dieselpreis und Preis für E10 geben weiter leicht nach
Ölpreis steigt jedoch wieder an
Bundesregierung beschließt Entlastungsmaßnahmen
Angesichts der stark gestiegenen Spritpreise hat die Koalition am heutigen Montag, 13. April, Entlastungsmaßnahmen beschlossen. So soll die Energiesteuer auf Benzin und Diesel für einen Zeitraum von zwei Monaten um rund 17 Cent brutto pro Liter gesenkt werden. Ab wann genau die Energiesteuer gesenkt werden soll, ist noch unklar.
Zudem soll es Arbeitgebern ermöglicht werden, eine steuer- und abgabenfreie Entlastungsprämie in Höhe von 1.000 Euro zu zahlen. Eine ähnliche Prämie gab es in der Corona-Pandemie.
ADAC begrüßt Energiesteuer-Senkung
Der ADAC begrüßt die befristete Senkung der Energiesteuer um 17 Cent, mit der die Bundesregierung eine Forderung des ADAC aufgenommen hat.
Gleichzeitig fordert der Mobilitätsclub, dass diese Senkung auch bei den Autofahrern ankommt: "Es muss sichergestellt sein, dass sich die vollen 17 Cent an den Zapfsäulen niederschlagen", sagt ADAC Verkehrs- und Technikpräsident Karsten Schulze. Mineralölkonzerne müssten nachweisen, dass Preise angemessen sind und Steuersenkungen weitergegeben würden. "Dazu muss auch die angekündigte Verschärfung des Kartellrechts umgesetzt werden, so dass das Bundeskartellamt Zugriff auf relevante Daten erhält", so Schulze.
Dieselpreis und E10-Preis sinken
An den sechs Tagen nach Einführung des sogenannten Österreich-Modells (1. April 2026) hatte der Dieselpreis im Tagesdurchschnitt jeweils ein neues Allzeithoch erreicht. Zuletzt sind, erstmals seit fast zwei Wochen, sowohl Superbenzin der Sorte E10 als auch Diesel etwas billiger geworden. Am Sonntag, 12. April, kostete ein Liter Diesel im bundesweiten Durchschnitt 2,293 Euro – der Preis sank um 0,8 Cent zum Vortag.
Nach elf Anstiegen in Folge ist der Preis für E10 letzte Woche ebenfalls geringfügig zurückgegangen. Super E10 kostete am Sonntag, 12. April, 2,100 Euro und damit 0,1 Cent weniger als am Vortag. Am Ostermontag, 6. April, erreichte E10 mit 2,192 Euro je Liter den höchsten Stand des Jahres. Zum höchsten E10-Preis aller Zeiten, am 14. März 2022, kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, fehlte an diesem Tag nur noch 1 Cent.
Nach der Verkündung einer zweiwöchigen Waffenruhe im Irankrieg am 7. April hatten die zuletzt stark gestiegenen Ölpreise vorübergehend nachgegeben. Der Preis für ein Barrel Öl der Nordseesorte Brent lag am Wochenende vom 11. und 12. April im Bereich von 95 USD (ca. 81 Euro).
US-Blockade der Straße von Hormus lässt Ölpreis wieder steigen
Nach der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die Straße von Hormus zu blockieren, ist der Ölpreis allerdings wieder deutlich gestiegen und liegt nun (13. April) wieder oberhalb der Marke von 100 USD. Entsprechend wäre es nicht überraschend, wenn auch die Tagesdurchschnittspreise für Sprit wieder anziehen. Und selbst wenn es zu einer erneuten Entspannung kommen sollte, ist wieder mit dem sogenannten Rakete-und-Feder-Effekt zu rechnen – einem schnellen, starken Preisanstieg, auf den ein langsamer Rückgang folgt.
Ölpreis: Entwicklung im Vergleich zur Vorwoche
ADAC: Preisaufschläge sind unangemessen
Seit dem 1. April, mit Einführung des Österreich-Modells, setzten die Mineralölkonzerne ihre Preise stets deutlich herauf. Der Anstieg vom 1. auf den 2. April ließ sich noch teilweise nachvollziehen, weil auch Rohöl von einem auf den anderen Tag deutlich teurer wurde und sein Preis von 100 auf 110 US-Dollar stieg. Am Osterwochenende gab es diese Entwicklung wegen geschlossener Handelsplätze aber nicht.
Diesel hatte am Dienstag, 7. April, erstmals im bundesweiten Durchschnitt mehr als 2,50 Euro gekostet. Direkt nach der mittäglichen Erhöhung ermittelte der ADAC für 12.15 Uhr einen Preis von 2,502 Euro pro Liter. Das waren 9 Cent mehr als noch eine halbe Stunde zuvor. Super E10 verteuerte sich um 7,6 Cent auf 2,235 pro Liter. Sowohl die Anstiege als auch die Preise waren etwas höher als am Montag.
Österreich-Modell: Preiserhöhung nur einmal am Tag
Entlastung sollte seit 1. April die Einführung des Österreich-Modells bringen, bei dem die Spritpreise nur einmal am Tag angehoben, jedoch beliebig oft gesenkt werden dürfen. Die einmalige Preisanhebung erfolgt um 12 Uhr mittags eines jeden Tages. Damit ist der günstigste Zeitpunkt zum Tanken künftig kurz vor 12 Uhr – die bisherige Empfehlung, abends zu tanken, ist infolgedessen überholt.
Aus Sicht des ADAC hatte die Umstellung auf das Österreich-Modell das hohe Preisniveau nicht reduziert. Stattdessen hat es die Entwicklung nach oben eher befördert. Die Bezeichnung "Preisbremse" hat es damit nicht verdient, stattdessen ist es eher kontraproduktiv.
Keine Engpässe beim Sprit zu befürchten
Um die Märkte zu beruhigen, geben Deutschland und die anderen 31 Mitgliedsländer der Internationalen Energieagentur (IEA) nun einen Teil der nationalen Ölreserven frei.
Sprit-Engpässe wären laut Bundeswirtschaftsministerium ein absoluter "Worst Case", der nur durch eine anhaltende militärische Eskalation im Nahen Osten, kombiniert mit einer dauerhaften Blockade der Straße von Hormus, entstehen könnte. Derzeit gelangt jedoch weiterhin Rohöl ohne Einschränkungen nach Deutschland und die Lieferketten funktionieren – wenn auch zu deutlich höheren Preisen.
Engpässe gibt es deshalb aktuell nicht. Entspannung könnte nach Ansicht von ADAC Kraftstoffexperten eintreten, wenn die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC+) ab April ihre Fördermengen erhöht. Zusätzlich verfügt Deutschland über strategische Ölreserven, die eine Versorgung für rund 90 Tage selbst ohne jegliche Importe sicherstellen.
Da die Importe bislang allerdings weiterlaufen und die Reserven noch gut gefüllt sind, ist die Versorgung in Deutschland für mehrere Monate gesichert. Sollten sich die globalen Lieferbedingungen verschlechtern, würden die Preise zwar (weiter) stark steigen, gleichzeitig aber wohl auch der Verbrauch von Benzin und Diesel sinken. Deshalb ist davon auszugehen, dass die physische Versorgung – im Gegensatz zum Preisniveau – auch längerfristig stabil bleibt.
Benzinpreis und Dieselpreis im Wochenvergleich
Wie die aktuelle ADAC Auswertung vom Dienstag, 7. April, zeigt, verteuerte sich Diesel gegenüber der Vorwoche um 13,1 Cent je Liter, Super E10 um 8,1 Cent. So kostet Super E10 derzeit 2,188 Euro, vor einer Woche lag der Preis noch bei 2,107 Euro.
Für Diesel müssen die Autofahrerinnen und Autofahrer aktuell 2,447 Euro (Vorwoche: 2,316 Euro) bezahlen, so viel wie noch nie. Das bisherige Allzeithoch nach Beginn des Ukraine-Kriegs wurde mit Einführung des Österreich-Modells überschritten und im Laufe der vergangenen Woche an jedem Tag ein Stück weiter nach oben geschraubt.
Hoher Spritpreis: So lässt sich beim Tanken sparen
Neben einer spritsparenden Fahrweise lassen sich die Tankkosten mit diesen Tipps reduzieren:
Die erstbeste Tankstelle ist nicht immer die günstigste: Autofahrende sollten deshalb vor dem Tanken Spritpreise vergleichen und an teuren Anbietern vorbeifahren. Die Preisunterschiede der Tankstellen betragen im Normalfall bis zu 7 Cent je Liter, im Vergleich zu Autobahntankstellen sogar noch deutlich mehr. So spart man nicht nur, sondern fördert auch den Wettbewerb auf dem Kraftstoffmarkt.
Auf teures Super E5 verzichten: In der Regel vertragen alle Benziner ab Produktionsdatum November 2010 Super E10. Daher sollte man auf das teurere Super E5 nach Möglichkeit verzichten. So lassen sich je Liter im Schnitt weitere 5 bis 6 Cent sparen.
Eine praktische Hilfe bei der Suche nach günstigen Tankstellen bietet die Spritpreis-App "ADAC Drive". Hier lassen sich rund um die Uhr die aktuellen Preise an den mehr als 14.000 Tankstellen in Deutschland vergleichen.
Mitarbeit: Katharina Dümmer
Mit Material von dpa.