Auto-Reparaturen: Werden freie Werkstätten ausgebremst?

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Von Jochen Wieler

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Ein Mechaniker liest mit seinem Laptop Daten aus einem Auto
Um eine Diagnose stellen zu können, müssen Werkstätten auf die Fahrzeugdaten zugreifen können© iStock.com/Nansan Houn

Auch freie Werkstätten und Pannendienste müssen Zugang zu Fahrzeugdaten erhalten, um ein Auto reparieren zu können. Das regelt die EU. Doch in der Praxis hapert es.

  • Zugang zu Fahrzeugdaten entscheidend für Reparatur moderner Autos

  • ADAC für fairen Wettbewerb zwischen Marken- und freien Werkstätten

  • Höherer Aufwand für Werkstätten könnte höhere Preise nach sich ziehen

Genügte für die richtige Diagnose früher oft ein Blick unter die Haube, tun sich Werkstätten heute oftmals schwerer, wenn sie einem Defekt auf die Schliche kommen wollen. Ohne das Auslesen von Fahrzeugdaten geht heute kaum noch etwas. Moderne Fahrzeuge sind schließlich zu rollenden Computern geworden, mit unzähligen Steuergeräten und elektronischen Funktionen.

Zudem sind sie digital vernetzt, um Onlinedienste wie Echtzeit-Verkehrsinfos oder den Zugriff auf das Internet zu ermöglichen. Die Kehrseite des technischen Fortschritts: Selbst einfache Reparaturen erfordern heute Diagnosedaten, Online‑Freischaltungen oder Kalibrierungen von Steuergeräten.

Fairer Wettbewerb ist entscheidend

Umso wichtiger ist ein fairer und diskriminierungsfreier Zugang zu Reparatur‑ und Wartungsinformationen für unabhängige Werkstätten und Pannenhilfen. Die EU-Typgenehmigungsverordnung (EU) 2018/858 verpflichtet Fahrzeughersteller auch grundsätzlich dazu. Gleichzeitig verpflichten andere Vorgaben die Hersteller, Fahrzeuge besser gegen Cyberangriffe, also unbefugte Zugriffe von außen, abzusichern.

Um aber dem Konflikt zwischen Cybersicherheits-Anforderungen und dem für unabhängige Marktteilnehmer dringend erforderlichen Zugang zu Fahrzeugdaten Rechnung zu tragen, wurden auf EU-Ebene nun Änderungen bei der sogenannten Typgenehmigungsverordnung (Annex X) beschlossen. Diese regelt, wie ein Auto beschaffen sein muss, damit es auf den europäischen Markt kommen kann.

Aufwand für freie Werkstätten wird größer

Verschiedene Autos stehen in einer Autowerkstatt
Für freie Werkstätten erhöht sich der Aufwand bei der Reparatur vernetzter Autos© Shutterstock/Memory Stockphoto

Die Neuerungen im Annex X der Typgenehmigungsverordnung stellen zwar einen durchaus tragfähigen Kompromiss zwischen Sicherheit und Reparaturfreundlichkeit dar, sind aber in der praktischen Umsetzung mit Herausforderungen und neuen Einschränkungen verbunden.

So werden künftig etwa das Löschen von Fehlercodes bzw. des Fehlerspeichers sowie die Kalibrierung von Fahrzeugsystemen an verschärfte Autorisierungsanforderungen für freie Werkstätten und Pannenhilfeorganisationen geknüpft. Je "kritischer" der Eingriff in das Fahrzeug, desto strenger sind die Zugangsvoraussetzungen – etwa in Form von Identitätsnachweisen oder einer vorherigen Registrierung.

Reparaturen können damit stärker von Online‑Freischaltungen, herstellerspezifischen Schnittstellen, aber auch von speziell auf die Autohersteller zugeschnittenen Werkzeugen und Diagnosegeräten abhängen. Die Folge: Der Aufwand für freie Werkstätten und Pannenhilfeorganisationen wird größer und kann sich am Ende nachteilig auf Wettbewerb, Reparierbarkeit und Verbraucherpreise auswirken.

Kritisch: Hersteller haben Autorisierungsbefugnisse

Kritisch bewertet der ADAC, dass Fahrzeughersteller weitreichende Kontroll‑ und Autorisierungsbefugnisse erhalten. In vielen Fällen ist dafür eine dauerhafte Internetverbindung zwischen Diagnosegerät und Hersteller notwendig – eine Voraussetzung, die etwa in Pannen‑ oder Notfallsituationen nicht immer erfüllt werden kann. Es besteht die Gefahr, dass der freie Zugang zu Fahrzeugdaten übermäßig eingeschränkt wird.

Portrait von Karsten Schulze auf grauem Hintergrund

Nur durch einen fairen Wettbewerb bleiben Reparaturen auch in Zukunft bezahlbar.

ADAC Technikpräsident Karsten Schulze©ADAC/Stefanie Aumiller

ADAC Technikpräsident Karsten Schulze betont: "Voraussetzung für fairen Wettbewerb und bezahlbare Reparaturen ist, dass unabhängigen Betrieben ein direkter und zugleich sicherer Zugriff auf sämtliche fahrzeugbezogenen Daten ermöglicht wird – sofern und soweit der Fahrzeugbesitzer dem zustimmt. Nur so bleibt Reparieren auch in Zukunft bezahlbar."

Der ADAC wird die Umsetzung der neuen EU‑Vorgaben aufmerksam begleiten und sich weiterhin dafür einsetzen, dass technische Sicherheit nicht zulasten von fairem Wettbewerb und Verbrauchern geht.