Proteste in Paris und anderen Städten: Das gilt für Frankreich-Reisende

Gewaltsame Ausschreitungen in Paris und anderen Städten: Proteste im ganzen Land sorgen seit Wochen für Unruhe. Auch der Generalstreik am 5. November wurde von Gewalt und Brandstiftungen begleitet. Auf was sich Reisende einstellen müssen.
"Gelbwesten" planen Blockaden und Großdemonstrationen
Frankreich: Auswärtiges Amt rät, Demonstrationen zu meiden
Auto sicher abstellen und Versicherungsschutz vor Krawall-Schäden prüfen
Frankreich kommt nicht zur Ruhe: Für das anstehende November-Wochenende kündigten einige französische Gruppierungen und Gewerkschaften Proteste an. Mit dabei ist die Gelbwesten-Bewegung, die für Freitag, 6. November, Blockaden und für Samstag, 7. November, Großdemonstrationen plant.
Frankreich rüstet sich gegen neue Krawalle
Nach den landesweiten Protesten zum Monatswechsel und dem Generalstreik am Donnerstag, 5. November, der ebenfalls von Gewalt und Brandstiftungen begleitet wurde, sind neue Ausschreitungen und Krawalle wahrscheinlich. Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez droht den Demonstrierenden mit einem harten Durchgreifen der Polizei. Allein am Generalstreiktag waren 70.000 Polizisten im Einsatz.
Proteste in Frankreich treffen auch Touristen und Touristinnen
Von den Ausschreitungen betroffen waren bisher neben Paris auch etliche beliebte Großstädte wie Bordeaux, Grenoble, Lille, Lyon, Nantes, Nizza oder Marseille. Dabei kam es allerorts zu Straßenblockaden, Plünderungen sowie brennenden Autos. Die Polizei setzte bisweilen Tränengas und Wasserwerfer ein. Zahlreiche Geschäfte blieben vorsorglich geschlossen. Auch der weltberühmte Louvre in Paris war wegen einer Protestaktion zeitweise nicht zugänglich. Am Generalstreik-Tag, 5. November, war auch der Eiffelturm den ganzen Tag über geschlossen.
Die andauernden Proteste richten sich zwar nicht gegen Touristen und Touristinnen. Dennoch besteht die Gefahr, unbeabsichtigt in Ausschreitungen zu geraten. Städtereisende und Autofahrende sollten deshalb besonders vorsichtig sein.
Es ist auch weiterhin damit zu rechnen, dass es zu gesperrten Straßen und Metrostationen, unterbrochenen Buslinien sowie Schließungen von Sehenswürdigkeiten kommen kann. Zudem sind lokale nächtliche Ausgangssperren möglich, an die sich auch Reisende halten müssen. Besonders an bekannten Brennpunkten kann es zu Blockaden und Sperrungen kommen, etwa in Paris am Place de la République und an der Bastille.
Auf den Transitverkehr durch Frankreich haben sich die Ausschreitungen bislang nicht negativ ausgewirkt. Bei früheren Gelbwesten-Aktionen allerdings waren Autobahnblockaden häufiger. Auch der Betrieb an den Flughäfen war bislang nicht betroffen von den Krawallen.
Zugeständnisse der Regierung sollen Proteste entschärfen
Die landesweiten Demonstrationen richten sich gegen hohe Lebenshaltungskosten, marode Schulen und schlechte Lernbedingungen an Universitäten. Aber auch gegen hohe Spritpreise wird demonstriert. Vor allem zu Beginn der Aktionen verursachten Plünderungen, Brandstiftungen und Angriffe auf Rathäuser Millionenschäden.
Um auf die Protestierenden zuzugehen, hat die Regierung nun eine Anhebung des Mindestlohns in Aussicht gestellt. Zusätzliches Personal und mehr Mittel für Schulen wurde zugesichert. Mit der Freigabe von Dieselkraftstoff aus den französischen Reserven soll zudem für drei Monate das Tanken für Dieselfahrer preiswerter werden.
Frankreich: Auswärtiges Amt rät Reisenden zur Vorsicht
Eine Reisewarnung hat das Auswärtige Amt für Frankreich nicht ausgesprochen. Nach den jüngsten Ausschreitungen und vor den nächsten Demonstrationen rät das Auswärtige Amt aber zur Vorsicht. "Verhalten Sie sich umsichtig und meiden Sie Demonstrationen möglichst", heißt es bei den Reisehinweisen des Ministeriums. Weitere Ausschreitungen in den kommenden Tagen seien nicht auszuschließen.
Reisende sollten Anweisungen der französischen Sicherheitskräfte befolgen: "Beachten Sie, dass aufgrund von neuen Gesetzesänderungen Geldbußen und Schadensersatzforderungen drohen, wenn man sich nach Aufforderung nicht von ungenehmigten und gewalttätigen Demonstrationen entfernt."
Reiseplanung: Kostenlose Stornierung möglich?
Wer in nächster Zeit eine Frankreich-Reise plant, sollte sich vorher in den lokalen Medien oder bei seinem Reiseveranstalter bzw. Leistungsanbieter (Flug- oder Bahngesellschaft) über die aktuelle Lage informieren. Proteste können sich auch kurzfristig entwickeln und zu Einschränkungen im öffentlichen Raum führen.
Für all diejenigen, die ihre Frankreich-Reise nicht mehr antreten wollen: Allein die Sorge vor Protesten begründet normalerweise keinen Anspruch auf eine kostenlose Stornierung einer Pauschalreise. Bei individuell gebuchten Tickets für Flüge oder Bahnreisen ist ein kostenfreier Rücktritt des Reisenden möglich, wenn die Leistung nicht erbracht wird, es sei denn es ist vertraglich etwas anderes geregelt.
So schützen Sie Ihr Auto vor Schäden
Wer mit dem Auto nach Frankreich reist und sein Fahrzeug schützen möchte, sollte einige Dinge beachten:
Das Auto möglichst auf einem sicheren Parkplatz oder in einer bewachten Park- oder Hotelgarage abstellen, ggf. außerhalb der Innenstadt.
Keine Wertsachen oder Gegenstände im Auto lassen. Auch Taschen, Jacken, Dokumente oder Ladekabel sollten nicht sichtbar sein.
Fenster und Schiebedach schließen und das Auto abschließen. Zur Sicherheit kann der Zustand des Fahrzeugs mit Fotos festgehalten werden.
Werden bei den Krawallen Fahrzeuge in Brand gesetzt oder demoliert, entsteht oft ein hoher Sachschaden. Sind in Deutschland versicherte Fahrzeuge betroffen, kann es sein, dass eine Teilkaskoversicherung für Brandschäden oder auch zerbrochene Autoscheiben aufkommt. Mut- oder böswillige Beschädigungen können über eine Vollkaskoversicherung abgedeckt sein.
Reisende, die mit Auto nach Frankreich fahren, sollten bereits vor Fahrtantritt bei ihrem Versicherer nachfragen, wann für eventuelle Schäden aufgekommen wird und ob es einen vertraglich festgelegten Ausschluss beispielsweise für "Aufruhr und innere Unruhen" gibt.
Auto abgebrannt – wer zahlt? Und was gilt bei Brandstiftung?
Mit Material von dpa.