Zu viel Gas, Führerschein weg, MPU: Harte Konsequenz für Auto-Posing
Von Anabel Greefe

Wer mit aufheulendem Motor, starker Beschleunigung oder überlauter Musik wiederholt im Straßenverkehr auffällt, riskiert unter Umständen eine MPU und damit auch die Fahrerlaubnis. Das zeigt ein aktueller Beschluss des Verwaltungsgerichts Koblenz.
Wiederholtes Auto-Posing kann Zweifel an der Fahreignung begründen
Bei erheblichen oder wiederholten Verstößen kann eine MPU angeordnet werden
Nichtvorlage eines MPU-Gutachtens führt zur Entziehung der Fahrerlaubnis
Auto-Posing: Warum musste der 23-Jährige zur MPU?
Der 23-jährige Betroffene war mehrfach mit gemieteten Autos in der Koblenzer Innenstadt aufgefallen. Unter anderem beschleunigte er auf kurzen Strecken stark und verursachte erheblichen Motorenlärm. Hinzu kamen überlaute Musik und ein Geschwindigkeitsverstoß innerorts. Bei Polizeikontrollen zeigte er sich wiederholt uneinsichtig.
Wegen der wiederholten Auffälligkeiten forderte ihn die Fahrerlaubnisbehörde im Januar 2026 auf, ein medizinisch-psychologisches Gutachten (MPU) vorzulegen. Dieser Aufforderung kam der Mann aber nicht nach. Daraufhin entzog ihm die Fahrerlaubnisbehörde im Mai 2026 die Fahrerlaubnis. Dagegen legte der Mann Widerspruch ein und beantragte vorläufigen Rechtsschutz. Das Verwaltungsgericht Koblenz lehnte seinen Eilantrag ab (Beschluss vom 7. Oktober 2026, Az. 4 L 948/26.KO).
Gegen den Beschluss kann Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz eingelegt werden.
Warum hatte das Gericht Zweifel an der Fahreignung?
Das Gericht sah in dem wiederholten Auto-Posing ein charakterliches Defizit, das Zweifel an der Fahreignung begründete. Der 23-Jährige habe sein Bedürfnis nach Aufmerksamkeit über Verkehrsregeln und die Interessen anderer Verkehrsteilnehmer gestellt. Damit habe er einen "übersteigerten Geltungsdrang" erkennen lassen. Diese Zweifel durfte die Fahrerlaubnisbehörde nach Auffassung des Gerichts durch eine MPU klären lassen.
Wann kann eine MPU wegen Verkehrsverstößen angeordnet werden?
Auto-Posing führt nicht automatisch zum Führerscheinentzug. Im Koblenzer Fall kam es auf die wiederholten Auffälligkeiten, das Verhalten gegenüber der Polizei und schließlich auf die Nichtvorlage des angeordneten MPU-Gutachtens seitens des Betroffenen an.
Eine MPU ist nicht nur nach Alkohol- oder Drogenfahrten möglich. Die Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) sieht eine medizinisch-psychologische Begutachtung unter anderem bei einem erheblichen oder bei wiederholten Verstößen gegen verkehrsrechtliche Vorschriften vor. Im Koblenzer Fall hielt das Gericht eine frühzeitige Klärung der Fahreignung trotz des grundsätzlich vorrangigen Fahreignungs-Bewertungssystems für zulässig.
Was passiert, wenn man das MPU-Gutachten nicht vorlegt?
Fordert die Fahrerlaubnisbehörde rechtmäßig zur Vorlage eines MPU-Gutachtens auf, sollte man die Aufforderung nicht ignorieren. Denn legt man das geforderte Gutachten nicht fristgerecht vor, darf die Behörde unter den Voraussetzungen des § 11 Abs. 8 FeV daraus auf die fehlende Fahreignung schließen und die Fahrerlaubnis entziehen.
Fazit: Auto-Posing kann die Fahrerlaubnis gefährden
Der Beschluss zeigt: Wiederholte Verkehrsverstöße können über Bußgelder und Punkte hinaus Folgen für die Fahrerlaubnis haben. Begründen die Auffälligkeiten Zweifel an der charakterlichen Fahreignung, kann die Fahrerlaubnisbehörde unter den gesetzlichen Voraussetzungen eine MPU verlangen.