Flex raus, Kat weg: Katalysatoren-Klau nimmt erheblich zu

Foto eines Katalysators
Bei älteren Autos ist der Kat unter dem Wagenboden verbaut ∙ © stock.adobe.com/Dmitri Ilwayanenko

In Deutschland werden immer mehr Katalysatoren aus Fahrzeugen gestohlen. 2020 zählte die ADAC Straßenwacht 420 Kat-Diebstähle – 2021 bis Juli bereits 448! Der Trend ist alarmierend, die Dunkelziffer hoch. Warum die Kats bei Dieben begehrt sind und wie man sich gegen den Klau schützen kann.

  • Vor allem ältere Autos sind betroffen

  • Das Innenleben der Kats bringt viel Geld

  • Ersatz kann mehrere tausend Euro kosten

Alarmierende Zahlen von der ADAC Straßenwacht: Meldeten die Pannenhelfer 2015 noch 84 gestohlene Katalysatoren, sind 2020 schon 420 Kats geklaut worden. Die Auswertung der Daten des Jahres 2021 zeigt einen beunruhigenden Trend: Bis Mitte Juli wurden bereits 448 Kats entwendet. Hochgerechnet auf das volle Jahr würde das einer Verdoppelung zum Vorjahr entsprechen!

Katalysatoren sind eigentlich eine prima Sache: Sie sorgen dafür, dass der Luftschadstoff Kohlenmonoxid (CO) in Kohlendioxid (CO₂) umgewandelt wird – und deshalb sind sie seit Beginn der 90er-Jahre auch fester Bestandteil aller Autos. Dass sie inzwischen auch begehrtes Diebesgut sind, liegt aber nicht am gestiegenen Öko-Bewusstsein der Ganoven, sondern am wertvollen Innenleben der Kats.

Warum werden Katalysatoren gestohlen?

Katalysatoren enthalten kleinste Mengen der Edelmetalle Palladium, Platin und Rhodium. Da diese Edelmetalle sehr teuer sind und die Rohstoffpreise in jüngster Zeit stark angestiegen sind, lohnt sich das Recycling eines Katalysators, der bis zu fünf Gramm der Edelmetalle enthält.

Denn Platin wird aktuell mit 33 Euro pro Gramm gehandelt, Palladium mit 77 und für Rhodium werden sogar 770 Euro fällig. Nur zum Vergleich: Gold kostet in der gleichen Menge knapp 50 Euro. Für einen gebrauchten Katalysator bekommen die Diebe beim Recycler also teilweise mehrere hundert Euro.

Welche Autos sind betroffen?

Nach bisherigen Erkenntnissen sind vor allem ältere Fahrzeuge mit Benzinmotoren betroffen, bei denen der Dreiwege-Katalysator gut zugänglich in der Mitte des Wagenbodens verbaut ist. Offenbar erweisen sich die Voraussetzungen bei älteren Opel Astra, Toyota Prius und VW Polo als besonders günstig.

Bei Fahrzeugen jüngeren Datums wird der Katalysator sehr nah am Motor montiert, damit er sich nach dem Kaltstart schneller aufheizt und auf Betriebstemperatur kommt. Dort ist er allerdings für die Diebe deutlich schwerer zu erreichen. Es müsste die Motorhaube geöffnet oder die Unterverkleidung abgebaut und ggf. weitere Baugruppen entfernt werden. Der Ausbau würde merklich länger dauern, die Gefahr aufzufliegen, wäre deutlich größer. Außerdem enthalten Katalysatoren neuerer Modelle weniger Edelmetalle.

Für den Klau bocken die Täter die Fahrzeuge auf, durchtrennen das Abgasrohr vor sowie hinter dem Katalysator und machen sich binnen weniger Minuten mit dem entwendeten Kat wieder aus dem Staub. Je nach Standort des Fahrzeugs verwenden die Diebe unterschiedliche Werkzeuge: An lauten Straßen gerne mit Flex oder Elektrosäge, in ruhigen Wohngegenden mit einem Auspuff- oder Kettenrohrabschneider. 

Was tun nach einem Diebstahl? Und wer zahlt?

Ein gestohlener Katalysator macht sich durch ein sehr lautes Motorgeräusch bemerkbar, so dass die Fahrzeuge nicht mehr in der Öffentlichkeit bewegt werden dürfen. Außerdem entfällt die Abgasreinigung, wodurch ebenfalls die Straßenzulassung erlischt. Für das weitere Vorgehen empfiehlt sich:

  • Anzeige bei der Polizei erstatten

  • Versicherung informieren und prüfen, ob der Kat-Klau vom eigenen Kasko-Vertrag abgedeckt ist. In der Regel übernimmt den Schaden nach einem Diebstahl die Teilkasko, allerdings abzüglich der Selbstbeteiligung. Wer nur haftpflichtversichert ist – und das ist bei älteren Autos oft so –, bleibt auf den Kosten sitzen

  • Fahrzeug wegen Lärmbelästigung und fehlender Abgasreinigung auf einem Anhänger zur Werkstatt transportieren lassen

  • Bei alten Autos vor Auftragserteilung unbedingt ein Angebot erstellen lassen. Denn nur dann kann man ausschließen, dass ein wirtschaftlicher Totalschaden vorliegt. Ein neuer Katalysator kann mit Einbau je nach Modell und Stundensatz zwischen einigen hundert und mehreren tausend Euro kosten!

  • Und besser Finger weg von gebrauchten Katalysatoren, die auf Online-Auktionen angeboten werden. Dort ist meist schon an den Bildern zu erkennen, dass die Anschlussrohre unfachmännisch abgetrennt wurden. Achtung: An gestohlenen Katalysatoren kann kein Eigentum erworben werden. Wenn herauskommt, dass ein gekaufter Katalysator geklaut war (Hehlerware), muss er dem tatsächlichen Besitzer zurückgegeben werden. Das dafür bezahlte Geld ist von den Dieben meist nicht wieder zu bekommen

Wie kann man sich vor einem Diebstahl schützen?

  • Wenn möglich in einer abschließbaren Einzelgarage parken. Oder zumindest in gut beleuchteten Bereichen, so dass Diebe schneller auffallen

  • Helfen kann auch eine Alarmanlage mit Neigungsmelder, der das Aufbocken des Autos erkennt – oft auch mit direkter Benachrichtigung auf das Smartphone des Besitzers. Allerdings kann der Einbau bei älteren Autos unrentabel sein

  • Möglich ist auch eine zusätzliche Diebstahlsicherung des Katalysators. Die muss aber zugelassen sowie gegebenenfalls eingetragen sein und darf Bewegungen des Abgasstrangs bei Lastwechseln nicht behindern

Fachliche Beratung: Arnulf Thiemel, ADAC Technik Zentrum

Thomas Kroher
Redakteur
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