Hildegard Müller: "Wir sind gekommen, um zu bleiben"

VDA Präsidentin Hildegard Müller auf der IAA in München
VDA-Präsidentin Hildegard Müller auf der IAA Mobility in München ∙ © ADAC/Theo Klein

400.000 Besucher, mehr als 740 Aussteller, über 100 Neuvorstellungen: VDA-Präsidentin Hildegard Müller zieht eine positive Bilanz der IAA Mobility in München.


ADAC Redaktion: Die IAA Mobility überraschte mit einem komplett neuen Konzept. Wie sieht Ihr Fazit aus?

Hildegard Müller: Unser Mut, diese Veranstaltung so durchzuführen, hat sich gelohnt – und wurde von den Menschen belohnt. Zeitweise wäre eine Absage wegen der schwierigen, pandemiebedingten Randbedingungen vielleicht einfacher gewesen. Aber das Thema Mobilität der Zukunft musste jetzt in der Mitte der Gesellschaft ankommen. Die Bürgerinnen und Bürger nahmen die IAA Mobility mit ihren neuen Möglichkeiten wunderbar an. Das freut mich sehr.

Was hat sich bewährt?

Die Neuausrichtung der Messe hat sich als sehr erfolgreich erwiesen. Wir möchten mit den Menschen über Mobilität diskutieren und zeigen, wie innovativ wir sind. Dass wir mit Exponaten in die Stadt gehen und in den Dialog treten, ist insgesamt sehr gut angekommen – auch international. Insgesamt konnte die IAA Mobility 400.000 Besucher und 3500 Journalisten aus 95 Ländern begrüßen. Damit liegt die neue IAA Mobility 32 Prozent über dem Mittelwert der Tagesbesucher der letzten IAA in Frankfurt, und dies trotz der bestehenden Corona-Beschränkungen im internationalen Reiseverkehr.

Wir hatten über 740 Aussteller, über 100 Neuvorstellungen von Autos, E-Bikes bis zu den Innovationen der Zulieferer mit einem Schwerpunkt zum Thema Digitalisierung und Autonomes Fahren. Wenn ich sehe, wie gerade in den Medien darüber berichtet wird, wie insgesamt die Resonanz ist, bin ich sehr zufrieden. Auch die vielen Gespräche, die ich mit den Menschen hier vor Ort hatte, haben bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Lars Soutschka , Christoph Walter , VDA Präsidentin Hildegard Müller und Karlheinz Jungbeck beim Treffen am ADAC Messestand zur IAA  in München am Königsplatz
ADAC Vorstand Lars Soutschka, ADAC Südbayern-Geschäftsführer Christoph Walter, VDA-Präsidentin Hildegard Müller und ADAC Tourismuspräsident Karlheinz Jungbeck (v. l.) ∙ © ADAC/Theo Klein


Die Blue Lane von der Messe in die Innenstadt war oft durch Staus verstopft. Was hat ansonsten nicht geklappt?

Wir hätten uns natürlich eine coronafreie Veranstaltung gewünscht, damit die Gäste ohne Zugangsbeschränkungen die Open-Space-Bereiche in der Innenstadt besuchen können. Wie immer bei neuen Veranstaltungen gibt es Dinge, die man verbessern kann. Wir lernen dazu und werden es nächstes Mal noch besser machen.

Klar ist aber auch: Für eine Veranstaltung mit neuem Konzept, an einem neuen Ort und in Pandemiezeiten war das ein sehr gelungener Auftakt. Wir sind daher allen Beteiligten in der Stadt, im Freistaat Bayern, bei Rettungskräften, Sicherheitsdiensten und Polizei und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr dankbar. Ich danke natürlich auch dem ADAC sehr herzlich für seine Unterstützung, die von Anfang an eine große Hilfe war. Ich hoffe, auch Sie sind zufrieden mit Ihren Erfahrungen auf der IAA Mobility.

Warum ist das innovative Konzept der IAA Mobility gerade bei der Zielgruppe der Protestbewegten nicht angekommen?

Viele Proteste richten sich gegen ein Denken von vorgestern, das sind alte Feinbilder. Von uns wird neues Denken gefordert, das beweisen wir mit Innovationen, der Digitalisierung sowie allen Maßnahmen, Projekten und Konzepten zur klimaneutralen Mobilität – und mit dem gelebten Angebot zur Diskussion wie auf dieser IAA Mobility. Diese Offenheit zu neuem Denken fordern wir auch von unseren Kritikern ein. Insgesamt setzen wir uns für einen Dialogansatz ein, um herauszufinden, was die Menschen bewegt: Dialog, gerade auch mit denen, die anders denken als wir und uns häufig kritisieren.

Friedliche Proteste sind – und das möchte ich ausdrücklich betonen – wichtiger Teil der Demokratie. Leider wurde in München an mancher Stelle die Grenze des friedlichen Protests anderer überschritten. Ich hoffe, dass sich alle davon distanzieren, die an einem konstruktiven Dialog interessiert sind.

Die Autohersteller haben überwiegend E-Fahrzeuge präsentiert, oftmals haben aber die Exponate mit klassischem Verbrennungsmotor die Messebesucher besonders angezogen. Wäre es denn erfolgversprechend, die Messe deutlicher nach dem Interesse der Kundschaft auszurichten?

Die Besucher der IAA Mobility interessieren sich primär für Neuvorstellungen und Innovationen. Jeder weiß, was wir an klassischer Technologie zu bieten haben. Deshalb finde ich es schon richtig und wichtig, dass wir darstellen, wie unser Weg zur Klimaneutralität aussieht. Das ist unsere Generationenaufgabe. Die deutsche Autoindustrie ist auf die Zukunft sehr gut vorbereitet, das konnten wir eindrucksvoll darstellen. Und übrigens mit großem Interesse beim jungen Publikum: Etwa zwei Drittel unserer Besucher waren unter 40 Jahre alt.

Ministerpräsident Söder hat in seiner Eröffnungsrede gemeint, es sei ein Wunder, dass die IAA so lange in Frankfurt stattgefunden habe. Sie würde viel besser zu München passen. Hat sich die Stadt als Standort bewährt?

VDA Präsidentin Hildegard Müller zu Besuch am ADAC Stand auf IAA  am Königsplatz in München
ADAC Chefredakteur Martin Kunz (r.) und Stefan Dorner, Leiter Kommunikation beim ADAC Südbayern, im Gespräch mit Hildegard Müller ∙ © ADAC/Theo Klein

Wir sind sehr froh und dankbar, mit welch großem Aufwand und Engagement die Stadt, das Land, die Behörden und Aussteller wie der ADAC die IAA Mobility gemeinsam konstruktiv, kritisch konzipiert und erfolgreich umgesetzt haben. Auch der engagierte Einsatz der Rettungs- und Sicherheitskräfte und der Polizei haben einen sicheren Verlauf der IAA ermöglicht. Dafür vielen Dank!

Die neue Heimat für die IAA Mobility ist also München?

Ja, sehr gern. Wir sind gekommen, um zu bleiben.


Interview: Martin Kunz, Stefan Dorner

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