Ebola-Ausbruch: Wie hoch ist das Risiko für Europa?
Von Tanja Echter

Mit den steigenden Ebola-Fallzahlen in Zentralafrika wächst die Sorge vor einer weltweiten Ausbreitung. Wie die Krankheit übertragen wird und warum für Europa derzeit kein Grund zur Panik besteht.
Rasante Zunahme der Infektionszahlen
Kongo ist Epizentrum des aktuellen Ausbruchs
Krankheit verläuft häufig schwer
Wo liegt das Zentrum des Ebola-Ausbruchs?
Der aktuelle Ebola-Ausbruch betrifft vor allem die nordöstliche Provinz Ituri im Kongo, die an Uganda und den Südsudan grenzt. Das ebenfalls benachbarte Ruanda hat seine Grenze zum Osten des Kongo bereits geschlossen.
Erste Infektionen wurden schon Ende April registriert, offiziell gemeldet wurde der Ausbruch Anfang Mai. Nach Angaben der Behörden gibt es bislang 528 Verdachtsfälle und 132 vermutete Todesfälle. Die Zahlen gelten allerdings als vorläufig und sind nur teilweise labormedizinisch bestätigt.
Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus, da viele Erkrankungen nicht gemeldet werden. Die Ausbreitungsgefahr in Afrika wird als hoch eingeschätzt.
Um welche Ebola-Variante handelt es sich?
Bei den Infektionen handelt es sich um die Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus. Sie ist vergleichsweise selten. Experten zufolge gibt es derzeit keinen zugelassenen Impfstoff und keine spezifische Therapie gegen diese Virusform.
Warum ruft die WHO eine Notlage aus?
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den aktuellen Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda ungewöhnlich zeitnah als Notlage von internationaler Bedeutung eingestuft.
Dabei wich WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus erstmals vom üblichen Verfahren ab. Normalerweise wartet er die Empfehlung eines Notfallausschusses ab – diesmal erklärte er die Notlage bereits vor der Sitzung, weil er die Lage als besonders dringlich einschätzte.
Ernst, aber kein Grund zur Panik
Wie die WHO betont, soll das Ausrufen einer Notlage keine Panik schüren. Vielmehr wollen die Experten damit die internationale Aufmerksamkeit erhöhen, Zusammenarbeit fördern und betroffene Länder bei der Eindämmung des Virus unterstützen.
Ebola ist eine schwere und potenziell lebensgefährliche Krankheit. Um eine Ausbreitung einzudämmen, gibt es klare Mechanismen: Isolation von Erkrankten, Schutzmaßnahmen für Helfer sowie die Aufklärung der Bevölkerung.
Für Reisende gilt: Wer nicht in die betroffenen Regionen reist oder engen Kontakt zu Erkrankten hat, muss sich keine Sorgen machen. Achten Sie auf aktuelle Reisehinweise sowie die Empfehlungen des Auswärtigen Amtes.
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Wie hoch ist das Ebola-Risiko in Europa?
Für Europa und Deutschland besteht aktuell kein erhöhtes Ebola-Risiko für die Allgemeinbevölkerung. Das Virus wird nicht so leicht übertragen wie beispielsweise Atemwegsinfektionen.
Die internationalen Gesundheitsbehörden beobachten die Lage dennoch genau. Vor allem in Hinblick auf Infektionsfälle in Städten sowie an wichtigen Verkehrsknotenpunkten.
Ebola-Patient wird in Deutschland behandelt
Ein an Ebola erkrankter US-Bürger ist zur Behandlung in die Sonderisolierstation der Berliner Charité gebracht worden. Die US‑Behörden hatten Deutschland um Unterstützung gebeten, unter anderem wegen der vergleichsweise kurzen Flugzeit. Der Mann hatte sich bei seiner ärztlichen Tätigkeit in der Demokratischen Republik Kongo mit dem Ebola-Virus infiziert.
Wie wird Ebola übertragen?
Das Ebola-Virus wird nicht über die Luft, sondern durch direkten Körperkontakt übertragen:
Kontakt mit Blut oder Körperflüssigkeiten infizierter Personen
Kontakt mit verunreinigten Gegenständen (z.B. Kleidung, medizinische Geräte)
Kontakt mit Verstorbenen, etwa bei traditionellen Bestattungsritualen
Auch der Übertragungsweg von Tier auf Mensch ist möglich, etwa durch Kontakt mit infizierten Wildtieren oder den Verzehr von rohem Wildfleisch (Bushmeat).
Welche Symptome sind typisch bei Ebola?
Ebola gehört zu den sogenannten viralen hämorrhagischen Fiebererkrankungen und verläuft häufig schwer. Die Symptome sind zu Beginn meist unspezifisch und ähneln einer Grippe, was eine frühzeitige Diagnose erschwert und die Verbreitung begünstigt. Möglich sind:
Plötzliches Fieber
Starke Müdigkeit und Muskelschmerzen
Kopf- und Gliederschmerzen
Später oft Durchfall, Erbrechen und Bauchschmerzen
In schweren Fällen Blutungen und Organversagen
Wie kann Ebola behandelt werden?
Es kursieren mehrere Varianten des Ebola-Virus, unter anderem die Zaire-Variante, die Sudan-Variante und die Bundibugyo-Variante (aktueller Ausbruch). Gegen Bundibugyo existiert bislang kein wirksamer Impfschutz. Der gegen Ebola verfügbare Impfstoff wirkt nur gegen die Zaire-Variante, die unter anderem einen großen Ausbruch in den Jahren 2014 und 2015 mit über 11.000 Todesfällen verursachte.
Die Behandlung der Bundibugyo-Variante konzentriert sich auf die Stabilisierung des Kreislaufs, den Ausgleich von Flüssigkeitsverlusten sowie eine intensive medizinische Betreuung. Je früher Infizierte medizinisch versorgt werden können, desto besser die Überlebenschancen.
Mit Material von dpa.